10.02.2015

RoCe: Die Performance-Kennzahl auf dem Prüfstand

Die Kennzahl Return on Capital Employed (RoCe) ist seit einigen Jahren ein weit verbreitetes Mass für die erzielte Kapitalrendite eines Unternehmens und wird sowohl für die interne Steuerung als auch für die nach aussen gerichteten Kapitalmarktinformationen verwendet.

Von: Stefan Hunziker, Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Stefan Hunziker, MScBA

Prof. Dr. Stefan Hunziker, Studium der Wirtschaftswissenschaften und Soziologie, Doktorat zum internen Kontrollsystem; Dozent und Studiengangleiter MAS/DAS Risk Management an der Hochschule Luzern – Wirtschaft, Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ; Dozent an der Schweizerischen Akademie für Wirtschaftsprüfung; Lehraufträge in den Bereichen Risikomanagement, interne Kontrollsysteme und Controlling; Verfasser von zahlreichen Büchern und Fachartikeln zu den Themen internes Kontrollsystem und Risikomanagement. Stefan Hunziker ist zudem Präsident der Swiss Enterprise Risk Management Association SwissERM.

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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RoCe

Berechnung des RoCe

Für die Berechnung des RoCe wird das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT bzw. Earnings before Interest and Tax, manchmal auch das Ergebnis vor Zinsen nach Steuern (NOPAT bzw. Net Operating Profit after Taxes) mit dem beschäftigten Kapital (Capital Employed) verglichen.

Letzteres unterscheidet sich vom Gesamtkapital vor allem dadurch, dass es um das kurzfristige Fremdkapital und um die liquiden Mittel bereinigt ist. Die wesentliche Problematik dieser Kennzahl drückt sich vor allem in dem in der Praxis oft sehr unterschiedlich definierten beschäftigen Kapital aus. Durch Verwendung nicht einheitlicher Grössen im Nenner lässt sich diese Kennzahl nicht eindeutig interpretieren und Vergleiche der Performance zwischen verschiedenen Unternehmen werden erheblich erschwert.

Je nach Quelle, wird das beschäftigte Kapital – teilweise erheblich – anders definiert. Insofern ist auch davon auszugehen, dass Unternehmen die Kennzahl RoCe mit unterschiedlichen Bilanzpositionen berechnen – es ist daher bei der Interpretation Vorsicht geboten. Es hilft daher oft ein Blick ins Glossar des Geschäftsberichts, das regelmässig auch Erläuterungen zu den vom Unternehmen berichteten Kennzahlen enthält.

Kennzahl RoCe

Grundsätzlich ähnelt die Kennzahl RoCe der Rendite-Kennzahl Return on Investment (ROI), die die Gesamtkapitalrendite eines Unternehmens angibt. Der Unterschied zwischen beiden zeigt sich dabei nur im Nenner:

  • ROI = EBIT / Gesamtkapital
  • RoCe = EBIT / Beschäftigtes Kapital

Das beschäftigte Kapital fällt somit im Vergleich zum Gesamtkapital regelmässig geringer aus, da ja das zinsfrei zur Verfügung stehende kurzfristige Fremdkapital (in der Regel handelt es sich hierbei um kurzfristige Rückstellungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen) noch vom eingesetzten Gesamtkapital subtrahiert wird. Dies führt folglich dazu, dass die RoCe-Kennzahl auch stets höher ausfällt als die vergleichbare ROI-Kennzahl des Unternehmens.

Zentraler Planungsmassstab

Neben der Beurteilung des relativen Erfolgs aus der operativen Geschäftstätigkeit einer Unternehmung wird der RoCe zusätzlich als zentraler Planungsmassstab eingesetzt. Vor allem als mehrperiodischer Ziel-RoCe bietet er zugleich eine geeignete Bezugsgrösse für die erfolgsabhängige Entschädigung des Managements. Problematisch ist beim RoCe-Ansatz allerdings die Verzinsungsfixierung. Wird der Manager dafür belohnt, eine möglichst hohe Gesamtverzinsung zu erreichen, so besteht für ihn der Anreiz nur Investitionen vorzunehmen, welche ihm dabei helfen, seine Gesamtverzinsung zu erhöhen. Mit anderen Worten heisst dies, es lohnt sich immer Zusatzinvestitionen vorzunehmen, die eine höhere Verzinsung aufweisen, als der aktuelle RoCe. Im Gegenzug werden Investitionsalternativen, die nach dem Shareholder-Value-Ansatz sinnvollerweise getätigt werden müssten, eben nicht vorgenommen, da sich der RoCe und somit die erfolgsabhängige Entschädigung des Managers vermindert.

Folgendes Zahlenbeispiel verdeutlicht dies eindrücklich – ein nach RoCe-Kennzahl entlöhnter Manager würde folgende Zusatzinvestition nicht tätigen (vgl. insbesondere RoCe mit EVA):

Anfangsinvestition                   Zusatzinvestition                        Total
EBIT230 TCHF170 TCHF400 TCHF
Capital Employed1'000 TCHF1'000 TCHF2'000 TCHF
RoCe
23%
17%
20%
WACC
10%10%10%
RoCe-WACC-Spread         
13%7%10%
EVA
130 TCHF
70 TCHF
200 TCHF

Ähnlich verhält es sich wenn der aktuelle RoCe negativ ist. In diesem Fall bringt jede Investition, welche das aktuelle (negativen) RoCe-Niveau überschreitet, eine RoCe-Steigerung, sogar wenn sie nicht einmal eine positive Verzinsung erwirtschaftet. Ein solches Vorgehen widerspricht somit dem Shareholder Value-Ansatz, wonach jede Kapitalinvestition vorteilhaft ist, welche eine langfristige Mehrverzinsung gegenüber risikogleicher Alternativanlage am Kapitalmarkt bietet und setzt somit dem Management falsche Anreize.

Ein weiterer Kritikpunkt muss angeführt werden, falls RoCe als Spitzenkennzahl im Unternehmen genutzt wird, denn dem RoCe fehlt der direkte Bezug zum Unternehmenswert und dessen Entwicklung. Dies schliesst explizit auch die Aussage über mehrperiodische Massnahmen im Bezug auf ihre Werthaltigkeit mit ein. Eine Aussage dazu, ob eine Investition, welche langfristig zwar rentiert, aber zu Beginn stets Verluste aufweist, insgesamt wertschöpfend ist, kann mit der Kennzahl RoCe nicht gegeben werden.

Fazit

Die Besonderheit von RoCe und gleichzeitig der wesentliche Unterschied zum Return on Investment (ROI) stellt nur – je nach Definition etwas anders – die Saldierung des kurzfristigen Fremdkapitals mit dem Umlaufvermögen dar. Dieses Vorgehen ist aber nicht zu beanstanden, weil nach dieser Transformation auf beiden Seiten der Bilanz langfristige Positionen ausgewiesen werden und somit zufällige Schwankungen der Rentabilität durch das Aufblähen bzw. Schrumpfen der Bilanz auf Grund von Zunahmen oder Reduktionen im Umlaufvermögen bzw. im kurzfristigen Fremdkapitalbereich vermieden werden.

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