Finanzierung: Factoring als Alternative

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Factoring ermöglicht Schweizer KMU eine schnelle Liquiditätsbeschaffung durch den Verkauf von Forderungen an einen spezialisierten Partner, ohne zusätzliche private Sicherheiten leisten zu müssen. Im Gegensatz zu starren Bankkrediten wächst diese Finanzierungsform automatisch mit dem Unternehmen mit und übernimmt zudem das Debitoren-Management sowie das Ausfallrisiko. Unternehmen können so ihre finanzielle Flexibilität erhöhen und den Fremdkapitalmix ausgewogener gestalten.

Die wichtigsten Punkte:

  • Factoring finanziert ausschliesslich über den Verkauf von Forderungen, keine privaten Bürgschaften nötig.
  • Der Factor übernimmt das Ausfallrisiko und das gesamte Debitoren-Management.
  • Die Finanzierung passt sich automatisch der Unternehmensentwicklung an, keine festen Amortisationspläne.
  • Factoring ergänzt Bankkredite sinnvoll, ist aber bei reiner Kostenbetrachtung teurer.
05.02.2026 Von: Patrick Langenauer
Finanzierung

Wann ist Factoring eine sinnvolle Alternative zu Bankkrediten für Schweizer KMU?

Die monatliche Bankenstatistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zeigte per Ende März 2022: Unternehmen mit einer Betriebsgrösse bis und mit neun Mitarbeitern beanspruchten Bankenfinanzierungen von rund CHF 270 Mrd. Nur gerade CHF 25 Mrd. oder 9,3% der Gesamtausleihungen von Banken an KMU genannter Grössenordnung waren ungedeckt. Nicht in der SNB-Statistik aufgeführt sind Finanzierungsalternativen wie Factoring oder Crowdlending. Diese Formen können einem Unternehmen zu einer ausgewogenen Finanzierung verhelfen.

Grenzen einer Bankenfinanzierung

Von 2016 bis März 2022 nahmen gemäss SNB die Bankenfinanzierungen an KMU bis und mit 9 Mitarbeitenden um CHF 63.5 Mrd. zu, wobei das Wachstum auschliesslich mit gedeckten/besicherten Krediten generiert wurden. Die Unternehmensfinanzierung über Banken funktioniert grundsätzlich gut in der Schweiz. Kantonal-, Raiffeisen-, Regional- und Grossbanken sind sich ihrer Verantwortung gegenüber dem lokalen Gewerbe bewusst und suchen Finanzierungslösungen. Mit Schaffung von speziellen Gefässen können Finanzinstitute auch Jungunternehmen in der Startphase unterstützen. Folgendes gilt es bei Bankenfinanzierungen aber zu beachten:

  • Regulierungen und Eigenkapitalunterlegungsvorschriften setzen einer Bankfinanzierung Grenzen.
  • Der Initialprozess für die Aussetzung eines Kredits und die laufende Überwachung des Engagements durch die Bank ist aus Sicht vieler Gewerbetreibender mit hohen Aufwendungen verbunden (jährliche Einreichung von Jahresabschlüssen, Budgets, Liquiditätsplanung, Steuererklärungen etc.).
  • Übersteigt der Unternehmenskreditbedarf den «Kreditappetit» der Bank, sind zusätzliche – meist private Sicherheiten – zu liefern.
  • Klassische Bankkredite sind eher starr und passen sich nicht flexibel der Geschäftsentwicklung an.
  • Erfahrungsgemäss sind Bankfinanzierungen innert 4 bis 6 Jahren zu amortisieren, was die finanzielle Flexibilität und damit verbundene Unternehmensentwicklung erheblich limitiert.

Schränken die genannten Punkte das Unternehmen zu sehr ein, sind weitere Optionen zu prüfen. Zusätzliche Formen der Aussenfinanzierungen sind Factoring, Leasing oder Crowdlending, wobei die letzten beiden Finanzierungsarten sich tendenziell für Investitionsgüter eignen. Factoring als Instrument der Umlaufvermögensfinanzierung bzw. -bewirtschaftung ist weniger bekannt und spielt in der Schweiz im Gegensatz zu Deutschland eine untergeordnete Rolle.

Die Alternative Factoring kurz erklärt

Beim Factoring tritt eine Firma Forderungen gegenüber ihren Kunden/Abnehmern an ein spezialisiertes Finanzunternehmen – Factor genannt – ab. Der Factor bezahlt die ausstehenden Summen sofort bei Übernahme der Forderungen an die verkaufende Firma, übernimmt das Ausfallrisiko und erledigt das Debitoren-Management. Dafür werden eine Factoring-Gebühr und ein Zins verrechnet.

Checkliste

  • Haben Sie offene Forderungen gegenüber Kunden, die Sie schnell in Liquidität umwandeln möchten?
  • Sind Sie bereit, administrative Aufgaben wie die Debitorenbuchhaltung auszulagern?
  • Suchen Sie eine Finanzierungslösung, die keine zusätzlichen privaten Sicherheiten erfordert?
  • Wächst Ihr Unternehmen dynamisch und benötigen Sie eine flexible Finanzierung, die mitwächst?
  • Ist die Reduzierung der Abhängigkeit von Bankkrediten ein strategisches Ziel?
  • Können Sie die Factoring-Gebühren und Zinsen im Verhältnis zum Mehrwert (Risikominderung, Entlastung) tragen?
  • Sind Sie bereit, vertrauensbasierte Zusammenarbeit und transparente Offenlegung von Daten mit dem Factor zu pflegen?

Chancen mit Factoring

Mit Factoring besteht in Situationen, in denen ein Bankkredit die Umlauffinanzierungsbedürfnisse des KMU nicht erfüllt, eine Alternative. Folgende Merkmale kennzeichnen das Factoring:

  • Die Ausgestaltung des Factorings richtet sich nach den unternehmerischen Möglichkeiten, unter Einhaltung von Standesregeln.
  • Gegenseitiges Kennenlernen sowie Vertrauen ist Basis für die Zusammenarbeit und damit die Einreichung gewisser Unterlagen für die erstmalige Prüfung unerlässlich. Läuft das Factoring, erhält das KMU vom Factor wertvolle Führungsinformationen zu seinen Debitoren.
  • Die Finanzierung erfolgt einzig über den Verkauf von Forderungen. Es sind keine weiteren Sicherheiten wie private Solidarbürgschaften oder Schuldtitel zu hinterlegen.
  • Das Factoring wächst automatisch mit dem Unternehmen mit.
  • Amortisationen sind keine zu leisten, die Debitoren sind dafür besorgt.
  • Die Finanzierungsabhängigkeit von Banken kann reduziert und der Fremdkapitalmix ausgewogener gestaltet werden.

Das Dienstleistungsspektrum von Factoring geht weit über die Finanzierung hinaus und bietet KMU einen echten Mehrwert, insbesondere bei der Entlastung von administrativem Aufwand und Minderung des Zahlungsausfallrisikos. Die Auslagerung der Debitorenbuchhaltung in Kombination mit der Finanzierung an einen professionellen Partner ist je nach Unternehmenssituation sinnvoll, da die Steuerung der Unternehmensliquidität zentraler Baustein der finanziellen risikogerechten Führung ist.

Fazit zum Thema Factoring

Die Nutzung von Factoring schliesst eine parallele Bankfinanzierung nicht aus und kann Bestandteil einer ausgewogenen Finanzierung sein. Wird Factoring auf den Finanzierungsteil reduziert und mit Bankkrediten verglichen, kann es konditionell nicht mithalten und ist zu teuer. Die Unternehmensführung muss bei der Finanzierungswahl die Factoring-Mehrwerte den Kosten gegenüberstellen und im Sinne der zukünftigen Unternehmensentwicklung entscheiden.

FAQ: Finanzierung

Was unterscheidet Factoring von einem klassischen Bankkredit?

Beim Factoring werden Forderungen verkauft, wodurch keine zusätzlichen Sicherheiten nötig sind und die Finanzierung mit dem Umsatz wächst. Bankkredite hingegen sind starr, erfordern oft private Bürgschaften und müssen in festgelegten Fristen amortisiert werden.

Wer trägt das Risiko bei Zahlungsausfällen im Factoring?

Der Factor übernimmt das Ausfallrisiko für die übernommenen Forderungen. Das Unternehmen ist somit vor Zahlungsausfällen seiner Kunden geschützt.

Schliesst Factoring eine parallele Bankfinanzierung aus?

Nein, Factoring schliesst eine Bankfinanzierung nicht aus. Beide Formen können Bestandteil einer ausgewogenen Finanzierung sein, wobei Factoring besonders die Umlaufvermögensfinanzierung ergänzt.

Warum ist Factoring in der Schweiz weniger verbreitet als in Deutschland?

In der Schweiz spielt Factoring traditionell eine untergeordnete Rolle, obwohl es als Instrument der Umlaufvermögensfinanzierung viele Vorteile bietet. In Deutschland ist die Nutzung hingegen deutlich stärker etabliert.

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