Konfliktentwicklung: Die Dynamik von Konflikten

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Konflikte entwickeln sich oft aus kleinen Missverständnissen, die ohne kompetente Gegensteuerung eine Eigendynamik entfalten. Aus verbalen Nadelstichen werden massive Angriffe, die persönliche Belastung steigt und neutrale Kollegen werden in die Auseinandersetzung hineingezogen. Ohne externe Intervention folgt eine unvermeidbare Eskalation bis hin zu zerstörerischen Folgen für alle Beteiligten.

Die wichtigsten Punkte:

  • Konflikte eskalieren schleichend von Missverständnissen zu massiven Attacken.
  • Die persönliche Belastung und gesundheitliche Folgen nehmen stetig zu.
  • Lagerbildungen und Feindbilder machen eine Eigenlösung immer unwahrscheinlicher.
  • Ab einem bestimmten Punkt ist eine externe, kompetente Intervention zwingend erforderlich.
21.04.2025 Von: Andreas Edmüller
Konfliktentwicklung

Wie entwickeln sich Konflikte im Arbeitsalltag und wann ist ein Eingreifen nötig?

In diesem Beitrag werden Konflikte aus der Nähe betrachtet und es wird aufgezeigt, wie eine typische Konfliktentwicklung aussieht, wenn nicht kompetent gegengesteuert wird. Das ist wichtig, um die enorme Dynamik von Konflikten besser einschätzen zu können.

Was ist das Besondere an der Konfliktentwicklung? Die Dynamik eines typischen Konfliktes kennen wir aus eigenem Erleben. Folgend beschreiben Konfliktparteien, wie sie das Geschehen wahrnehmen.

  • Missverständnisse häufen sich und scheinen ab einem bestimmten Punkt vorprogrammiert zu sein. Egal, was man sagt – man hat irgendwie keine Chance mehr, die Sache zu klären.
  • Und auf einmal werden aus verbalen Nadelstichen massive Keulenschläge (Worte können sehr wehtun), denen dann richtige Attacken folgen. Egal, was man dann dagegen tut – es wird gegen einen ausgelegt, die Angriffe hören nicht auf, verstärken sich sogar eher.
  • Man kriegt nach der Arbeit die Sache gar nicht mehr aus dem Kopf, die Mühle im Kopf dreht und dreht sich.
  • Gerade weil man enorm aufpasst, was man sagt und tut, macht man selbst auch Fehler. Und man reagiert auch mal über – gerade bei eigentlich unbeteiligten Personen. Man ist dann irgendwann in jeder Hinsicht total verunsichert und findet keinen festen Stand mehr.
  • Manchmal denkt man, dass es nun ruhiger ist – aber dann passiert plötzlich wieder was.
  • Man muss zunehmend aufpassen, zu wem im Kollegenkreis man was sagt – es scheinen immer mehr Personen mitzumischen und Partei zu ergreifen. Es wird immer schlimmer, die ganze Sache wird zunehmend unberechenbar und ist wie eine Strömung, die einen fortreisst.

Hinter diesen Beschreibungen steckt eine doch immer wieder recht deutlich erkennbare Eigendynamik in der Konfliktentwicklung. Die für Konflikte charakteristische Grundtendenz lässt sich so beschreiben:

  • Es wird immer schlimmer, die Beteiligten fühlen sich immer hilf- und ratloser.
  • Die persönliche Belastung nimmt stetig zu; gesundheitliche Probleme sind der Normalfall im Rahmen eines grösseren Konfliktgeschehens.
  • Es werden immer mehr Leute aus dem Umfeld der ursprünglich Beteiligten mit hineingezogen; der Druck auf neutrale Kollegen wächst enorm.
  • Lager bilden sich, Feindbilder werden etabliert und verhärten sich.

Diese fatale Entwicklung ist ab einem bestimmten Zeitpunkt von den Beteiligten selbst kaum noch zu durchbrechen – deshalb ist oft eine kompetente und entschlossene Intervention von aussen erforderlich. Konflikte sind wie Lawinen – aus kleinen Anfängen können mehr oder weniger schnell massive Folgen entstehen.

Welche Phasen werden in einer Konfliktentwicklung durchlaufen, wenn man nicht kompetent eingreift?

Die typische Konfliktentwicklung lässt sich mit einem Phasenmodell gut skizzieren (Jiranek und Edmüller (2010)). Die wesentlichen Stationen lassen sich im Überblick so benennen:

  • Erste Missverständnisse führen zu aggressivem Verhalten auf verbaler Ebene.
  • Auf Worte folgen Taten. Der Konflikt kippt und die Beteiligten versuchen, sich mit ersten nichtverbalen Aktionen zu schaden oder weh zu tun.
  • Es bilden sich Lager. Die Beteiligten holen sich Verbündete an Bord.
  • Gruppendynamik setzt ein. Die Auseinandersetzung wird erweitert, härter, rücksichtsloser.
  • Im Extremfall wird die rote Linie zum kriminellen Verhalten überschritten und ohne Rücksicht auf Verluste weiter eskaliert.

Checkliste

  • Häufen sich Missverständnisse trotz klarer Kommunikation?
  • Wird die Atmosphäre verkrampfter und weniger locker?
  • Verwandeln sich verbale Nadelstiche in direkte Angriffe?
  • Nimmt die persönliche Belastung und Unruhe zu?
  • Werden Fehler gemacht, obwohl man besonders aufpasst?
  • Bilden sich zunehmend Lager im Kollegenkreis?
  • Fühlen sich neutrale Kollegen unter Druck gesetzt?
  • Wird das Konfliktgeschehen unberechenbar und wie eine Strömung?
  • Treten gesundheitliche Probleme durch den Stress auf?
  • Ist eine eigene Deeskalation kaum noch möglich?

Sieht man genauer hin, dann lassen sich neun Schritte erkennen, die wesentliche Stadien der Konfliktentwicklung kennzeichnen. Dazwischen kann es immer wieder Phasen relativer Ruhe geben – aber deren Ende ist vorprogrammiert.

 1. Verhärtung: Es ist irgendwie anders, verkrampfter, nicht mehr so locker, ...

2. Verbales Pingpong: Es geht los!

3. Taten: Jetzt wird endlich gehandelt!

4. Koalitionsbildung: Gemeinsam sind wir stärker!

5. Gesichtsverlust: Ich demaskiere meinen Feind als das Böse!

6. Drohungen: Wer nicht hören will, muss fühlen!

7. Begrenzte Vernichtungsschläge: Mein Feind war gewarnt – aber er hat es selbst so gewollt!

8. Zerstörung: Für beide von uns ist auf diesem Planeten kein Platz!

9. Gemeinsam in den Abgrund: Dich nehme ich mit!

FAQ: Konfliktentwicklung

Wie erkennt man, dass ein Konflikt eskaliert?

Eine Eskalation zeigt sich durch die Umwandlung von verbalen Nadelstichen in massive Angriffe, die Bildung von Lagern, die Einbeziehung neutraler Dritter und eine stetig zunehmende persönliche Belastung der Beteiligten.

Welche Phasen durchläuft ein Konflikt typischerweise?

Ein Konflikt durchläuft neun Stadien: von der Verhärtung und dem verbalen Pingpong über Taten und Koalitionsbildung bis hin zu Gesichtsverlust, Drohungen, Vernichtungsschlägen, Zerstörung und dem gemeinsamen Abgrund.

Wann ist eine externe Hilfe notwendig?

Eine externe Intervention ist erforderlich, sobald die Beteiligten die Eigendynamik des Konflikts nicht mehr selbst durchbrechen können und die Situation wie eine Lawine unkontrollierbar wird.

Was passiert mit dem Umfeld bei einem eskalierenden Konflikt?

Immer mehr Personen aus dem Umfeld werden mit hineingezogen, Druck auf neutrale Kollegen wächst, und Feindbilder verhärten sich, was die Situation für alle Beteiligten unberechenbar macht.

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