22.08.2017

Konfliktphasen: Die Konfliktentwicklung und ihre Anzeichen

Die Konfliktphasen werden in diesem Beitrag mittels einer sehr anschaulichen Liste von Merkmalen beleuchtet. Diese Liste stammt aus persönlichen Erfahrungen und den Erlebnisberichten vieler Seminarteilnehmer. Sie ist zwar repräsentativ, aber sicher nicht vollständig. Ziel ist es, dem Leser damit eine schnelle und zutreffende Ersteinschätzung zu ermöglichen, wie weit ein Konflikt schon fortgeschritten ist.

Von: Andreas Edmüller   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. Andreas Edmüller

Dr. Andreas Edmüller ist seit 20 Jahren selbständiger Berater für Projekt Philosophie, ein international tätiges Zweimannunternehmen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Teamunterstützung, Konflikt­management und persönliches Coaching – häufig auch im internationalen Umfeld (Frankreich, USA). Sein Geschäftspartner, Dr. Thomas Wilhelm, ist Experte für asiatische Geschäftskulturen (Japan, China). Beide sind gefragte und erfolgreiche Fachautoren zu den Themenkreisen Argumentieren, Überzeugen, Moderation und Manipulation.

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Konfliktphasen

Verhärtung

Dieses Anfangsstadium ist zwar spürbar und erkennbar, aber auch nur schwer konkret fassbar. Eine Beziehungsstörung wird in der Regel so früh nicht oder nicht gern eingestanden. Eine typische Reaktion auf die verwunderte Frage eines Kollegen Habt Ihr was? ist ein spontanes Aber nein – wie kommst Du denn da drauf?  Folgende Verhaltensweisen kommen vor:

 

  • Es gibt ernste Reaktionen auf gar nicht böse gemeinte Scherze oder Frotzeleien.
  • Man hört mehr oder weniger offensichtlich dem Anderen nicht mehr aufmerksam zu.
  • Man geht mit kurzem Gruss am Anderen vorbei und lässt ihn stehen; «früher» hat man sich Zeit für einen kleinen Austausch genommen.
  • Man redet weniger miteinander als früher; der Austausch beschränkt sich mehr auf dienstliche Belange als früher und dabei mehr auf die wesentlichen Aspekte.

Fazit: Distanzverhalten reisst ein.

Verbales Pingpong

Die Spannungen im Konflikt treten jetzt klar und deutlich zu Tage. Sie werden mit Worten und auch vor Zuschauern ausgetragen; diese merken alle, dass da was los ist:

  • Es kommt gehäuft zu Sticheleien, von denen man sich Trefferwirkung beim Empfänger erhofft.
  • Man fällt sich schnell, gern und engagiert ins Wort.
  • Es kommt immer wieder zur verbalen Konfrontation, auch und gerade in Meetings, also vor Zuschauern. Dabei geht es erkennbar weniger um eine konstruktive Lösungsfindung als darum, Recht zu behalten.
  • Vorschläge des Anderen werden aus Prinzip erst einmal abgelehnt und schlecht gemacht.
  • Die Arbeit des Anderen bzw. deren Qualität wird kritisiert; die Kritikschwelle rutscht immer weiter nach unten.
  • Vorschläge des Anderen werden öfters nicht nur kritisiert, sondern darüber hinaus auch noch ins Lächerliche gezogen.

Fazit: Worte werden zunehmend als mehr oder weniger grosskalibirige Waffen eingesetzt.

Taten

In dieser Konfliktphase verlagert sich der Konflikt von der verbalen Ebene auf die des Handelns. Bildlich gesprochen werden die Ärmel hochgekrempelt und man packt die Sache jetzt mal richtig an. Das Reden hat ja die ganze Zeit über eh nichts gebracht ... Im Grunde lassen sich hier Unterlassungshandlungen von offensiven Stichen und Hieben unterscheiden:

  • Informationen werden vorenthalten. Zum Beispiel werden Protokolle «aus Versehen» nicht weitergeleitet oder Termine gar nicht oder sehr kurzfristig genannt.
  • Man «vergisst», dem Anderen eine Einladung weiterzugeben, z.B. zu einem Geschäftsessen.
  • Man holt den Anderen demonstrativ nicht mehr dazu, z.B. für Besprechungen oder Treffen mit Kunden.
  • Man mischt sich offensiv in den Arbeitsablauf des Anderen ein und macht ungefragt Verbes­serungsvorschläge – oder nimmt die Verbesserungen gleich direkt vor.
  • Typisch für dieses Stadium ist auch die konsequente Suche und Auflistung von Fehlern des Anderen.
  • Es kommt auch vor, dass Arbeitsmaterialien entwendet oder versteckt werden.
  • Ich habe es schon erlebt, dass Arbeitsergebnisse des Anderen gezielt verändert wurden, um ihn dumm aussehen zu lassen.

Fazit: Jetzt geht es richtig zur Sache. Eine Besonderheit: Aus der jeweiligen Eigenperspektive betrachtet, verteidigt sich jede der Parteien in einem Konflikt gegen die Angriffe der Anderen!

Koalitionsbildung

Eine oder alle Konfliktparteien suchen sich jetzt Verbündete, um die eigene Durchschlagskraft zu stärken. Natürliche Kandidaten sind Personen, die mit dem jeweils Anderen selbst Schwierigkeiten oder ein Hühnchen zu rupfen haben, oder Personen, die sich aus Sympathie oder falsch verstandener Solidarität leicht in eines der sich bildenden Lager ziehen lassen. Bisweilen werden auch Kollegen angeworben, die bisher keinen richtig guten Anschluss im Kollegenkreis gefunden haben (und die sich oft über diesen plötzlichen Gewinn an Popularität freuen).

  • Lagerbildung auf der einen Seite, regt Lagerbildung auf der anderen Seite an – man hat ja das Recht, sich zu wehren.
  • Die Lager entwickeln und verfestigen ein Feindbild der jeweils anderen Seite. Das Motto dabei: Die anderen sind ... Feindbilder sind bekanntlich recht stabil, weil sie den Zusammenhalt der Gruppe stärken.
  • Es gibt keine oder nur noch unzureichende Zusammenarbeit der Lager.
  • Die verfeindeten Lager versuchen aktiv, sich auflaufen zu lassen.
  • Die Lager verwenden recht viel Zeit darauf, Intrigen (d.h. aus der jeweiligen Eigensicht Verteidigungs- oder Vergeltungsstrategien) zu planen und durchzuführen.
  • Die Lager suchen in aller Regel aktiv nach weiteren Verbündeten. Vor allem Vorgesetzte sind Dank ihrer einflussreichen Position beliebte Kandidaten.
  • Im weiteren Umfeld wird Stimmung gegen die Anderen gemacht.
  • Neutralität wahren wird schwer; der Druck auf die unbeteiligten Kollegen wird immer grösser. Neutrale geraten leicht in den Verdacht, schon mit dem jeweils anderen Lager zu sympathisieren. Das Motto dabei: Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns!

Fazit: Die Zahl der Kampfhähne nimmt zu und durch Bündelung der Kräfte auch die Härte der Handlungen in einem Konflikt.

Gesichtsverlust

In dieser Konfliktphase wird ganz gezielt versucht, den oder die Anderen in aller Öffentlichkeit zu schädigen oder zu blamieren.

  • Man weist klar und deutlich auf Fehler hin, z.B. vor Kunden oder höheren Vorgesetzten, gerne auch per Cc im Adressfeld der Mails.
  • In wichtigen, breit besetzten Meetings versucht man, die Anderen schlecht aussehen zu lassen, z.B. durch wohl vorbereitete knifflige Fragen.
  • Man wendet sich gezielt an «höhere Instanzen» (Vorgesetzte, Betriebsrat) und bittet um ein Eingreifen.
  • Beliebte Werkzeuge bei Prominenten sind in dieser Phase bestimmte Medien, die z.B. einem der beiden Scheidungspartner Platz einräumen, die Öffentlichkeit über das wahre Gesicht des oder der Ex zu informieren.

Fazit: Die letzten Hemmungen, den Konflikt zu begrenzen, fallen. Das Motto dabei: Alle sollen sehen, was wirklich los ist und wer für das Böse steht!

Weitere Konfliktphasen

Ich fasse kurz ein paar Möglichkeiten für weitere Phasen zusammen. So langsam nähern wir uns nämlich dem strafrechtlich relevanten Bereich.

Drohungen werden gerne als faire letzte Warnung kaschiert; oft auch in anonymer Form.

Begrenzte Vernichtungsschläge habe ich schon als Vandalismus an Fahrrad und Auto sowie als in der ganzen Abteilung verbreitetes anonymes Verleumdungsschreiben erlebt. Auch der Versuch, selbst entwendetes Firmeneigentum im Spind des Feindes abzulegen, gehört in diese Kategorie. Gleiches gilt für gewaltsames Öffnen des Schreibtisches und Zerstörung der privaten Photos.

Zerstörung kann sowohl auf die Person als auch auf deren Existenzgrundlagen gerichtet sein. Anzeigen bei der Steuerfahndung oder dem Werkschutz sind Klassiker. Das moderne Phänomen des systematischen Verleumdens einer Person im Internet gehört meines Erachtens auch in diese Rubrik. Zum Glück kennen die meisten von uns derartige Fälle nur aus der Zeitung oder anderen Medien.

Gemeinsam in den Abgrund wird so anschaulich wie schrecklich von Selbstmordattentätern praktiziert – hier kennen Hass und Fanatismus überhaupt keine Hemmschwelle mehr.

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