09.03.2017

Führungsrollen: Sieben verschiedene Führungsrollen

Es muss Ihnen klar sein, dass Sie als Leader Einfluss auf Ihr soziales Umfeld, Ihre Abteilung bzw. Ihren Bereich ausüben. Die Stelle, die Sie innehaben, ist neben Ihrer hierarchischen Bedeutung immer auch mit einem bestimmten Status versehen. An Ihr Verhalten werden von Ihren Mitarbeitern, Ihren Kollegen und Ihren Vorgesetzten ganz bestimmte Erwartungen geknüpft.

Von: Matthias K. Hettl   Drucken Teilen   Kommentieren  

Dr. Matthias K. Hettl

Der studierte Volks- und Betriebswirt war nach Studium und Doktorandenzeit erst Assistent der Geschäftsführung und danach in verschiedenen Managementpositionen mit Führungs- und Budgetverantwortung tätig. Als ausgezeichneter «excellent speaker» und «excellent trainer» gehört er zu den bedeutendsten Referenten im deutschen Sprachraum und ist für die TOP-Seminar- und Kongressveranstalter in Europa tätig. Er begeistert seine bisher 25 000 Zuhörer durch einen motivierenden und kompetent direkten Vortagsstil mit 1:1 einsetzbaren Praxistipps. Seine Veranstaltungen werden regelmässig mit Bestnoten bewertet.

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Wie sich die Erwartungen an Sie zusammensetzen

Diese Erwartungen an Sie bezeichnen jeweils die «Rolle» (vgl. Steiger/Lippmann 1999, S. 55f.), die Ihnen zugeschrieben wird, in die Sie hineinschlüpfen müssen, um den Ansprüchen an Sie gerecht zu werden. Ihr Führungserfolg ergibt sich nicht daraus, dass Sie den Erwartungen mit Ihrem konkreten Verhalten einfach nur entsprechen. Denn Sie können nicht alle an Sie gestellten Erwartungen explizit kennen. Die Erwartungen ergeben sich aus einer komplexen Dynamik im Spannungsfeld Ihrer Aufgaben, der Struktur und der Kultur Ihres Unternehmens. Auch Sie bringen Ihre eigenen Erwartungen an Ihre Rolle über Ihre eigenen Werte, Wünsche und Vorstellungen ein.

Klarheit über Rollenerwartungen

Es ist für Sie als Leader eine wichtige Aufgabe, sich Klarheit über die Kernerwartungen und Ihre Kompetenzen in Ihrer Führungsrolle zu verschaffen. Insbesondere bei der Übernahme einer neuen Führungsrolle ist es für Sie wichtig herauszufinden, welche zentralen Rollenerwartungen an Sie gestellt werden. In der unternehmerischen Praxis bleibt oft einiges im Unklaren. Sicher ist es fast nicht möglich, im Voraus alle Facetten der Erwartungen genau zu formulieren. Deshalb sollten Sie sich schon frühzeitig über die Anforderungen aus Ihrer Sicht klar werden.

Beschäftigen Sie sich mit Ihrer Position, Ihrer Einordnung und Hierarchiestufe, Ihrer Führungsaufgabe, Ihren Kompetenzen und Ihren Verantwortungsbereichen. Allein hieraus ergeben sich für Sie eine Reihe von Fragen, auf die Sie Antworten finden müssen. Wenn Unklarheiten aufkommen, dann ist es Ihre Aufgabe, sich bei Ihren Vorgesetzten die nötige Klarheit zu verschaffen. Fragen Sie nach und präzisieren Sie, reflektieren und klären Sie die Rollenerwartung an Sie. Dadurch erhalten Sie Sicherheit und stärken Ihre Führungsrolle.

Wie Sie Ihre Führungsrolle auch gegen Widerstände und unter widrigen Bedingungen erfolgreich leben

Sind die Erwartungen bezüglich Aufgaben und Kompetenzen an Sie hinreichend geklärt und die Rahmenbedingungen geschaffen, dann sind die notwendigen Voraussetzungen zur wirkungsvollen Übernahme Ihrer Führungsrolle gegeben. Jetzt liegt es an Ihnen, wie Sie Ihre Führungsrolle auch gegen Widerstände und unter widrigen Bedingungen erfolgreich leben. Sie brauchen dazu die nötige Autorität, um Konflikte zu lösen. Denn Sie sind in Ihrer Führungsrolle einer dauerhaften Zerreißprobe ausgesetzt. Die Art und Weise, wie Sie sich mit Ihrer Führungsrolle identifizieren, bedeutet gleichzeitig, auch eine gewisse Distanz zu wahren. Es muss Ihnen dabei gelingen, den Prozess der Rollendefinition, der Rollengestaltung und der Rollendurchsetzung erfolgreich zu gestalten. Ihre Mitarbeiter, Ihre Kollegen, Ihre Vorgesetzen und alle anderen Beteiligten haben Erwartungen an Sie. Was Sie jedoch aus Ihrer Führungsrolle machen, ist primär von Ihnen selbst und den Beteiligten in Ihrer Führungssituation abhängig.

Leader definieren ihre Rolle spontan

Nicht selten definieren Leader ihre Rolle spontan und identifizieren sich mit ihr durch Aussagen wie: «Ich bin hier der Macher», «Ich bin die Integrationsfigur», «Ich bin hier der Entscheider». Diese Identifikation ist durchaus sinnvoll, solange Sie sich selbst nicht mit der Rolle verwechseln. Das «Hier» in den Formulierungen verdeutlicht den Kontext, in dem Ihre angesprochene Rolle jeweils steht. Als Chef in der Abteilung sind Sie nur sehr selten auch der Chef auf dem Fußballplatz. Rollen können Ihnen helfen, um den verschiedenen Führungssituationen gerecht zu werden.

Die Führungsrollen im Einzelnen

«Wer glaubwürdig sein will, muss den Dialog suchen.» (Heinz Goldmann)

1. Leader

In der Rolle und Ihrer Aufgabe als Leader führen Sie Ihre Mitarbeiter. Sie entwickeln die Unternehmenskultur und tragen die Verantwortung für die Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeiter insgesamt. Damit sind Sie auch der erste Personalentwickler im Unternehmen. Sie begleiten die individuelle Entwicklung Ihrer Mitarbeiter, helfen ihnen bei der Entfaltung ihrer persönlichen Ressourcen, fördern, beraten, reflektieren und geben ihnen Feedback. Auch sind Sie in der Leader-Rolle für die Auswahl und die Beurteilung Ihrer Mitarbeiter verantwortlich. Als guter Leader orchestrieren Sie Ihre Mannschaft wie ein Dirigent. Dazu brauchen Sie nicht der Beste an der Pauke zu sein. Das Solo überlassen Sie dem ausgewiesenen Experten im Team, denn Sie führen das Orchester zielgerichtet mit Ihrem Taktstock in der Hand. Dafür darf Ihr Team dann auch den Applaus entgegennehmen. Als Dirigent brauchen Sie kein einziges Instrument zu beherrschen – Ihr Instrument ist das Orchester. Sie geben das Tempo und die Einsätze vor und sorgen für den richtigen Gesamtklang. Sie formen aus den einzelnen Stimmen und den vielen unterschiedlichen Passagen ein Ganzes.

2. Manager

Als Manager geht es darum, dass Sie Ziele setzen und Aufgaben zu deren Erreichung vereinbaren. Sie managen alles, was sich organisieren lässt: vom Planen über das Umsetzen bis hin zur Kontrolle von Prozessen, Strukturen und Standards. Ihr Fokus liegt vorrangig auf der ökonomischen Dimension Ihres Tuns. Als Manager haben Sie Fachkenntnis, verfügen über hinreichende Erfahrung und vermitteln Ihren Mitarbeitern in dieser Rolle Sicherheit und Routine, was zu Effizienz und Effektivität in Ihrem Aufgabenbereich führt.

3. Informationslotse

Zu Ihrer Rolle als Informationslotse gehört es, dass Sie kontinuierlich Informationen über interne und externe Entwicklungen sammeln. Sie sind wie ein Radarschirm, der Relevantes herausfiltert, es auf die Bedeutung für die Erreichung der Ziele hin bewertet und dann frühzeitig die Quintessenz daraus an Mitarbeiter, Kollegen und Vorgesetzte weitergibt. Sie sollten sich ein entsprechendes Informationsnetzwerk von internen und externen Informationsgebern aufbauen.

4. Repräsentant

Kern Ihrer Rolle als Repräsentant ist die Darstellung und Vertretung Ihres Unternehmens bzw. Ihrer Abteilung nach innen wie nach außen. Sie fungieren dabei als Symbolfigur, treten in internen und externen Besprechungen auf und agieren dabei gewissermaßen als Aushängeschild, indem Sie Positionen beziehen, Aussagen treffen und Stellung beziehen für Ihr Unternehmen, Ihr Team bzw. Ihre Mitarbeiter. Es geht dabei nicht um Ihre konkrete Arbeit, sondern um Ihre Anwesenheit, die hier von Bedeutung ist. In dieser Rolle geben Sie auch offizielle Informationen über Pläne, Maßnahmen oder Ergebnisse Ihres Unternehmens an Externe weiter.

5. Moderator

In Ihrer Rolle des Moderators schlichten Sie Konflikte innerhalb und außerhalb Ihres Teams und im Unternehmen. Diese Konflikte beziehen sich auf organisatorische, prozessuale und kommunikative Fragen. Sie beseitigen unerwartete Probleme und Störungen im Arbeitsablauf und betätigen sich als konstruktiver Problemlöser, der die Interessen aller Seiten so weit wie möglich berücksichtigt und für Ausgleich sorgt. Sie treten als Moderator im Sinne eines Vermittlers auf, so dass diese Konflikte produktiv gelöst werden können; Sie zeigen den Weg zu weiteren Lösungsschritten auf und treiben den Lösungsprozess voran.

6. Entrepreneur

Im Mittelpunkt Ihrer Rolle als Entrepreneur suchen Sie nach sich bietenden Chancen für Ihr Team, Ihre Abteilung oder Ihr Unternehmen. Sie beobachten dabei das Umfeld und wägen ab, inwieweit sich aus Ihren internen unternehmerischen Stärken Chancen ergeben und ob Ihre Schwächen eventuelle Risiken ergeben. Sie initiieren den Wandel und die nötige Veränderung in Ihrem Unternehmen und haben dabei Ihren Verantwortungsbereich als Ganzes im Blick.

7. Mitarbeiter

Da Sie immer eingebunden sind in eine formale Entscheidungsstruktur, finden Sie sich auch in der Rolle eines Mitarbeiters wieder. Diese Rolle hängt stark davon ab, wo Sie in der Hierarchie des Unternehmens angesiedelt sind. Im oberen Management ist Ihre Verantwortung am größten und Ihr Einfluss am stärksten. Hier besteht Ihre Rolle als Mitarbeiter darin, die Ansprüche der Kapitalgeber bzw. des Aufsichtsrates zu berücksichtigen. Im Mittelmanagement sind Sie in einer Transferrolle: Sie erhalten in Rücksprache mit Ihrer Führungskraft Zielsetzungen, die Sie zu erfüllen haben und die Sie an Ihre Mitarbeiter im Team weitergeben.

Mit der richtigen Rolle verhindern Sie Konflikte

Die Art und Weise, wie Sie diese Rollen ausfüllen, wie Sie Ihr Selbstmanagement praktizieren, wirkt sich auf alle Führungsrollen aus. Gelingt es Ihnen, immer wieder klar zu sehen, welche Rolle gerade nötig ist und in welcher Rolle Sie sich befinden, dann verhindern Sie mögliche Konflikte. Für Sie ist es wichtig, diese Rollen zu kennen, sich jedoch auch immer wieder dessen bewusst zu sein, dass Sie sie auch ausüben müssen. Wenn Sie als Leader beispielsweise Ihre Rolle als Manager nicht wirkungsvoll wahrnehmen, dann wird sich in Ihrem Verantwortungsbereich eine gewisse Ineffektivität verbreiten, die zu Konflikten bei der Zielerreichung führt, Mitarbeiter frustriert und die gesamte Performance Ihres Bereiches negativ beeinflusst. Deshalb müssen Sie sich immer Ihrer Führungsrollen bewusst sein und diese nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllen.

Selbstreflexion ist die Voraussetzung für Ihr wirksames Rollenmanagement

Identifizieren Sie die Rolle, die Ihnen am schwersten fällt, und arbeiten Sie daran, diese besser auszufüllen. Selbstreflexion ist die Voraussetzung für Ihr wirksames Rollenmanagement. Hilfreich ist regelmäßiges Feedback eines professionellen Coachs, Ihres Vorgesetzten, eines Mitarbeiters Ihres Vertrauens oder eines privaten Freundes oder Lebenspartners. Da es schwierig ist, Ihre eigenen „blinden Flecken“ oder unbewusste Teile Ihrer Persönlichkeit zu erkennen, brauchen Sie als Spiegel ein Gegenüber, dem Sie vertrauen. Ideal ist es, wenn Sie von unterschiedlichen Personen ein persönliches Feedback zu Ihrer Führungsrolle erhalten. Fordern Sie Feedback ein, denn eine differenzierte Selbstwahrnehmung ist die Voraussetzung für Ihr erfolgreiches Führungsverhalten.

Checkliste: Erfolgreiches Rollenmanagement

  • In welchen Führungsrollen waren Sie in der Vergangenheit besonders erfolgreich? Welche Kompetenzen haben Ihnen zum Erfolg verholfen?
  • Welche Führungsrollen haben Sie bisher bewusst gestaltet?
  • Welchen Ihrer Führungsrollen haben Sie bisher zu wenig Beachtung geschenkt?
  • Wo erleben Sie die Schnittstellen Ihrer Rollen?
  • Wie gehen Sie damit um?
  • Gibt es Mitarbeiter, die Sie vornehmlich nur in einer oder zwei Rollen ansprechen oder akzeptieren?
  • Was benötigen Sie, um sich sicher in allen Rollen zu bewegen?
  • Setzen Sie sich differenziert mit der Art und Komplexität Ihrer Führungsrolle auseinander?
  • Bestimmen Sie die rollenspezifischen, erfolgskritischen Verhaltensanforderungen, bevor Sie eine Stelle neu besetzen?

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