Nichtfinanzielle Berichterstattung: Nachhaltigkeitskonzepte als Basis
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Die nichtfinanzielle Berichterstattung bildet die Basis für eine transparente Unternehmensführung, bei der ökologische, soziale und governancebezogene Aspekte (ESG) neben finanziellen Kennzahlen stehen. Unternehmen müssen diese Informationen strukturiert aufbereiten, um gesetzlichen Anforderungen zu genügen und das Vertrauen von Investoren sowie Kunden zu stärken. Dabei dienen die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) und die EU-Taxonomie als wichtige Orientierungspunkte für die Definition relevanter Kennzahlen und Ziele.
Die wichtigsten Punkte:
- ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) ergänzen die traditionelle Corporate Social Responsibility (CSR).
- Die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bieten einen globalen Rahmen für nachhaltige Unternehmensstrategien.
- Die EU-Taxonomie definiert sechs zentrale Umweltziele, die bei Investitionen beachtet werden müssen.
- Investoren und Banken fordern zunehmend detaillierte Einblicke in die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen.
- CFOs übernehmen eine wachsende Rolle bei der Erfassung und Veröffentlichung von Nachhaltigkeitskennzahlen.

Passende Arbeitshilfen
Wie bauen Unternehmen eine effektive nichtfinanzielle Berichterstattung auf?
Nichtfinanzielle Berichterstattung
Die nichtfinanzielle Berichterstattung gewinnt für Unternehmen zunehmend an Bedeutung, da Stakeholder neben finanziellen Kennzahlen, auch ökologische, soziale und governancebezogene Aspekte (ESG) in ihre Bewertungen einbeziehen. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, diese Informationen strukturiert und nachvollziehbar aufzubereiten, um gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden und das Vertrauen von Investoren, Kunden und Partnern zu stärken.
CSR und ESG
Ergänzend zu dem weitverbreiteten Begriff der Corporate Social Responsibility (CSR) erscheint in letzter Zeit häufiger das Akronym ESG für die englischsprachigen Begriffe «Environment, Social, Governance» (Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführung). Beide gelten als wichtige und sich ergänzende Konzepte des breiten Themas Nachhaltigkeit, aber vor allem dem Kürzel ESG wird nachgesagt, dass es sich vor allem in der Finanzbranche sowie für Finanzinvestitionen einer zunehmenden Verwendung erfreut (Niklowitz, 2022).
Die UN-Nachhaltigkeitsziele (UN Sustainable Development Goals – SDGs)
Nachhaltigkeit als Zielsetzung von Unternehmen kann von diesen nicht ohne Bezug zum eigenen Wertesystem und zu einem prinzipienbasierten Ansatz für die eigene Geschäftstätigkeit umgesetzt werden. Die Vereinten Nationen (UN) haben daher 2015 die «Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung» verabschiedet, dessen Kern insgesamt 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung bilden, welche entsprechend als Sustainable Development Goals (SDGs) benannt wurden: https://sdgs.un.org/goals. Mit dem Beschluss dieser Agenda durch die 193 UN-Mitgliedsstaaten haben diese die Absicht verfolgt, die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung, nämlich Wirtschaft, soziale Entwicklung und Umwelt (ESG – Environment, Social, Governance), mithilfe der 17 Ziele und 169 Zielvorgaben miteinander zu verknüpfen.
Die SDGs basieren auf dem Prinzip, dass jeder Mensch und jedes Land Verantwortung übernehmen und einen Teil zur Erreichung dieser Vision beitragen soll. Damit verbunden ist ein Appell an alle Staaten, ihr Handeln an den SDGs zu orientieren, damit Armut überwunden, Ungleichheit vermindert, Gesundheit und Bildung gewährleistet, wirtschaftliches Wachstum gefördert und die Umwelt bewahrt werden.
Umwelt, Soziales und Governance (ESG)
Die Idee der Nachhaltigkeit stützt sich auf die drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales, was auch mit dem Begriff Triple-Bottom-Line-Ansatz bezeichnet wird.
Auf europäischer Ebene wurden durch die sogenannte Taxonomie-Verordnung Kriterien zur ökologischen und nachhaltigen Wirtschaftstätigkeit festgelegt, um damit den Grad der ökologischen Nachhaltigkeit von Investitionen bestimmen zu können. Dazu gehören gemäss Taxonomie-Verordnung sechs zentrale Umweltziele, die durch die wirtschaftlichen Aktivitäten der Unternehmen nicht beeinträchtigt werden dürfen:
- Klimaschutz (Artikel 10)
- Anpassung an den Klimawandel (Artikel 11)
- Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser und Meeresressourcen (Artikel 12)
- Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft (Artikel 13)
- Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung (Artikel 14)
- Schutz und Wiederherstellung von Biodiversität und Ökosystemen (Artikel 15)
Die EU-Taxonomie legt zudem einen Fokus auf die sogenannten ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance), wonach Unternehmen Umwelt, Soziales und Governance im Zielsystem ihrer Unternehmensführung integrieren und hierüber ihre Anspruchsgruppen regelmässig informieren.
Auch in der Finanzwelt ist die Nachhaltigkeit zweifellos angekommen. So werden beispielsweise Unternehmen von kreditgebenden Banken danach gefragt, wie sie ihre ökologischen Risiken und damit die nachhaltige Geschäftsentwicklung einschätzen. Dies auch deshalb, weil Banken zunehmend auch die nachhaltige Ausrichtung ihres Kreditportfolios und ESG-Ratings berücksichtigen. Auch ausserhalb des Zusammenhangs von Bankkrediten bieten sich Unternehmen die Möglichkeiten, Green-Finance-Instrumente, wie z.B. Green Bonds, zur Finanzierung von Umwelt-(schutz-)Engagements einzusetzen (Abdel-Karim und Kollmer, 2022).
Checkliste
- Bestehende Unternehmenswerte und CSR-Strategie mit den SDGs abgleichen.
- Relevante ESG-Risiken und Chancen für das eigene Geschäftsmodell identifizieren.
- Datenquellen für ökologische und soziale Kennzahlen im Unternehmen ermitteln.
- Die sechs Umweltziele der EU-Taxonomie auf die eigenen Aktivitäten prüfen.
- Transparenzanforderungen der wichtigsten Stakeholder (Investoren, Kunden, Banken) analysieren.
- Verantwortlichkeiten für die Datenerhebung und Berichterstattung festlegen.
- Einen Zeitplan für die erste umfassende nichtfinanzielle Berichterstattung erstellen.
- Möglichkeiten für Green-Finance-Instrumente wie Green Bonds evaluieren.
Entwicklung der nichtfinanziellen Berichterstattung als Folge einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmensstrategie
Das Verhältnis von SDGs und ESG ist eng miteinander verbunden, da beide Konzepte darauf abzielen, eine nachhaltigere Welt zu schaffen. Für ein umfassendes Verständnis einer an der wirtschaftlichen Realität ausgerichteten Nachhaltigkeitsstrategie der Unternehmen übernimmt die nichtfinanzielle Berichterstattung eine wichtige Informationsfunktion.
Unternehmen gestalten ihre nichtfinanzielle Berichterstattung gegenüber den relevanten Anspruchsgruppen dadurch erfolgreich, indem sie relevante Kennzahlen, Ziele und Erfolge im Zusammenhang mit ESG und SDGs in ihren Berichten aufnehmen (Gascoigne, 2022). Die nichtfinanzielle Berichterstattung von Unternehmen bezieht sich in erster Linie auf die Offenlegung von Informationen über deren ESG-Praktiken und -Ergebnisse sowie über ihre Beiträge zur Erreichung der SDGs. Unternehmen reagieren so auf das zunehmende öffentliche Interesse an Problemen wie Umweltverschmutzung, Klimawandel, Armut oder Arbeitnehmerrechten.
Ein herkömmlicher Jahresabschluss erfüllt daher regelmässig nicht die Erwartungen der Anspruchsgruppen, weil er keine Informationen über die sozialen und ökologischen Aspekte der Unternehmenstätigkeit enthält und somit die Transparenzanforderungen verfehlt. Unternehmen müssen sich zunehmend damit befassen, Corporate-, Social-, Responsibility- und ESG-Informationen, die sich auf die Leistung des Unternehmens auswirken könnten, zu erfassen, zu validieren, zu analysieren und zu veröffentlichen.
Fazit zur Nichtfinanzielle Berichterstattung
Nachhaltigkeit reicht über die traditionellen Geschäftsbereiche der Unternehmen hinaus und wird ebenso sehr Teil der Unternehmenskultur wie auch Teil der globalen Gesellschaft. Nachhaltigkeit und Finanzen werden zunehmend miteinander verknüpft, da Investoren neben Finanzdaten auch ESG-Kennzahlen verlangen. Infolgedessen befassen sich CFOs zunehmend mit Nachhaltigkeitskennzahlen, die früher den Abteilungen Marketing und Investor Relations vorbehalten waren.
Im Gegensatz zu den internationalen Standards im Bereich der Finanzberichterstattung, die über Jahre hinweg von weltweit anerkannten Gremien ausgearbeitet wurden, sind Nachhaltigkeitskennzahlen für Investoren heute oft verwirrend oder schlecht verständlich. Zudem setzen Unternehmen unterschiedliche Schwerpunkte in Bezug auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG). Dennoch werden ESG-Kennzahlen in Zukunft einen grösseren Teil des Aufgabenbereichs von CFOs ausmachen. Eine nichtfinanzielle Berichterstattung hilft, Risiken zu minimieren und langfristige Unternehmenswerte zu sichern.
Quellenverzeichnis
Abdel-Karim, B. M. und Kollmer, F. X. (2022): Sustainable Finance, SpringerGabler, Wiesbaden, https://doi.org/10.1007/978-3-658-36389-5
Gascoigne, C. (2022): Growth in ESG sees CFOs take on sustainability role, Raconteur, 21.4.2022, online: www.raconteur.net/sustainability/sustainability-esg-finance-cfo
Niklowitz, Mattias (2022): Nachhaltigkeitsstandards – Diefeinen Unterschiede, Handelszeitung, 7.12.2022, online: www.handelszeitung.ch/specials/corporate-social-responsibility-2022/csr-und-esg-das-sind-die-unterschiede-bei-den-nachhaltigkeitsstandards-553101
FAQ: Nichtfinanzielle Berichterstattung
Warum reicht ein herkömmlicher Jahresabschluss nicht mehr aus?
Ein klassischer Jahresabschluss liefert keine Informationen über soziale und ökologische Aspekte der Unternehmenstätigkeit. Stakeholder erwarten jedoch Transparenz in Bezug auf Klimawandel, Arbeitnehmerrechte und Umweltschutz, weshalb eine nichtfinanzielle Berichterstattung notwendig ist.
Was ist der Unterschied zwischen CSR und ESG?
CSR (Corporate Social Responsibility) beschreibt die breite Verantwortung eines Unternehmens gegenüber der Gesellschaft. ESG (Environment, Social, Governance) ist ein spezifischeres Messsystem, das insbesondere in der Finanzbranche genutzt wird, um Nachhaltigkeit quantitativ zu bewerten und in Investitionsentscheidungen einzubeziehen.
Welche Rolle spielen die SDGs für Schweizer Unternehmen?
Die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bieten einen globalen Rahmen, an dem sich Unternehmen orientieren können, um ihre Beiträge zu einer nachhaltigen Entwicklung zu definieren und zu kommunizieren. Sie helfen, die drei Dimensionen Wirtschaft, Soziales und Umwelt zu verknüpfen.
Müssen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ebenfalls berichten?
Auch wenn gesetzliche Pflichten oft erst ab bestimmten Grössen gelten, fordern Investoren und Banken zunehmend ESG-Daten von allen Unternehmen. Eine freiwillige nichtfinanzielle Berichterstattung stärkt das Vertrauen und eröffnet Zugang zu Green-Finance-Instrumenten.