Schwierige Mitarbeitergespräche: Fehlverhalten schnell korrigieren
Inhalt
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Fehlverhalten liegt vor, wenn Sie sich die Frage stellen müssen, ob Sie ein solches Verhalten für alle Mitarbeitenden zulassen würden. Ist die Antwort nein, handelt es sich um ein Problem, das Sie als Führungskraft aktiv angehen müssen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, das Verhalten zu korrigieren, ohne das persönliche Verhältnis zum Mitarbeiter zu belasten. Ein strukturiertes Vorgehen verhindert, dass individuelle Eigenheiten zu einem Problem für das gesamte Team werden.
Die wichtigsten Punkte:
- Nutzen Sie die «Was wäre wenn»-Frage, um objektiv zu prüfen, ob ein Verhalten problematisch ist.
- Konzentrieren Sie sich im Gespräch strikt auf den Sachverhalt und nicht auf die Persönlichkeit des Mitarbeiters.
- Lassen Sie die Lösungsvorschläge idealerweise vom Mitarbeiter selbst erarbeiten, um die Verantwortung zu sichern.
- Legen Sie einen konkreten Termin für die Überprüfung der Fortschritte fest, um Verbindlichkeit herzustellen.

Passende Arbeitshilfen
Wie führe ich ein schwieriges Mitarbeitergespräch, um Fehlverhalten effektiv zu korrigieren?
Schwierige Mitarbeitergespräche
Sollten Sie gelegentlich problematisches Verhalten Ihres Mitarbeiters übersehen, so stehen Sie damit nicht allein. Bei vielen Führungskräften ist dies ähnlich. Die Unterscheidungslinie zwischen individuellen Eigenheiten und problematischem Verhalten ist oft nur schwach ausgeprägt und erfordert Ihr Urteilsvermögen und Feingefühl als Führungskraft. Worin liegen die Gefahren der Unkenntnis problematischen Verhaltens, und existiert eine Faustregel, an Hand derer sich erkennen lässt, wann individuelle Eigenheiten zu problematischem Verhalten geworden sind?
Was passiert, wenn Sie nicht eingreifen?
Zunächst zu den Gefahren. Wenn Ihnen ein problematisches Verhalten entgeht, so wird Ihren Mitarbeitern die Tatsache nicht entgehen, dass Sie es zulassen, das Regeln verletzt und Leistungsstandards reduziert werden. Es ist nur eine Zeitfrage, bis die anderen Mitglieder Ihres Teams damit beginnen werden, ihre Arbeitsnormen zu senken. Niedrige Normen führen zu einer schwachen Einstellung zur Arbeit und zu einer Senkung des Leistungsniveaus. Sie, als Vorgesetzter, sehen sich dann plötzlich einem grösseren Problem gegenüber im Vergleich zu einem problematischen Einzelverhalten eines Mitarbeiters.
Wie finden Sie heraus, ob Sie es mit einem Verhaltensproblem zu tun haben? Stellen Sie sich die «Was wäre wenn ...»-Frage. Was wäre, wenn jeder zu spät käme? Was wäre, wenn sich jeder weigerte, den Sicherheitsstandard einzuhalten? Was wäre, wenn keiner montags zur Arbeit käme?
Wenn die Antwort auf Ihre «Was wäre wenn ...»-Frage lautet: «Als Vorgesetzter dürfte ich dies niemandem gestatten», dann sind Sie ziemlich sicher mit einem Verhaltensproblem konfrontiert, um das Sie sich kümmern sollten. Das Geheimnis eines erfolgreichen Umgangs mit Fehlverhalten besteht in der Korrektur des Verhaltens, ohne dass dabei das persönliche Verhältnis zum Mitarbeiter Schaden nimmt. Meistern Sie schwierige Mitarbeitergespräche.
Passende Produkt-Empfehlungen
Schrittweise und richtig lösen
Schwierige Mitarbeitergespräche erfordern ein strukturiertes und einfühlsames Vorgehen. Gehen Sie folgendermassen vor: Beschreiben Sie zunächst das Problem in aller Ruhe, erklären Sie, warum es Ihnen Sorge bereitet, und verleihen Sie Ihrem Wunsch nach einer Veränderung Ausdruck. Sie können zum Beispiel Folgendes sagen: «Herr Meyer, mir ist aufgefallen, dass Sie wiederholt zu spät an Ihrem Arbeitsplatz sind. Dadurch kann Ihr Arbeitsteam nicht rechtzeitig beginnen und muss auf Sie warten. Ich möchte das Problem mit Ihnen besprechen und eine dauerhafte Lösung finden.»
Schwierige Mitarbeitergespräche sind nicht einfach. Sie möchten die Diskussion mit der Gewissheit abschliessen, dass Ihr Mitarbeiter verstanden hat, dass es Ihnen klar darum geht, eine Verhaltensänderung herbeizuführen. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, dass Sie ruhig bleiben und sich auf den Problemkreis, den Sachverhalt und nicht auf die Persönlichkeit des Mitarbeiters konzentrieren. Das Problem muss zum Wohle des Arbeitsteams gelöst werden und nicht, um den einzelnen Mitarbeiter «auf Vordermann» zu bringen. Sie streben eine Lösung und keine Kraftprobe an, und wenn der Mitarbeiter wirklich versteht, warum Sie besorgt sind, wird er eher hinter einer Lösung stehen.
Im zweiten Schritt fragen Sie Ihren Mitarbeiter nach seinen Gründen für sein Verhalten und hören Sie sich diese an. Beispiel: «Herr Meyer, sagen Sie mir bitte zuerst einmal, warum Sie in der letzten Zeit so häufig fehlen.» Da Sie den Mitarbeiter durch einen Prozess geleiten, bei dem die endgültige Lösung des Problems vom Mitarbeiter selbst kommen wird, sollten Sie den Mitarbeiter dazu veranlassen, über die Gründe für sein Verhalten nachzudenken.
Gelegentlich wird allein die Tatsache, dass er einen Ansprechpartner in Ihnen als Vorgesetzten hat, Ihrem Mitarbeiter helfen, das Problem zu analysieren und eine Lösung zu finden. In anderen Fällen finden Sie vielleicht Gründe für das Verhalten, die Sie ihm nachempfinden können. Das Entscheidende ist, dass Sie dem Mitarbeiter das Gefühl vermitteln, dass Sie bereit sind, ihm zuzuhören, und verstehen wollen, warum das Verhalten eingetreten ist.
Anschliessend bitten Sie ihn um Problemlösungsvorschläge. Beispiel: «Was schlagen Sie vor? Wie können Sie Ihre Anwesenheit auf das erwartbare Mass steigern?» Letztendlich handelt es sich dabei um das Problem des Mitarbeiters, nicht um Ihres. Indem Sie den Mitarbeiter nach Problemlösungsvorschlägen fragen, stellen Sie klar fest, wo die Verantwortung für die Lösung des Problems liegt: nämlich Ihrem Mitarbeiter zugeordnet ist. Damit eine Problemlösung gute Erfolgsaussichten hat, muss sie vom Mitarbeiter selbst stammen, der das Problem erkannt hat und sich für eine Lösung einsetzt. Lösungen, die von Ihnen als Vorgesetzter aufgrund Ihrer Autorität verordnet werden, zeigen selten das vonseiten des Mitarbeiters erforderliche Engagement in der Umsetzung.
Checkliste
- Beschreiben Sie das Problem sachlich und ruhig, ohne Vorwürfe zu erheben.
- Erklären Sie, warum das Verhalten Sie und das Team betrifft, und äussern Sie Ihren Wunsch nach Veränderung.
- Hören Sie aktiv zu und fragen Sie nach den Gründen für das Fehlverhalten.
- Fordern Sie den Mitarbeiter auf, eigene Lösungsvorschläge zu unterbreiten.
- Bieten Sie Ihre Unterstützung an, falls der Mitarbeiter keine Lösung findet.
- Einigen Sie sich auf einen konkreten Aktionsplan mit messbaren Zielen.
- Vereinbaren Sie einen festen Termin für das Follow-up-Gespräch.
- Dokumentieren Sie die vereinbarten Schritte und das Datum der Überprüfung.
Hilfe anbieten und Verbindlichkeit schaffen
Bieten Sie Ihrem Mitarbeiter als sein Vorgesetzter im nächsten Schritt Ihre Hilfe an. Wichtig ist es, dass Ihr Mitarbeiter das Gefühl hat, dass Sie besorgt sind über seinen beruflichen Erfolg und bei Ihnen nicht ein blosses Verlangen nach Disziplinarmassnahmen besteht. Wenn Ihnen bei der Problemanalyse eine durchführbare Lösung einfällt, zu der der Mitarbeiter nicht kommt, so schlagen Sie diese vor. Sie könnten etwa sagen: «Ja, das wäre vielleicht eine Idee. Was meinen Sie?» oder «Eine Möglichkeit könnte darin bestehen, ... Was halten Sie davon?»
Einigen Sie sich im fünften Schritt auf einen Aktionsplan, und legen Sie ein Datum für die Besprechung der erzielten Fortschritte fest. Beispiel: «Sie haben sich also dazu verpflichtet, Ihren Wagen so in Ordnung zu bringen, dass er nicht dauernd ausfällt, und werden Ihre Zahnarzttermine entsprechend verlegen. Mit diesen Massnahmen dürften Sie das Problem wohl lösen können. Ich gehe davon aus, dass Sie sich auch an Ihre Vorschläge halten. Wir treffen uns in 14 Tagen noch einmal, sagen wir am Donnerstag, dem 30., um 16.00 Uhr, um zu sehen, wie Sie alles umgesetzt haben.»
Diese Vorgehensweise bestätigt Ihrem Mitarbeiter, dass Sie es bei Ihrem ersten Schritt, als Sie Ihren Wunsch nach einer Veränderung ausdrückten, ernst gemeint haben. Durch die Vorgabe eines konkreten Zeitpunkts für die Überprüfung und Wertung der erzielten Fortschritte stellen Sie einen zeitlichen Rahmen auf, innerhalb dessen Ihr Mitarbeiter das problematische Verhalten geändert haben muss.
FAQ: Schwierige Mitarbeitergespräche
Wann sollte ich ein Fehlverhalten ansprechen?
Sobald Sie durch die «Was wäre wenn»-Frage erkennen, dass das Verhalten nicht tolerierbar wäre, wenn es jeder Mitarbeiter zeigen würde. Warten Sie nicht, bis sich das Problem ausweitet.
Wie vermeide ich, dass das Gespräch in einen persönlichen Konflikt ausartet?
Konzentrieren Sie sich ausschliesslich auf den konkreten Sachverhalt und die Auswirkungen auf das Team. Vermeiden Sie Aussagen über die Persönlichkeit des Mitarbeiters und bleiben Sie ruhig.
Warum ist es wichtig, dass der Mitarbeiter selbst Lösungen vorschlägt?
Lösungen, die vom Mitarbeiter selbst erarbeitet wurden, werden mit höherer Motivation umgesetzt. Verordnete Massnahmen führen oft zu Widerstand und geringerer Verbindlichkeit.
Was tue ich, wenn der Mitarbeiter keine Gründe für sein Verhalten nennen kann?
Bieten Sie in diesem Fall eigene, durchführbare Lösungsvorschläge an und fragen Sie nach der Meinung des Mitarbeiters, um ihn dennoch in die Entscheidung einzubinden.