Flow-Erleben: In 4 Schritten zum Leistungshoch

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Das Flow-Erleben beschreibt einen Zustand, in dem Mitarbeitende ihre Aufgaben störungsfrei und mit voller Konzentration ausüben, was zu Höchstleistungen führt. Damit Unternehmen dieses Potenzial nutzen können, müssen Führungskräfte vier zentrale Bedingungen schaffen: die Passung von Anforderungen und Fähigkeiten, klare Zielsetzungen, sofortiges Feedback sowie die Übereinstimmung von Aufgaben mit den Charakterstärken der Mitarbeiter. Diese Kombination verwandelt Arbeit in eine sinnvolle Berufung und steigert sowohl Zufriedenheit als auch Leistungsbereitschaft.

Die wichtigsten Punkte:

  • Flow entsteht, wenn weder Unterforderung noch Überforderung vorliegt.
  • Klare Ziele nach der SMART-Formel sind Voraussetzung für den Fokus.
  • Unmittelbares Feedback gibt Orientierung und Motivation.
  • Die Übereinstimmung mit Charakterstärken macht Arbeit zur Berufung.
11.03.2025 Von: Katharina Chicherio
Flow-Erleben

Wie können Führungskräfte den Flow-Zustand bei Mitarbeitenden gezielt fördern?

Auf der Suche danach, was Menschen motiviert, machte der ungarisch-amerikanische Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi in den 70er Jahren eine revolutionäre Entdeckung. Er beobachtete bei seinen Probanden Hochgefühle in Leistungssituationen und nannte diesen Zustand «Flow». Doch damit Unternehmen das ausserordentlich wertvolle Potenzial des Flow-Erleben auch wirklich nutzen, müssen einige Punkte in der Mitarbeiterführung erfüllt sein.

Flow-Erleben als Quelle für Motivation und Höchstleistungen

Das Erleben von «Flow» ist ein besonderes subjektives Erleben, wenn eine Person störungsfrei und «im Fluss» eine Tätigkeit ausübt. Der Person selbst ist nicht bewusst, dass sie sich im Flow befindet. Jedoch lässt sich das Flow-Erleben reflektieren und anhand von vier Hauptmerkmalen beschreiben. Erstens, die Person ist tief involviert in das, was sie gerade tut. Zweitens, ihr Tun und ihr Bewusstsein verschmelzen miteinander und die volle Konzentration gilt der aktuellen Tätigkeit. Drittens, die Person hat ein Gefühl der Kontrolle über ihr Handeln. Und viertens, sie nimmt die Zeit verzerrt wahr – Stunden vergehen wie Minuten.

Das Erleben von Flow im Arbeitsprozess birgt für Unternehmen ausserordentlich wertvolles Potenzial. Denn das Flow-Erleben gilt einerseits als optimaler Motivationszustand, in welchem wir voller Engagement auf unsere Ziele hinarbeiten. Und andererseits als optimaler Erlebenszustand, in welchem wir ein hohes Selbstwertgefühl besitzen sowie angst- und sorgenfrei sind. Beides führt dazu, dass im Flow-Zustand hohe Leistungen bis hin zu Höchstleistungen möglich sind.

Wie Flow entsteht - Die 4 Schritte zum Leistungshoch

Csikszentmihalyi (1975, 1990) hat in seiner Forschung drei zentrale Schritte aufgedeckt, um Flow zu erleben. Diese Schritte scheinen jedoch nicht abschliessend zu sein. Denn in seinen Untersuchungen traf er auf das sogenannte «Paradoxon der Arbeit». Dieses besagt, dass während der Arbeit zwar häufiger als in der Freizeit Flow erlebt wird, dass die Freizeittätigkeiten jedoch glücklicher und zufriedener machen. Dank den Forschungsergebnissen der Positiven Psychologie, wissen wir heute, dass die Zufriedenheit positiv mit der Arbeitsleistung zusammenhängt. Wenn Mitarbeitende Höchstleistungen erbringen sollen, müssen sie also ihre Tätigkeit als sinnvoll erleben. Was es dabei in der Führung von Mitarbeitenden zu beachten gilt, wird in Schritt 4 zusammengefasst.

Schritt 1: Anforderungen und Fähigkeiten sind im Einklang

Flow erleben wir genau dann, wenn wir uns weder überfordert noch unterfordert fühlen. Ist die Aufgabe zu schwer, entsteht Angst und Stress. Dies äussert sich oft in einer gewissen Art von Aufregung und Hektik, die als störend wahrgenommen wird. Ist die Aufgabe zu leicht, wird meistens Langeweile empfunden. Als Führungskraft ist es wichtig, die Herausforderungen den wachsenden Fähigkeiten anzupassen. So wird kontinuierliches Lernen hin zu Höchstleistungen gefördert.

Überprüfen Sie als Führungskraft gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden, ob die Anforderungen der jeweiligen Aufgabe mit den Fähigkeiten im Einklang sind. Dafür können Sie beispielsweise eine Likertskala von -4 bis +4 einsetzen. Darauf lassen Sie in Einzelgesprächen Ihre Mitarbeitenden die Aufgabe zwischen -4 (maximale Unterforderung) und +4 (maximale Überforderung) einordnen. Wenn sich die Aufgabe nicht im Flow-Korridor zwischen -1 und +1 befindet, legen Sie gemeinsam die notwendigen Massnahmen fest, um in den Flow-Korridor zu kommen.

Schritt 2: Klare Zielsetzung

Wir erleben nur dann Flow, wenn absolute Klarheit über die zu erreichenden Ziele und Zwischenziele (Meilensteine) besteht. Ob Ziele die notwendige Klarheit haben, lässt sich mit der SMART-Formel überprüfen. Ziele sollten somit spezifisch (S), messbar (M), attraktiv (A), realistisch (R) und terminiert (T) sein. Erst wenn alle 5 Kriterien erfüllt sind, kann ein echtes Flow-Erleben stattfinden und Ziele überhaupt erst erreicht werden. Andernfalls haben Mitarbeitende keine Klarheit darüber, was von ihnen in welchem Zeitraum erwartet wird.

Entwickeln und vereinbaren Sie als Führungskraft gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden die Ziele. Definieren Sie zudem Meilenstein-Sitzungen, welche Zwischenschritte auf dem Weg der Zielerreichung darstellen. So geniessen die Mitarbeitenden genügend Freiraum in der Gestaltung des Prozesses zum Ziel hin und gibt gleichzeitig regelmässig Einsicht in seinen Fortschritt. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Sie jederzeit für die Mitarbeitenden erreichbar sind, wenn sie nicht mehr auf Zielkurs sind und Ihre Unterstützung braucht.

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Schritt 3: Sofortiges Feedback

Um Flow zu erleben, brauchen wir unmittelbares Feedback zu unserem Tun. Dies kann durch die Tätigkeit selbst erfolgen. Beispielsweise sind unsere Buchungen korrekt, wenn die Aktiven und Passiven in der Bilanz übereinstimmen. Sofortiges Feedback kann aber auch von aussen erfolgen. Beispielsweise wenn der Vorgesetzte seine Mitarbeitende für eine gelungene Präsentation lobt. Unabhängig davon, von wo das Feedback kommt, brauchen wir es, um weiterzukommen. Denn Feedback gibt uns Klarheit darüber, ob wir auf Zielkurs sind und was wir als Nächstes tun müssen.

Setzen Sie sich als Führungskraft zum Ziel, Ihren Mitarbeitenden unmittelbares Feedback zu geben. Am besten Sie setzen sich eine kleine Erinnerung in Ihren täglichen Terminkalender oder tragen ein Post-it «Feedback geben!» in Ihrer Hosentasche. So geht diese wichtige motivierende Führungsaufgabe im Alltagsstress nicht vergessen. Denn Feedback ist am wirkungsvollsten, wenn es authentisch, präzise und zeitnah ist.

Checkliste

  • Überprüfen Sie im Einzelgespräch, ob Aufgabenanforderungen und Fähigkeiten im Einklang sind (Skala -4 bis +4).
  • Leiten Sie gemeinsam Massnahmen ein, wenn sich Mitarbeitende ausserhalb des Flow-Korridors (-1 bis +1) befinden.
  • Formulieren Sie Ziele klar und überprüfbar nach den SMART-Kriterien (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert).
  • Definieren Sie Meilensteine als Zwischenschritte zur Zielerreichung.
  • Sichern Sie die Erreichbarkeit für Unterstützung bei Abweichungen vom Zielkurs.
  • Geben Sie unmittelbares Feedback zu geleisteter Arbeit, idealerweise authentisch, präzise und zeitnah.
  • Integrieren Sie eine Erinnerung zum Feedbackgeben in den täglichen Kalender oder Terminkalender.
  • Identifizieren Sie die Signaturstärken jedes Mitarbeitenden, um Stärkenorientierung zu gewährleisten.
  • Stellen Sie sicher, dass Jobanforderungen mit den individuellen Charakterstärken übereinstimmen.
  • Nutzen Sie bei Bedarf professionelle Coaches zur Unterstützung der stärkenorientierten Führung.

Schritt 4: Fähigkeiten und Charakterstärken stimmen überein

Nicht alles, das wir gut können, erfüllt uns automatisch mit Glück und Zufriedenheit. Damit wir eine Tätigkeit als sinnvoll erleben, braucht es mehr als die Passung der Anforderungen und Fähigkeiten (Schritt 1). In diesem vierten Schritt ist es deshalb wichtig, dass unsere Fähigkeiten unseren Charakterstärken entsprechen. Die Forschung im Rahmen der Positiven Psychologie gibt dazu wichtige Erkenntnisse und deckte 24 Charakterstärken auf. Stimmen die Jobanforderungen, Fähigkeiten und Charakterstärken überein, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Arbeit nicht als Quelle von Geld oder Macht sehen, sondern als Berufung empfinden und ihrer selbst willen verfolgen.

Führen Sie Ihre Mitarbeitenden werte- und stärkenorientiert. Dafür ist es wichtig, die sogenannten Signaturstärken jedes einzelnen Mitarbeitenden aufzudecken. Das sind innere Stärken, die individuell besonders bedeutsam sind. Wer diese lebt, erhält Energie zurück, ist zu Höchstleistungen fähig und hat eine hohe Zufriedenheit mit der Arbeit. Sie erleben Spass und Vergnügen, sind engagiert und erleben einen Sinn in ihrer beruflichen Tätigkeit. Auf charakterstaerken.org können anonym und kostenlos Stärkenanalysen durchgeführt werden. Für den wirkungsvollen Einsatz im Führungsalltag sollten Sie jedoch nicht auf die Unterstützung eines professionellen Coaches verzichten.

Mit diesen 4 Schritten unterstützen Sie Ihre Mitarbeitenden in den Flow zu kommen und ihre Tätigkeit als sinnvoll zu erleben. So steigern Sie die Zufriedenheit und das persönliche Wohlbefinden – die Schlüssel zu einer Hochleistungskultur. Denn Mitarbeitende, die lieben was sie tun, arbeiten auf ein Ziel hin, voller Leidenschaft, Ausdauer und Hartnäckigkeit.

 

Referenzen & Literarturempfehlungen

Csikszentmihalyi, M. (1975). Beyond boredom and anxiety. San Francisco: Jossey-Bass.

Csikszentmihalyi, M. (1990). Flow: The psychology of optimal experience. New York: Harper u. Row.

Harzer, C., & Ruch, W. (2012). When the job is a calling: The role of applying one’s signature strengths at work. The Journal of Positive Psychology, 7, 362-371. doi.org/10.1080/17439760.2012.702784

FAQ: Flow-Erleben

Was sind die vier Hauptmerkmale des Flow-Erlebens?

Die vier Merkmale sind: tiefes Involvement in die Tätigkeit, Verschmelzung von Tun und Bewusstsein, Gefühl der Kontrolle über das Handeln und eine verzerrte Zeitwahrnehmung, bei der Stunden wie Minuten vergehen.

Warum ist die Abstimmung von Anforderungen und Fähigkeiten entscheidend?

Ist die Aufgabe zu schwer, entsteht Stress; ist sie zu leicht, Langeweile. Nur im Gleichgewicht zwischen Herausforderung und Können entsteht der Flow-Zustand, der Höchstleistungen ermöglicht.

Wie hilft die SMART-Formel beim Flow-Erleben?

Die SMART-Formel (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert) sorgt für absolute Klarheit über Ziele und Meilensteine. Ohne diese Klarheit können Mitarbeitende nicht den notwendigen Fokus entwickeln.

Welche Rolle spielen Charakterstärken für die Arbeitszufriedenheit?

Wenn Aufgaben mit den Signaturstärken der Mitarbeitenden übereinstimmen, wird die Arbeit als sinnvolle Berufung erlebt. Dies führt zu höherer Zufriedenheit, mehr Energie und der Fähigkeit zu Höchstleistungen.

Gibt es ein Paradoxon bei der Flow-Erfahrung in der Arbeit?

Ja, das Paradoxon der Arbeit besagt, dass zwar häufiger Flow in der Arbeit erlebt wird als in der Freizeit, die Freizeitaktivitäten jedoch oft als glücklicher und zufriedener empfunden werden. Sinnhaftigkeit ist hier der Schlüssel zur Überwindung.

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