25.10.2017

Konsolidierung: Informationsinstrument für die verschiedenen Bezugsgruppen

Ziel der Konsolidierung ist das Erstellen eines Konzernabschlusses der aus Konzernbilanz, Konzernerfolgsrechnung und Anhang besteht. Der Konzernabschluss fasst alle relevanten Geschäftsvorfälle innerhalb des Konzerns zusammen.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

Konsolidierte Bilanz und Erfolgsrechnung  

Die konsolidierte Bilanz und die konsolidierte Erfolgsrechnung enthalten nur externe Beziehungen, da im Rahmen der Konsolidierung alle innerbetrieblichen Leistungen, Schulden und Forderungen der in den Konsolidierungskreis einbezogenen Gesellschaften aufgerechnet und die Zwischengewinne aus konzerninternen Lieferungen eliminiert werden. Unter einem Konzern wird dabei die Zusammenfassung von zwei oder mehreren rechtlich selbständigen Unternehmen zu wirtschaftlichen Zwecken unter einheitlicher Leitung verstanden.  

Der Konzernabschluss dient primär als Informationsinstrument für die verschiedenen (internen und externen) Bezugsgruppen (Konzernleitung, Verwaltungsrat, Aktionäre, Gläubiger, Arbeitnehmer, öffentliche Hand, etc.). Ist der Finanzbereich angesprochen, stellt der Konzernabschluss zusätzlich ein Führungsinstrument dar. Für Aussenstehende ermöglicht die Konzernrechnung einen Einblick in die tatsächliche Lage des Konzerns, ohne dass diese durch schwierig bewertbare konzerninterne Positionen bzw. Kettenbeteiligungen etc. beeinflusst ist. Für die Konzernführung ergibt sich ein Überblick über die saldierten Positionen, das Ergebnis der Betriebstätigkeit und die finanzielle Lage. Erst der Konzernabschluss ermöglicht die für Analysen des Cash Managements, des Währungsmanagements sowie der Rentabilität sämtlicher Produktions- und Vertriebsstufen bzw. sämtlicher Sparten notwendige Gruppenbetrachtung.

Voraussetzungen für die Erstellung eines Konzernabschlusses

Die Konsolidierung ist nur möglich, wenn die einzelnen Gesellschaften ihre Abschlüsse nach einheitlichen Richtlinien aufbauen. Dabei müssen vor allem Gliederung (Kontenpläne) und Bewertung der Abschlüsse einheitlich sein. Im Bereich der Bewertung führen nationale Besonderheiten jedoch immer wieder zu Unterschieden. Die einzelnen Konzerngesellschaften können demzufolge konzernweit geltende, einheitliche Rechnungslegungsgrundsätze nicht immer anwenden. Vielmehr haben diese ihre Geschäftsabschlüsse an der landesspezifischen Gesetzgebung auszurichten. Konsequenterweise ist deswegen im internen Berichterstattungsprozess ein sogenanntes «Dual-Reporting» vorzusehen, d.h. zu Konsolidierungszwecken muss der Gesellschaftsabschluss den Konzernrichtlinien angepasst werden. Dieses führt zu Reklassierungen und zu Neubewertungen. Bewertungsreserven werden dabei aufgelöst oder Vermögensteile auf neuer Grundlage (z.B. Wiederbeschaffungswerten) bewertet.  

Des Weiteren müssen die in die Konsolidierung eingeschlossenen Abschlüsse den gleichen Abschlussstichtag haben. Da dies in der Praxis (z.B. wegen staatlicher Vorschriften oder steuerlicher Überlegungen) nicht immer möglich ist, hilft man sich mit Zwischenabschlüssen aus. Diese müssen in gewissen Ländern nicht geprüft sein (z.B. USA), sofern sie nicht später als drei Monate nach dem ordentlichen Abschluss anfallen; andere Länder wie beispielsweise Deutschland verlangen in jedem Fall eine Prüfung.

Konsolidierungskreis

Der Konsoliderungskreis umfasst die zu konsolidierenden Unternehmen. Ausschlaggebend für den Einbezug in den Konsolidierungskreis können dabei sein:  

  • Stimmenmehrheit (50% und 1 Stimme)
  • andere Grundlage der Beherrschung (Managementverantwortung, Statuten-/Satzungsbesonderheiten, etc.)
  • Wesentlichkeit für den Rechnungsausweis  

In den meisten Ländern schreibt der Gesetzgeber die Bedingungen zwingend vor, die zur Erstellung eines Konzernabschlusses führen. Ebenso werden darin die Gründe zur Befreiung von der Konsolidierungspflicht aufgeführt.

Relevante Konsolidierungs- und Bewertungsgrundsätze

Die für den Konzernabschluss massgeblichen Konsolidierungs- und Bewertungsgrundsätze setzen sich insbesondere aus folgenden nationalen bzw. internationalen Richtlinien und Standards zusammen:

  • FER Nr. 5, 2, 3 und 8 (herausgegeben von der Fachkommission für Empfehlungen zur Rechnungslegung)
  • EG-Richtlinie (7. EGRL)
  • IFRS, insbesondere IAS 27 (International Accounting Standards, herausgegeben vom International Accounting Standards Comittee, IASC)  

International tätige Unternehmen sind in den letzten Jahren immer mehr dazu übergegangen, den Konzernabschluss nach den international gültigen Normen zu erstellen, unter anderem wegen der daraus resultierenden einfacheren Kapitalbeschaffung an den internationalen Kapitalmärkten. Die in den einzelnen Unternehmen angewandten Konsolidierungsgrundsätze sind jeweils im Anhang offenzulegen.

Schritte der Konsolidierung

Im Folgenden werden die einzelnen Schritte der Konsolidierung an einem durchgehenden Beispiel (Muttergesellschaft, die eine 100% Beteiligung an ihrer Tochtergesellschaft besitzt) vereinfacht dargestellt. Dabei wird eine Vollkonsolidierung vorgenommen, bei der die Bilanz- und Erfolgswerte der Tochter unabhängig vom Kapital- und Risikoanteil der Muttergesellschaft vollständig erfasst und konsolidiert werden müssen, wobei Anteile von allfälligen Minderheitsaktionären in der Bilanz und Erfolgsrechnung separat auszuweisen sind. Als Konsolidierungsmethode wird die international anerkannte und heute gebräuchlichste angelsächsische Methode angewandt. Bei dieser werden die Kapitalaufrechnungsdifferenz für den Zeitpunkt der erstmaligen Konsolidierung (Kaufzeitpunkt, Gründung, etc.) und die späteren Veränderungen durch den Erfolg der Beteiligung in den einbehaltenen Konzerngewinnen (retained earnings, Reserven, etc.) bzw. im Periodenerfolg für das Berichtsjahr ausgewiesen.

1. Konzernbilanz

Für das Erstellen der Konzernbilanz ist eine dreifache Konsolidierung vorzunehmen:

  • Kapitalkonsolidierung (vgl. Fallbeispiel); Sie verhindert eine Doppelerfassung von Vermögensteilen im Konzernabschluss, die bei reiner Addition der Einzelabschlüsse (der jeweiligen Bilanzpositionen) zustande käme.
  • Schuldenkonsolidierung (vgl. Fallbeispiel); Aus der Konzernbilanz werden alle innerbetrieblichen Forderungen und Schulden eliminiert, die aus der Sicht des Konzerns als ein Unternehmen (d.h. als eine Einheit) nicht vorhanden sind.
  • Gewinnkonsolidierung (vgl. Fallbeispiel); Die Wertansätze der aus Konzernlieferungen stammenden Vermögensgegenstände werden korrigiert. Hierbei werden in der Konzernbilanz Vermögensvermehrungen, die in den Einzelbilanzen der Konzernunternehmen entstehen können, rückgängig gemacht.  

2. Konzernerfolgsrechnung

Zur Erstellung der Konzernerfolgsrechnung sind folgende Schritte vorzunehmen:

  • Elimination der Zwischengewinne; Gewinne aus konzerninternen Lieferungen und Leistungen sind zu eliminieren. Nur Gewinne, die am Markt erzielt werden, gehören in die Konzernerfolgsrechnung.
  • Konsolidierung der Innenumsätze; Nur Umsatzerlöse aus dem Verkehr mit nicht konsolidierten Unternehmen sind in der konsolidierten Erfolgsrechnung auszuweisen.
  • Elimination weiterer interner Aufwendungen und Erträge (bspw. Zinsen).  

3. Fallbeispiel

Kapitalkonsolidierung
Die von MG (Muttergesellschaft) ausgewiesenen Beteiligungsbuchwerte werden gegen den auf sie entfallenden Eigenkapitalanteil in der TG (Tochtergesellschaft) des Erwerbzeitpunktes (t0) aufgerechnet (150 Aktienkapital und 60 Reserven/Rücklagen in t1 und t2).  

Der Reingewinn der TG des Jahres t1 wurde thesauriert und erscheint in t2 je zu 15 in den Reserven und im Gewinnvortrag der TG. Um die 280 konsolidierten Reserven in t2 bestehen zu lassen, wird die Differenz von 15 mit dem Gewinnvortrag der TG saldiert.

Abbildung 1: Schrittabfolge

Abbildung 2: Kapitalkonsolidierung

Abbildung 3: Schuldenkonsolidierung und Eliminierung der Zwischengewinne

Weil die Gewinne aus der Gesamtkonzernsicht erst entstehen, wenn die Güter wirklich an Externe verkauft wurden, sind die Gewinne, welche die MG bei Lieferung an die TG gemacht und bei sich verbucht hat, am Jahresende nur soweit realisiert, als die Tochter die Lieferungen auch weiter fakturieren konnte.  

Somit ist die Differenz zwischen Verkaufspreis von MG an TG und Herstellkosten der MG auf den sich am Jahresende noch bei TG befindlichen Beständen noch nicht verdient und zu eliminieren.  

Ebenso sind sämtliche Verkäufe von MG an TG aus dem Umsatz zu eliminieren, da sie nur innerhalb des Konzerns entstanden sind. Die Aufrechnung erfolgt über das Konto Materialaufwand.

Abbildung 4: Gewinnkonsolidierung – Bilanz und Erfolgsrechnung

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