Unternehmen: Kletterwandkarrieren werden fortan gebraucht

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Wer Führung per se infrage stellt, darf sich nicht wundern, wenn Gegenwind kommt. Herrschende zetteln keine Palastrevolution an. Um ihre Stellung und die damit verbundenen Privilegien zu erlangen, haben amtierende Führungskräfte lange gekämpft. Niemand gibt seine Pfründe gern freiwillig her und sägt den Ast ab, auf dem er sitzt.
Wer viel zu verlieren hat, klammert sich an den Status quo und hütet seine Befugnisse wie einen wertvollen Schatz. Besitzstandswahrung und Selbstschutz sind völlig normal. Macht will weiterleben. Viele tun deshalb nur so, als ob sie die Dinge verändern wollen. Verbale Aufgeschlossenheit bei anhaltender Verhaltensstarre nennt man das auch.
Hat jemand zudem hohe variable Gehaltsanteile und wird er auf Quartalsergebnisse bonifiziert, meidet er die Ungewissheit des Neuen. Und derjenige, der nur noch ein paar Jahre vor sich hat, verdirbt sich nicht seine persönliche Bilanz und die Boni-Ansprüche. Sollte sein Unternehmen dabei den Bach runtergehen? Egal! Er rettet sich selbst.
Beförderung nach dem Senioritätsprinzip und andere Merkwürdigkeiten
In klassischen Organisationen ist noch immer ein Denken verankert, dass Karriere gleichsetzt mit hierarchischem Aufstieg. Der Weg nach Oben folgt einem vorgezeichneten Entwicklungsplan. Durch die Lupe betrachtet gibt es dabei viel Paradoxes. Man dient sich hoch, ist irgendwann „dran“ und darf nicht übergangen werden. Fähig oder unfähig zu höheren Weihen? Kaum relevant.
Die Bezahlung der Führungskräfte rechnet man so: Je mehr Mitarbeiter und je höher die Budget- und/oder Umsatzverantwortung, desto mehr Gehalt. Wenn aber die einzige Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen, die Führungskarriere ist, dann ist es nur logisch, dass man sie erstrebt, selbst dann, wenn man Menschen nicht führen kann oder will.
Ähnliches gilt für Leute mit akademischen Titeln. In vielen Unternehmen sind sie fast automatisch für Führungsaufgaben prädestiniert, obwohl man an der Uni so gut wie nichts über Führungsexzellenz lernt. Anderswo darf man sich einer Beförderung auch dann kaum widersetzen, wenn sie einem nicht liegt. Man wird zum Führen „verdonnert“. Wer hingegen eine begnadete Führungskraft wäre, aber noch jung ist, muss auf der Karrierelaufbahn noch warten.
Ein Karriereklassiker ist auch immer noch der: Gute Ergebnisse in fachlichen Dingen werden mit einer Führungsaufgabe belohnt. Leider ist aber weder ein solider Fachmann noch ein lauter Selbstdarsteller zwangsläufig auch eine Führungspersönlichkeit. Denn Führung braucht vor allem eins: Menschenexpertise. Wer die nicht hat, dem sollte man die Führungslizenz entziehen.
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