Charaktertypen: Wie ticken Sie und Ihre Mitmenschen?

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Die HBDI-Typologie unterteilt menschliche Denkstile in vier Kategorien, die jeweils mit einer Farbe assoziiert werden: Blau für den analytischen, Grün für den organisatorischen, Rot für den beziehungsorientierten und Gelb für den visionären Stil. Jeder Mensch verfügt über alle vier Anteile, doch sind sie individuell unterschiedlich stark ausgeprägt. Das Verständnis dieser Unterschiede ermöglicht es, Stärken gezielt einzusetzen und Missverständnisse in der Zusammenarbeit zu vermeiden.

Die wichtigsten Punkte:

  • Anders sein bedeutet nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders.
  • Die vier Typen sind: Analytiker (Blau), Organisator (Grün), Beziehungsmensch (Rot) und Visionär (Gelb).
  • Eine Anpassung der Kommunikation an den Gegenüber steigert die Effizienz und Akzeptanz.
  • Stärken zu fördern ist oft effektiver als Schwächen zu korrigieren, doch Basisfähigkeiten müssen beherrscht werden.
  • Gute Teamarbeit berücksichtigt alle vier Denkstile, um ein vollständiges Bild zu erhalten.
23.04.2025 Von: Rolf Rado, Sue Rado
Charaktertypen

Wie funktionieren die vier Charaktertypen der HBDI-Typologie und wie nutzt man sie im Arbeitsalltag?

Es gibt viele verschiedene Typologien – zum Teil basierend auf psychologischen Modellen oder basierend auf der Hirnforschung, wie die hier aufgeführte HBDI-Typologie. Bei dieser Typologie geht es darum, den favorisierten Denkstil herauszufinden, um somit die vier verschiedenen Charaktertypen zu unterscheiden.

Die vier Charaktertypen

Grundsatz: Anders ist nicht besser oder schlechter – sondern einfach ANDERS!

Typologien richtig eingesetzt, bringen sehr viel Nutzen. Sie können auch sehr vielseitig eingesetzt werden. Es geht jedoch nicht darum, dass man Menschen «schubladisiert» – sondern einfach Hinweise gezielt nützt in der Zusammenarbeit, in der Kommunikation oder Beratung.

Bei der HBDI-Typologie werden rational, intuitiv, intellektuell sowie instinktiv gegenübergestellt. Wir benützen in der Praxisarbeit jeweils die folgenden vier Bezeichnungen von Charaktertypen:

  • Blau = Analytiker
  • Grün = Organisator
  • Rot = Beziehungsmensch
  • Gelb = Visionär

Grundsätzlich haben alle Menschen alle vier Farben in sich, meistens unterschiedlich stark ausgeprägt. Unsere Person stellt sich also aus verschiedenen Charaktertypen zusammen.

Charaktertypen herausfinden

Eigener Charaktertyp

Habe ich die Möglichkeit, eine Aufgabe zu erledigen, die meinem Charaktertyp entspricht, werde ich im Flow sein und rasch gute Resultate liefern können. Muss ich eine Aufgabe erledigen, die mir gar nicht entspricht, werde ich innerlich schon vor Beginn Widerstand in mir spüren, und die Erledigung wird mich auch viel Energie (und Zeit) kosten – und voraussichtlich ist auch das Resultat nicht mein Meisterstück.

Es ist vielversprechender, einfacher und meist auch freudvoller, Stärken zu stärken, als Schwächen auszumerzen. Trotzdem können wichtige Wachstumsfelder in einem Quadranten liegen, die nicht meinem Profil entsprechen. Die Möglichkeit, immer nur mit seinen Stärken zu arbeiten, ist selten gegeben, meistens sind auch Tätigkeiten auszuführen, die einem nicht besonders liegen.

Es ist auch sinnvoll, so an den Schwächen zu arbeiten, dass sie einigermassen erledigt werden können und nicht plötzlich zu einem Bumerang werden.

Wenn beispielsweise bei einem neuen Job organisatorisches Geschick gefragt ist, mit dem sich der notorische Chaot noch nie auseinandergesetzt hat, könnte dies zu schwerwiegenden Konsequenzen führen.

Praktischer Einsatz der Typologie

Anhand verschiedener Anhaltspunkte (Verhalten im Gespräch, Art der Fragen, Schwerpunkte der Wünsche, Ansprüche an Detaillierungsgrad oder Form der Unterlagen, Gewichtung Beziehungs- und Sachebene im Gespräch etc.) erkennt man mit der Zeit relativ rasch, welcher Charaktertyp einem gegenübersitzt.

Das gibt mir dann wiederum die Möglichkeit, dass ich mich meinem Gesprächspartner so anpasse, dass ich möglichst häufig in seinem Denkstil rede, erkläre, handle etc. Diese «Sprache » ist für ihn die einfachste, vermittelt Sicherheit – und bringt mich meinen Zielen auch näher. Ganz nach dem Motto: «Der Köder muss dem Fisch und nicht dem Angler schmecken!»

So braucht z.B. ein «Organisator» eine klare Traktandenliste im Vorfeld, ein «Analytiker» schätzt detailliertes Infomaterial, ein «Beziehungsmensch» braucht etwas mehr Smalltalk und vor allem ehrliches Interesse an seiner Person, und ein «Visionär» will beim Konzept mitentwickeln – schrecken Sie ihn nicht ab mit fix und fertigen langen Dokumentationen!

Unterstützende Hilfsmittel

Bilden Sie folgende umfassende Profile anhand des webbasierten HBDI-Fragebogens:

  • eigenes Profil
  • Paar-Profil
  • Team-Profil

Einsatzbereich der Analyse von Charaktertypen

  • Persönlichkeitsentwicklung
  • Führungskompetenzentwicklung
  • Teamentwicklung
  • Verkaufs- und Kundendienstschulungen
  • Personalrekrutierung

Checkliste

  • Bestimmen Sie Ihren eigenen dominanten Denkstil mit Hilfe eines HBDI-Fragebogens.
  • Erstellen Sie ein Team-Profil, um die Verteilung der Farben in Ihrer Abteilung zu visualisieren.
  • Analysieren Sie vor Gesprächen den wahrscheinlichen Stil des Gegenübers anhand von Verhalten und Fragen.
  • Passen Sie Ihre Argumentation an: Fakten für Analytiker, Struktur für Organisatoren, Empathie für Beziehungsmenschen und Konzepte für Visionäre.
  • Vermeiden Sie Schubladendenken und nutzen Sie die Typologie als Werkzeug für Verständnis, nicht als Urteil.
  • Sorgen Sie bei der Erstellung von Konzepten dafür, dass alle vier Perspektiven einbezogen werden.
  • Nutzen Sie die Erkenntnisse für gezielte Personalrekrutierung und Teamentwicklung.
  • Fördern Sie bewusst die weniger entwickelten Fähigkeiten, um Bumerang-Effekte zu verhindern.

Unsere Tipps zum Herausfinden von Charaktertypen

  • Entscheiden Sie sich für ein Modell, um Charaktertypen zu erkennen – und arbeiten Sie sich dort ein.
    – Setzen Sie die Stärken Ihres Denkstils bewusst ein.
    – Bestimmen Sie für sich, welche weniger entwickelten Fähigkeiten wichtig für Sie sind, um diese weiterzuentwickeln.
  • Erstellen Sie ein Team-Bild: Zeichnen Sie das Modell auf und tragen Sie Ihre Mitarbeiter (oder Führungskollegen) ein. Überlegen Sie sich dann: Welche Chancen und Gefahren ergeben sich durch Ihre Teamkonstellation?
  • Sind Sie daran, ein Konzept zu einem Thema zu erstellen, achten Sie darauf, dass Sie alle vier «Farben » dabei berücksichtigen – und nicht nur Ihren eigenen, favorisierten Denkstil!

Quelle: Hermann Brain Dominance Instruments

FAQ: Charaktertypen

Was ist der Kern der HBDI-Typologie?

Die HBDI-Typologie (Hermann Brain Dominance Instrument) hilft, den bevorzugten Denkstil einer Person zu identifizieren, um die vier Bereiche analytisch, organisatorisch, beziehungsorientiert und visionär zu unterscheiden.

Kann ich meinen Charaktertyp ändern?

Der dominante Stil ist meist tief verankert, doch man kann lernen, andere Denkstile bewusst einzusetzen, besonders in Bereichen, die für die Arbeit wichtig sind, um Schwächen nicht zum Problem werden zu lassen.

Wie erkenne ich den Typ meines Gesprächspartners?

Achten Sie auf Anhaltspunkte wie die Art der gestellten Fragen, den Fokus auf Details oder Beziehungen sowie die bevorzugte Form der Unterlagen und Kommunikation.

Warum ist es wichtig, alle vier Farben im Team zu berücksichtigen?

Ein Team, das nur einen Denkstil repräsentiert, läuft Gefahr, blind für bestimmte Aspekte zu sein. Die Kombination aller vier Perspektiven führt zu ausgewogenen und robusten Lösungen.

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