Lohngespräche: Fair, transparent und professionell führen

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Warum Lohntransparenz ein Wettbewerbsvorteil ist
Lohntransparenz gewinnt in der Schweiz und international zunehmend an Bedeutung. Seit 2021 verpflichtet das revidierte Gleichstellungsgesetz Schweizer Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitenden dazu, regelmässige Lohngleichheitsanalysen durchzuführen, unabhängig prüfen zu lassen und die Ergebnisse intern zu kommunizieren.
Parallel dazu wächst das Bedürfnis nach Offenheit: Lohntransparenz wird immer stärker als Voraussetzung für Fairness und Glaubwürdigkeit wahrgenommen – nicht nur national, sondern auch international. So treibt die EU mit neuen Richtlinien die Offenlegung von Lohndaten voran. Diese Entwicklungen prägen den Arbeitsmarkt spürbar und erhöhen den Druck auf Arbeitgebende, Löhne nachvollziehbar, gerecht und zukunftsorientiert zu gestalten.
Typische Hürden – und wie Sie sie überwinden
Eine häufige Hürde besteht darin, dass im Unternehmen weder Lohnbänder noch ein klares Modell für Lohnerhöhungen existieren. Ohne diese Struktur fällt es Führungskräften schwer, fundierte und faire Gespräche zu führen. Sobald jedoch ein nachvollziehbarer Rahmen geschaffen und transparent kommuniziert ist, zum Beispiel im Sinne prozeduraler Lohntransparenz, wissen Mitarbeitende, wie ihr Lohn zustande kommt und auf welcher Basis Anpassungen erfolgen.
Trotzdem bleiben Lohngespräche für viele Führungskräfte eine Herausforderung – oft aus Sorge, Erwartungen nicht erfüllen zu können, oder Unsicherheit darüber, wie viel Transparenz angemessen ist. Genau hier helfen eine gute Vorbereitung, klare Kriterien und der Mut, offen und strukturiert zu kommunizieren.
Transparenz lohnt sich – auch im Alltag von HR und Führungskräften
Wenn Löhne oder Lohnbänder offen kommuniziert werden, reduziert sich der Aufwand in der Rekrutierung spürbar: Stellensuchende bewerben sich gezielter, Gehaltsverhandlungen verlaufen effizienter und unrealistische Erwartungen lassen sich früh ausräumen. Ausserdem ist der Rücklauf auf Inserate mit Lohnangabe deutlich höher. Gleichzeitig zeigt Lohntransparenz intern wie extern: Fairness ist kein Lippenbekenntnis, sondern gelebte Unternehmenskultur. Das stärkt das Vertrauen, reduziert Neid – und hilft auch jenen, die ihren eigenen Wert bisher unterschätzt haben, zu einem angemessenen Gehalt.
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So gelingen faire Lohngespräche – 5 Tipps
1. Vorbereitung ist alles
Analysieren Sie Marktvergleiche, interne Lohnbänder und individuelle Leistungen. Erkundigen Sie sich, welche Kriterien in Ihrem Unternehmen als relevant gelten. Wer gut vorbereitet ist, kann klarer argumentieren.
2. Transparente Kriterien benennen
Ob Erfahrung, Verantwortung oder Ausbildung – legen Sie offen, welche Faktoren Einfluss auf die Lohnhöhe haben. Idealerweise sind diese Informationen sowieso zugänglich für Mitarbeitende. Das führt zu mehr Klarheit und bietet weniger Stoff für Diskussionen.
3. Zuhören schafft Vertrauen
Geben Sie Mitarbeitenden Raum, ihre Sichtweise darzulegen. So werden Lohngespräche zum Dialog – nicht zur Rechtfertigung.
4. Klar und menschlich kommunizieren
Vermeiden Sie Fachjargon oder vage Aussagen. Sprechen Sie in klaren, verständlichen Sätzen – ehrlich und auf Augenhöhe.
5. Langfristig denken – nicht nur aufs Gespräch fokussieren
Dokumentieren Sie Entscheidungen, überprüfen Sie regelmässig Ihre Lohnstruktur – und kommunizieren Sie Veränderungen offen.
Was, wenn es keine Lohnstruktur gibt? In manchen Unternehmen gibt es weder Lohnbänder noch klare Kriterien, die zur Höhe eines Gehalts führen. Ist das in Ihrem Unternehmen so? Dann geben Sie das Feedback an entsprechende Stelle, sprich Geschäftsleitung & HR. Eine fehlende Lohnstruktur wird immer zu Unzufriedenheit, Diskussionen und Frustration führen. Zeit, dies anzugehen.