Rechnungswesen-Kennzahlen: So interpretieren Sie Kennzahlen
Inhalt
- Wie interpretieren Sie Rechnungswesen-Kennzahlen richtig, um fundierte Entscheidungen in Ihrem Unternehmen zu treffen?
- Arten und Funktionen von Rechnungswesen-Kennzahlen
- Falsche Entscheidungen kosten mehr
- Rechnungswesen-Kennzahlen richtig einsetzen
- Absolute Kennzahlen
- Relative Kennzahlen
- Darstellung und Präsentation von Kennzahlen
- Interpretation von Rechnungswesen-Kennzahlen
- Beispiel
- FAQ: Rechnungswesen-Kennzahlen
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Rechnungswesen-Kennzahlen sind essenzielle Werkzeuge, um die finanzielle Gesundheit eines Unternehmens zu bewerten und fundierte strategische Entscheidungen zu treffen. Wichtig ist nicht die Menge der Daten, sondern die Auswahl relevanter, aktueller und nachvollziehbarer Zahlen, die den spezifischen Informationsbedarf der Führungsebene abdecken. Nur wenn Kennzahlen korrekt interpretiert und in einen Kontext gesetzt werden, dienen sie als wirksames Frühwarnsystem und vermeiden teure Fehlentscheidungen.
Die wichtigsten Punkte:
- Falsche Entscheidungen kosten oft mehr als der Aufwand zur korrekten Datenermittlung.
- Absolute Kennzahlen wie Bilanzsumme sind ohne Vergleich wenig aussagekräftig.
- Relative Kennzahlen zeigen Verhältnisse, erfordern aber ebenfalls sorgfältige Interpretation.
- Kennzahlen müssen auf die spezifischen Bedürfnisse und die Unternehmenskultur abgestimmt sein.
- Steigende Lagerbestände können die Lieferfähigkeit verbessern, aber das Working Capital verschlechtern.

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Wie interpretieren Sie Rechnungswesen-Kennzahlen richtig, um fundierte Entscheidungen in Ihrem Unternehmen zu treffen?
Arten und Funktionen von Rechnungswesen-Kennzahlen
Wahrscheinlich wird sich das Rechnungswesen in Ihrem Unternehmen bei seiner Aufgabenerfüllung auf bestimmte Zahlen stützen. Doch liegen diese Zahlen in der erforderlichen Verdichtung, aktuell und am Informationsbedarf ausgerichtet vor?
Nicht selten sind die vorhandenen Informationen veraltet oder widersprüchlich und erreichen nicht die Stellen im Unternehmen, wo sie aktuell benötigt werden. Ein typisches Praxisbeispiel sind die betriebswirtschaftlichen Auswertungen des Steuerberaters oder der eingesetzten Finanzbuchhaltungsprogramme. Sie spiegeln sicherlich die finanzielle Situation des Unternehmens wider – ein Einsatz zur Verbesserung von Abläufen und Prozessen ist damit aber sicher nicht möglich.
Falsche Entscheidungen kosten mehr
Natürlich ist es mit einem gewissen Aufwand verbunden, zusätzlich zu den Daten des Rechnungswesens weitere – aber entscheidungsrelevante – Daten bereitzustellen. Sie sollten aber berücksichtigen, dass falsche Entscheidungen deutlich mehr Geld kosten können. Und gerade im Umfeld von kleinen und mittleren Unternehmen drohen schnell böse Überraschungen. In letzter Konsequenz tragen Sie und Ihre Führungskräfte hierfür die Verantwortung – gegenüber Ihren Mitarbeitern, Lieferanten, Kreditgebern und Gesellschaftern. Zudem lassen sich rein emotionale Entscheidungen nur schwer begründen, sodass der Bedarf an “harten Fakten” nicht nur innerhalb des Unternehmens evident ist: Regelmässig erwarten Kreditgeber, Investoren und Geschäftspartner deutlich mehr Informationen, als aus der Bilanz und der Gewinn-und-Verlust-Rechnung hervorgehen.
Um den Aufwand zur Ermittlung der erforderlichen Kennzahlen möglichst gering zu halten, ist es von besonderer Bedeutung, dass …
- bei der Beschaffung und Aufbereitung der Informationen der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit beachtet wird.
- die Zahlen nachvollziehbar und überprüfbar sind. Hierzu sollten die Kennzahlen und die in sie einfliessenden Daten genau beschrieben werden.
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- eine Informationsüberflutung vermieden wird. Es geht nicht darum, jeder Führungskraft einen Wust von Zahlen zur Verfügung zu stellen, sondern darum, ihnen die erforderlichen Informationen in verdichteter und aufbereiteter Form zu präsentieren.
- die verwendeten Daten den in Ihrem Unternehmen konkret vorhandenen Informationsbedarf abdecken. Es reicht keinesfalls aus, lediglich irgendwelche Standardkennzahlen zu verwenden.
Rechnungswesen-Kennzahlen richtig einsetzen
Wenn Sie Rechnungswesen-Kennzahlen richtig einsetzen, sind sie hervorragend geeignet, um die für Ihr Unternehmen relevanten Informationen übersichtlich und verständlich darzustellen. Mit den richtigen Kennzahlen fassen Sie alle wichtigen Daten und Parameter zusammen. Dabei hilft Ihnen die komprimierte Darstellung, sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Wenn Sie zudem Kennzahlen mit Zielen verknüpfen und die Zielerreichung in regelmässigen Abständen überprüfen, können Sie sie sogar als Frühwarnsystem einsetzen. Das grösste Problem besteht dabei darin, für Ihr Unternehmen die richtigen Kennzahlen auszuwählen.
Absolute Kennzahlen
In Betracht kommen zunächst sowohl absolute als auch relative Kennzahlen. Absolute Kennzahlen sind insbesondere im Rahmen der Bilanzanalyse von Bedeutung. Typische Kennzahlen sind beispielsweise der Gewinn vor Steuern, Umsatzerlöse, das
Eigenkapital, die Bilanzsumme etc. Der grösste Nachteil dieser Kennzahlenart ist darin zu sehen, dass es sich hierbei lediglich um Momentaufnahmen aus der Vergangenheit handelt, sodass sie für sich allein wenig aussagekräftig sind. Interessant werden sie erst bei perioden- oder unternehmensübergreifenden Vergleichen (Benchmarking).
Relative Kennzahlen
Demgegenüber bringen relative Kennzahlen ein bestimmtes Verhältnis zum Ausdruck. So spiegelt beispielsweise die Umsatzrendite das Verhältnis zwischen Gewinn und Umsatz wider. Dennoch sind relative Kennzahlen ebenso interpretationsbedürftig wie absolute Grössen.
Grundsätzlich steht Ihrem Produktionscontrolling eine Vielzahl von Kennzahlen zu allen erdenklichen Bereichen und Sachverhalten zur Verfügung. “Zahlenfriedhöfe” bringen Sie jedoch nicht weiter. Zusammen mit Ihren Führungskräften sollten Sie daher zunächst entscheiden, für welche Unternehmensbereiche welche Informationen erforderlich sind und welche Zusammenhänge Sie langfristig überwachen wollen. Beispielsweise ist es wenig sinnvoll, für einmalige Ad-hoc-Entscheidungen ein ausgeklügeltes Kennzahlensystem zu entwerfen.
Checkliste
- Prüfen Sie, ob vorliegende Daten aktuell, verdichtet und am Informationsbedarf ausgerichtet sind.
- Stellen Sie sicher, dass alle verwendeten Kennzahlen und Eingangsdaten genau beschrieben und überprüfbar sind.
- Vermeiden Sie eine Informationsüberflutung durch zu viele Standardkennzahlen ohne Bezug zum Unternehmen.
- Beachten Sie den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit bei der Beschaffung und Aufbereitung von Informationen.
- Definieren Sie gemeinsam mit Führungskräften, welche Unternehmensbereiche überwacht werden sollen.
- Verknüpfen Sie ausgewählte Kennzahlen mit konkreten Zielen und überprüfen Sie die Zielerreichung regelmässig.
- Analysieren Sie Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Kennzahlen, um negative Nebeneffekte zu erkennen.
- Nutzen Sie Kennzahlen als Frühwarnsystem, statt sie nur als historische Momentaufnahme zu betrachten.
- Vermeiden Sie rein emotionale Entscheidungen und stützen Sie sich auf harte Fakten gegenüber Partnern.
Darstellung und Präsentation von Kennzahlen
Neben einer sachgerechten Auswahl spielen auch die Darstellung und Präsentation von Rechnungswesen-Kennzahlen eine grosse Rolle. Trotz einer übersichtlichen Darstellung als Chart oder Ampel droht bei zu vielen Kennzahlen die Gefahr, über das eigentliche Ziel der Informationsversorgung hinauszuschiessen. Ein buntes Cockpit mit zahlreichen blinkenden Ampeln mag zwar schön anzusehen sein, hilft Ihnen aber garantiert nicht weiter. Die folgende Auswahl an allgemeinen Produktionskennzahlen kann daher nur als Anregung dienen, die für Ihr Unternehmen relevanten Kennziffern zu definieren.
Interpretation von Rechnungswesen-Kennzahlen
Allerdings ist bei der Interpretation von Rechnungswesen-Kennzahlen immer zu beachten, dass jeder Betrieb etwas Besonderes ist. Diese Aussage bezieht sich nicht nur auf die Branchenzugehörigkeit, Grösse oder Struktur, sondern auch auf Kultur, Innovationskraft und Selbstverständnis. Das bedeutet: Unabhängig davon, welche Hilfsmittel bei Ihnen zur Unternehmenssteuerung zum Einsatz kommen, sind diese immer nur auf Ihre ganz speziellen betriebsspezifischen Bedürfnisse auszurichten.
Darüber hinaus sollten Sie noch beachten, dass sich die positive Entwicklung einer Kennzahl negativ auf andere Kennzahlen auswirken kann. Folgendes Beispiel mag diese Zusammenhänge verdeutlichen:
Beispiel
Zur Verbesserung Ihrer Lieferfähigkeit können Sie beispielsweise die Lagerbestände erhöhen. Wenn Sie Ihr Ziel erreichen, verschlechtert sich – unter sonst gleichen Bedingungen – eine andere bedeutende Kennzahl: das Working Capital. Diese und andere gegenseitigen Abhängigkeiten sind ohne ausreichendes Produktionscontrolling kaum zu diagnostizieren.
Daraus folgt, dass Kennzahlen im Rechnungswesen nicht nur Hinweise auf das Erreichen bestimmter Ziele liefern sollen, sondern darüber hinaus aufzeigen, wie sie sich im Verhältnis zu anderen Kernziffern verhalten.
FAQ: Rechnungswesen-Kennzahlen
Warum sind absolute Kennzahlen allein nicht aussagekräftig?
Absolute Kennzahlen wie der Gewinn vor Steuern oder die Bilanzsumme stellen lediglich Momentaufnahmen der Vergangenheit dar. Erst durch perioden- oder unternehmensübergreifende Vergleiche (Benchmarking) erhalten sie eine echte Aussagekraft.
Was ist das Hauptproblem bei der Auswahl von Kennzahlen?
Das grösste Problem besteht darin, für das spezifische Unternehmen die richtigen Kennzahlen auszuwählen, die den tatsächlichen Informationsbedarf abdecken und nicht einfach Standardwerte ohne Kontext nutzen.
Wie können sich positive Entwicklungen in einer Kennzahl negativ auswirken?
Beispielhaft lässt sich dies an der Lagerhaltung zeigen: Eine Erhöhung der Lagerbestände verbessert die Lieferfähigkeit, verschlechtert jedoch unter sonst gleichen Bedingungen das Working Capital. Diese Abhängigkeiten müssen im Controlling berücksichtigt werden.
Warum sind relative Kennzahlen interpretationsbedürftig?
Relative Kennzahlen drücken ein Verhältnis aus, wie etwa die Umsatzrendite zwischen Gewinn und Umsatz. Dennoch bedürfen sie einer sorgfältigen Interpretation, da auch sie ohne Kontext und Vergleichswerte missverstanden werden können.
Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur bei der Kennzahlennutzung?
Jeder Betrieb ist einzigartig, was Branchenzugehörigkeit, Grösse, Struktur, Kultur und Innovationskraft betrifft. Daher müssen Hilfsmittel zur Unternehmenssteuerung immer auf die ganz speziellen betriebsspezifischen Bedürfnisse ausgerichtet werden.