29.07.2019

Interne Nachschau: Grundlegende Aspekte für die Praxis

Nicht die Anzahl der Weisungen ist für das Qualitätssicherungssystem entscheidend, sondern deren korrekte Umsetzung. Diesen Sachverhalt hält die Revisionsaufsichtsbehörde in ihrem Tätigkeitsbericht explizit fest. Es macht zudem nur Sinn, das einzuführen, was auch tatsächlich umgesetzt werden kann. Getreu dem Motto: Weniger ist manchmal mehr.

Von: Christian Feller  DruckenTeilen 

Christian Feller

Christian Feller, dipl. Wirtschaftsprüfer, ist Partner bei Confia Group AG.

 

 

Interne Nachschau

Interne Nachschau

Im Zusammenhang mit der Umsetzung des Standards der internen Qualitätssicherung von EXPERT | SUISSE (QS 1 und PS 220) und TREUHAND | SUISSE (Anleitung zur Qualitätssicherung für KMU-Revisionsunternehmen) ist zwingend eine interne Nachschau durchzuführen. Die interne Nachschau hat mindestens jährlich auf Unternehmensebene stattzufinden und umfasst mindestens alle drei Jahre einen abgeschlossenen Prüfungsauftrag pro leitenden Revisor. Dabei ist sicherzustellen, dass die Verantwortung einer Person übertragen wird, welche über ausreichende und angemessene Erfahrung und Befugnis verfügt sowie an der Auftragsprüfung nicht beteiligt war.

Die interne Nachschau erfolgt in der Regel in der zweiten Jahreshälfte, wenn die meisten Revisionsmandate abgeschlossen und die Revisionsberichte abgegeben werden konnten. Es liegt im Ermessen der jeweiligen Revisionsgesellschaft, den Umfang und die Schwerpunkte der Nachschau festzulegen. Die Gesellschaft hat aufgrund der individuellen Verhältnisse, Erfahrungen und Bedürfnisse zu entscheiden, welche Bereiche problematisch sind und besondere Beachtung erfordern. Die Zuständigkeit und Verantwortung für die Qualität innerhalb des Revisionsunternehmens liegt stets bei der Geschäftsleitung oder beim geschäftsführenden Partner. Die Durchführung darf jedoch an qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter delegiert werden.

Beispiele für Mängel des QS-Systems

Die SQPR AG (Swiss Quality Peer Review AG – eine Gesellschaft von veb.ch und TREUHAND SUISSE) führt unter anderem die interne Nachschau bei KMU-Revisionsunternehmen durch. Das Ergebnis der Arbeiten ist ein ausführlicher Nachschau-Bericht, welcher wesentliche Mängel und Fehler aufführt und zuhanden der Geschäftsleitung erstellt wird. Durch die erörterten (wesentlichen) Feststellungen können die Verantwortlichen (z.B. GL/VR/leitende Revisoren) bedeutende Rückschlüsse auf den Stand und die Wirksamkeit des firmeninternen Qualitätssicherungssystems (QS) erlangen.

Aufgrund der Erfahrungen der letzten fünf Jahre konnte eine Sammlung von Beispielen für Mängel des QS-Systems ausgearbeitet werden. Überwiegend sind diese Beispiele als wiederholt auftretende Mängel den Nachschau-Berichten entnommen worden. Die vorliegende Sammlung (siehe Aufzählung unten) ist nicht abschliessend und soll insbesondere Prüfern, die eine Nachschau durchführen, als Hilfestellung bei der Würdigung ihrer Prüfungsfeststellungen dienen. Daneben richtet sie sich auch an die geprüften Revisionsunternehmen und ihre leitenden Revisoren.

Feststellungen

Einrichtung, Durchsetzung und Überwachung eines QS-Systems

  •  Zum QS-System oder zu wesentlichen Teilbereichen des QS-Systems liegen keine oder unzureichende Regelungen vor. Die Regelungen werden auch nicht aus der Dokumentation der Prüfungsdurchführung (Arbeitspapiere) ersichtlich.
  • Obwohl angemessene Massnahmen und Grundsätze zum QS-System vorliegen, werden diese in wesentlichen Teilen nicht angewendet.
  • Das QS-System enthält Regelungen für die Durchführung der Jahresabschlussprüfungen. Für die Überwachung der Prüfungsarbeiten werden keine notwendigen Massnahmen definiert.

Beachtung der allgemeinen Berufsgrundsätze

  • Es bestehen keine Regelungen, die sicherstellen, dass das Revisionsunternehmen und die Mitarbeiter, welche in die Revisionstätigkeiten involviert sind bzw. eine Entscheidungsfunktion im Unternehmen innehaben (VR, GL, u.Ä.), die relevanten Unabhängigkeitsvorschriften einhalten.
  • Die Dokumentation der Kontrolle der Einhaltung der Unabhängigkeitsvorschriften durch die Leitung des Revisionsunternehmens (Vieraugenprinzip) ist nicht ausreichend geregelt.

Annahme, Fortführung und vorzeitige Beendigung von Aufträgen

  • In Unternehmen, in welchen mehrere Personen Revisionsaufträge annehmen können, bestehen keine Regelungen zur Auftragsannahme.
  • Obwohl entsprechende Regelungen zur Auftragsannahme bestehen, wurden wiederholt Aufträge angenommen und durchgeführt, bei denen bereits zum Zeitpunkt der Auftragsannahme erkennbar war, dass die leitenden Revisoren nicht über das notwendige Fachwissen verfügen.
  • Das QS-System enthält keine Regelungen zur Auftragsannahme und Fortführung. Die geprüfte Revisionsgesellschaft hat vor dem Okay mehrere Jahresabschlussprüfungen durchgeführt, ohne über eine Auftragsbestätigung zu verfügen.

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Mitarbeiterentwicklung: Weiterbildung

  • Die Regelungen im QS-Handbuch sehen für alle Revisionsmitarbeiter angemessene Weiterbildungen vor. Die Mitarbeiter unterschreiten die Weiterbildungsvorgaben jedoch deutlich.
  • Ein angemessener Prozess der Mitarbeiterqualifi kation existiert nicht.
  • Die durch Revisoren besuchten internen und externen Schulungen müssen durch eine jährliche Weiterbildungskontrolle erfasst und dokumentiert werden. Diese jährliche Kontrolle fand nicht statt (Vieraugenprinzip) bzw. wurde nicht angemessen dokumentiert.

Auftragsabwicklung bei gesetzlichen Revisionen

  • Es sind keine Regelungen zur Dokumentation der Prüfungsplanung schriftlich festgelegt. Die Prüfungsplanung wurde auch nicht bei den abgewickelten Prüfungsaufträgen dokumentiert.
  • Die Regelungen zum QS-System sehen die Anwendung des risikoorientierten Prüfungsansatzes vor, und das QS-System verfügt über angemessene Anweisungen und Hilfsmittel zu dessen Dokumentation.
  • Dennoch findet die Risikoeinschätzung aus der Planung keine ausreichende Konsequenz in den Arbeitspapieren.
  • Obwohl angemessene Anweisungen zur Dokumentation vorhanden sind, sind folgende Punkte nicht ausreichend dokumentiert:
    • die Berechnung der Wesentlichkeitsgrenzen
    • die analytischen Prüfungshandlungen
    • Auswahl und Umfang der empfohlenen/weitergehenden Prüfungshandlungen
    • die aus den Prüfungshandlungen resultierenden Prüfungsfeststellungen (Bilanz / ER / Anhang)
    • Prüfungsabschluss

Nachschau

  • Es bestehen keine Regelungen für die Nachschau, und diese wird nicht durchgeführt.
  • Obwohl angemessene Regelungen für die Nachschau vorhanden sind, wurde diese bisher nicht durchgeführt.
  • Die Nachschau trifft regelmässig keine Feststellungen, obwohl der Prüfer Mängel des QS-Systems festgestellt hat.

Fazit

Wesentliche festgestellte Mängel und Fehler des Qualitätssicherungssystems können dazu führen, dass im Revisionsbericht ein Prüfungstestat abgegeben wird, welches weder mit den gesetzlichen Bestimmungen noch mit den Vorgaben des Berufsstands übereinstimmt.

Grundsätzlich kann im konkreten Einzelfall der Einfluss eines Mangels nur unter Berücksichtigung weiterer Faktoren, wie weitere Prüfungsfeststellungen, Revisionskundenstruktur, Grösse und Struktur des Revisionsunternehmens, beurteilt werden.

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