17.11.2020

Plötzlich Führungskraft: 5 Strategien, wie Sie ehemalige Kollegen führen

Befördert zur Führungskraft, stellt sich Ihnen die Frage: Wie führen Sie als Vorgesetzter ehemalige Kollegen? Entdecken Sie Strategien, wie es Ihnen gelingt.

Von: Brigitte Miller  DruckenTeilen 

Brigitte Miller

Brigitte Miller ist freie Autorin und Journalistin. Seit 1990 schreibt sie für namhafte Verlage und Online-Portale im In- und Ausland zu den Themenbereichen Management, Mitarbeiterführung, Zeitmanagement, Kreativität und Selbstmanagement. In ihre Beiträge lässt sie nicht nur die vielen Tipps und Erfahrungen fliessen, die sie durch Gespräche und Interviews erhält, sondern auch persönliche Erkenntnisse, die ihr der Berufsalltag beschert.

Plötzlich Führungskraft

Gratulation! Sie sind plötzlich Führungskraft

Sie haben es geschafft. Ein Grund zum Feiern. Sie sind auf der Karriereleiter eine wichtige Sprosse nach oben geklettert. Sie haben eine neue Funktion in Ihrer Abteilung und im Unternehmen eingenommen: Sie sind eine Führungskraft. In dieser neuen Funktion übernehmen Sie viele neue Aufgaben. Eine solche Aufgabe ist das Führen ehemaliger Kollegen. Und damit sind Veränderungen und Herausforderungen verbunden.

Plötzlich Führungskraft – mit all seinen Herausforderungen

Sie sind immer noch die gleiche Person. Aber Sie haben eine neue Rolle inne. Eine Rolle, die Ihnen mehr Macht verleiht. Eine Rolle, in denen sich Ihre ehemaligen Teamkollegen um Rat und Entscheidungen an Sie wenden. Eine Rolle, die das altvertraute Zusammenspiel drastisch ändern kann. Sensibilisieren Sie sich deshalb für die Veränderungen mit all seinen Herausforderungen.

 

Als neue Führungskraft gilt es (vielleicht) folgendes zu meistern:

Ausgangslage

Veränderungen

Herausforderungen

Sie wissen, wie Ihre Teamkollegen ticken

Bisher mussten Sie nur das Verhalten akzeptieren. Als Führungskraft müssen Sie sicherstellen, dass das Verhalten mit den Teamzielen in Einklang steht.

Ehemalige Teamkollegen

  • in ihrer Performance unterstützen.
  • in ihren Fähigkeiten entwickeln.
  • auf Grenzen hinweisen.
 

Sie haben mit Ihren Teamkollegen konkurriert

Einige sehen Sie jetzt als Sieger im Karriere-Wettbewerb.

Vielleicht hegt jemand Groll gegen Sie. Achten Sie auf Verbitterung, die sich negativ auswirken kann.

Sie haben offen miteinander geredet

Der Informationsfluss in beide Richtungen wird definitiv gefiltert.

Achten Sie auf Transparenz.

Fordern Sie Informationen ein.

Erfüllen Sie Ihre Bringschuld.

Sie sind sich auf Augenhöhe begegnet

Ihre Meinung hat mehr Gewicht und wird kaum in Frage gestellt.

Holen Sie sich bei wichtigen Entscheidungen, die Ansichten und Fakten des Teams ein.

Sie hatten enge Beziehungen zu Teamkollegen

Eine gewisse Distanz ist erforderlich, um alle fair und gleich zu behandeln.

Bevorzugen Sie keinen. Prüfen Sie, dass keine persönliche Gefühle Einfluss auf Ihr Feedback nehmen.

Ehemalige Kollegen führen: 5 Strategien

Jede Strategie bietet Ihnen Impulse, die Ihnen den Wandel vom Kollegen zur Führungskraft erleichtern. Eins sollten Sie jedoch von Anfang beachten, gar loslassen: Den Wunsch von allen gemocht zu werden. Mit diesem Bedürfnis setzen Sie sich unnötig unter Druck.

Akzeptieren Sie einfach: Ihre ehemaligen Kollegen werden sich jetzt über Sie als Führungskraft austauschen, so wie Sie es vorher über Ihren Vorgesetzten mit Ihren Kollegen gemacht haben. Eine Realität, an der Sie nichts ändern können. Verwenden Sie deshalb keine Energie und Zeit darauf, es allen Recht machen zu wollen.

Strategie 1: Authentisch bleiben

Ihre ehemaligen Kollegen kennen Sie. Sie haben sich ein Bild von Ihnen gemacht. Ein Bild, das Erwartungen weckt, aber auch für eine wichtige Kontinuität in dem neuen Arbeitsverhältnis sorgt. Ihre ehemaligen Teamkollegen und jetzigen Mitarbeiter verlassen sich auf bestimmte Eigenschaften, die Sie schon als Teamkollege gezeigt haben.

Achten Sie deshalb darauf, sich selbst treu zu bleiben. Überlegen Sie:

  • Wofür wurden Sie von Ihren Teamkollegen geschätzt?
  • Mit welchen Fähigkeiten und Kompetenzen haben Sie im Team gepunktet?
  • Mit welchen Ihrer Eigenschaften sind alle bestens vertraut?
  • Welche Werte haben Sie durch Ihre Eigenschaften vertreten?
  • Wie können Sie sicherstellen, all dies weiterhin auch als Führungskraft zu leben und einzusetzen?
  • Welche Eigenschaften werden Sie jetzt als Führungskraft darüber hinaus aktivieren?
  • Wie bringen Sie dies mit dem (Fremd-)Bild Ihrer ehemaligen Kollegen in Einklang?
  • Womit könnten Sie eventuell anecken? Wie wollen Sie damit umgehen?

Strategie 2: Führungsvorstellungen mitteilen

Kommunizieren Sie von Anfang mit Ihren ehemaligen Kollegen. Denn eins ist gewiss: Ihre neuen Mitarbeiter brennen darauf zu erfahren, wie Sie Ihre Führung gestalten wollen. Deshalb teilen Sie mit, was Sie sich vorstellen und von Ihrem neuen Team erwarten. Klären Sie Aspekte wie:

  • Wie oft werden Sie reguläre Meetings abhalten?
  • Werden Sie einen „Führungsstil der offenen Tür“ praktizieren?
  • Werden Sie „Management by walking around“ einsetzen?
  • Welche Prioritäten werden Sie setzen?
  • Auf welche Art werden Sie mit dem Team kommunizieren?
  • Welche Ziele verfolgen Sie?
  • Welche Unterstützung werden Sie bieten?
  • Was fordern Sie von Ihren neuen Mitarbeitern?

Strategie 3: Bedürfnisse der ehemaligen Kollegen aufgreifen

Sie sind als neue Führungskraft in einem grossen Vorteil. Sie wissen, was Ihre ehemaligen Kollegen an Ihrem Vorgänger kritisiert haben. Vielleicht haben Sie selbst bei einigen Kritikpunkten zugestimmt. Listen Sie einmal auf, welche Bedürfnisse sich aus dieser Kritik ergeben. Vielleicht

  • regelmässiges konstruktives Feedback.
  • Anerkennung für geleistete Arbeit.
  • Raum und Zeit, um Ideen freizusetzen.
  • Einwände gegenüber neuen Vorgaben ernst nehmen.
  • sich um die Belange des Teams zu kümmern.
  • Probleme aufgreifen und zusammen zu lösen.
  • den Mitarbeiter zu coachen.
  • undundund…

Überlegen Sie, welche Bedürfnisse Sie als Führungskraft wie befriedigen werden. Teilen Sie unbedingt mit, falls Ihnen bei dem einen oder anderen Wunsch die Hände gebunden sind.

Strategie 4: Keine Scheu zu delegieren haben

Nach wie vor heisst es auch für Sie: Getting things done. Allerdings mit einem kleinen, aber entscheidenden Unterschied. Sie werden viel mehr Aufgaben auf Ihrem Schreibtisch vorfinden. Viele dieser Aufgaben sind Aufgaben der Priorität B oder C. Delegieren Sie diese. Widmen Sie sich Ihren wichtigen Managementaufgaben, statt sich im Kleinkram zu verzetteln.

Achten Sie beim Delegieren darauf:

  • klare Zielvorgaben zu kommunizieren.
  • eindeutige und messbare Kriterien für das Ergebnis der Aufgabe zu benennen.
  • einen verbindlichen Zeitrahmen zu fixieren.
  • die Fähigkeiten des Mitarbeiters für die Bewältigung der Aufgabe zu prüfen.
  • benötigte Ressourcen bereitzustellen.
  • dem Mitarbeiter, falls möglich, die Arbeitsschritte bestimmen zu lassen.

Strategie 5: Um Training bitten

Scheuen Sie sich nicht, Ihren Vorgesetzten um ein formales Führungstraining zu bitten. Klären Sie, welche Weiterbildungsangebote das Unternehmen für neue Führungskräfte bietet. Suchen Sie sich innerhalb und/oder ausserhalb einen Mentor, der Sie dabei unterstützt Ihre neue Funktion bestmöglich auszufüllen. Denn: Es fällt kein Meister vom Himmel.

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