23.09.2014

Teilzeitmitarbeiter: So erstellen Sie einen rechtssicheren Arbeitsvertrag

Sie haben einen neuen Mitarbeitenden eingestellt und müssen nun den Arbeitsvertrag erstellen. Der Mitarbeitende wird in unbefristeter Stellung und zu 50% arbeiten. Wie müssen Sie bei der Erstellung des Arbeitsvertrages für Teilzeitmitarbeiter vorgehen? Auf welche Punkte ist bei Teilzeitmitarbeiter besonders zu achten? Mit dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung können Sie ganz einfach einen unbefristeten Arbeitsvertrag für einen Teilzeitmitarbeiter im Monatslohn erstellen!

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Teilzeitmitarbeiter

Schritt 1: Sie klären die genauen Anstellungsbedingungen ab

Bevor Sie einen Arbeitsvertrag schreiben, müssen Sie die genauen Anstellungsbedingungen abklären. Dies beinhaltet unter anderem:

  • Art der Tätigkeit und Arbeitsort
  • Beginn der Anstellung
  • Probezeit und Beendigung
  • Arbeitszeit
  • Lohn
  • Ferien

Schritt 2: Sie informieren sich über die rechtlichen Grundlagen eines Arbeitsverhältnisses mit Teilzeitmitarbeiter

Im Arbeitsvertrag finden sich sämtliche für das Arbeitsverhältnis nötigen Regelungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Sofern die gesetzlichen Minimalbestimmungen eingehalten werden, haben Sie eine grosse Gestaltungsfreiheit. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung gelten für den Teilzeitarbeitsvertrag keinerlei Sonderbestimmungen. Auch Teilzeitmitarbeiter haben Anspruch auf alle gesetzlichen Leistungen wie Probezeit,  Ferien, Sozialversicherungsentschädigungen, Lohnfortzahlung bei Krankheit, Einhaltung der Kündigungsfristen, Kündigungssperrfristen oder Überstundenentschädigung.

Ein Arbeitsvertrag kann auch mündlich zustande kommen. Bestimmte Regelungen müssen jedoch zwingend schriftlich vereinbart werden oder dürfen nur zu Gunsten des Arbeitnehmers abgeändert werden.

Schliessen Sie Arbeitsverträge immer schriftlich ab. Es besteht dann Rechtssicherheit für beide Parteien. Noch viel wichtiger ist aber, dass viele Missverständnisse gar nicht entstehen können.

Welche Regelungen überhaupt abweichend geregelt werden dürfen, ergibt sich aus den Art. 361 und 362 OR; hier sind die Bestimmungen aufgelistet, von welchen nicht oder nicht zuungunsten der Arbeitnehmenden abgewichen werden kann. Achtung: Teilweise ergibt sich die Unabänderlichkeit aus dem Gesetzestext selbst, ohne dass diese Bestimmungen in den Art. 361 und 362 aufgelistet ist.

Weil den Teilzeitmitarbeitern beinahe alle Ansprüche aus dem Arbeitsvertrag  im Verhältnis zum Arbeitspensum zustehen, ist eine spezielle Regelung der Teilzeitarbeitsverhältnisse in aller Regel nicht notwendig.

Ausnahmen ergeben sich nur dadurch, dass bei kleineren Pensen gewisse gesetzliche Voraussetzungen nicht erreicht werden. Beispielsweise schreibt das BVG ein Mindesteinkommen vor, oder das UVG setzt für die Nichtberufsunfallversicherung ein Mindestpensum von 8 Stunden/Woche voraus. Ausnahmen ergeben sich auch bei kurzen befristeten Arbeitsverhältnissen. So hat der Student, welcher 3 Wochen vor Weihnachten in einem Warenhaus einspringt, kein Anrecht auf Lohnfortzahlung bei Krankheit, weil sein Arbeitsverhältnis nicht 3 Monate dauert.

Schritt 3: Sie setzen sich mit den Details der Anstellungsbedingungen für das Arbeitsverhältnis «Teilzeit» auseinander

Ferien
Ferien stehen auch Teilzeitarbeitenden in gleichem Umfang wie allen anderen Mitarbeitenden zu. Die Ferien sind zu gewähren und dürfen nicht durch einen Lohnzuschlag ausgerichtet werden. Ausnahmen sind lediglich bei einem sehr unregelmässigen Arbeitseinsatz oder bei einem kurzen Arbeitsverhältnis möglich (mit schriftlicher Regelung im Vertrag und klarer Ausscheidung in der einzelnen Lohnabrechnung). Teilzeitmitarbeiter erhalten für eine Woche Ferien den gleichen Lohn, wie wenn sie arbeiten würden. Bei einem unregelmässigen Pensum ist auf den durchschnittlichen Lohn (beispielsweise in den letzten 12 Monaten) abzustellen.

Überstunden
Soweit es dem Arbeitnehmer zumutbar ist, ist er von Gesetzes wegen verpflichtet Überstunden zu leisten, wenn diese nötig sind (Art. 321c OR). Da aber der Sinn der Teilzeitarbeit gerade darin liegt, nur ein reduziertes Pensum - aus welchen Gründen auch immer - zu leisten, ist darauf zu achten, dass nicht übermässig Überstunden verlangt werden. Die Unzumutbarkeit ist hier früher gegeben als bei einem anderen Arbeitnehmer.

In einem Teilzeitarbeitsverhältnis kann es häufig vorkommen, dass Arbeitnehmende Mehrarbeit leisten. Auch für diese Arbeitnehmenden liegen dann Überstunden vor, wenn ihre vertraglich vereinbarte Arbeitszeit überschritten wird und nicht etwa erst dann, wenn die betriebsübliche Arbeitszeit überschritten wird.

Die Überstundenentschädigung richtet sich nach den üblichen Vorschriften: Im gegenseitigen Einvernehmen ist Kompensation durch entsprechende Freizeit möglich. Erfahrungsgemäss ist dies bei Teilzeitarbeitsverhältnissen wegen der ohnehin reduzierten Arbeitszeit meist nicht sinnvoll. Andernfalls sind die Überstunden mit einem Zuschlag von 25% abzugelten.

Feiertage
Bei Teilzeitmitarbeitern im Monatslohn ergeben sich regelmässig Fragen betreffend Feiertagen. Es sind zwei unterschiedliche Lösungen möglich:

  • Zufallslösung: Fällt bei Teilzeitarbeit ein Feiertag auf einen Tag, der zur ordentlichen Arbeitszeit gehört, ist der ganze Tag frei. Andererseits besteht bei einem Feiertag, welcher auf einen arbeitsfreien Tag fällt, keine Kompensation (d.h. ein Feiertag wird nicht nachgewährt).
  • Systematische Lösung: Bei dieser Regelung wird bei Feiertagen immer die individuelle Sollarbeitszeit gerechnet.

Lohnfortzahlung
Bei der unverschuldeten Verhinderung an der Arbeitsleistung, also z.B. bei Krankheit oder Unfall, haben Teilzeitmitarbeiter Anspruch auf Lohnfortzahlung.

Schritt 4: Sie prüfen, welche Punkte Sie bereits im Personalreglement oder einem GAV geregelt haben

Die meisten Unternehmen haben ein Personalreglement, in dem viele Punkte bereits geregelt sind, so dass diese im Vertrag nicht mehr erwähnt werden müssen.

Häufig sind dies Punkte wie die Regelung von Mehrarbeit und Überstunden, von Ferien und Feiertagen und von der Freizeitgewährung für persönliche Angelegenheiten.

Empfehlenswert ist es, entweder im Arbeitsvertrag oder im Personalreglement Ihre Regelungen betreffend der Lohnfortzahlung bei Krankheit und Unfall sowie anderer Absenzen festzuhalten

Schritt 5: Sie überlegen sich, welche Punkte Sie alle im Arbeitsvertrag regeln möchten

Der unbefristete Vertrag im Monatslohn ist der am häufigsten verwendete Vertrag. Es sind aus rechtlicher Sicht nur wenige Punkte zu regeln.

Im Minimalfall ist folgendes zu regeln:

  • Vertragspartner: Firma und Mitarbeiter/in
  • Funktion: Anstellung als ...
  • Einsatzort:
  • Beginn des Arbeitsverhältnisses
  • Wöchentliche Arbeitszeit
  • Bruttomonatslohn

Ist nichts weiter geregelt, gilt der erste Monat als Probezeit, die Kündigungsfrist richtet sich nach dem OR, der Lohn ist zwölfmal im Jahr zu bezahlen, für die Lohnfortzahlung bei Krankheit gilt eine der Skalen je nach Firmensitz, bei einem Unfall sind 80% des Lohnes fortzuzahlen, der Ferienanspruch beträgt bis 20 Jahre fünf Wochen, anschliessend vier Wochen und die Sozialversicherungen richten sich nach den gesetzlichen Bestimmungen resp. dem Pensionskassenreglement.

Schritt 6: Sie schreiben den Arbeitsvertrag

Nun haben Sie erfolgreich alle Informationen zusammengetragen. Sie wissen, welche Punkte Sie noch im Arbeitsvertrag regeln müssen und was schon mit dem Personalreglement abgedeckt ist.

Sie können nun den Arbeitsvertrag für Ihren Mitarbeitenden schreiben:

  • Vertragspartner: Firma XY und Mitarbeiter Z 
  • Funktion: Anstellung als ...
  • Einsatzort:
  • Der Arbeitnehmer kann aber auch für andere Tätigkeiten und an anderen Orten eingesetzt werden.
  • Beginn des Arbeitsverhältnisses am 1. September 20XX 
  • Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 20h.  
  • Die Arbeitstage sind täglich am Vormittag à 4h. 
  • Der Bruttomonatslohn beträgt CHF 2'500.– (x 12 / x 13 pro Kalenderjahr)
  • Der Ferienanspruch beträgt 10 Tage. 
  • Die Feiertage sind nach dem systematischen System geregelt.

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