12.09.2018

Finanzierungsformen: Welche Finanzierungsarten gibt es?

Die Vielfalt der Unterscheidungskriterien zeigt die Komplexit├Ąt der Finanzierung. In Praxis und Theorie wird der Begriff Unternehmensfinanzierung entsprechend unterschiedlich definiert und behandelt. Neben den bekannten Finanzierungsformen werden auch weitere Sonderformen der Finanzierung wie z.B. das Leasing oder das Factoring aufgezeigt. Finanziert wird nicht nur durch Fl├╝ssige Mittel, denn Finanzierungseffekte k├Ânnen z.B. auch durch Sacheinlagen, Wertanpassungen bei Sanierungen oder infolge Wechsel des Rechnungslegungsstandards auftreten.

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Unterschiede Finanzierungsformen

Finanzierungsformen k├Ânnen nach verschiedenen Kriterien unterschieden werden: Herkunft der beschafften Mittel (Innen- bzw. Aussenfinanzierung), Finanzierungsanlass (Unternehmensgr├╝ndung, Erweiterungsfinanzierung, Umfinanzierung, Sanierung), Kapitalbedarf (Objektfinanzierung, Finanzierung der Gesamtunternehmenst├Ątigkeit), Dauer der Finanzierung (kurz-, mittel- und langfristige Finanzierung).

Bei den Finanzierungsformen nach der Herkunft des beschafften Kapitals unterscheidet man grunds├Ątzlich zwischen der Aussen- und der Innenfinanzierung: Bei der Aussenfinanzierung wir Kapital von unternehmensexternen Kapitalgebern bereitgestellt. Zur Aussenfinanzierung geh├Âren die Beteiligungsfinanzierung und die Kreditfinanzierung. Im Rahmen der Innenfinanzierung wird Kapital durch die operative Leistungserstellung generiert. Zur Innenfinanzierung z├Ąhlen die Selbstfinanzierung und evtl. auch die Desinvestitionen.

Aussenfinanzierung

Aussenfinanzierung bedeutet die Bereitstellung von Kapital, welches der Unternehmung von aussen ├╝ber den Kredit- oder Kapitalmarkt zur Verf├╝gung gestellt wird. Dazu geh├Âren zum einen die Beteiligungsfinanzierung und zum anderen die Kreditfinanzierung. Die Unterscheidung h├Ąngt davon ab, ob das Eigenkapital durch Kapitaleinzahlungen oder z.B. Sacheinlagen erh├Âht wird oder ob der Unternehmung das Kapital leihweise als Fremdkapital zur Verf├╝gung gestellt wird.

Beteiligungsfinanzierung

Die Beteiligungsfinanzierung f├╝hrt zur Erh├Âhung des Eigenkapitals einer Unternehmung durch Kapitalzufluss. Die Art und Weise des Kapitalzuflusses h├Ąngt von der Unternehmensform ab. In der Schweiz gibt es nachfolgende Unternehmensformen:             

Das Eigenkapital steht der Unternehmung in der Regel unbefristet, d.h. andauernd bis zur Aufl├Âsung oder aber bei K├╝ndbarkeit (Kollektiv- und Kommanditgesellschaft) befristet zur Verf├╝gung. Die Eigent├╝mer haben jedoch sp├Ątestens bei der Liquidation der Unternehmung einen anteilsm├Ąssigen Anspruch auf das Eigenkapital.

Kreditfinanzierung

Die Kreditfinanzierung bezieht sich auf das von Dritten leihweise (meistens gegen Zinszahlung) ├╝berlassene Kapital (auch als Fremdkapital bezeichnet). Es wird der Unternehmung von Dritten f├╝r eine bestimmte Zeitspanne zur Nutzung ├╝berlassen und ist stets r├╝ckzahlungspflichtig. Das Fremdkapital dient zur Deckung des Kapitalbedarfs, f├╝r den der Unternehmer oder die Beteiligten nicht aus eigener Kraft aufkommen k├Ânnen oder wollen. Im Gegensatz zum Eigenkapital hat das Fremdkapital keine Haftungsfunktion. Der Anspruch der Gl├Ąubiger beschr├Ąnkt sich auf die H├Âhe des ausgewiesenen (nominellen) Forderungsbetrags. 

In der Praxis wird ├╝blicherweise eine Gliederung der Kreditfinanzierungskontrakte gem├Ąss Fristigkeit vorgenommen. Dabei wird wie folgt unterschieden:      

  • Kurzfristiges Fremdkapital: Verpflichtungen, die innerhalb eines Jahres erf├╝llt werden m├╝ssen.
  • Mittelfristiges Fremdkapital: Verpflichtungen, die innerhalb 1-5 Jahren f├Ąllig werden, die u.U. jedoch auch kurzfristig k├╝ndbar sind (3-6 Monate).
  • Langfristiges Fremdkapital: Verpflichtungen, die in mehr als 5 Jahren f├Ąllig werden, die u.U. jedoch auch mit einer Frist von etwa 6 Monaten k├╝ndbar sind.

Innenfinanzierung

Die Innenfinanzierung besteht vor allem aus der Selbstfinanzierung. Selbstfinanzierung wird traditionell mit dem einbehaltenen Gewinn gleichgesetzt. Neuere Auffassungen sehen in der Selbstfinanzierung die selbst erarbeiteten Mittel, d.h. den operativen Cashflow. Desinvestitionen werden in der Praxis oft auch zur Innenfinanzierung gez├Ąhlt.

Selbstfinanzierung aus einbehaltenem Gewinn

Durch Gewinnr├╝ckbehalt wird die Eigenkapitalbasis des Unternehmens gest├Ąrkt. Motive f├╝r die Selbstfinanzierung aus Gewinnr├╝ckbehalt sind:               

  • Wachsender Eigenkapitalbedarf infolge von zunehmendem Risiko.           
  • Keine Auswirkung auf Beteiligungsver├Ąnderungen.                 
  • Evtl. steuerliche Aspekte.  

Man unterscheidet bei der Selbstfinanzierung aus einbehaltenem Gewinn die             

  • offene Selbstfinanzierung durch Gutschrift der einbehaltenen Gewinne in die Reserven (gesetzliche/Freie Reserven, andere Reserven) und die           
  • verdeckte Selbstfinanzierung. Bei der verdeckten Selbstfinanzierung wird verdecktes Eigenkapital durch Bildung von stillen Reserven gebildet.

Selbstfinanzierung aus operativem Cashflow

Die Selbstfinanzierung kann im Sinne der Beschaffung liquider Mittel mit dem generierten operativen Cashflow (Mittelzufluss aus Gesch├Ąftst├Ątigkeit f├╝r eine Abrechnungsperiode) gleichgesetzt werden. Der operative Cashflow dient dann z.B. zur Finanzierung von Investitionen oder zur R├╝ckzahlungen von Fremd- und Eigenkapital.

Sonderformen der Finanzierung: Leasing und Factoring

Unter Leasing wird die Vermietung oder Verpachtung von Investitions- und langlebigen Konsumg├╝tern verstanden. Grunds├Ątzlich wird das Leasinggesch├Ąft zwischen dem Hersteller, dem Leasinggeber und dem Leasingnehmer abgewickelt. Der Leasinggeber erwirbt das gew├╝nschte Anlagegut vom Hersteller und ├╝berl├Ąsst es dem Leasingnehmer f├╝r eine festgelegte Nutzungsdauer gegen Bezahlung einer einmaligen Geb├╝hr sowie periodischer Leasingraten.  

Beim sale and lease-back verkauft der Eigent├╝mer ein bisher in seinem Eigentum befindliches Objekt und leased dieses anschliessend wieder zur├╝ck. Leasing ist mittlerweile bei nahezu allen Investitionen einsetzbar. Als Vorteile des Leasings werden genannt:     

  • Die Kaufpreiszahlung entf├Ąllt. Die meist monatlich anfallenden Leasingraten k├Ânnen ├╝ber die durch die Nutzung des Leasinggegenstandes generierten Cashflows gezahlt werden.             
  • F├╝r die Nutzungsdauer des Leasinggegenstandes wird im Normalfall eine feste, d.h. gleichbleibende Rate vereinbart. Damit sind in der Regel die Kosten mittel- und langfristig kalkulierbar. Konditionen sind nicht mehr geld- oder kapitalmarktabh├Ąngig.          
  • Dienstleistungen der Leasinggesellschaft k├Ânnen in den Vertrag einbezogen werden, so dass beispielsweise Einsparungspotentiale bei Verwaltungs- oder Personalkosten realisiert werden k├Ânnen.           
  • DasRisiko von Fehlinvestitionen kann dadurch gemildert werden, dass bei Abschluss eines entsprechenden Leasingvertrages das ungeeignete Investitionsgut gegen ein besser geeignetes getauscht werden kann.  

Beim Leasing wird zwischen operativem (operating) Leasing und finanziellem (financial) Leasing unterschieden. Financial Leasing liegt nach FER 13 Ziff. 3 vor, wenn eines der nachfolgenden Kriterien erf├╝llt wird:          

  • Bei Vertragsabschluss der Barwert der Leasingraten sowie eine allf├Ąllige Restzahlung in etwa dem Anschaffungs- bzw. Marktwert des Leasinggutes entspricht.              
  • Die erwartete Leasingdauer nicht wesentlich von der wirtschaftlichen Nutzungsdauer des Leasinggutes abweicht. 
  • Das Leasinggut am Ende der Leasingdauer ins Eigentum des Leasingnehmers ├╝bergehen soll.
  • Eine allf├Ąllige Restzahlung am Ende der Leasingdauer wesentlich unter dem damaligen Marktwert liegt.  

Leasinggesch├Ąfte, die gem├Ąss diesen Kriterien nicht als Financial Leasing qualifiziert werden, werden dem Operating Leasingzugerechnet. In der Rechnungslegung werden das Operating und das Financial Leasing unterschiedlich behandelt, indem              

  • das Operating Leasing wie einMiet- und Pachtvertrag behandelt wird (Leasingraten als periodischer Aufwand) und  
  • das Financial Leasing als kauf├Ąhnlicher Vorgang erfasst wird. Demnach wird das Leasingobjekt aktiviert und die k├╝nftigen Leasingraten als Schuld an die Leasinggeber passiviert.

Unter Factoring versteht man den regresslosen Ankauf von Warenforderungen durch den Factor, der diese Forderungen bis zur F├Ąlligkeit bevorschusst und zugleich das volle Kreditrisiko ├╝bernimmt. Der Factor ist in der Regel eine Factoringgesellschaft, welche die Debitorenbuchhaltung einschliesslich dem Mahnwesen und dem Inkasso ├╝bernimmt. Die Kosten f├╝r das Factoring bestehen aus dem Diskontabschlag auf die verkauften Forderungen, der infolge der zun├Ąchst nicht darstellbaren Laufzeitfixierung im Nachhinein, d.h. nach Eingang der Forderungen, berechnet wird, und der Delkrederegeb├╝hr, die sich nach dem jeweils vom Factor in Ansatz gebrachten Risiko bemisst. Als Vorteile des Factorings werden genannt:              

  • Verk├╝rzung der Debitorenlaufzeit.             
  • Einsparungen von Verwaltungskosten, z.B. beim Mahnwesen und in der Debitorenbuchhaltung. 
  • Debitorenrisiko und damit Wertberichtigungen entfallen.             
  • Warenkreditversicherungen fallen weg.

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