06.05.2019

Handelskalkulation: So ermitteln Sie Ihre Produktkosten

Die Kalkulation gehört zu den zentralen betriebswirtschaftlichen Aufgaben jedes Handelsunternehmens, weil die Selbstkosten der Produkte eine massgebliche Grundlage für die Preisfestlegung darstellen. Weitere bzw. alternative Möglichkeiten zur Preissetzung im Handel orientieren sich in der Praxis aber ebenso an der Nachfrage (z.B. der Preissensibilität der Kundschaft, oder Kaufkraft), an der Konkurrenz (in Abhängigkeit von der Wettbewerbsintensität sowie der Austauschbarkeit der Warensortimente) oder dem Warenrisiko (erkennbar am Modegrad der Ware oder dem Haltbarkeitsdatum).

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch  DruckenTeilen 

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und seit Januar 2019 Leiter des Departments Business Analytics & Technology sowie Mitglied der Schulleitung. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

Handelskalkulation

Aufgaben der Handelskalkulation

Allgemein besteht die Aufgabe der Kalkulation darin, die entstandenen Kosten eines Produkts (verstanden als Kostenträger) möglichst verursachungsgerecht zu ermitteln und zuzuordnen. Hinsichtlich der Anlässe einer Kalkulation kann eine Vorkalkulation auf Basis von Plandaten grundsätzlich zur Preisfestlegung und Angebotsabgabe gegenüber den Kunden erforderlich werden, während eine Nachkalkulation auf Basis von Istdaten eher als Kontrollinstrument verstanden werden kann, um einen allfällige Anpassungsbedarf bei Preisen und Produktkosten zu erkennen. Allerdings ist die Handelskalkulation kaum zu vergleichen mit der Produktkalkulation in anderen Wirtschaftszweigen, weil es im Handel durch vielfältige Konditionen gegenüber dem Kunden vor allem darum geht, die Erlöswirkungen dieser Konditionen in der Kalkulation abzubilden. Dagegen ist die Zusammensetzung der genauen Produktkosten im Vergleich zu produzierenden Unternehmen kaum von Bedeutung, weil der Einstandspreis bzw. Bezugspreis der Handelswaren regelmässig extern bestimmt wird und nur zum Teil beeinflussbar ist.  

Wesensmerkmale der Handelskalkulation  

Die methodische Ausgangsbasis für die  Handelskalkulation bildet das Verfahren der Zuschlagskalkulation. Diese geht davon aus, dass zunächst die Produkteinzelkosten exakt ermittelt werden können und anschliessend auf der Einzelkosten-Basis die jeweiligen Gemeinkosten mittels Zuschlagssatz ermittelt und zugerechnet werden. Somit gilt allerdings, dass je höher die Einzelkosten sind, desto höher fallen auch die Gemeinkosten aus. Im Unterschied zur Zuschlagskalkulation in produzierenden Unternehmen, in denen neben Materialgemeinkostenzuschläge ebenso Fertigungsgemeinkostenzuschläge sowie Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkostenzuschläge zum Einsatz kommen.  

In der Handelskalkulation werden die Warenkosten auch als Einstandskosten bezeichnet. Die Einstandskosten entsprechen dem Saldo des Kontos Warenaufwand und umfassen somit nicht nur den Einstandspreis sondern ebenso allfällige Bezugskosten (Anschaffungsnebenkosten wie Transport, Zölle u.a.). Der Nettoerlös (NE) ist der Saldo des Kontos Warenertrag.  

Im Gegensatz zur Kalkulation in produzierenden Unternehmen ist bei der Handelskalkulation zu beachten, dass sich bei einigen Positionen der Prozentsatz von «vom Hundert» auf «auf Hundert» ändert, weil aus der Käufersicht und somit retrograd kalkuliert wird. So zieht der Käufer beispielsweise vom gültigen Listenpreis einen erhaltenen Rabatt ab um zum Preis zu gelangen, während in der in der Handelskalkulation allfällige Rabatte nicht als Abzug sondern als Zuschlag rechnerisch berücksichtigt werden müssen, um zum Abgabepreis zu gelangen.  

Vorgehensweise anhand eines Beispiels  

Die folgende Abbildung zeigt das Vorgehen und die Rechenmethodik anhand eines Praxisbeispiels auf:

Handelskalkulation    

Das oben aufgeführte Schema zeigt die traditionelle Handelskalkulation, welche vor allem die Wirkungen des Konditionenwettbewerbs auf die Preisbildung transparent macht. Während der Gewinnzuschlag (Marge) noch in Prozent von der Bezugsbasis Selbstkosten und damit «vom Hundert» gerechnet wird, wechselt die Rechenmethodik anschliessend. Dies zeigt die Berechnung des Skonto-Betrags für Käufer in Höhe von 2% «auf Hundert», wobei die Basis der Netto-Zielverkaufspreis darstellt. Erst bei der Berechnung der Mehrwertsteuer ändert die Rechenmethodik dann wieder, da der Mehrwertsteuer-Prozentsatz auf die Bezugsbasis Listenverkaufpreis, netto, vom Hundert gerechnet wird.  

Das Beispiel zeigt ebenfalls, dass der Rabatt in Prozenten vom Katalog- oder Listenverkaufspreis abgezogen wird. Typische Rabatte im Handel sind der Wiederverkaufsrabatt (Rabatt für Käufer, die eingekaufte Waren weiterverkaufen), der Mengenrabatt (prozentualer Preisnachlass beim Bezug von grossen Mengen), der Sonderrabatt (für Aktionen oder spezielle Anlässe) oder der Treuerabatt (verfolgt das Ziel, die Kundenbindung zu fördern). 

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Weiterentwicklung durch die DPR-Methode  

Ähnlich wie in der Industrie führte die zunehmende Technisierung und Automatisierung in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Gemein- und Fixkostenanteile an den Gesamtkosten des Handels. Dies bewirkte ein gestiegenes Kostenbewusstsein, das sich nicht nur auf die Warenkosten, sondern auch auf die Logistikkosten (Handling) erstreckte. Warenkosten beinhalten den Einkaufspreis sowie alle direkt mit der Ware zusammenhängenden Kosten. Kosten, die durch den Betriebsprozess innerhalb des Handelsunternehmens zusätzlich entstehen, stellen Logistikkosten für das Handling der Waren dar. Während die Warenkosten zu Einstandspreisen selbst kaum Handlungsspielraum für Kostenreduktionen bieten, haben sich Handelsunternehmen in den letzten Jahren verstärkt mit der Kostensenkung im Bereich der Logistik-Gemeinkosten befasst.  

Daher gibt es mit der Methode der Direkten Produkt-Rentabilität (DPR) einen neueren Ansatz, der ergänzend zur traditionellen Handelskalkulation die Gemeinkosten den einzelnen Artikeln verursachungsgerecht zuzurechnen versucht. Vor allem die Optimierung der Warendistribution zwischen Handel und Industrie soll zu einer stärkeren Reduktion der Logistikkosten führen, so dass der reine Konditionenwettbewerb etwas in den Hintergrund tritt. Nach der DPR-Methode werden vom Rohgewinn eines Artikels die direkten Kosten abgezogen, womit  der Deckungsbeitrag der nicht zurechenbaren Kosten und des Gewinns als Ergebnis verbleibt. Im Gegensatz zur traditionellen Handelskalkulation, die die Kosten der Warendistribution und Warenlogistik nicht explizit erfasst, sondern allenfalls innerhalb des Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkostenzuschlags implizit berücksichtigt, liefert die DPR-Methode deshalb mehr Transparenz für eine gezielte Sortiments- und Konditionensteuerung.  

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