Veränderungsprozesse: Tools und Methoden zur erfolgreichen Begleitung

KURZ ZUSAMMENGEFASST

In turbulenten Zeiten sind Unternehmen gefordert, ihre Mitarbeitenden gezielt bei der Bewältigung von Umstrukturierungen und neuen Aufgaben zu unterstützen. Durch den Einsatz von Coaching-Tools, einer stärkenorientierten Grundhaltung und systemischen Fragetechniken lassen sich Ressourcen aktivieren und Unsicherheiten abbauen. Praktische Übungen wie die Ressourcendusche oder das Stärken-Spiel bieten einfache, aber wirksame Mittel, um im Arbeitsalltag Vertrauen zu stärken und die Akzeptanz für Veränderungen zu erhöhen.

Die wichtigsten Punkte:

  • Veränderungsprozesse erfordern eine klare Haltung und gezielte Methoden aus dem Coaching-Bereich.
  • Systemische Fragen helfen, neue Perspektiven zu eröffnen und Erleben sichtbar zu machen.
  • Praktische Übungen wie die Ressourcendusche stärken das Teamklima und die Selbstwahrnehmung.
  • Professionelle Begleitung durch Coaches erhöht die Erfolgschance von Change-Projekten.
  • Klare Rahmenbedingungen und Zeit für Reflexion sind essenziell für die Wirksamkeit der Tools.
19.06.2025 Von: Sonja Kupferschmid
Veränderungsprozesse

Wie können Unternehmen ihre Mitarbeitenden erfolgreich durch Veränderungsprozesse begleiten?

Situationen, die den Arbeitsalltag verändern, wie z.B. eine Umstrukturierung, gibt es in Schweizer Unternehmen oft. Mit bestimmten Methoden und Tools aus dem Coaching- und Personalentwicklungsbereich können Unternehmen ihre Mitarbeitenden gezielt dabei unterstützen, Veränderungsprozesse erfolgreich zu bewältigen.

Unternehmen müssen mit den Marktgegebenheiten und -anforderungen mitgehen, damit sie langfristig konkurrenzfähig bleiben. Damit einher gehen oftmals Veränderungsprozesse, die unternehmerisch betrachtet notwendig, jedoch nicht immer angenehm für Arbeitnehmende sind. Jobunsicherheit, neue Arbeitsaufgaben, Durchmischung von Teams, Umstellungen in der organisationalen Struktur sind nur einige der Themen, die daraus entstehen können und die Personalentwicklung immer wie wichtiger machen. Die Marktsituation ist sowohl für Arbeitgebende wie auch für Arbeitnehmende nicht immer ganz leicht. Vieles ist im Umbruch, was gestern noch war, wird heute schon hinterfragt und ist morgen wieder ganz anders. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung ist für beide Parteien unerlässlich. Diese Veränderungen können aber so manchen Mitarbeitenden an seine Grenzen bringen und bisweilen überfordern. In der Arbeitswelt von morgen braucht es daher dringend mehr Menschen, die sich selbst gut kennen und die andere bei ihrer Entwicklung fördern können. Dafür bieten gewisse Methoden und spezifische Tools eine wichtige Unterstützung für alle Beteiligten, um auch aus stürmischen Zeiten erfolgreich hervorzugehen.

Veränderungsprozesse: Alles eine Frage der Haltung

Insbesondere in turbulenten Zeiten sind wir Menschen dankbar für ein (unter-) stützendes Gegenüber, das uns hilft, herausfordernde Situationen oder Veränderungen zu bewältigen. Im Coaching wird dafür auf eine breite und vielfältige Palette an Tools und Methoden zurückgegriffen. Diese bauen auf einer stärken- und ressourcenorientierten Grundhaltung sowie auf einer systemischen Betrachtungsweise auf. Mit diesen Haltungen im Hinterkopf sowie dem Wissen um passende Methoden und wirksamen Übungen können Veränderungsprozesse begleitet und die Mitarbeitenden in ihrer Entwicklung gestärkt werden.

Stärken- und Ressourcenaktivierung

Nehmen wir an, es werden Teams durchmischt und Arbeitsaufgaben neu verteilt. Die Mitarbeitenden fühlen sich dadurch verunsichert und sehen den Wald vor lauter neuen Bäumen nicht mehr. Hier kann es hilfreich sein, durch gezieltes Fragen die individuellen Stärken und Ressourcen jedes Einzelnen zu aktivieren, dadurch sichtbar und vor allem nutzbar zu machen.

Unterstützende Fragemethoden

Stellen wir uns vor, in einem Unternehmen kommt es zu einer Umstellung in der organisationalen Struktur. Die Mitarbeitenden fühlen sich dadurch verunsichert oder haben sogar Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. In diesem Fall ist es hilfreich, eine systemische Betrachtungsweise einzunehmen und so den Blick auf die herausfordernde Situation zu weiten. Dafür eignen sich systemische Fragen aus unterschiedlichen Fragetypen, welche darauf abzielen, das Erleben und Verhalten sichtbar zu machen und daraus neue Erkenntnisse zu gewinnen. Hier finden Sie ein paar Beispiele systemischer Fragetypen.

Fragen sind grundsätzlich ein zentrales Instrument in der Begleitung von Menschen, denn durch Fragen können wir erfahren, wie unser Gegenüber die Welt sieht, sowie Ressourcen sichtbar und bewusst machen. Egal, für welches Tool, welche Methode oder welche Intervention wir uns in der Begleitung von Veränderungsprozessen entscheiden: Es geht darum, anregende, ressourcen- und zielorientierte (Reflexions-)Fragen zu stellen, um eine bestmögliche Unterstützung zu bieten.

Damit die Übungen ihre Wirksamkeit entfalten, gilt es einerseits Wert auf eine gute Begleitung zu legen. Andererseits müssen der Rahmen, die Rollen und das Ziel klar definiert sein. Zum Schluss ist es wichtig, genügend Zeit für die gemeinsame Reflexion einzuplanen.

Professionelle Begleitung

Es gibt Momente, wo die Veränderungen so gross oder die Situationen so herausfordernd sind, dass eine professionelle Unterstützung nötig wird. Coaches und betriebliche Mentor/-innen stossen positive Veränderungsprozesse an, schaffen neue Perspektiven und helfen, veränderte Denk- und Handlungsroutinen im Alltag zu verankern – ein nützliches Segel auf stürmischer See. Indem die Mitarbeitenden während Veränderungs- und Entwicklungsprozessen unterstützt werden, können im besten Fall Unsicherheiten ausgeräumt und die Akzeptanz der neuen Struktur nach der Umsetzung erhöht werden. Durch professionelle Begleitung wird die Chance erhöht, dass Change- Prozesse erfolgreich umgesetzt, das Unternehmen für die Zukunft ausgerichtet, Wissen erhalten und Mitarbeiterzufriedenheit erreicht werden. Damit einer weiteren vielversprechenden Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebenden und -nehmenden nichts mehr im Wege steht.

Praxistipp: Übungen für den Arbeitsalltag

Nebst verschiedenen Fragemethoden bietet der Einsatz von gezielten Übungen eine zusätzliche Möglichkeit, Stärken und Ressourcen zu aktivieren und die Mitarbeitenden so in Veränderungsprozessen zu unterstützen. Folgende zwei Tools eignen sich aufgrund ihrer Einfachheit für den Einsatz im Arbeitsalltag.

Übung 1: Die Ressourcendusche

Mit der Ressourcendusche kommen aus dem Blick geratene Ressourcen und Stärken wieder zum Vorschein. Dafür stellt sich das Team jeweils hinter einem Teammitglied auf und zählt 1–2 Minuten lang «hinter dem Rücken » der betroffenen Person ihre Ressourcen und Stärken auf. Der/die Moderator/-in achtet dabei auf einen wertschätzenden und respektvollen Umgang miteinander. Diese Übung lässt sich beispielsweise vor oder nach einer Sitzung integrieren und kann unabhängig von der Teamgrösse eingesetzt werden.

Übung 2: Das Stärken-Spiel

Mit dem Stärken-Spiel haben Teammitglieder die Möglichkeit, sich gegenseitig ein wertschätzendes Feedback zu geben sowie eines zu erhalten. Dafür wählen die Beteiligten in einem ersten Schritt aus einer Auswahl an Stärkenkarten ein paar aus, die ihre persönlichen Stärken am besten beschreiben. Danach stellen sich alle Teilnehmenden im Kreis auf, die Karten werden einzeln aufgedeckt, woraufhin erraten wird, zu wem die aufgedeckte Stärke gehört und weshalb. Für dieses Tool muss eine gewisse Zeit einberechnet werden. Nichtsdestotrotz ist es eine wirksame Möglichkeit, die eigenen Stärken bewusst wahrzunehmen und diese besser einschätzen zu lernen.

Checkliste

  • Klare Definition der Rollen, Ziele und des Rahmens für die Begleitung.
  • Etablierung einer stärken- und ressourcenorientierten Grundhaltung im Team.
  • Aktivierung individueller Stärken durch gezielte Fragen an die Mitarbeitenden.
  • Anwendung systemischer Fragetypen, um den Blick auf die Situation zu weiten.
  • Integration der Übung «Ressourcendusche» vor oder nach wichtigen Sitzungen.
  • Durchführung des «Stärken-Spiels» zur gegenseitigen Wertschätzung und Feedback.
  • Einplanung ausreichender Zeit für gemeinsame Reflexion nach den Übungen.
  • Einbezug professioneller Coaches bei besonders grossen oder komplexen Veränderungen.
  • Regelmässige Überprüfung der Akzeptanz und des Wissensstands im Team.
  • Sicherstellung eines wertschätzenden und respektvollen Umgangs während aller Massnahmen.

FAQ: Veränderungsprozesse

Warum ist eine stärkenorientierte Haltung in Veränderungsprozessen wichtig?

Eine stärkenorientierte Haltung hilft, Unsicherheiten zu reduzieren und die individuellen Ressourcen der Mitarbeitenden sichtbar zu machen. Sie fördert die Selbstwirksamkeit und ermöglicht es, Herausforderungen aus einer positiven Perspektive zu bewältigen.

Wie funktionieren systemische Fragen in der Praxis?

Systemische Fragen zielen darauf ab, das Erleben und Verhalten der Beteiligten sichtbar zu machen. Durch das Weiten des Blicks auf die Situation können neue Erkenntnisse gewonnen werden, die zu veränderten Denk- und Handlungsroutinen führen.

Welche einfachen Übungen eignen sich für den Arbeitsalltag?

Zwei bewährte Tools sind die «Ressourcendusche», bei der das Team Stärken eines Mitglieds aufzählt, und das «Stärken-Spiel», bei dem Stärkenkarten zugeordnet und begründet werden. Beide fördern den Zusammenhalt und die Selbstwahrnehmung.

Wann sollte ein Unternehmen externe Coaches hinzuziehen?

Externe Coaches oder betriebliche Mentorinnen sind sinnvoll, wenn Veränderungen besonders gross sind oder Situationen so herausfordernd, dass interne Ressourcen nicht ausreichen. Sie schaffen neue Perspektiven und helfen, neue Routinen zu verankern.

Was ist für die Wirksamkeit der Übungen entscheidend?

Neben einer guten Begleitung sind klare Rahmenbedingungen, definierte Rollen und Ziele sowie genügend Zeit für die gemeinsame Reflexion entscheidend. Nur so können die Übungen ihre volle Wirkung entfalten.

Member werden Newsletter