Problemlösungszyklus: Die fünf Stufen im Projektmanagement

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Der Problemlösungszyklus ist ein wiederkehrender Prozess, der vor jeder neuen Projektphase oder an kritischen Meilensteinen durchlaufen wird, um die weitere Vorgehensweise zu entscheiden. Er besteht aus fünf klar definierten Stufen: Situationsanalyse, Zielbestimmung, Zielgliederung und -gewichtung, Evaluation der Lösungswege sowie Lösungswahl. Durch diesen systematischen Ansatz wird sichergestellt, dass Projekte auf einer fundierten Basis geplant und umgesetzt werden, wobei sich der Zyklus mit wechselnden Schwerpunkten in jeder Phase wiederholt.

Die wichtigsten Punkte:

  • Der Zyklus ist iterativ und wird vor jeder neuen Projektphase erneut durchlaufen.
  • Die Situationsanalyse dient der systematischen Eingrenzung und Durchleuchtung des Problems.
  • Ziele müssen lösungsneutral, realistisch und quantifizierbar formuliert werden.
  • Unterscheidung zwischen Musszielen (unverzichtbar) und Wunschzielen (gewichtet).
  • Die Lösungswahl erfolgt durch negative Selektion und Scoring-Methoden.
19.06.2025 Von: WEKA Redaktionsteam
Problemlösungszyklus

Wie funktioniert der Problemlösungszyklus in den fünf Stufen des Projektmanagements?

Der Problemlösungskreislauf erhält seinen zyklischen Charakter dadurch, dass er vor jeder neuen Projektphase - bei jedem kritischen Meilenstein, der über Abbruch oder Weiterführung des Projekts entscheidet - von vorne zu laufen beginnt. Die Bearbeitung wird dabei von Projektstufe zu Projektstufe gründlicher im sogenannten Problemlösungszyklus.

So fuktioniert der Problemlösungszyklus

Vor der Lancierung eines konkreten Projekts muss zunächst abgeklärt werden, welche Projektvarianten für eine anstehende Aufgabe überhaupt in Frage kommen, und welche Projektvariante im Moment als die geeignetste erscheint. Dieser Problemlösungszyklus vollzieht sich in fünf klar abgegrenzten Stufen.

Situationsanalyse

Die Situationsanalyse ist eine systematische Lagebeurteilung, bei der ein Problem namhaft gemacht, durchleuchtet und eingegrenzt wird. Sie ist in der Vorphase eines Projektes besonders wichtig, muss aber - wie jede Station des Problemlösungszyklus - vor jeder neuen Phase eines Projektes vorgenommen werden; der gesamte Problemlösungszyklus wiederholt sich daher - allerdings mit wechselnden Schwerpunkten - in jeder Projektphase.

Bei der Situationsanalyse sind folgende Fragen zu stellen:

  • Was gehört alles dazu?
  • Was gehört nicht mehr dazu? (Abgrenzung des Themas bzw. des Problems)
  • Welches sind die Schnittstellen zum Umfeld?

Zweckmässigerweise wird zunächst anhand eines Stärken/Schwächen-Instruments die Ist-Situation bestimmt. Was soll beibehalten, was verändert, was verbessert werden?

In die Situationsanalyse müssen Aspekte der Zukunft und der Umwelt einbezogen werden. Der Betrachtungszeitraum, der sog. Planhorizont, kann mehrere Jahre (z.B. die Lebensdauer eines projektierten Produktes) betragen. Als Aspekte des Umfeldes kommen v.a. in Betracht:

  • natürliche (klimatische, geographische)
  • juristische
  • politische
  • wirtschaftliche
  • personelle
  • sozialpsychologische
  • technologische

Zielbestimmung

Ein Ziel beschreibt einen angestrebten Soll-Zustand. Möglichst präzise Zielformulierungen sind die Grundlage für die Erarbeitung von Lösungsprinzipien und Grobkonzepten. Sie sind daher weder lösungsfördernde Tätigkeiten noch konkrete Lösungsvorschläge. Die Zielformulierung muss in jeder Projektphase wiederholt und den veränderten Bedingungen angepasst werden.

Grundsätze, die bei der Zielformulierung beachtet werden müssen:

  • Ziele müssen unabhängig von Lösungswegen, d.h. lösungsneutral formuliert werden.
  • Auch wenn der Weg zum Ziel im Moment noch nicht bekannt ist, muss ein Ziel immer realistisch sein (keine Utopien vorgeben).
  • Ziele müssen quantifizierbar und verständlich (messbar und nachvollziebar, "objektiv") sein.
  • Ein Ziel muss nicht nur positive, sondern darf auch negative Kriterien enthalten: Was soll erreicht werden? Was soll vermieden werden?
  • Ziele sollen alle Kriterien enthalten, nach welchen später eine Lösung beurteilt wird.
  • Detailziele sollen so früh als möglich und so präzise wie möglich formuliert werden.

Zielgliederung und –gewichtung

Das Grob- oder Globalziel eines Projektes muss in einen Katalog von hierarchisch geordneten Teil- oder Detailzielen aufgegliedert werden. Unter Grobziel wird der zu erreichende Endzustand nach Einführung des Projektes verstanden. Bei der Formulierung des Grobziels ist pauschal zu fragen, wer was in welchem zeitlichen Rahmen erreichen will. Detailziele hingegen sind quantifizierte, konkrete - positive oder negative - Anforderungen.

Unterteilen Sie die Ziele weiter in Muss- und Wunschziele: Mussziele sind Ziele, die unbedingt zu erreichen sind, damit das Projekt erfolgreich umgesetzt werden kann. Ein Lösungsvorschlag, der ein Mussziel nicht erfüllt, scheidet sofort aus. Mussziele sind immer zu quantifizieren, damit ihre Erreichung zu einem späteren Zeitpunkt eindeutig festgestellt werden kann. Mussziele werden oft durch Gesetze, Sicherheitsvorschriften oder Normen vorgegeben.

Wunschziele sind solche, von denen das Gelingen des Projekts nicht abhängt, die aber - bei ihrer Erfüllung - das Resultat aufwerten. Wunschziele sollten nach ihrer Bedeutung gewichtet werden: Es hat sich in der Praxis bewährt, Wunschziele mit Prozentzahlen zu gewichten (100%, verteilt auf alle Wunschziele).

Wer bestimmt die Teilziele?

(Teil)ziele sollten nicht durch den Projektleiter alleine festgelegt werden. Alle entscheidenden und kompetenten Stellen müssen sich bei der Zielfindung beteiligen und eine Mitverantwortung wahrnehmen können. Eine Zielformulierungsgruppe kann nach der Beantwortung folgender Fragen gebildet werden:

  • Welches sind die zukünftigen Benutzer?
  • Welche wichtigen Stellen sind vom Projekt betroffen (z.B. Kunden, Benutzer, Lieferanten)?
  • Wer hat die Möglichkeit, das Projekt zu fördern oder zu behindern (z.B. Behörden, öffentliche Meinung, Berater)?

Checkliste

  • Führen Sie eine Situationsanalyse durch und grenzen Sie das Problem klar ab.
  • Beziehen Sie Aspekte der Zukunft und des Umfelds (rechtlich, wirtschaftlich, technisch) ein.
  • Formulieren Sie Ziele lösungsneutral und vermeiden Sie vorgefertigte Lösungswege.
  • Stellen Sie sicher, dass alle Ziele messbar, verständlich und realistisch sind.
  • Gliederen Sie das Grobziel in hierarchisch geordnete Teil- und Detailziele.
  • Unterscheiden Sie strikt zwischen Musszielen und gewichteten Wunschzielen.
  • Binden Sie alle relevanten Stakeholder (Benutzer, Kunden, Behörden) in die Zielfindung ein.
  • Nutzen Sie Kreativitätstechniken wie Brainstorming oder Mind Mapping für Lösungsvarianten.
  • Führen Sie eine negative Grobselektion durch, um untaugliche Varianten auszuschliessen.
  • Bewerten Sie die verbleibenden Varianten mit einer Scoring-Methode (z. B. 1 bis 6).

Evaluation der Lösungswege

Das Erarbeiten von praktischen Lösungswegen ist eher eine Aufgabe für beigezogene Fachleute und weniger für das Projektmanagement. Trotzdem ist es wichtig, dass der Projektleiter über das methodische Vorgehen bei der Lösungssuche Bescheid weiss. Dies heisst konkret:

  • Beschaffung der notwendigen Information
  • Zielvorgabe
  • Problem-, Funktions- und Wertanalyse
  • Generieren von Lösungsvarianten mit Hilfe von Kreativitätstechniken: Brainstorming, Brainwriting (Methode 635), Assoziation, Analogien, Mind Mapping, Morphologischer Kasten etc.
  • Lösungsbewertung
  • Lösungswahl

Lösungswahl

Eine negative Grobselektion der Varianten kann nach folgenden Kriterien erfolgen:

  • Der Lösungsvorschlag erfüllt ein Mussziel nicht.
  • Die Variante lohnt sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht.
  • Die Realisierung sprengt das notwendige Terminziel.
  • Die Lösung ist aus gesellschaftspolitischen, ethischen oder gesetzlichen Gründen nicht ausführbar.

In vielen Fällen genügt es auch, die wichtigsten Projektinformationen (Kosten, Nutzen, Chancen, Risiken) in einem Projektprofil zusammenzufassen. Nach der Scoring-Methode werden die Kriterien Umsatz, Marktchancen, Innovationsgrad, Kostenreduktion und Image zunächst gemäss ihrer Bedeutung gewichtet und danach die verschiedenen Projektvarianten aufgrund dieser Kriterien «benotet».

Für die Notengebung ist darauf zu achten, einen vernünftigen Massstab zu wählen - etwa eine Skala von 1 bis 6 oder von 1 bis 10. Das Gewicht eines Kriteriums wird darauf mit der Benotung multipliziert und zeigt den Teilnutzwert einer Lösungsvariante an.

FAQ: Problemlösungszyklus

Warum muss der Problemlösungszyklus in jeder Projektphase wiederholt werden?

Der Zyklus erhält seinen Charakter dadurch, dass er vor jedem kritischen Meilenstein oder jeder neuen Phase von vorne beginnt. So wird gewährleistet, dass sich das Projekt an veränderte Bedingungen anpasst und die Entscheidungen auf einer aktuellen, fundierten Analyse basieren.

Was ist der Unterschied zwischen Musszielen und Wunschzielen?

Mussziele sind unverzichtbare Anforderungen, deren Nichterfüllung zum Ausschluss eines Lösungsvorschlags führt; sie sind oft gesetzlich oder normativ vorgegeben. Wunschziele hingegen sind wünschenswerte Zusatzanforderungen, die das Resultat aufwerten, aber nicht zwingend für den Projekterfolg sind und daher nach Bedeutung gewichtet werden.

Wie sollten Ziele formuliert werden, um effektiv zu sein?

Ziele müssen lösungsneutral formuliert sein, d. h. sie dürfen keine konkreten Lösungsvorschläge enthalten. Zudem sollten sie realistisch, quantifizierbar und verständlich sein, sowohl positive als auch negative Kriterien enthalten und alle Beurteilungskriterien für die spätere Lösung abdecken.

Welche Methoden eignen sich für die Evaluation von Lösungsvarianten?

Zur Evaluation gehören die Beschaffung von Informationen, die Generierung von Varianten mittels Kreativitätstechniken (z. B. Brainwriting, Morphologischer Kasten) sowie die anschliessende Bewertung. Für die finale Wahl eignen sich die negative Grobselektion und die Scoring-Methode, bei der Kriterien gewichtet und Varianten benotet werden.

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