01.02.2017

Investitionsplanung: Damit erreichen Sie die strategischen Unternehmensziele

Zu den unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben des Verwaltungsrats gehören gem. Art. 716a OR die Ausgestaltung des Rechnungswesens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung, sofern diese für die Führung der Gesellschaft notwendig ist.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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Investitionsplanung

Zweck und Phasen der Investitionsplanung

Vor allem die Finanzplanung bildet hierbei eine Aufgabe, die in direktem Zusammenhang mit der Mittelverwendung und folglich mit den Investitionsvorhaben einer Unternehmung steht. Als Investition wird in diesem Zusammenhang eine Auszahlung für die Beschaffung von immateriellen oder materiellen Vermögenswerten verstanden, welche zu langfristigen Nutzeffekten bzw. Vermögensmehrungen führt. Deshalb stellt gerade die Entscheidung über Investitionen für Unternehmen eine wichtige Voraussetzung für die Schaffung bzw. Erhaltung künftiger Erfolgspotenziale und damit zugleich für die Erreichung der strategischen Unternehmensziele dar.

Investitionsvorhaben ergeben sich aus der strategischen und/oder operativen Planung für das Unternehmen, anhand derer ein Bedarf für Ersatz-, Rationalisierungs- oder Erweiterungsinvestitionen abgeleitet werden kann. Dies erfordert ein schrittweises Vorgehen im Rahmen der Investitionsplanung, die zunächst mit der Erhebung des Investitionsbedarfs beginnt und bis zur Investitionsentscheidung reicht.  

Investitionsanregung

Die Investitionsplanung steht am Anfang jeder Investitionsvorbereitung, so dass zunächst der Investitionsbedarf zu klären ist, wofür ein systematisches Vorgehen bei der Suche bzw. der Anregung von Investitionen geboten erscheint. In diesem Zusammenhang können verschiedene beobachtbare Indikatoren einen Investitionsbedarf anzeigen, wie beispielsweise  

  • die Kostenentwicklung (z.B. Reparatur-, Pflege-, Wartungs-, Unterhaltskosten),
  • das Verhalten der Wettbewerber (z.B. Mergers & Acquisitions),
  • geänderte gesetzliche Vorschriften (z.B. Umweltschutzvorschriften),
  • Ausfallzeiten bzw. Unterbrüche bestehender technischer Einrichtungen und Aggregate,
  • bestehende Engpässe bzw. fehlende Kapazitäten (z.B. Serverleistung oder Speicherkapazität in Netzwerken).  

Die Anregung von Investitionen kommt in der Praxis zumeist durch die betroffenen Fachabteilungen oder durch Stabsfunktionen, wie z.B. dem Controlling oder durch das betriebliche Vorschlagswesen. Ausserdem gilt es im Rahmen der Investitionsanregung auch Einflussfaktoren aus dem Umfeld des Unternehmens zu erfassen und auszuwerten, die für die Beurteilung der Notwendigkeit einer Investition relevant sein können, wie  

  • technische Faktoren (z. B. Kriterien wie Zuverlässigkeit, Qualität, Haltbarkeit),
  • ökonomische Faktoren (z.B. die Rendite des eingesetzten Kapitals),
  • rechtliche Faktoren (z.B. Compliance-Erfordernisse),
  • soziale Faktoren (z. B. notwendige Fähigkeiten und Kompetenzen der Mitarbeitenden, Gesundheitsrisiken oder die Ergonomie betroffener Arbeitsplätze) und / oder
  • ökologische Faktoren (z.B. Fragen des Umweltschutzes, der Emissionen oder der Entsorgung).  

Festlegung von Entscheidungskriterien

Kriterien zur Beurteilung der Vorteilhaftigkeit einer Investition müssen einen Bezug zu den strategischen und operativen Unternehmenszielen aufweisen. Hierbei sind die Interessen der Kapitalgeber und Anteilseigner ebenso wie diejenigen anderer Anspruchsgruppen (z.B. Mitarbeitende, Staat, interessierte Öffentlichkeit) zu berücksichtigen. Schliesslich sind auch Kriterien wie (finanzielle) Machbarkeit, Zielerfüllungsgrad, Risiko und ethische Vertretbarkeit aufzunehmen, wobei neben quantitativen auch qualitative Entscheidungskriterien aufzunehmen sind.  

Bewertung von Investitionsalternativen

Sind die Entscheidungskriterien festgelegt, sind zunächst die verfügbaren Investitionsalternativen zusammenzustellen. Im Minimum bestehen immer zwei Entscheidungsalternativen: Investition oder der Verzicht auf die Investition, falls eine Nutzen-Risiko-Abschätzung zu diesem Ergebnis kommen sollte. Investitionsalternativen können aber auch die Wahl zwischen zwei Organisationsmustern betreffen, wie z.B. Eigenfertigung oder Fremdbezug, Outsourcing oder Offshoring, Zentralisierung oder Dezentralisierung.  

Die quantitative Bewertung der Investitionsalternativen wird methodisch durch Investitionsrechenverfahren unterstützt. Hierbei werden vor allem in KMU häufig statische Verfahren eingesetzt, welche den Zeitwert des Geldes ignorieren und ihre Beurteilung anhand von Rechengrössen aus dem Finanz- und Rechnungswesen stützen. Kennzahlen, die bei der Investitionsbeurteilung mit statischen Verfahren verbreitet sind, beziehen sich auf den Kosten-, Gewinn- oder Rentabilitätsvergleich unterschiedlicher Investitionsalternativen. Zusätzlich wird in der Praxis oft die Amortisationsdauer einer Investition (entspricht der Zeit bis zum Rückfluss der investierten Geldmittel ins Unternehmen) als Entscheidungskriterium gewählt.  

Dagegen verwenden die dynamischen Methoden zahlungsbasierte Rechengrössen (Cash Flows) entlang des genauen Zeitablaufs der Investition und berücksichtigen mit Hilfe der Zinseszins-Rechnung somit auch den Zeitwert des Geldes. Häufige, in der Praxis verbreitete Kennzahlen in diesem Zusammenhang sind der Kapitalwert verstanden als Vermögenszuwachs des Investors (gemessen in Geldeinheiten) aus Gegenwartssicht oder auch die interne Rendite (interner Zinssatz) einer Investition.  

Zusätzlich zu quantitativen Entscheidungskriterien werden regelmässig auch qualitative Beurteilungskriterien herangezogen, wie beispielsweise die Strategiekonformität, die Reputation des Unternehmens, die Verträglichkeit mit sozialen oder ökologischen Zielen aus Sicht des Unternehmens.  

Investitionsantrag

Vor allem in Grossunternehmen ist die Investitionsplanung nicht ohne einen notwendigen administrativen Ablauf umsetzbar, damit die Investitionsbedarfe aller Organisationseinheiten in nützlicher Zeit systematisch, transparent und nachvollziehbar erfasst, bewertet und selektiert werden können. Hierbei steht die Investitionsplanung nicht anders als andere Aufgaben unter dem Primat der Wirtschaftlichkeit und zugleich muss sichergestellt sein, dass alle wesentlichen Nutzeffekte und Risiken aus der Investition durch die Antragsteller dargelegt werden. Auf dieser Grundlage kann dann die Auswahl der Investitionsvorhaben durch die Entscheidungsträger erfolgen, die die strategischen, finanziellen und sonstigen Ziele aller Anspruchsgruppen am besten erreichen lassen.  

Fazit

Vor dem Hintergrund der hohen Bedeutung von Investitionen für die Unternehmensentwicklung ist eine systematische Investitionsplanung ein zentrales Aufgabengebiet jeder Unternehmensführung.  Schliesslich trägt eine erfolgreiche Investitionsplanung immer auch zur Erreichung einer optimalen langfristigen Kapitalrentabilität des investierenden Unternehmens bei, in dem diejenigen Investitionsvorhaben selektiert und umgesetzt werden, die die höchste Verzinsung des eingesetzten Kapitals ermöglichen.  

Somit ist die Investitionsplanung nicht nur im Interesse der Unternehmensführung, sondern vor allem der Anteilseigner, welche regelmässig über geplante Grossinvestitionen informiert sein möchten, weil mit diesen nicht nur attraktive Rendite-Chancen sondern zumeist auch erhebliche Risiken verbunden sind. Dies wird besonders deutlich am Beispiel von Unternehmensübernahmen.

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