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Cash Management: Steuerungsmassnahmen der kurzfristigen Finanzplanung

Als Bestandteil der Unternehmenssteuerung werden unter dem Begriff Cash Management alle Massnahmen zur Steuerung der kurzfristigen Finanzplanung bezeichnet. Dies beinhaltet die Sammlung und Aufbereitung aller Daten, welche für die Beurteilung von Finanz- bzw. Liquiditätsrisiken oder für die Steuerung und Kontrolle der Liquidität benötigt werden. Der Hauptfokus liegt dabei auf einer aktiven und zielorientierten Steuerung der liquiden Mittel.

01.05.2022 Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch
Cash Management

Aufgaben und Wirkungen eines Cash Managements

Durch ein effizientes Cash Management wird das Nettoumlaufvermögen (engl. Net Working Capital) optimiert. Dies erfordert einen möglichst effizienten Zahlungsverkehr, in welchem gleichartige Zahlungsströme gebündelt werden. In einem Konzern können durch eine solche Bündelung auch Bankspesen, welche auf den diversen lokalen Banken anfallen, minimiert werden. Durch die Freisetzung und Bündelung von verfügbaren liquiden Mitteln werden im Bereich der Finanzierungen vor allem Vorteile durch bessere Verzinsung auf Finanzanlagen erwirtschaftet. Parallel dazu sollen durch eine Optimierung des Working Capitals die Finanzaufwände reduziert werden können.

Die Hauptaufgabe des Cash Managements ist jedoch, die Zahlungsfähigkeit einer Unternehmung oder einer Unternehmensgruppe bzw. eines Konzerns sicherzustellen. Durch eine effiziente Liquiditätsbewirtschaftung sollen sowohl im Unternehmen als auch im Konzern die liquiden Mittel in der entsprechenden Währung zur Verfügung stehen, wann und wo sie benötigt werden. Überschüssige liquide Mittel sollen zentral verwaltet und möglichst renditeorientiert angelegt werden.

In einem zentralen Cash-Management-Prozess haben die einzelnen Konzerneinheiten wenig bis keinen Spielraum bezüglich der Steuerung und Verwendung der liquiden Mittel. Der Zentralisierungsgrad, welcher in einem Konzern angewendet wird, hängt jedoch von diversen Faktoren ab: vom operativen Geschäft, von der Konzernstruktur, von der Struktur der Bankkonten aller Konzerneinheiten sowie von regulatorischen Einschränkungen der einzelnen Länder (Ceglarek/Zehnder, 2007, S. 28 ff.).

Ausgewählte Konzepte und Methoden des Cash Managements

Das Cash Management und Liquiditätsmanagement umfasst die folgenden Teilbereiche:

  • Cash-Pooling
  • Cash Management
  • Liquiditätsplanung
  • Kontodatenverarbeitung und Finanzstatus
  • Inhouse-Bank
  • Liquiditätsanalyse und -steuerung

Vordringliches Ziel ist es, dass eine Unternehmung bzw. ein Konzern die gewünschte und notwendige Transparenz über die aktuellen Liquiditätsbestände erhält sowie die Kosten im internen sowie auch im externen Zahlungsverkehr optimieren kann. Unter normalen Umständen sollten sich zudem mit der Bündelung der Liquiditätsbestände (Cash-Pooling) auch die Zinsergebnisse optimieren lassen. Das aktuelle negative Zinsumfeld für Geldanlagen stellt das Cash Management in Konzernen allerdings vor neue Herausforderungen.

Im aktuellen Zinsumfeld stellen sich die Unternehmen zunehmend auf alternative Anlagemöglichkeiten und andere Methoden des Liquiditätsmanagements ein. Viele Banken gewähren einen Sockelbetrag in der Anlage, bis zu welchem keine negativen Zinsen bzw. Strafzinsen verlangt werden. Einige Unternehmen versuchen daher, ihre Liquidität nur bis zu dieser Höhe vorzuhalten. Andere hingegen haben als Reaktion auf die Ankündigung von Strafzinsen ihre Bank gewechselt. Ungeachtet dessen kann dies in der Praxis vor allem für Grossunternehmen eine temporäre Alternative darstellen. Meistens sind diese nicht auf ein Finanzinstitut angewiesen, sondern arbeiten mit einer Vielzahl von Banken zusammen.

Im Rahmen einer Unternehmensgruppe weisen die einzelnen Gesellschaften häufig unterschiedliche Liquiditätspositionen auf. Unter Berücksichtigung verschiedener steuerlicher Aspekte wird oft durch diese Unternehmen eine konzernweite, zentrale Finanzierungsfunktion zur bestmöglichen Kapitalallokation auf Konzernebene eingesetzt. Beispiele dafür sind eine länderübergreifende Cash-Pooling-Struktur oder die zentrale Steuerung mittels einer Inhouse-Bank. Die Abstimmung zwischen einem Liquiditätsüberhang der einen und einem Liquiditätsbedarf einer anderen Konzerngesellschaft wird beim Cash-Pooling kurzfristig über einen Liquiditätsausgleich auf zentralen Bankkonten beseitigt. Eine Inhouse-Bank ist in diesem Zusammenhang als zentrale Organisationseinheit diejenige, die den einzigen Marktzugang des Konzerns innehat und alleiniger Vertragspartner bei allen externen Finanzgeschäften ist. Im Rahmen der Kapitalbedarfsplanung werden Mittel am Kapitalmarkt aufgenommen und wird überschüssige Liquidität am Geld- oder Kapitalmarkt angelegt.

Vor dem Hintergrund eines negativen Anlagezinsniveaus sinkt auch die Attraktivität aus Sicht der Konzerngesellschaften, mit ihrer überschüssigen Liquidität an Cash-Pools teilzunehmen bzw. überschüssige Liquidität in der Inhouse-Bank anzulegen.

Konzepte für ein zentralisiertes Cash Management

Um ein zentralisiertes Cash-Management-System aufzusetzen, werden folgende Prozesse ausgearbeitet: Zusammenführung aller anstehenden Ein- und Auszahlungen (Plandaten), welche direkt aus entsprechenden Vorsystemen der Buchhaltungen oder manuell übernommen werden. Für konzerninterne Daten wird dies durch Netting erreicht, für externe Zahlungen wird Payment Factory eingesetzt. Externe Zahlungseingänge, das sogenannte Forderungsmanagement, werden mit Factoring abgedeckt. Die Gesamtheit dieser Daten wird für die Planung und Steuerung der finanziellen Mittel herangezogen, um einen aussagekräftige Cash-Forecast zu erstellen. Nachfolgend werden die Konzepte Netting, Payment Factory und Factoring vorgestellt.

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