Währungsrisiken: Möglichkeiten zur Absicherung
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Währungsrisiken belasten direkt die Liquidität und den Unternehmenswert, insbesondere bei Exportgeschäften in Euro oder US-Dollar. Schweizer Unternehmen müssen zwischen Transaktions-, Translations- und ökonomischen Risiken unterscheiden, um die richtigen Gegenmassnahmen zu ergreifen. Zu den bewährten Instrumenten gehören Devisentermingeschäfte, Natural Hedging durch lokale Wertschöpfung im Ausland sowie die strategische Wahl der Fakturierungs- oder Forfaitierungswährung.
Die wichtigsten Punkte:
- Exportorientierte KMU sind besonders anfällig für Wechselkursschwankungen, da diese den Ertrag und die Liquidität mindern können.
- Devisentermingeschäfte (Forwards) ermöglichen es, zukünftige Währungsumsätze zu einem heute festgelegten Kurs abzusichern.
- Natural Hedging reduziert das Risiko, indem Umsätze und Kosten im Ausland in derselben Währung anfallen.
- Die ausschliessliche Fakturierung in Schweizer Franken verlagert das Risiko auf den Kunden, ist aber marktmässig oft schwer durchsetzbar.
- Forfaitierung überträgt das Risiko an Banken, ist jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden.

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Wie können Schweizer Unternehmen Währungsrisiken durch gezielte Absicherungsmassnahmen minimieren?
In Kürze: Währungsrisiken können Cashflow, Liquidität und Unternehmenswert spürbar belasten. Besonders exportorientierte Schweizer Unternehmen sollten Wechselkursrisiken gezielt analysieren und passende Absicherungsmassnahmen prüfen. Dazu zählen Devisentermingeschäfte, Natural Hedging, Forfaitierung oder eine geeignete Fakturierungswährung.
Wie wirken sich Währungsrisiken aus?
Währungsrisiken sind in mehrfacher Hinsicht relevant, denn sie beeinträchtigen nicht nur die Cash Flows der Unternehmen, sondern reduzieren darüber hinaus auch den Unternehmenswert, die Vermögenswerte (z.B. ein vorhandener Devisenbestand) oder andere Ergebnisgrössen. Dazu ein Beispiel: Wird im Fall eines Exportgeschäfts zwischen einem Schweizer Exporteur und dem Kunden im Euro-Raum vereinbart, dass der Kunde den Rechnungsbetrag nicht in Schweizer Franken sondern in Euro schuldet, dann besteht das Währungsrisiko darin, dass der Exporteur im Zeit des Rechnungsausgleichs durch den Kunden weniger Euro erhält, als ursprünglich (zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bzw. der Offerten-Erstellung) kalkuliert wurde. Der Exporteur trägt in diesem Fall das volle Kursrisiko, welches zu sinkenden Einzahlungen führt und somit den Ertrag als auch die Liquidität eines Exporteurs erheblich belasten wird.
Wenn wie im Falle der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die SNB der Euro gegenüber dem Schweizer Franken um 20% abgewertet wird, verteuern sich auf einen Schlag alle Exportprodukte für die Kunden im gleichen Umfang, wenn Verkäufe in Schweizer Franken abgerechnet werden.
Warum schwanken Währungen überhaupt?
Wechselkurse sind als Preis für eine fremde Währung zu verstehen. Dieser Preis ist jedoch im Falle flexibler Wechselkurse nicht festgelegt, sondern ergibt sich marktbezogen durch Angebot und Nachfrage. Im Falle eines festen Wechselkurses ist eine Währung dagegen fest an eine andere Währung gekoppelt. Eine weitere Variante ist ein stufenflexibler Wechselkurs, bei dem die Nationalbank bzw. Notenbank eines Landes einen Toleranzbereich festlegt, innerhalb dessen die Landeswährung im Verhältnis zu einer Leitwährung schwanken darf. Dies war für den Wechselkurs von Euro zu Schweizer Franken seit der Intervention der SNB im Herbst 2011 der Fall, da hierdurch ein Mindestwert von Fr. 1.20 pro Euro garantiert wurde. Auch wenn eine solche Massnahme die kurz- bis mittelfristige Wechselkursparität festlegt und so das Wechselkursrisiko für die betroffenen Unternehmen massgeblich reduziert wird, erfordert ein stufenflexibler Wechselkurs doch fortwährende Anpassungen der Schweizer Nationalbank um die Währungsparität im Zielbereich und somit oberhalb von 1.20 zu halten.
Welche Arten von Währungsrisiken gibt es?
Generell bezeichnet das Währungsrisiko die Unsicherheit über das Tauschverhältnis zwischen der Fremdwährung und der Referenzwährung (bzw. Landeswährung) zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft.
Das Währungsrisiko kann aus Unternehmenssicht wie folgt in Erscheinung treten:
- entstehen Verluste durch die Umrechnung von Fremdwährungspositionen der Bilanz zum Bilanzstichtag handelt es sich um das sogenannte Translationsrisiko.
- im Rahmen der zukünftigen finanziellen Abwicklung geschäftlicher Aktivitäten (Import, Export, Investitionen, Finanzanlagen u.a.) handelt es sich um ein Transaktionsrisiko, weil die zugrunde liegende Transaktion und damit verbundene Cash flows zu einem heute unbekannten Wechselkurs vollzogen wird.
- als Ökonomisches Risiko gilt das Risiko von nachhaltigen Änderungen der Währungsparitäten, welche langfristig die Konkurrenzfähigkeit der inländischen Unternehmen beeinträchtigt.
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Sind alle Schweizer Unternehmen gleichermassen betroffen?
Währungsschwankungen betreffen neben Unternehmen der Tourismuswirtschaft vor allem exportorientierte Schweizer Unternehmen aus den produzierenden Branchen wie z.B. Maschinenbau, Chemie und Elektro, die ihre Produkte im Ausland verkaufen. Dagegen hat beispielsweise die Swisscom kaum Bedarf, sich gegen Währungsrisiken abzusichern.
Bei international agierenden Schweizer Unternehmen, die wie an verschiedenen Standorten weltweit produzieren, wirkt sich das Währungsrisiko weit weniger aus, da die Umsätze in lokaler Fremdwährung auch direkt im Land wieder für Löhne, Material etc. ausgegeben werden. Dieses sogenannte «Natural Hedging» sorgt dafür, dass ein allfälliges Währungsrisiko ohne weitere Anpassungsmassnahmen verringert werden kann.
Checkliste
- Bestandsaufnahme aller offenen Fremdwährungspositionen in Bilanz und Prognose.
- Unterscheidung der Risikoarten: Transaktions-, Translations- und ökonomisches Risiko.
- Prüfung, ob Natural Hedging durch lokale Produktion oder Einkauf im Ausland möglich ist.
- Evaluation der Verhandlungsmacht bezüglich der Fakturierungs- oder Rechnungswährung.
- Kontaktierung der Hausbank zur Besprechung von Devisentermingeschäften (Forwards, Swaps).
- Kostenevaluation einer Forfaitierung für grosse Exportforderungen.
- Überwachung der Wechselkursentwicklung für relevante Währungspaare (EUR/CHF, USD/CHF).
- Integration von Währungsrisiken in die langfristige Finanzplanung und Liquiditätsprognose.
- Schulung des Vertriebs und des Controllings zu Währungsmechanismen und -risiken.
- Regelmässige Überprüfung und Anpassung der Hedging-Strategie bei Marktveränderungen.
Mit welchen Massnahmen lassen sich Währungsrisiken verringern oder vermeiden?
Eine wirksame aber schwer durchsetzbare Sicherungsmassnahme zur Vermeidung des Transaktionsrisikos wäre die ausschliessliche Fakturierung in Schweizer Franken, weil für diesen Fall ein Kunde im Ausland das gesamte Kursrisiko alleine trägt. Angesichts der Grösse und wirtschaftlichen Bedeutung des europäischen Währungsraums und seiner Mitgliedsländer bleibt dies jedoch aufgrund der ungleichen Machtverhältnisse im Markt eine absolute Ausnahme.
Eine weit verbreitete Absicherung ist der Abschluss eines Devisentermingeschäfts (Forward) z.B. in Form von Swap- oder Optionsgeschäften. Ein Schweizer Exporteur verkauft dann die Devisen, die er später bekommen, schon heute zu einem festgelegten Kurs, wobei jede konvertible Währung auf jeden gewünschten Termin zum Terminkurs gekauft oder verkauft werden kann. Der Terminkurs besteht aus dem Kassakurs und einem Auf- oder Abschlag (sogenannter Swapsatz), der sich auf Grund der Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungen berechnet.
Durch eine Forfaitierung werden die Forderungen gegenüber ausländischen Kunden aus dem Exportgeschäft an Banken und Forfaitierungsgesellschaften verkauft, wodurch die Möglichkeit besteht, das Wechselkursrisiko an die erwerbende Bank oder Forfaitierungsgesellschaft abzuwälzen, allerdings lassen sich diese die Risikoübernahme auch entsprechend bezahlen, so dass eine Fortfaitierung finanziell weniger attraktiv ist.
Die Wahl einer alternativen Fakturierungs-Währung wie z.B. US-Dollar anstelle von Euro kann ein weiteres Mittel darstellen, obwohl auch der US-Dollar teils starken Schwankungen ausgesetzt ist, jedoch im Moment dem Euro vorzuziehen ist. Dennoch bewegen sich Unternehmen mit dieser Massnahme im spekulativen Bereich.
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Fazit
Kein exportierendes Unternehmen steht den Währungsschwankungen hilflos gegenüber. Bereits heute ist für viele Unternehmen die Absicherung der Währungsrisiken z.B. durch Devisentermingeschäfte geübte Praxis. Die aktuellen Währungsturbulenzen erhöhen daher die Aufmerksamkeit der Unternehmen hinsichtlich effektiver und zugleich bezahlbarer Sicherungsmassnahmen.
FAQ: Währungsrisiken
Welche Währungsrisiken sind für Schweizer KMU am gefährlichsten?
Das Transaktionsrisiko ist für KMU oft am kritischsten, da es die direkten Cash Flows aus Export- oder Importgeschäften betrifft. Ein unvorhergesehener Wechselkursverlust kann hier die Marge eines Geschäfts direkt aufzehren.
Was ist der Unterschied zwischen einem Forward und einer Option?
Ein Forward (Termingeschäft) verpflichtet beide Parteien, die Währung zu einem festgelegten Kurs und Zeitpunkt zu tauschen. Eine Option gibt dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht, zu einem bestimmten Kurs zu tauschen, was mehr Flexibilität bietet, aber meist mit einer Prämie verbunden ist.
Können Schweizer Unternehmen Währungsrisiken vollständig eliminieren?
Eine vollständige Eliminierung ist selten möglich und oft wirtschaftlich nicht sinnvoll, da Absicherungsmassnahmen Kosten verursachen. Das Ziel ist meist die Reduktion auf ein tragbares Restrisiko und die Sicherung der Planungssicherheit.
Was bedeutet Natural Hedging konkret?
Natural Hedging liegt vor, wenn ein Unternehmen sowohl Einnahmen als auch Ausgaben in derselben Fremdwährung generiert. So gleichen sich Währungseffekte automatisch aus, ohne dass finanzielle Derivate eingesetzt werden müssen.
Sollte man immer in Schweizer Franken fakturieren?
Theoretisch verlagert dies das Risiko auf den Kunden, doch in der Praxis ist dies bei starken Konkurrenzmärkten wie dem Euro-Raum oft nicht durchsetzbar. Eine ausschliessliche CHF-Fakturierung kann zum Verlust von Marktanteilen führen.