14.09.2021

Management-Coaching: Gezielte Weiterentwicklung von Managern und Führungskräften

Mit zunehmender Hierarchie-Ebene steigen die Anforderungen an Führungskräfte und Manager. Gleichzeitig fehlen kompetente Ansprechpartner, um sich auf Augenhöhe auszutauschen. Immer mehr Entscheidungsträger setzen deshalb auf individuelles Management-Coaching.

Von: Matthias K. Hettl   Drucken Teilen  

Dr. Matthias K. Hettl

Der studierte Volks- und Betriebswirt war nach Studium und Doktorandenzeit erst Assistent der Geschäftsführung und danach in verschiedenen Managementpositionen mit Führungs- und Budgetverantwortung tätig. Als ausgezeichneter «excellent speaker» und «excellent trainer» gehört er zu den bedeutendsten Referenten im deutschen Sprachraum und ist für die TOP-Seminar- und Kongressveranstalter in Europa tätig. Er begeistert seine bisher 25 000 Zuhörer durch einen motivierenden und kompetent direkten Vortagsstil mit 1:1 einsetzbaren Praxistipps. Seine Veranstaltungen werden regelmässig mit Bestnoten bewertet.

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Management-Coaching

Was ist Management-Coaching?

Bei Management-Coaching handelt es sich um ein spezifisches Business-Coaching für Manager und Führungskräfte. Es soll diese dabei unterstützen, ihre Managementrolle besser und effizienter auszuführen. Dazu werden in der Regel mehrere Sitzungen mit einem qualifizierten Coach vereinbart. Im Vier-Augen-Gespräch werden dann Problemfelder, Ressourcen, blinde Flecke und Handlungsstrategien erörtert.

Der Unterschied zwischen einem Management-Coaching und einem Führungskräfte-Coaching ist häufig nicht ganz klar. Sehr oft werden beide Wörter synonym verwandt. Die Abgrenzung der beiden Begriffe voneinander ergibt sich aus der Bedeutung von Management und Führung. Führungskräfte-Coaching zielt im Kern auf die Entwicklung der Fähigkeit der Mitarbeiterführung hin. Management-Coaching hingegen beschäftigt sich mehr mit der Organisation bzw. dem Unternehmen als solches. Es geht um den Blick auf Strategien und die Frage, wie einzelne Unternehmensbereiche gestärkt bzw. weiterentwickelt werden können. Also mehr darum, einen Blick darauf zu werfen, wie das Unternehmen gesteuert, organisiert und controlled wird. In der Praxis des Coachings gehen die beiden Coachingarten Management-Coaching und einem Führungskräfte-Coaching in einer Coachingsitzung jedoch ineinander über.  

CEO - Top-Management-Coaching

Wenn sich das Coaching an die oberste Hierarchie-Ebene richtet, spricht man von Top Executive Coaching bzw. Top Executive Sparring. Der Executive Coach dient in diesem Kontext dann als Sparringspartner, also als kompetentes Gegenüber, mit dem Topmanager auf Augenhöhe Ihre Aufgabenstellungen reflektieren. Es ist dabei für einen Top Executive Coach ratsam, selbst Erfahrung im Top-Management zu haben und die Herausforderungen in diesem Bereich zu kennen.

Kompetenzen im Management-Coaching

Die zentralen Management-Aufgaben im Top Management sind im Allgemeinen die Planung, Führung und Steuerung einer Organisation bzw. einer Organisationseinheit, sodass beabsichtigte Ziele erreicht werden. Dabei geht es im Kern um ein Methodenset an Aufgaben, das folgende Aspekte umfasst:

  • Ziele definieren
  • Strategien entwickeln
  • Ressourcen verteilen
  • Arbeit delegieren
  • Mitarbeiter führen
  • Prozesse designen
  • Bereiche koordinieren
  • Zielerreichung überprüfen

Dementsprechend breit ist die Palette an Kompetenzen, die ein erfolgreicher Top Executive Manager mitbringen muss. Dazu gehören einerseits fachliches Wissen und methodisches Können (etwa im Bereich Projektmanagement und strategischer Planung), aber auch soziale Fähigkeiten (z. B. Kommunikationskompetenz, Empathie und Konfliktlösung) und sogenannte Selbstkompetenzen (Stressbewältigung, sich selbst motivieren, mit Widersprüchen umgehen). Im Top-Management-Coaching wird dann, je nach individueller Anforderung der spezifischen Position und den persönlichen Stärken, an unterschiedlichen Bereichen gearbeitet werden.

Führungskraft als Coach

Sieht man Mitarbeiterführung als Kernaufgabe von Führungskräften, dann ist es ratsam, dass diese sich selbst von Zeit zu Zeit als Coaches betätigen. Um mit dynamischen Veränderungen Schritt zu halten, müssen Mitarbeiter ständig dazulernen. Als Führungskraft ist es daher wichtig, seine eignen Mitarbeiter zu befähigen, eigene Lösungsansätze zu entwickeln. Genau das ist auch die Aufgabe einer Führungskraft als Coach. Herminia Ibarra und Anne Scoular schlussfolgern deshalb in ihrem Artikel im Harvard Business Review: „The role of the manager, in short, is becoming that of a coach.“

Der entscheidende Punkt ist es, den Mitarbeitern nicht von oben herab zu sagen, was diese zu tun haben. Stattdessen sollten Führungskräfte kluge Fragen stellen und gut zuhören. Was den meisten Führungskräften oft nicht immer leicht fällt. Sie sind es eher gewohnt, als Experten aufzutreten und Anleitung zu geben.

Doch das muss nicht so sein. Denn Coaching lässt sich lernen. In einer Studie von Julia und Trenton Milner wurden die Coaching-Skills von 98 jungen Führungskräften untersucht. Es zeigte sich, dass bereits 15 Stunden Training die Coaching-Fähigkeiten wesentlich verbesserte. Von daher ist es empfehlenswert Führungskräfte in ihrem eigenen Coaching darauf zu sensibilisieren, wie sie andere coachen können.

Ziele eines Management-Coachings

Das Ziel eines Management-Coachings, die Management-Kompetenzen des jeweiligen Coachees zu entwickeln und auszubauen. Außerdem bietet es einen wertvollen Raum zur Reflexion. In der Coaching Session mit dem Coach erhält die Führungskraft die Möglichkeit, die Situation aus einer „Helikopter-Sicht“ zu betrachten. Ein reflektierender Blick von „oben“ ermöglicht neue Perspektiven.

Konkrete Inhalte könnten sein:

  • Reflexion der individuellen Entwicklungspotentiale in der Position
  • Steigerung des Standings und der Akzeptanz in der Position
  • Sensibilisierung für die eigene Wirkung auf das persönliche Umfeld
  • Steigerung der persönlichen Überzeugungsfähigkeit
  • Rollenklärung und Rollenverständnis als Führungskraft
  • Reflexion von Beziehungsstrukturen 
  • Steigerung der sozialen Akzeptanz und des Kommunikationsverhalten
  • Eigene Wahrnehmung und Wirkung trainieren und optimieren
  • Persönliches Führungs- und Managementverhalten anhand konkreter Situationen reflektieren
  • Reflexion und Impulse zur Weiterentwicklung des Führungsteams
  • Wege zum Empowerment für das Führungsteam
  • Analyse der Voraussetzungen des Führungsteams zum High Performance Team
  • Erwartungen an das Führungsteam – Erwartungen vom Führungsteam
  • Abgleich von Fremd- und Selbstbild im Führungsverhalten
  • Betrachtung der individuellen Entwicklungspotentiale des Führungsteams – HR Portfolio
  • Persönliche Motivationsanalyse und Persönlichkeitsanalyse

Meist werden mehrere Themenbereiche angesprochen, da die einzelnen Bereiche miteinander vernetzt sind und sich nicht so klar voneinander trennen lassen. Nicht selten verschiebt sich auch der Fokus während des Coachings. So kann es beispielsweise sein, dass der Coachee eine Herausforderung schildert, im Laufe der Gespräche erweist sich dieses aber nur als oberflächliches Symptom. Dann gilt es, die dahinterliegende Ursache aufzuspüren, zu analysieren und ein Vorgehen zu besprechen, wie diese zu beheben sind.

Change-Management-Coaching

Stehen im Unternehmen tiefgreifende Transformationen bzw. Veränderungen an, dann wird insbesondere Führung zu einer besonderen Herausforderung. Für den gezielten Umgang mit Veränderungsprozessen hat sich mittlerweile der Fachbegriff „Change-Management“ herausgebildet.

Von Führungskräften und Managern wird in Umbruchphasen einiges erwartet. Sie müssen schnelle Entscheidungen treffen, Optimismus verbreiten, ihren Mitarbeitern Stabilität vermitteln, gleichzeitig die Veränderung einfordern und gegebenenfalls sogar Entlassungen vornehmen.

Aus diesem Grund ist es oft sinnvoll, Führungskräften gezieltes Change-Management-Coaching anzubieten. Zudem spielen Manager eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung von Veränderungen. Ihre Vorbildfunktion ist ein entscheidender Faktor dabei, ob die Neuausrichtung von den Mitarbeitern angenommen wird.

Mögliche Inhalte eines Coachings für Change-Management-Prozesse sind:

  • Reflexion, wie sich die eigene Funktion, die eigene Aufgabe bzw. Rolle ändert
  • Handlungsstrategien erarbeiten (z. B. wie mit Widerstand umzugehen ist)
  • Vorbereitung von schwierigen Mitarbeitergesprächen
  • persönliche Verluste durch den Wandel verarbeiten
  • positive Zukunftsvision formulieren

Qualitätskriterien für gutes Coaching

Lassen Sie uns noch einem Blick auf Qualitätskriterien für ein gutes Coaching werfen. Woran erkennen Sie, ob Sie es mit einem erfahrenen und professionellen Coach zu tun haben.

Die Tätigkeit des Coachs ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz kein staatlich geregelter Ausbildungsberuf. Daher ist das Angebot derer, die sich als „Coach“ bezeichnen recht vielfältig. Da der Coaching-Markt boomt, gibt es auch einige unseriöse Anbieter, die sich von diesem Markt eine Scheibe abschneiden möchten. Hier finden sich bspw. mitunter etwas seltsam anmutende Programme, wie Kuscheln mit Wölfen oder Haien.

Für all diese Angebote sind teils kostspielige Honorare zu bezahlen. Dabei ist  nicht immer klar, ob diese auch wirken. Im ungünstigsten Fall wird ein Manager bzw. eine Führungskraft durch schlechtes Coaching sogar verunsichert bzw. falsch beraten. Aus diesen Gründen ist es empfehlenswert, bei der Auswahl eines Manager-Coachings kritisch zu sein.

Anzeichen für Vorsicht bei der Coach Auswahl

Bei diesen Anzeichen sollten Sie skeptisch stimmen und im Zweifelsfall einen anderen qualifizierteren Coach suchen lassen:

  • Der Coach macht große Versprechungen, dass dieser das berufliche Leben der Coachees umkrempeln und ihnen mit Sicherheit zu Erfolg verhelfen kann
  • Der Coach bleibt schwammig, was die Honorierung angeht, und macht keine klaren Angaben dazu
  • Der Coach drängt den Coachee dazu, Verträge zu unterschreiben, und lässt keine Bedenkzeit
  • Es wird keine individuelle Coaching Roadmap erstellt und es werden keine klaren Ziele und keine zeitliche Begrenzung vereinbart. .
  • Der Coach arbeitet mit esoterischen und unwissenschaftlichen Methoden wie „Quantenheilung“, Kinesiologie o. Ä.
  • Der Coach tritt als „Guru“ auf, der alles besser weiß

Nichtsdestotrotz gibt es zahlreiche hochprofessionelle Coachs, die wertvolle Arbeit leisten. Sehen wir uns daher an, welche Merkmale auf einen guten Management-Coach hinweisen:

  • Der Coach macht eindeutige Angaben zu seinem Werdegang, hat einen adäquaten Hochschulabschluss und/oder kann auf seriöse Coaching Ausbildungen verweisen
  • Der Coach hat eigene Erfahrung in Management-Positionen und fundierten Einblick in die Führung von Organisationen.
  • Das Coaching ist zeitlich klar eingegrenzt
  • Der Coachee erhält nach dem kostenfreien Abstimmungs- und Kennenlerngespräch eine klare Coaching Roadmap
  • Es werden die Vereinbarungen vertraglich festgehalten
  • Der Coachee hat die Möglichkeit jederzeit das Coaching zu beenden
  • Der Coach führt mehrere seriöse Referenzen und Testimonials an, die auch kontaktiert werden können
  • Die Coachingziele werden am Schluss werden sie evaluiert
  • Der Coach legt offen, welche Methoden er einsetzt. Er arbeitet auf wissenschaftlich fundierter Grundlage.
  • Der Coach kennt die Grenzen seiner Expertise und verweist gegebenenfalls auf Kollegen.

Ob als fachkundiger Sparringspartner, neutraler Blick von außen oder erfahrener Feedback-Geber, ein hochwertiges Coaching unterstützt Manager bei ihrer wichtigen Arbeit, bestärkt, fordert heraus und gibt entscheidende Impulse zur Weiterentwicklung.

Für Unternehmen kann es sich daher durchaus lohnen, im Rahmen der Führungskräfteentwicklung in Einzel-Coachings zu investieren. Denn in Zeiten der Komplexität und des ständigen Wandels braucht es Manager und Führungskräfte, die ihre Teams mit Reife und sozialer Kompetenz durch Veränderungen lotsen.

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