12.06.2019

Selbstmanagement-Kompetenz: Modell mit 8 Bausteinen im Überblick

Basierend auf den Erkenntnissen verschiedener Selbstmanagement-Ansätze wurde von Graf (2006) ein Modell entwickelt, in dem die zentralen Bausteine der Selbstmanagement-Kompetenz aufgeführt sind. Das Modell versucht, wesentliche Elemente und Fähigkeiten, die zur Selbstmanagement-Kompetenz gehören, möglichst umfassend zu integrieren. Das Modell verfolgt somit einen ganzheitlichen und integrativen Ansatz. Insgesamt werden acht verschiedene Bausteine unterschieden. Pro Baustein werden effektive und letztlich auch geforderte Verhaltensweisen aufgezeigt, die zur Selbstmanagement-Kompetenz gehören.

Von: Anita Graf  DruckenTeilen 

Anita Graf

Ist seit 2004 Dozentin und Projektleiterin für Human Resource Management im Institut für Personalmanagement und Organisation (PMO) der Fachhochschule Nordwestschweiz. Ihre Schwerpunkte sind lebenszyklusorientierte Personalentwicklung und Selbstmanagement-Kompetenz. Sie studierte und promovierte an der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern und arbeitete mehr als 10 Jahre in der Personalentwicklung und Führungsausbildung der UBS AG.

Selbstmanagement-Kompetenz

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Das Modell der Selbstmanagement-Kompetenz beschreibt somit ein idealtypisches Portfolio an effektiven Verhaltensweisen. Wichtig ist zu beachten, dass die Entwicklung der Selbstmanagement-Kompetenz ein lebenslanger Entwicklungsprozess ist. Es kann auch nicht gefordert werden, dass Menschen alle aufgeführten Verhaltensweisen jederzeit vollumfänglich zeigen. Je nach Lebensphase und -situation können einige Bausteine mit grossen Herausforderungen verbunden sein. Das Modell dient als Orientierungsrahmen für die Steuerung der Entwicklung und Erweiterung der Selbstmanagement-Kompetenz. Es kann zur Standortbestimmung genutzt werden und zeigt wesentliche Ansatzpunkte für notwendige und sinnvolle Entwicklungsschritte und -massnahmen auf. Es soll Menschen unterstützen, sich besser kennenzulernen und den Mut aufzubringen, notwendige Entscheidungen zu treffen. Seitens Unternehmen können verschiedene Massnahmen angeboten werden, welche die Entwicklung der Selbstmanagement-Kompetenz nachhaltig unterstützen.

Eine wesentliche Voraussetzung für ein effektives Selbstmanagement ist Selbsterkenntnis - die eigenen Stärken und Potenziale, Werte, Bedürfnisse und Grenzen zu kennen. Auf dieser Basis gilt es, berufliche und persönliche Ziele zu definieren und diese mit Selbstdisziplin und Beharrlichkeit zu verfolgen. Hilfreich ist die Fähigkeit, sich selbst motivieren und für etwas begeistern zu können.

Selbstmanagement hat weiter mit Selbstverantwortung und Selbstentwicklung zu tun: Menschen übernehmen Verantwortung für sich und ihr (Arbeits-) Leben, lenken als Dirigent oder Dirigentin die verschiedenen Rollen und Lebensbereiche möglichst ganzheitlich und sinnvoll und haben auch die Bereitschaft, sich zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Ganz praktisch gesehen, sind für Selbstmanagement die Fähigkeiten gefordert, Zeit und Arbeitsabläufe gezielt selbst zu gestalten, effizient mit Ressourcen umzugehen und Belastungen zu managen. Vorhandene Kräfte und Energien müssen möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden. Hierzu gehört auch, das persönliche Beziehungsnetz zu pflegen.

Hier sind die verschiedenen Bausteine im Überblick aufgeführt.  Die Nummern dienen als Orientierungshilfe. Das Modell darf nicht als linearer Prozess verstanden werden, der von einer Person Phase für Phase durchlaufen wird.

Einzelne Bausteine beinhalten zwei Begriffe resp. Themenbereiche. Diese Bereiche könnten grundsätzlich auch einzeln als Baustein betrachtet werden; da sie jedoch sehr eng miteinander zusammenhängen und in der Literatur oft zusammen bearbeitet werden, wurden sie hier in einen Baustein integriert. Dies sind: Zeit- und Ressourcenmanagement, Gesundheits- und Stressmanagement sowie Selbstmotivation und Selbstdisziplin.

Die acht Bausteine sind alle wesentlich bei der Betrachtung der Selbstmanagement-Kompetenz. Die Gewichtung der einzelnen Bausteine kann für jede Person situativ unterschiedlich sein. Einige Bausteine bilden die Basis für Aktionen in anderen Bausteinen:

  • Selbsterkenntnis ist für alle Bausteine wichtig; je besser eine Person die eigenen Verhaltensmuster kennt, desto eher können effektive Verhaltensstrategien in anderen Bausteinen entwickelt und umgesetzt werden.
  • Selbstverantwortung ist ebenfalls eine Grundvoraussetzung: Ein Mensch muss den Willen haben, für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen, also beispielsweise nicht darauf zu warten, dass sich das Problem von alleine löst oder eine andere Person das Problem erkennt und entsprechend reagiert. Der Entscheid, für eine Sache selbst Verantwortung zu übernehmen, kann Aktionen in anderen Bausteinen initiieren.

Die Grenzen zwischen den einzelnen Bausteine sind teilweise nicht trennscharf: So ist beispielsweise Ressourcenmanagement auch wesentlich, wenn es um Stressmanagement oder Beziehungsmanagement geht. Oder Zeitmanagement hat viel mit Selbstmotivation und Selbstdisziplin zu tun. Die verschiedenen Bausteine sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig. Eine Veränderung in einem Bereich kann Auswirkungen auf andere Bereiche haben. In der Regel braucht es auch Aktionen und Handlungen in verschiedenen Bausteinen, um gewünschte oder notwendige Veränderungen herbeizuführen. So kann beispielsweise die Entscheidung, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht so stark von den Meinungen anderer beeinflussen zu lassen, die notwendige Energie geben, für sich neue Ziele zu definieren und notwendige Veränderungen zu initiieren - sei es, sich mehr Freiräume zu schaffen, eine neue Stelle zu suchen oder sich von beschränkenden Beziehungen zu lösen. Oder wenn eine Person Klarheit bezüglich ihrer beruflichen Zielsetzungen geschaffen hat, kann dies helfen, notwendige Prioritäten zu setzen und auch die Disziplin aufzubringen, etwas konsequent weiterzuverfolgen (z. B. Bewerbungen schreiben, eine Weiterbildung machen).

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Verhaltensindikatoren pro Baustein

Nachfolgend sind für jeden Baustein der Selbstmanagement-Kompetenz Verhaltensindikatoren resp. effektive Verhaltensweisen aufgeführt.

1. Selbsterkenntnis

  • Eigene Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen kennen
  • Stärken und Schwächen realistisch einschätzen
  • Bewusstsein über die eigenen Werte, Bedürfnisse, Überzeugungen und Verhaltensmuster haben
  • Körperliche Signale wahrnehmen
  • Unbefriedigende Situationen erkennen, Problembewusstsein entwickeln
  • Sich der Konsequenzen des eigenen Fühlens, Denkens und Handelns bewusst sein
  • Regelmässige Standortbestimmungen durchführen

2. Zielmanagement

  • Lebensvision bzw. persönliches Leitbild entwickeln
  • Sinn erkennen und schaffen
  • Persönliche und berufliche Ziele definieren
  • Zielkonflikte erkennen
  • Umsetzungsstrategie festlegen, Handlungsplan entwickeln, unterstützende Massnahmen und Ressourcen definieren
  • Ziele realisieren und Status überwachen
  • Handlungsbarrieren erkennen, Grenzen setzen, bei Hindernissen nach neuen Möglichkeiten suchen, Anspruchsniveau anpassen

3. Zeit- und Ressourcenmanagement

  • Zeit und Arbeitsabläufe gezielt selbst gestalten, Prioritäten setzen
  • Erholungszeiten einplanen und einhalten, z.B. Pausen, Ferien, freie Abende
  • Kreativitätsinseln einbauen
  • Innere und äussere Ressourcen suchen und aktivieren
  • Kräfte und Energien wirkungsvoll einsetzen
  • Geniessen können
  • Ressourcenaktivierende Methoden und Techniken kennen und nutzen
  • Arbeits- und Lebenssituation optimieren, z. B. Pendelzeiten

4. Gesundheits- und Stressmanagement

  • Für gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sorgen
  • Persönliche Stressfaktoren erkennen, wirkungsvoller Umgang mit Belastungen
  • Warnsignale des Körpers und des Umfelds wahrnehmen und respektieren, z. B. somatische Beschwerden, Feedbacks
  • Prophylaktische Massnahmen treffen, z.B. Entspannungstechniken in Belastungssituationen anwenden

5. Beziehungsmanagement

  • Soziale Beziehungen und Netzwerke aufbauen und pflegen
  • Sich aus behindernden Abhängigkeiten befreien
  • Persönliches Supportsystem aufbauen
  • Gleichwertige Beziehungen ermöglichen

6. Selbstmotivation und Selbstdisziplin

  • An getroffenen Entscheidungen festhalten
  • Durchhalten, auch wenn Hindernisse und Ablenkungen auftauchen
  • Rückschläge und Enttäuschungen überwinden
  • Nicht in alternative Befriedigungsstrategien verfallen
  • Intrinsische Motivation aktivieren und steigern

7. Selbstentwicklung

  • Lebenslanges Lernen als Leitsatz verinnerlichen und entsprechende Entwicklungsmassnahmen initiieren und umsetzen
  • Möglichkeitsspiel(t)räume vergrössern (z.B. grösser denken, Blickwinkel verändern)
  • Handlungsspielräume ergreifen, neue Verhaltensweisen ausprobieren und trainieren
  • Mut zeigen, Risiken eingehen
  • Selbstwirksamkeitserwartung kennen und erhöhen
  • Intuition und somatische Marker als (zusätzliche) Kriterien für das Treffen von Entscheidungen nutzen

8. Selbstverantwortung

  • Bewusster Umgang mit den eigenen Emotionen, Balance anstreben
  • Verantwortung für das eigene Leben übernehmen
  • Ist-Situation so akzeptieren wie sie ist, Vergangenheit loslassen
  • Zepter in die Hand nehmen

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Übung! Übungssequenz zur Erweiterung der Selbstmanagement-Kompetenz

Beantworten Sie bitte die folgenden Fragen und arbeiten Sie an Ihrer Selbstmanagment-Kompetenz. Beziehen Sie sich immer auf das Modell der 8 Bausteine

  1. Welche der aufgeführten Bausteine repräsentieren Stärken von Ihnen und wo haben Sie Entwicklungs-/Handlungsbedarf? Markieren Sie die Bausteine entsprechend (z.B. mit Farbe oder Sie können eine Rangfolge von 1-8 bilden).
  2. Beschreiben Sie anschliessend möglichst konkret, wieso sie die verschiedenen Bausteine als Stärken oder als Entwicklungsfelder einschätzen. Welche Verhaltensweisen führen hierzu?
  3. Welche Massnahmen wären notwendig, um Ihre Selbstmanagement-Kompetenz zu verbessern? → Welche Entscheidungen? Welche Handlungen? Welche Mitteilungen? etc.
  4. Formulieren Sie nun ein konkretes Ziel, welches Sie in den nächsten 3 oder 6 Monaten erreichen möchten, um Ihre Selbstmanagement-Kompetenz zu verbessern.
  5. Beurteilen Sie anschliessend auf einer Skala von 0-10 (10 ist der höchste Wert), wie realistisch es ist, dass Sie dieses Ziel erreichen können und anschiessend auf einer Skala von 0-10 wie motiviert Sie wirklich sind, dieses Ziel auch zu erreichen.
  6. Liegen die beiden Werte unter 7, dann verändern Sie das Ziel dahingehend, dass es sowohl ausreichend realistisch wie auch motivierend ist. Es ist entscheidend, Ziele so zu definieren, dass Sie erreichbar sind.
  7. Legen Sie anschliessend fest, welche konkreten Handlungsschritte notwendig sind, um das Ziel zu erreichen. Was wollen Sie bis wann erledigen?
  8. Welche Hindernisse und Widerstände sind zu erwarten (→ innere und äussere Barrieren)?
  9. Welche Ressourcen können Sie aktivieren, um diese Hindernisse zu überwinden? Wer oder was kann Sie hier unterstützen?

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