14.06.2016

Sinnfrage: Als Führungskraft Sinn stiften und Orientierung vermitteln

Die aktuellen Herausforderungen der Mitarbeiterführung lassen sich mit den Begriffen Komplexität, Dynamik, Wissensexplosion und Informationsvielfalt beschreiben. Sie und Ihre Mitarbeiter erleben als einzige Konstante in dieser Entwicklung die Veränderung. Dabei nimmt die subjektiv empfundene Geschwindigkeit der Veränderung zu.

Von: Matthias K. Hettl   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. Matthias K. Hettl

Der studierte Volks- und Betriebswirt war nach Studium und Doktorandenzeit erst Assistent der Geschäftsführung und danach in verschiedenen Managementpositionen mit Führungs- und Budgetverantwortung tätig. Als ausgezeichneter «excellent speaker» und «excellent trainer» gehört er zu den bedeutendsten Referenten im deutschen Sprachraum und ist für die TOP-Seminar- und Kongressveranstalter in Europa tätig. Er begeistert seine bisher 25 000 Zuhörer durch einen motivierenden und kompetent direkten Vortagsstil mit 1:1 einsetzbaren Praxistipps. Seine Veranstaltungen werden regelmässig mit Bestnoten bewertet.

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Sinnfrage

Orientierung vermitteln und selbst haben

In diesem Führungsumfeld sind Sie und Ihre Mitarbeiter stark gefordert: Vernetztes und systemisches Denken, geistige Mobilität und die Fähigkeit, sich schnell neuen Arbeitssituationen anzupassen, sind notwendige Bedin­gungen für Sie und Ihre Mitarbeiter, um erfolgreich zu sein. Orientierung zu vermitteln setzt voraus, selber Orien­tierung zu haben, und diese ist umso wichtiger, je mehr Mitarbeiter Sie füh­ren und je eigenständiger diese arbei­ten. Eine beständige und verlässliche Orientierung zu vermitteln bedeutet, Sinn zu geben.

Friedrich Nietzsche hat einmal gesagt, dass ein Mensch alles aushält, wenn er nur den Sinn dahinter erkennen kann. Ihre Mitarbeiter wollen von Ihnen wis­sen, wofür ihr Unternehmen steht und welchen Sinn ihre Arbeit hat. Sie wer­den Sie fragen, warum ihre Arbeit für das Unternehmen wichtig ist. Sie wol­len von Ihnen wissen, wie Ihr persönli­cher Beitrag zum Erfolg aussieht, wohin sich die Abteilung entwickelt und ganz grundsätzlich auch, wofür die Abteilung steht. Sie müssen Ihren Mitarbeitern das Warum ihrer Aufgabe vermitteln und ihnen damit eine für sie sinnvolle Antwort geben. Die Frage nach dem Sinn zu beantworten, ist wichtig für die Orientierung und die Identifikation, die Ihre Mitarbeiter in ihrem Arbeitsleben suchen.

«Der Mensch ist ein Wesen auf der Suche nach dem Sinn – nach Sinn, nicht nach Macht, Ruhm oder Geld.» (Fredmund Malik)

Sinn gibt Motivation zum Handeln

Sinn ist das, was in Ihrem Arbeitsleben und dem Ihrer Mitarbeiter als gehaltvoll, wesentlich und wichtig erscheint. Mit der Beantwortung der Sinnfrage geben Sie sich selbst und Ihren Mitarbeitern Handlungsanleitungen für das tägliche Tun. Vor allem ist Sinn die Umsetzung gemeinsamer Werte als Orientierungs­massstab für Handlungen. Sie sind Leit­linien, die sich im Unternehmensleitbild und den Führungsgrundsätzen finden. Als Leader müssen Sie nicht nur wis­sen, wohin Ihr Unternehmen bzw. Ihr Team will, sondern auch, auf welchem Weg und nach welchen Spielregeln Sie dorthin gelangen wollen. Nur dann kön­nen Sie Ihren Mitarbeitern die nötige Orientierung vermitteln.

Ich kenne einen grossen deutschen Warenhauskonzern, dessen Mitarbei­ter im Ruhestand sich jeden Samstag im Warenhaus-Restaurant treffen, um dort zu frühstücken und miteinander zu sprechen. Die frühere Arbeit hat ihr Arbeitsleben erfüllt und ihnen eine täg­liche Orientierung gegeben – bis heute. Die Identifikation mit der Aufgabe, mit dem Umfeld und mit den ehemaligen Kollegen muss gross sein, wenn man jede Woche freiwillig dorthin zurück­kommt, wo man seinen Sinn und seine Orientierung gefunden hat.

Sinn durch Wertigkeit und Bedeutung

Sinn erfahren Sie und Ihre Mitarbeiter auf der emotionalen Ebene durch die Wertigkeit und die Bedeutung Ihres ei­genen Tuns und der Sichtbarkeit Ihres eigenen Beitrags zum Ganzen. Sie soll­ten Ihren Mitarbeitern diesen Beitrag zum Ganzen verdeutlichen und selbst Ihren Beitrag dazu leisten. Die Mitarbei­ter müssen sehen, wozu sie beitragen und was ihr persönlicher Anteil daran ist.

Ihre Aufgabe als Leader ist es, mit dem Sinn die Antwort auf die Frage «Wozu das alles?» zu geben. Sinn kann dabei nicht verordnet werden. Sinn kann nur vom Einzelnen und in der Situation, der Aufgabe, gefunden, entdeckt und emp­funden werden. Die Beantwortung der Sinnfrage ist für jeden Mitarbeiter unter­schiedlich und kann sich im Laufe der Zeit auch ändern. Der authentische und verständlich kommunizierte Sinn stiftet nicht nur Identität, sondern motiviert auch Ihre Mitarbeiter zum zielführen­den Handeln. Die Kenntnis, dass dieses wirksame Handeln zur Entstehung des­sen was man erreichen möchte beiträgt, bietet eine stabile und vor allem dauer­hafte Motivationsbasis. Deshalb ist es Ihre Aufgabe als Leader, Ihren Mitar­beitern jeweils ihren Beitrag zum Gan­zen klarzumachen. Sie müssen dafür sorgen, dass möglichst alle den «Sinn» sehen und Klarheit über ihren Auftrag haben (vgl. Malik 2003).

«Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jah­ren mehr Leben zu geben.» (Alexis Carrel)

Sinn und Zweck sind nicht dasselbe

Während der betriebswirtschaftliche «Zweck» des Unternehmens die Ge­winnoptimierung sein kann, spielt auf der emotionalen Ebene der Sinn die wichtigste Rolle. Zweck und Sinn sind gleichermassen wichtig, stehen in einer Wechselwirkung und sind unterschied­lich stark ausgeprägt. Sie und Ihre Mit­arbeiter können eine Tätigkeit, die zwar zweckmässig, aber aus individueller Sicht nicht sinnvoll ist, nicht über eine lange Zeit erfolgreich ausüben – ganz einfach, weil die Motivation fehlt. Aus diesem Grund können Sie mangelnden Sinn nie durch Zweck, aber mangelnden Zweck sehr wohl durch Sinn erset­zen. Sinn ist damit die stärkere Kraft, die Quelle für Motivation, letztlich die Voraussetzung für Spitzenleistungen von Mitarbeitern.

Als Führungskraft können Sie die Sinn­frage nur dann erfolgreich begleiten, wenn Sie Ihr tägliches Tun auf einem stabilen Wertefundament aufbauen. Diese Werte basieren auf Ihrer Authen­tizität, die den Rahmen für eine gelebte Sinn- und Wertekultur schafft. Wenn es Ihnen gelingt, sie in Ihrem Führungsver­halten zu verankern, dann entsteht der Raum für eine von Ihnen in Ihrem Ver­antwortungsbereich vorgelebte Unter­nehmenskultur und für eine Form von Sinnmanagement. In diesem Raum fin­den Ihre Mitarbeiter die notwendige Ori­entierung und schöpfen Kraft, um auch in schwierigen Zeiten erfolgreich zu sein.

«Der Wille zum Sinn bestimmt unser Leben! Wer Menschen motivieren will und Leistung fordert, muss Sinnmöglichkeiten bieten.» (Viktor Frankl)

Sinn schafft Identifikation und Motivation

Unternehmerische Erfolge hängen von der Leistung Ihrer Mitarbeiter ab. Diese Leistung können Sie nicht per Knopf­druck abrufen, sondern sie entsteht in einem Raum, der geprägt ist von Vertrau­en, gelebter Unternehmenskultur und Sinn. Jedes Unternehmen kann langfris­tig nur dann erfolgreich sein, wenn sich die Mitarbeiter mit ihm identifizieren. Da­rauf basiert die emotionale Bindung zum Unternehmen. In Ihrer sinn orientierten Mitarbeiterführung zielen Sie dabei auf nachhaltige Selbstmotivation zur Leis­tung, bei der der Boden für ein erfülltes, freudvolles, ganzheitliches und sinnvol­les Tun und Sein entsteht.

Organisationen schaffen Leitbilder und gemeinsame Werte, um Orientierung und Identität zu stiften und damit eine gemeinsame Unternehmenskultur zu ermöglichen. In einer gelebten Unter­nehmenskultur, mit einer klaren Vision als Kompassnadel, einem tragfähigen emotionalen Fundament und einer die Unternehmensexistenz begründenden Mission geht es im Kern um die Sinn­frage. Durch die Erfüllung der indivi­duellen und unternehmerischen Wer­te, durch die Beantwortung der Frage nach dem Wozu, durch die Sichtbarkeit des eigenen Tuns als Beitrag zu einem grösseren Ganzen findet so etwas wie «Sinnmanagement» statt.

Checkliste: Sinn und Orientierung

Nehmen Sie die Fragen in der folgenden Checkliste als Orientierung, um das Erfolgsprinzip «Sinn und Orientierung geben» zu reflektieren:

  • Informieren Sie Ihre Mitarbeiter über die Beweggründe für Ihr persönliches Handeln und Tun als Führungskraft?
  • Sprechen sie mit Ihren Mitarbeitern über den Sinn ihrer Arbeit, ihrer Tätigkeit?
  • Ist Ihren Mitarbeitern ihr jeweiliger persönlicher Beitrag zum Ganzen klar?
  • Haben Sie den Eindruck, dass sich Ihre Mitarbeiter mit den Aufgaben identifizieren?
  • Können Ihre Mitarbeiter sagen, wohin sich Ihr Unternehmen als Ganzes entwickeln will?
  • Sehen Ihre Mitarbeiter Ihren Anteil am Erfolg?
  • Sind Sie authentisch in Ihrem Führungsverhalten?
  • Orientieren Sie sich in Ihrem Führungsverhalten an den Werten des Unternehmens?
  • Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern über Ihre gemeinsamen Werte im Leitbild?

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