Überwachung der Arbeitnehmer: Was ist gesetzlich erlaubt?

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Eine systematische Überwachung der Arbeitnehmer zur Leistungskontrolle ist in der Schweiz gemäss Art. 26 ArGV3 verboten. Zulässig sind hingegen Kontrollen, die auf rein technischen oder sachlichen Kriterien basieren und keinen Bezug zur Person haben, wie etwa die Überwachung der Netzwerkauslastung. Bei berechtigten Interessen ist eine stichprobenweise Kontrolle oder eine Massnahme im Verdachtsfall erlaubt, sofern diese erforderlich und verhältnismässig ist und die betroffenen Arbeitnehmer vorgängig informiert wurden.

Die wichtigsten Punkte:

  • Systematische Leistungskontrollen sind verboten; stichprobenweise Kontrollen bei Verdacht sind zulässig.
  • Arbeitnehmer müssen über mögliche Kontrollen vorgängig informiert werden (z. B. im Arbeitsvertrag).
  • Unrechtmässig beschaffte Beweismittel unterliegen vor Gericht oft einem Beweisverwertungsverbot.
  • Private E-Mails dürfen nicht eingesehen werden; geschäftliche E-Mails gehören dem Arbeitgeber.
  • GPS-Überwachung von Fahrzeugen ist nur ohne totale Echtzeitkontrolle und bei privater Nutzung abzuschalten erlaubt.
14.07.2026 Von: Urs Egli, Nicole Vögeli, Thomas Wachter
Überwachung der Arbeitnehmer

Welche Überwachungsmassnahmen von Arbeitnehmern sind in der Schweiz gesetzlich erlaubt?

Eine Überwachung der Arbeitnehmer zur systematischen Leistungskontrolle ist verboten (Art. 26 ArGV3). Hingegen ist eine auf rein technische oder sachliche Kriterien begrenzte Kontrolle ohne Bezug zur Person des Arbeitnehmers ohne Einschränkung zulässig (zum Beispiel Netzwerkauslastung, Überwachung Verkaufsräume etc.).

Allgemeine Voraussetzungen

Bei berechtigten Interessen ist eine Überwachung der Arbeitnehmer zulässig, wenn dies nicht systematisch, sondern nur stichprobenweise oder in Verdachtsfällen geschieht. Berechtigte Interessen können sein: Einhaltung des IT-Reglements und von Weisungen zur Dokumentenverwaltung, Schutz anderer Arbeitnehmer vor Mobbing und Belästigung oder Verdacht auf eine Schädigung des Arbeitgebers.

Kontrollen müssen erforderlich und verhältnismässig sein. Erforderlich bedeutet, dass keine weniger einschneidenden Massnahmen zur Verfügung stehen (zum Beispiel eine Abmahnung). Verhältnismässig bedeutet, dass das berechtigte Interesse des Arbeitgebers den Eingriff rechtfertigt. Wenn die Privatnutzung der IT-Infrastruktur durch den Arbeitnehmer verboten ist, sind die Kontrollrechte des Arbeitgebers grösser als bei erlaubter Privatnutzung.

Die Arbeitnehmer sind über mögliche Kontrollen vorgängig zu informieren, wobei generelle Hinweise in Allgemeinen Anstellungsbedingungen genügen. Da man in Verdachtsfällen die verdächtigten Arbeitnehmer nicht noch vorwarnen will, sollte bereits im Arbeitsvertrag oder im IT-Reglement auf sämtliche Möglichkeiten der Überwachung (Internetverkehr, E-Mail, Telefonranddaten) hingewiesen werden.

Durch unrechtmässige Kontrollen beschaffte Beweismittel unterliegen unter Umständen einem Beweisverwertungsverbot und können vor Gericht nicht verwertet werden.

Telefon

Das Abhören von Telefongesprächen ist grundsätzlich verboten (Art. 179bis StGB). Eine Ausnahme besteht bei Gesprächen, die Bestellungen, Reservationen oder Ähnliches zum Inhalt haben (Art. 179quinquies StGB). Das Abhören zu Schulungszwecken oder Leistungskontrollen setzt das Einverständnis aller Gesprächsteilnehmer voraus und muss deshalb vorgängig angekündigt werden.

Die sog. Randdaten betreffen nicht den Inhalt des Gesprächs, sondern nur die Dauer, den Zeitpunkt, die beteiligte Rufnummer und die Gebühren. Auch wenn solche Randdaten vom Abhörverbot nicht betroffen sind, sind Einschränkungen zu beachten. Die systematische Erstellung von Kommunikationsprofilen anhand der Randdaten ist unzulässig. Hingegen dürfen Randdaten zur Kontrolle von Weisungen betreffend den Telefonverkehr, zu Abklärungen bei ausserordentlichen Telefonkosten oder bei Verdacht auf schwerwiegende Pflichtverletzungen verwertet werden.

E-Mail

E-Mails können durch den Arbeitgeber aus zwei Gründen eingesehen werden: wenn ein Zugriff auf geschäftliche E-Mails notwendig ist (zum Beispiel zur Stellvertretung bei Abwesenheit) und zur Kontrolle der Einhaltung des IT-Reglements.

Geschäftliche E-Mails stellen Geschäftskorrespondenz dar und gehören dem Arbeitgeber. Sie sind vom Arbeitnehmer gemäss den Weisungen zur Dokumentenverwaltung zu verarbeiten. Der Inhalt von privaten E-Mails darf vom Arbeitgeber nicht zur Kenntnis genommen werden. Bei Austritt ist dem Arbeitnehmer Gelegenheit zu geben, private E-Mails zu löschen.

Zur Beweissicherung ist es in Verdachtsfällen auf Datenmissbrauch durch den Arbeitnehmer zulässig, eine Sicherungskopie des geschäftlichen E-Mail-Accounts herzustellen.

Praxistipp: Es wird empfohlen, Weisungen zur Dokumentenverwaltung zu erlassen. Der elektronische Posteingang ist zur Aufbewahrung von Dokumenten ungeeignet. Geschäftliche E-Mails sind ausserhalb des Posteingangs thematisch zu ordnen. Private E-Mails sind aus dem Posteingang zu entfernen und entweder zu löschen oder in einem besonders gekennzeichneten Ordner aufzubewahren.

Weitere Überwachungsmöglichkeiten

Überwachungsmassnahmen sind nicht nur zum Schutz der IT-Infrastruktur notwendig. Vielmehr sind das Anwendungsspektrum und die Gründe sehr vielfältig.

Neben dem Diebstahlschutz mit Überwachungskameras ist auch an Taschenkontrollen, Leibesvisitation etc. zu denken. Hinzu kommen mögliche Observationen durch Privatdetektive bei Überprüfung von Absenzen. Eine GPS-Überwachung der Fahrzeugflotte während der Arbeitszeit ist zwecks Optimierung der Disposition, dem Treffen von Sicherheitsvorkehrungen und zur Kontrolle der Arbeitszeiten zulässig, sofern keine totale Kontrolle in Echtzeit vorliegt. GPS-Überwachung ist bei privater Nutzung des Geschäftswagens abzuschalten. Die Überwachung des Internetverkehrs mittels Spionagesoftware ist unzulässig.

Checkliste

  • Prüfen, ob ein berechtigtes Interesse (z. B. IT-Sicherheit, Mobbingprävention) vorliegt.
  • Sicherstellen, dass weniger einschneidende Massnahmen (z. B. Abmahnung) nicht ausreichen.
  • Überwachungsmassnahmen im Arbeitsvertrag oder IT-Reglement explizit erwähnen.
  • Unterscheidung zwischen geschäftlichen und privaten E-Mails im System klar regeln.
  • Bei Telefon-Randdaten auf die systematische Erstellung von Kommunikationsprofilen verzichten.
  • GPS-Überwachung bei privaten Fahrten des Geschäftswagens deaktivieren.
  • Keine Spionagesoftware zur Überwachung des Internetverkehrs einsetzen.
  • Bei Verdachtsfällen Beweissicherung (z. B. Sicherungskopie) nur nach rechtlicher Prüfung durchführen.

FAQ: Überwachung der Arbeitnehmer

Darf der Arbeitgeber private E-Mails seiner Mitarbeiter lesen?

Nein, der Inhalt von privaten E-Mails darf vom Arbeitgeber nicht zur Kenntnis genommen werden. Bei Austritt muss dem Arbeitnehmer jedoch Gelegenheit gegeben werden, private E-Mails zu löschen.

Ist das Abhören von Telefongesprächen erlaubt?

Das Abhören ist grundsätzlich verboten. Eine Ausnahme gilt für geschäftliche Bestellungen oder Reservationen. Für Schulungszwecke ist das Einverständnis aller Gesprächsteilnehmer und eine vorgängige Ankündigung zwingend erforderlich.

Kann der Arbeitgeber die Internetnutzung seiner Mitarbeiter überwachen?

Eine Überwachung des Internetverkehrs mittels Spionagesoftware ist unzulässig. Zulässig ist jedoch die Kontrolle der Einhaltung des IT-Reglements, etwa bei Verdacht auf Datenmissbrauch, sofern dies verhältnismässig ist.

Unter welchen Bedingungen ist eine GPS-Überwachung von Dienstfahrzeugen erlaubt?

GPS-Überwachung ist zur Optimierung der Disposition und zur Kontrolle der Arbeitszeiten erlaubt, sofern keine totale Echtzeitkontrolle stattfindet. Bei privater Nutzung des Fahrzeugs muss die Überwachung abgeschaltet werden.

Was passiert, wenn Beweise unrechtmässig beschafft wurden?

Durch unrechtmässige Kontrollen beschaffte Beweismittel unterliegen unter Umständen einem Beweisverwertungsverbot und können vor Gericht nicht verwendet werden.

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