Arbeitslandschaften: Innovationsförderliche Gestaltung
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Innovative Ideen entstehen selten isoliert, sondern durch Tuchfühlung und befruchtenden Austausch im physischen Raum. Standardisierte Bürokonstellationen hemmen den kreativen Prozess, während flexible, offene und farbenfrohe Raumwelten das Gehirn auf Hochtouren bringen. Entscheidend sind Begegnungsorte auf Augenhöhe, die Hierarchien abbauen und sowohl konzentriertes Arbeiten als auch spontane Kollaboration ermöglichen.
Die wichtigsten Punkte:
- Kollaboration braucht räumliche Nähe und gleiche Ebenen, um Silostrukturen zu vermeiden.
- Kreativität erfordert Phasen der Regeneration und entspannte Umgebungen wie Sofas oder Bistro-Bereiche.
- Neue Reize und wandelbare Arbeitslandschaften verhindern das Abflachen von Routine und steigern die Arbeitgeberattraktivität.
- Ein starkes Wir-Gefühl entsteht durch physisches Miteinander, gemeinsame Erlebnisse und Rituale, die virtuell kaum zu ersetzen sind.

Passende Arbeitshilfen
Wie gestaltet man Arbeitslandschaften, die Kreativität und Innovation in KMU fördern?
„Gut gemachte Arbeitslandschaften bringen Ideen ins Rollen.“
Passende Umfelder sind mitentscheidend dafür, dass zunächst kraftvolle Beziehungen und auf dieser Basis dann kraftvolle Arbeitsergebnisse entstehen. In standardisierten Formaten und im tristen Einheitsgrau alter Bürokonstellationen hingegen kommt man schlecht auf neue Ideen. Damit das Gehirn auf Hochtouren fährt, brauchen wir ansprechende, offene, flexible, farbenfrohe, beflügelnde Raumwelten, die sowohl konzentriertes Vorgehen als auch einen regen Austausch möglich machen. So entstehen vielerorts nun Begegnungsorte auf Augenhöhe, an denen weder Silos noch Machtgefüge eine Chance haben.
Kollaborative Zusammenarbeit braucht räumliche Nähe
Wir suchen unsere Mitmenschen am liebsten auf gleicher Ebene auf, das ist ein Relikt aus unserer Zeit als Savannenbewohner. Was in entfernten Stockwerken passiert, blenden wir aus. So ergab es sich in der Münchener BMW-Zentrale, dass die Ingenieure, die die 5er-Modellreihe konzipierten, die Kollegen von der 7er-Serie kaum zur Kenntnis nahmen - und umgekehrt. So manche Idee, die man wechselseitig gut hätte gebrauchen können, wurde entweder zu spät oder gar nicht ausgetauscht. Der Grund: Die Teams waren in verschiedenen Stockwerken untergebracht[Kast, B.: Und plötzlich macht es Klick!, S. 185f]. Innovationsfeindliche Silostrukturen und Machtpolitik sind meist der wahre Auslöser für solche Entzweiung.
In jungen Unternehmen hingegen ist die in die Breite gehende Zusammenarbeitsfläche längst dominierend. Dort werden die Arbeitsplätze nicht nach hierarchischen, sondern nach funktionalen Gesichtspunkten gestaltet. Orte intensiver Arbeit, Räume der Geselligkeit und Rückzugsbereiche gehören dazu. Viel Glas sorgt für Durchblick. Gemeinsame Wege und Orte regelmässigen Zusammenkommens führen zu einem spontanen Gedankenaustausch und zu gemeinsamen Projekten. Menschen arbeiten sehr gern co-kreativ miteinander, wenn man ihnen vielfältigen Raum dafür gibt.
Kreativität benötigt Musse - und sie mag Gesellschaft
Die Denkarbeit des Gehirns verläuft in vier Phasen: Inspirieren, konzentrieren, aktivieren, regenerieren. Diesen Rhythmus gilt es durch freie Zeiteinteilung zu unterstützen, denn Gehirne ermüden sehr schnell. Doch Phasen der geistigen Regeneration, damit eine kreative Ausbeute gelingt, kommen im klassischen Arbeitsleben zu kurz. „Bitte kein Sofa“, hört man von so manchem Chef, wenn es um die architektonische Büroneukonzeption geht. „Meine Leute sollen arbeiten und nicht rumhängen“, heisst es zur Begründung. Tja, vom Wesen der Kopfarbeit hat er nichts verstanden. Eine monotone Arbeitsumgebung lässt Ergebnisarmut entstehen.
Kopfarbeiter kontrollieren? Die pure Anwesenheit am Schreibtisch ist kein Garant für Leistung. Einfallsreichtum entsteht nicht nach Stundenplan und auf Befehl, sondern braucht ein passendes Umfeld. Nur, wer sich wohlfühlt, ist kreativ.
Neurobiologisch betrachtet entwickeln sich kreative Ideen, indem das Gehirn auf geistige Wanderschaft geht und bestehendes Wissen mit neuem Gedankengut kombiniert. Hohe Decken lassen Luft zum Denken. Für fokussierte Arbeiten hingegen sind niedrige Decken besser geeignet. Ein weiter Blick nach draussen oder ein Arbeitsort in freier Natur kann zu zündenden Einfällen führen. Ansprechende Musik sowie passende Farben und Düfte stimulieren die Schöpferkraft und steigern das Leistungsvermögen.
Eine gut ausgestattete bistroähnliche Küche ist in modernen Bürogebäuden elementar. Sie ist ein Erholungsort und macht Plauschpausen möglich. Einfallsreichtum entsteht ja vor allem dann, wenn unser Denkapparat entspannt ist und Gedankenrohlinge mit anderen teilt. So kann man sich im Bistro auch ganz ungezwungen mit Kollegen aus anderen Arbeitsbereichen treffen, um sich zu vernetzen und Ideen zusammenzulegen.
Manchmal reicht es zu Beginn, einen einzigen Raum im Unternehmen für kreativeres Arbeiten umzugestalten. Sorgen Sie für unterschiedlichste Sitzgelegenheiten, für Visualisierungsflächen, für einen Kuschelteppich - und unbedingt auch für ein gemütliches Sofa. Projektgruppen benötigen andere Räumlichkeiten als Scrum-Teams. Design Thinking braucht einen anderen Ort als die Routinearbeit.
Checkliste
- Prüfen Sie, ob Teams funktional statt hierarchisch angeordnet sind, um fachlichen Austausch zu fördern.
- Stellen Sie sicher, dass verschiedene Deckenhöhen für fokussierte Arbeit und kreative Wanderschaft verfügbar sind.
- Integrieren Sie bistroähnliche Küchenbereiche als informelle Treffpunkte für spontane Gespräche.
- Schaffen Sie Rückzugsorte mit gemütlichen Sitzgelegenheiten für Phasen der geistigen Regeneration.
- Nutzen Sie viel Glas und offene Strukturen, um Durchblick und Transparenz zu gewährleisten.
- Bieten Sie Visualisierungsflächen und unterschiedliche Sitzgelegenheiten für diverse Arbeitsmethoden an.
- Planen Sie regelmässige Präsenztage ein, um nonverbale Signale und Vertrauen im Team zu stärken.
- Gestalten Sie Räume mit passenden Farben, Düften und Musik, um die Schöpferkraft zu stimulieren.
- Vermeiden Sie tristes Einheitsgrau und setzen Sie auf beflügelnde, abwechslungsreiche Raumwelten.
- Fördern Sie Rituale und gemeinsame Erlebnisse, um ein starkes Wir-Gefühl und Identifikation zu schaffen.
In wandelbaren Arbeitslandschaften bleiben auch die Mitarbeitenden in Bewegung und eisen nicht in Routinen ein. Wer immer in gleichförmiger Umgebung ist, stumpft irgendwann ab. Neue Reize hingegen bringen uns auf neue Gedanken, weil unser Gehirn die eingefahrenen Programme dann nicht mehr automatisch abspulen kann. Obendrein steigert eine moderne Arbeitsumgebung die Arbeitgeber-Attraktivität ganz erheblich. Sie lockt die besten Talente wie magisch an.
Ein gutes Wir-Gefühl erfordert menschliche Nähe
Ein starkes „Wir-Gefühl“ entwickelt sich vor allem durch gemeinsame Erlebnisse, durch erzielte Ergebnisse und Stolz auf die Firma. Wohl nichts motiviert auf Dauer so sehr, wie Teil einer erfolgreichen Gemeinschaft zu sein. Denn dann springt ein wenig von deren Glanz auch auf einen selbst über. Erfolgreiche Unternehmen bieten also nicht nur Identifikationspotenzial, sie dienen auch der Selbsterhöhung.
Die Zutaten für ein perfektes Wir-Gefühl? Es sind diese:
- Erfolge, die sich feiern lassen,
- visuelle Zeichen der Zugehörigkeit,
- Rituale, die zusammenschweissen,
- gemeinsam erlebte Geschichten,
- ein guter Ruf in der Öffentlichkeit.
In Zeiten von Homeoffice und Videocalls ist zudem ganz entscheidend: Trifft sich das Team regelmässig? Natürlich kann das Tagesgeschäft in vielen Fällen remote erledigt werden. Doch Vertrauen, Kreativität und Zusammenhalt, der Aufbau eines starken Wir-Gefühls und die Arbeit an der Zukunft eines Unternehmens brauchen unbedingt auch physisches Miteinander.
Zunehmend wird nämlich erkannt, dass Menschen am besten zusammenwirken, wenn sie sich sehen. Warum das so ist? Die wahre Gesinnung zeigt sich in Gestik und Mimik. Die meisten von uns haben ein gutes Intuitionsradar für richtig und falsch. Solche Signale können wir aber nur dann gut entschlüsseln, wenn wir uns physisch nahe sind. Um eine Gruppe langfristig zusammenzuhalten, müssen deren Mitglieder ihre sozialen Beziehungen zueinander pflegen können - virtuell und real. Ein möglicher Kompromiss: Werden Sie zu einer DiMiDo-Company mit Präsenz am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag.
FAQ: Arbeitslandschaften
Warum sind Videokonferenzen für die Innovationsförderung weniger geeignet als physische Treffen?
Videokonferenzen sorgen oft für Versachlichung und emotionale Distanz. Die wahre Gesinnung zeigt sich in Gestik und Mimik, die nur bei physischer Nähe gut entschlüsselt werden können. Vertrauen und spontane Ideen entstehen durch Tuchfühlung, die digitale Formate kaum ersetzen.
Welche Rolle spielen Regenerationsphasen in der Arbeitsgestaltung?
Kreativität benötigt Musse. Das Gehirn entwickelt Ideen, wenn es auf geistige Wanderschaft geht und bestehendes Wissen mit neuem kombiniert. Räume für Entspannung, wie Sofas oder Bistros, sind essenziell, da monotone Umgebungen Ergebnisarmut fördern.
Wie können Unternehmen Silostrukturen in der Bürogestaltung vermeiden?
Silostrukturen entstehen oft durch räumliche Trennung, etwa wenn Teams in verschiedenen Stockwerken arbeiten. Eine flache, funktionale Anordnung auf gleicher Ebene und offene Begegnungsorte fördern den Austausch zwischen verschiedenen Abteilungen und verhindern Entzweiung.
Ist es sinnvoll, auch in Zeiten von Homeoffice auf Präsenzphasen zu setzen?
Ja, denn Vertrauen, Kreativität und Zusammenhalt brauchen physisches Miteinander. Ein Kompromiss wie eine DiMiDo-Company (Präsenz Dienstag bis Donnerstag) ermöglicht den Aufbau eines starken Wir-Gefühls, während das Tagesgeschäft remote erledigt werden kann.
Welche Auswirkungen hat die Gestaltung des Büros auf die Arbeitgeberattraktivität?
Eine moderne, wandelbare Arbeitsumgebung steigert die Attraktivität erheblich. Talente werden angezogen, wenn sie vielfältige Räume für Kollaboration, Konzentration und Regeneration vorfinden, statt in starren Strukturen zu arbeiten.