06.06.2018

Besteuerung Sportler: Wie werden international tätige Sportler besteuert?

Unterschiedlich hohe Einkommenssteuersätze in verschiedenen Ländern haben zu einer Zunahme der grenzüberschreitenden Mobilität von hoch bezahlten Arbeitnehmern und damit einhergehenden Steuerproblemen geführt. Dies trifft insbesondere auch auf internationale Sportler zu.

Von: Vassilios Koutsogiannakis, Fabian Bigger   Drucken Teilen   Kommentieren  

Vassilios Koutsogiannakis

Vassilios Koutsogiannakis ist Manager Legal Services bei EY Zürich.

 

 

 

Fabian Bigger

Fabian Bigger ist Consultant Private Client Services bei EY Zürich.

 

 

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Besteuerung Sportler

Internationale Sportler

Als «internationale Sportler» definiert Art. 17 des OECD-Musterabkommens (nachfolgend «OECD-MA») Personen, die an öffentlichen, sportlichen Wettkämpfen teilnehmen, wobei die Teilnahme an einem einzigen Wettkampf bereits genügt. Dementsprechend sind alle Personen, die an öffentlichen Wettkämpfen wie Fussball, Eishockey, Golf, Tennis, Beachvolleyball etc. teilnehmen, als Sportler zu betrachten. Gewöhnlich unterliegt ein Sportler mit Wohnsitz in der Schweiz bezüglich seines weltweiten Einkommens sowohl Bundes-wie auch Kantons- und Gemeindesteuern in der Schweiz, mit Ausnahme von Einkünften aus Immobilien im Ausland. Wenn ein Sportler jedoch international tätig ist, hat jedes Land, in welchem dieser seine sportliche Tätigkeit ausübt, das Recht, Einkommenssteuern zu erheben. Um zu bestimmen, welcher Staat für welche Einkommensformen des Sportlers das Besteuerungsrecht hat und um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, enthalten die meisten Doppelbesteuerungsabkommen (nachfolgend «DBA») Regelungen, die in Übereinstimmung mit Art. 17 und Art. 23 A bzw. B OECD-MA festgelegt wurden.

Gemäss Art. 17 Abs. 1 OECD-MA können «Einkünfte, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person (…) als Sportler aus ihrer im anderen Vertragsstaat persönlich ausgeübten Tätigkeit bezieht, im anderen Staat besteuert werden». Diese so genannte Sportlerregelung gilt nur für «Einkünfte, die direkt und indirekt aus einer bestimmten Leistung eines Sportlers im jeweiligen Staat stammen». Nach dieser Formulierung kann neben der Schweiz als Wohnsitzstaat auch der Staat, in dem der Sportler seine sportliche Tätigkeit aus-übt, das jeweilige Einkommen besteuern. Art. 23 A in Verbindung mit Art. 17 Abs. 1 OECD-MA erlaubt es der Schweiz jedoch, das betroffene Einkommen freizustellen, um eine tatsächliche und virtuelle Doppelbesteuerung beim betroffenen Sportler zu verhindern. Diese internationalen Einkommen werden von den Schweizer Steuerbehörden allerdings zur Bestimmung des anwendbaren Gesamtsteuersatzes berücksichtigt.

Einkommensformen

Einkünfte, welche die Sportler durch die Teilnahme an Wettkämpfen erzielen, werden als Einkommen aus persönlicher Arbeitsleistung bezeichnet. Wie bereits erwähnt, bedeutet dies, dass solches Ein-kommen gemäss Art. 17 OECD-MA besteuert wird, wenn das Einkommen in einem engen Zusammenhang mit der Ausübung der sportlichen Tätigkeit in einem Vertragsstaat erbracht wird. Dement-sprechend ist es entscheidend, festzulegen, für welche Leistungen bestimmte Vergütungen an den Sportler bezahlt werden. Für die meisten (Mannschafts-)Sportler bildet der Fixlohn die Haupteinnahmequelle. In der Regel darf ein Staat nach Art. 15 OECD-MA das Einkommen einer Person, die in einem ausländischen Unternehmen beschäftigt ist, erst besteuern, wenn diejenige Person mehr als 183 Tage in diesem Staat gearbeitet hat (vorausgesetzt, es gibt keine Betriebsstätte des betreffenden Unternehmens in diesem Staat). Da aber Art. 17 OECD-MA Vorrang vor Art. 15 OECD-MA geniesst, beginnt die Steuerpflicht eines Sportlers bereits am ersten Tag seiner sportlichen Tätigkeit und folglich kann ein ausländischer Vertragsstaat Einkommenssteuern auf den Fixlohn eines Sportlers im Verhältnis zu den gesamten «Leistungstagen» pro Jahr erheben.

Die von den Veranstaltern bezahlten Preisgelder stehen in direktem Zusammenhang mit der sportlichen Betätigung des Sportlers und können daher Art. 17 OECD-MA zugeordnet werden. Gleiches gilt auch für Ranglistenprämien, die für eine bestimmte Leistung in einem Wettkampf bezahlt werden. Da all diese Zahlungen unter die Zuständigkeit des jeweiligen Gaststaates fallen, unterliegen sie keiner Besteuerung in der Schweiz. Dies gilt unabhängig davon, ob der andere Staat (ebenfalls ein Vertragsstaat) auch tatsächlich eine Quellensteuer erhebt.

Oft zahlen Veranstalter den Sportlern so genannte Startgelder, um sie zur Teilnahme an einem bestimmten Wettkampf zu motivieren. Die meisten Autoren vertreten zu Recht die Ansicht, dass die eigentliche Quelle der Zahlung nicht die zu erbringende sportliche Leistung ist, sondern das generelle Ansehen des Sportlers. Dementsprechend unterliegen die Startgelder nicht Art. 17 OECD-MA und können folglich von den Schweizer Steuer-behörden besteuert werden.

Die gleichen Ausführungen gelten auch in Bezug auf Vergütungen, welche durch Ausrüster und Sponsoren bezahlt werden, sofern diese nicht von einer bestimmten sportlichen Leistung des Sportlers abhängen oder im Zusammenhang mit einem Wettkampf stehen. Es kann daher argumentiert werden, dass solche Vergütungen nicht unter Art. 17 OECD-MA fallen und somit in der Schweiz voll besteuert werden können. Dies gilt jedoch nicht uneingeschränkt, da einige Länder (so bspw. Grossbritannien) auf eben diesen Einkünften dennoch eine Einkommenssteuer erheben und zwar mit dem Argument, dass Ausrüster und Sponsoren den Sportlern eine Vergütung für die Gesamtheit ihrer Leistungen bezahlen und diese Vergütung daher analog zu der beim Fix lohn beschriebenen Methode behandelt werden muss.

Prämien für Platzierungen in der Gesamtwertung oder in der Weltrangliste können keiner bestimmten sportlichen Leistung und auch keinem bestimmten Veranstaltungsort zugeordnet werden. Entsprechend kann die Sportlerregelung des Art. 17 OECD-MA nicht auf diese Einkommensform angewandt werden.

Einnahmen aus der Nutzung der Rechte am geistigen Eigentum der Sportler stehen grundsätzlich nicht in direktem Zusammenhang mit einer bestimmten sportlichen Leistung und fallen daher nicht unter Art. 17 sondern unter Art. 12 OECD-MA. Nach diesem Artikel werden Einnahmen aus der Nutzung der Rechte am geistigen Eigentum nicht an der Quelle besteuert und unterliegen somit der Besteuerung in der Schweiz. Der Kommentar zum OECD-MA bestimmt jedoch, dass Zahlungen eines Veranstalters, Ausrüsters oder Sponsors für die Nutzung der Unterschrift, des Namens oder des Bildes der Sportler, welche in einem engen Zusammenhang mit einer bestimmten sportlichen Leistung stehen unter Art. 17 OECD-MA zu subsumieren sind. Entsprechend werden diese Einnahmen an der Quelle besteuert und unterliegen nicht der schweizerischen Einkommensteuer.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass die Schweiz auf dem Fixlohn (ohne die im Ausland geleisteten Tage), den Prämien für Platzierungen in der Gesamt-wertung oder in der Weltrangliste, den Startgeldern sowie den Vergütungen für die geistigen Eigentumsrechte der Sportler, die nicht direkt oder indirekt mit einer sportlichen Veranstaltung oder einem Wettbewerb verbunden sind, Steuern erheben darf. Zusätzlich können die Schweizer Steuerbehörden auch Preisgelder sowie Prämien für eine in der Schweiz erbrachte sportliche Leistung besteuern. Andererseits haben die Steuerbehörden der Vertragsstaaten, in denen die Sportveranstaltungen ausserhalb der Schweiz stattfinden, das Recht, das Preisgeld sowie die Ranglistenprämien und jede weitere Entschädigung zu besteuern, die in direktem oder indirektem Zusammenhang mit dem in ihrem Zuständigkeitsbereich stattfindenden Wettkampf steht.

Auf Grund der hier beschriebenen Komplexität der Steuersituation und um eine mögliche Doppelbesteuerung sowie mögliche Strafen für unbezahlte Steuern zu vermeiden, empfiehlt es sich, frühzeitig einen Spezialisten beizuziehen.

Quelle: Der Beitrag stammt aus der Legal News vom April 2018, mit freundlicher Genehmigung von Ernst & Young AG.

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