Nichtberufsunfälle: Warum sich Unfallprävention für alle lohnt

KURZ ZUSAMMENGEFASST

In der Schweiz verletzen sich Erwerbstätige doppelt so häufig in der Freizeit wie am Arbeitsplatz. Über eine Million Menschen erleiden jährlich Nichtberufsunfälle, was der Gesellschaft jährlich fast 12 Mrd. CHF kostet und 7,5 Mio. Arbeitstage vernichtet. Die BFU reagiert darauf mit gezielten Massnahmen, da reine Plakate oft nicht ausreichen, um sicheres Verhalten ausserhalb des Unternehmens zu fördern.

Die wichtigsten Punkte:

  • Nichtberufsunfälle verursachen jährlich rund 12 Mrd. CHF volkswirtschaftliche Schäden.
  • Über eine Million Menschen verletzen sich jedes Jahr in der Freizeit oder beim Sport.
  • Unternehmen profitieren von kostenlosen SafetyKits und Workshops der BFU.
  • Prävention muss als Daueraufgabe auf mehreren Ebenen verankert werden.
05.03.2026 Von: Hans Frauchiger
Nichtberufsunfälle

Warum ist die Prävention von Nichtberufsunfällen für Unternehmen und die Wirtschaft so wichtig?

Mehr Freizeit — mehr Nichtberufsunfälle: Wer in der Schweiz lebt und arbeitet, verletzt sich eher bei einem Unfall in der Freizeit als während der Arbeit. Was die BFU dagegen unternimmt und wie sich Prävention von Nichtberufsunfällen für Mensch und Wirtschaft auszahlt.

Teilzeitarbeit, mehr Ferientage, Frühpensionierung: Wir haben heute mehr Freizeit als vor 30 Jahren. Ebenso gibt es immer mehr Möglichkeiten, diese aktiv zu verbringen: Trampolinparks laden in der Schweiz erst seit rund zehn Jahren zum Hüpfen ein. E-Bikes erleben schon länger einen Boom und machen ausgedehnte Velotouren für immer mehr Menschen möglich. Stand-up-Paddling lockt die Massen erst seit Beginn der Nullerjahre auf die Gewässer. 

Die Kehrseite: Erwerbstätige Personen verunfallen heute deutlich häufiger in der Freizeit als bei der Arbeit. Es passieren rund doppelt so viele Nichtberufsunfälle wie Berufsunfälle. Über alle Altersgruppen hinweg gesehen, verletzen sich jedes Jahr mehr als eine Million Menschen bei Nichtberufsunfällen. Über die Hälfte davon zu Hause und in der Freizeit, 400 000 beim Sport, 75 000 im Strassenverkehr. 2400 verlieren ihr Leben. Trotzdem stehen für die Prävention von Nichtberufsunfällen deutlich weniger Gelder zur Verfügung als für die Prävention von Berufsunfällen.

Die BFU am Puls der Zeit

«Wir von der BFU wollen die Unternehmungslust der Menschen keineswegs bremsen – oder ihnen vorschreiben, doch lieber zu wandern, statt zu reiten», erklärt Othmar Brügger, Leiter Bereich Haus und Sport bei der BFU. «Unser Anliegen ist es, optimale Rahmenbedingen zu schaffen, sodass Menschen eine Sportart oder eine Freizeitaktivität sicher ausüben können», so Brügger. Trampolinparks seien dafür ein gutes Beispiel. «Noch bevor es dazu eine Unfallstatistik gab, haben wir festgestellt, dass hier ein Unfallschwerpunkt entsteht. Daraufhin haben wir in Zusammenarbeit mit der Branche mit gezielten Präventionsmassnahmen reagiert.»

Hoher volkswirtschaftlicher Schaden

Die hohen Unfallzahlen haben neben grossem Leid für die Betroffenen auch enorme materielle Kosten zur Folge: Nichtberufsunfälle kosten die Gesellschaft jährlich nahezu CHF 12 Mrd., und der Wirtschaft gehen rund 7,5 Mio. Arbeitstage verloren.

«Das macht jedem Unternehmen zu schaffen. Der Ausfall von Mitarbeitenden bedeutet neben zusätzlichen Kosten auch administrativen und organisatorischen Aufwand», verdeutlicht Annick Rywalski, stellvertretende Direktorin der BFU und Leiterin des Bereichs Gemeinden und Unternehmen. Ersatz muss eingestellt werden, Überstunden fallen für Kolleginnen und Kollegen an. Im schlimmsten Fall lassen sich Termine nicht einhalten. Kunden können verloren gehen.

Warum Unfallprävention wichtig ist

«Am Arbeitsplatz kann ein Unternehmen verlangen, dass Mitarbeitende sich sicher ausrüsten und verhalten», führt Rywalski weiter aus. Doch für die freie Zeit zu Hause, beim Sport oder auf der Strasse können Vorgesetzte sicheres Verhalten nur empfehlen. Dafür reicht eine E-Mail oder ein aufgehängtes Plakat nicht aus.Mehr Eindruck hinterlassen die von der BFU fixfertigen Einsatzmittel, mit einem konkreten, auf die Bedürfnisse eines Unternehmens zugeschnittenen Inhalt: Für kleine und mittlere Unternehmen sind es die kostenlosen SafetyKits, welche die wichtigsten Unfallschwerpunkte behandeln. Denn in jedem Unternehmen gibt es Mitarbeitende, die E-Bike fahren, Fussball spielen oder heimwerken. Workshops machen für grössere Unternehmen Gefahren und Prävention erlebbar. «Unsere Tools und Beratungen entlasten Unternehmen auch in der Organisation ihrer Präventionsaktivitäten», so Rywalski. Zusätzlich habe es einen positiven Einfluss auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, wenn sie merken, dass sich ihr Unternehmen für sie und ihre Gesundheit – auch in der Freizeit – interessiere.

«Unfallprävention bleibt eine Daueraufgabe », meint Rywalski. Einzelmassnahmen zeigen keine langfristige Wirkung. Die Themen müssen immer wieder angesprochen werden, sonst gehen sie vergessen. Zudem ist Prävention immer ein Zusammenspiel auf mehreren Ebenen. Dafür setzt die BFU auf die Zusammenarbeit mit Partnerinnen und Multiplikatoren – für Kinder, Arbeitnehmende bis hin zu Seniorinnen und Senioren. Und auf die dauerhafte Präsenz ihrer Empfehlungen in allen Kommunikationskanälen.

Mehr Effort ist nötig

«Gesundheit, Gesundheit und nochmals Gesundheit», verdeutlicht Othmar Brügger das gesellschaftliche Bedürfnis nach Sicherheit. «Die Menschen wollen gesund sein und es auch bleiben.» Sonst würden zum Beispiel nicht praktisch alle auf der Skipiste einen Helm anziehen. «An ihrem Beispiel sehen wir, wie wichtig ihnen die eigene Sicherheit ist. Sie schützen sich freiwillig selbst, haben aber auch hohe Erwartungen in puncto Sicherheit an die Bahnen, Pisten und Rettungsdienste.»

Wie im Schneesport ist Unfallprävention heute in vielen Lebensbereichen verankert. Bevölkerung, Politik und Unternehmensleitungen sind bereit, die Unfallbelastung zu reduzieren. Die Entwicklung des Unfallgeschehens zeigt jedoch, dass die Anstrengungen noch nicht ausreichen. Es braucht noch mehr Effort seitens aller Handlungsträger aus Politik und Prävention. Dafür setzt die BFU auch in Zukunft die notwendigen Akzente. Davon profitieren die Wirtschaft und die Menschen.

Checkliste

  • Analysieren Sie, wo Ihre Mitarbeitenden häufig ungesichert unterwegs sind (z. B. E-Bike, Heimwerken).
  • Nutzen Sie die kostenlosen SafetyKits der BFU für KMU, um gezielte Informationen bereitzustellen.
  • Organisieren Sie Workshops, um Gefahren und Präventionsmassnahmen erlebbar zu machen.
  • Integrieren Sie Sicherheitsthemen der Freizeit regelmässig in die interne Kommunikation.
  • Fördern Sie das Bewusstsein, dass sich das Unternehmen auch für die Gesundheit in der Freizeit interessiert.
  • Koordinieren Sie sich mit der BFU und Multiplikatoren für aktuelle Präventionsempfehlungen.
  • Stellen Sie sicher, dass Präventionsmassnahmen nicht als Einzelaktion, sondern als Daueraufgabe verstanden werden.

FAQ: Nichtberufsunfälle

Warum verunfallen Menschen in der Schweiz häufiger in der Freizeit als bei der Arbeit?

Durch mehr Freizeit, Teilzeitarbeit und neue Freizeitaktivitäten wie Trampolinparks oder E-Bikes steigt das Risiko. Zudem stehen für die Prävention von Nichtberufsunfällen deutlich weniger Mittel zur Verfügung als für Berufsunfälle.

Welchen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen Nichtberufsunfälle?

Jährlich entstehen der Gesellschaft Kosten von fast 12 Mrd. CHF, und der Wirtschaft gehen rund 7,5 Mio. Arbeitstage durch Ausfälle und organisatorischen Aufwand verloren.

Wie können Unternehmen ihre Mitarbeitenden in der Freizeit unterstützen?

Unternehmen können keine Anweisungen für die Freizeit geben, aber sie bieten kostenlose SafetyKits der BFU an und organisieren Workshops, um das Sicherheitsbewusstsein zu stärken und die Zufriedenheit der Belegschaft zu erhöhen.

Was ist das Ziel der BFU bei neuen Freizeitaktivitäten?

Die BFU möchte die Unternehmungslust nicht bremsen, sondern optimale Rahmenbedingungen schaffen. Sie entwickelt präventive Massnahmen oft schon bevor Unfallstatistiken vorliegen, wie es bei Trampolinparks der Fall war.

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