Personalpolitik: Klarheit für Mitarbeitende und Unternehmen schaffen
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Eine schriftliche Personalpolitik definiert die Grundhaltungen und Rahmenbedingungen für die Führung der Humanressourcen. Sie verankert Werte, steuert Entscheidungen und gestaltet Beziehungen zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden, ohne dabei operative Details wie ein Personalreglement vorzugeben. Damit bildet sie die Brücke zwischen dem abstrakten Leitbild und der konkreten Umsetzung im Arbeitsalltag.
Die wichtigsten Punkte:
- Eine Personalpolitik etabliert Werte und Grundsätze, die HR-Entscheidungen steuern.
- Sie schafft Klarheit im Umgang zwischen Unternehmen und Mitarbeitenden.
- Sie positioniert sich zwischen dem allgemeinen Leitbild und dem konkreten Personalreglement.
- Sie fördert Motivation, Verbindlichkeit und Orientierung für alle Beschäftigten.

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Wie formuliere ich eine wirksame Personalpolitik, die Werte vermittelt und HR strategisch ausrichtet?
Personalpolitik
Viele Unternehmen in der Schweiz verfügen über eine schriftlich festgehaltene Personalpolitik, sehr viele aber auch nicht. Letztere verzichten damit erstens auf die umfassende Etablierung von Werten, Überzeugungen und Grundsätzen, welche die Entscheidungen in der Führung der Humanressourcen steuern, zweitens auf eine Basis, welche die ständige Gestaltung der Beziehungen und die Pflege der sozialen Verantwortlichkeiten in einer Unternehmung definiert, und drittens auf Regeln, wie Mitarbeitende und Unternehmen im Arbeitsalltag miteinander umgehen. Werteetablierung, Entscheidungssteuerung und Beziehungsgestaltung im HRM sind aber neben der Unternehmensstrategie und der Unternehmenskultur bestimmend, wenn es um die Marschrichtung und damit die für die gesamte Unternehmung strategische Ausrichtung von HR geht. Mit anderen Worten, die Personalpolitik definiert die für eine Personalstrategie notwendigen Grundhaltungen und Rahmenbedingungen.
Wie wird Personalpolitik festgehalten?
Dabei ist die Gestaltung einer Personalpolitik in der betrieblichen Praxis kaum irgendwelchen Regeln unterworfen. Es kommen die unterschiedlichsten Formate vor. Es ist alles möglich, seien es ein paar wenige Bullet Points, die im Intranet publiziert werden, oder seien es mehrseitige Dokumente, die detaillierte Kommentare zu diversen Themenfeldern umfassen und allen Mitarbeitenden ausgehändigt sowie via Unternehmenswebseite auch extern zugänglich gemacht werden. Struktur und Detaillierungsgrad der Inhalte variieren also stark, drehen sich im Grossen und Ganzen aber immer um die oben erwähnten Grundwerte in der Führung der Humanressourcen.
Wenn eine Personalpolitik nicht schriftlich verfügbar ist, bedeutet dies jedoch nicht, dass diese Firma keine personalpolitische Orientierung besitzt. Oft findet man in einem ausführlich gestalteten Leitbild (Mission Statement) viele Aussagen, die einer Personalpolitik zuzuordnen sind, etwa zum angestrebten Führungsstil, zur Mitbestimmung oder zur Sozialpolitik. Dies kann nicht überraschen, da eine wirksame Personalpolitik letztendlich in den Inhalten eines Leitbildes verwurzelt ist. Oder es haben sich im täglichen Betriebsalltag Verhaltensweisen, implizite Regeln oder ungeschriebene Gesetze herausgebildet, die nirgends formuliert sind, deren Steuerungskraft aber einer effektiven Personalpolitik gleichkommt. Damit sind wir schon sehr nahe bei der Unternehmenskultur, die ebenfalls eng mit den Inhalten einer Personalpolitik verknüpft ist. Diese Zusammenhänge zwischen Leitbild, Unternehmenskultur und Personalpolitik zeigen sich weiter darin, dass wichtige Merkmale auf alle drei Konzepte zutreffen:
- Orientierung: Vermittlung von Sinn und Orientierung und damit Steuerung von Verhalten in einer komplexen Welt
- Motivation: Stabilisierende Wirkung und damit positive Effekte auf Motivation und Engagement
- Verbindlichkeit: Gültigkeit für alle Mitarbeitenden eines Unternehmens
- Beziehungsrelevanz: Aussage über die Art und Weise des Umgangs der Mitarbeitenden untereinander
- Dynamik: Langsame, aber stetige Entwicklung und Veränderung
Personalpolitik vs. Personalreglement
Auch wenn existierende Personalpolitiken gelegentlich operative Handlungsanweisungen enthalten, dürfen sie deswegen nicht mit Personalreglementen verwechselt werden. Letztere haben einen viel höheren Detaillierungsgrad und beinhalten in umfassender Art und Weise die für alle Mitarbeitenden gültigen Standards und Regeln. Sie bilden deshalb oft einen integralen Bestandteil des Arbeitsvertrages.
Die möglichst eindeutige Positionierung in einem Spektrum zwischen der allgemeingültigen Abstraktheit eines Leitbildes und der unternehmensspezifischen Konkretheit eines Personalreglements ist aber ein wichtiges Bestimmungsmerkmal einer Personalpolitik. Neben dieser Ausprägung definiert sich eine Personalpolitik ebenfalls durch unterschiedliche Indikationen der Unternehmenskultur. Diese Positionierung zeichnet sich am einen Ende durch einen Flexibilitätsfokus (Kurzfristorientierung), am anderen Ende durch einen Stabilitätsfokus (Langfristorientierung) aus. Stabilität bedeutet in diesem Zusammenhang beispielsweise eine konsistente Unternehmensidentität oder die Nachhaltigkeit von Zielen und Richtwerten, während Flexibilität unter anderem für Veränderungsbereitschaft oder die Dezentralisierung von Verantwortung steht. Stabilitätsorientierung und Flexibilitätsorientierung bilden mit anderen Worten die entgegengesetzten Ausrichtungen eines weiteren Spektrums, in welchem sich personalpolitische Inhalte ausprägen können.
Checkliste
- Positionierung festlegen: Soll die Politik allgemein gültig oder unternehmensspezifisch sein?
- Abstraktionsgrad bestimmen: Zwischen abstrakten Prinzipien und konkreten Anweisungen wählen.
- Fokus setzen: Stabilitätsorientierung (Langfristigkeit) oder Flexibilitätsorientierung (Veränderung) priorisieren.
- Inhalte auswählen: Relevante Themen wie Lohn, Arbeitszeit oder Weiterbildung definieren.
- Gewichtung vornehmen: Den Stellenwert der einzelnen Inhalte klar priorisieren.
- Formulieren: Die Politik basierend auf den vorherigen Schritten schriftlich fixieren.
Während die resultierenden Positionierungsoptionen entlang der beiden Dimensionen für eine Personalpolitik entsprechend vielfältig sein können, sind die eigentlichen thematischen Inhalte einer Personalpolitik relativ genau umrissen:
- Lohn- und Sozialpolitik
- Arbeits- und Arbeitszeitgestaltung
- Mitwirkung und Einflussmöglichkeiten der Mitarbeitenden
- Einstellungen, Beförderungen, Entlassungen
- Aus- und Weiterbildungspolitik
- Kommunikationspolitik
- Führungsverständnis
- Beziehungen
- Diversität
Um festzulegen, welche dieser Inhalte (alle oder nur ein Teil) mit welcher Priorisierung (starke oder schwache Gewichtung) in welcher Länge (eine oder mehrere Seiten) mit welcher Ausrichtung (allgemeingültig-abstrakte oder unternehmensspezifisch-konkrete Formulierung) und mit welcher Positionierung (Stabilitätsfokus oder Flexibilitätsfokus) die eigene Personalpolitik bilden sollen, bietet sich sowohl für die Neugestaltung wie auch für die Überarbeitung einer Personalpolitik ein Vorgehen in sechs Schritten an:
- Positionierung «allgemeingültig» vs. «unternehmensspezifisch»
- Positionierung «abstrakt» vs. «konkret»
- Positionierung «stabilitätsorientiert» vs. «flexibilitätsorientiert»
- Auswahl und Priorisierung der relevanten Inhalte
- Gewichtung der definierten Inhalte
- Formulierung der Personalpolitik auf Basis von 1. bis 5.
Durch ihren richtungsweisenden Charakter können die inhaltlichen Schwerpunkte einer Personalpolitik präzise ausdrücken, was der Stellenwert der Mitarbeitenden in einer Firma ist, und damit auch zum Ausdruck bringen, dass die Mitarbeitenden einen wichtigen, wenn nicht den wichtigsten Faktor darstellen, um die strategischen und operativen Geschäftsziele zu erreichen.
Einerseits kann dadurch eine entsprechend formulierte und auch gelebte Personalpolitik Klarheit schaffen, wie die Personalressourcen geführt werden sollen. Andererseits kann dies auch den Wendepunkt von einem administrativ-verwaltenden zu einem strategisch-beitragenden Human Ressource Management markieren.
FAQ: Personalpolitik
Was ist der Unterschied zwischen Personalpolitik und Personalreglement?
Die Personalpolitik definiert Werte, Grundsätze und die strategische Ausrichtung, während das Personalreglement detaillierte operative Regeln und Standards enthält, die oft vertraglich bindend sind.
Muss eine Personalpolitik schriftlich vorliegen?
Ja, eine schriftliche Fixierung ist essenziell, um Werte und Regeln für alle Mitarbeitenden verbindlich und transparent zu machen, auch wenn implizite Regeln im Alltag existieren können.
Welche Inhalte gehören typischerweise in eine Personalpolitik?
Zu den Kerninhalten zählen Lohn- und Sozialpolitik, Arbeitszeitgestaltung, Mitwirkungsmöglichkeiten, Personalprozesse (Einstellung, Beförderung), Weiterbildung, Kommunikation, Führungsverständnis und Diversität.
Wie hängt die Personalpolitik mit dem Leitbild zusammen?
Eine wirksame Personalpolitik ist in den Inhalten des Leitbildes verwurzelt und übersetzt die dortigen Visionen in konkrete Grundhaltungen für das Personalmanagement.