25.05.2016

Teilzeitarbeit: Besonderheiten und Fallstricke

Teilzeitarbeitsvertr├Ąge werden im Rahmen der Flexibilisierung der Arbeitszeit immer beliebter. Grunds├Ątzlich sind sie dem Vollzeitarbeitsvertrag gleichgestellt. Trotzdem gibt es einige pikante Unterschiede, die es im Auge zu behalten gilt.

Von: Tonia Villiger  DruckenTeilen Kommentieren 

Tonia Villiger, Rechtsanw├Ąltin

Lic. iur. Tonia Villiger ist selbst├Ąndige Rechtsanw├Ąltin und Fachanw├Ąltin SAV Arbeitsrecht. Sie arbeitet bei Advokatur Villiger in Z├╝rich. Ihre bevorzugten T├Ątigkeitsgebiete sind insbesondere Vertrags- Arbeits- und Kommunikationsrecht. Tonia Villiger kommuniziert nebst Deutsch in fliessendem Englisch sowie in Spanisch und Franz├Âsisch.
www.ad-voca.ch

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Formen der Teilzeitarbeit

Die Teilzeitarbeit tritt in den unterschiedlichsten Varianten auf: Als regelm├Ąssige Teilzeitarbeit, Arbeit im Stundenlohn, Arbeit auf Abruf, Job-Sharing oder als Mehrfachbesch├Ąftigung. Allen gemein ist, dass das Pensum gegen├╝ber der Vollzeitarbeit reduziert ist, die Arbeit aber dennoch dauer┬şhaft und periodisch geleistet wird. Befristete Gelegenheits- oder Aushilfsarbeit, Kurz- oder Tem┬şpor├Ąrarbeit sind von der Teilzeitarbeit abzugrenzen, wobei auch hier zus├Ątzlich Teilzeitarbeit vor┬şliegen kann (z.B. zweiw├Âchige, befristete Arbeit zu 50%).

In diesem Beitrag werden vorerst zwei Aspekte beleuchtet: Die regelm├Ąssige Teilzeitar┬şbeit (z.B. 50% Pensum) und die Arbeit im Stundenlohn (unregelm├Ąssige Arbeit, bei welcher der Einsatz gegenseitig vereinbart oder im Belieben des Arbeitnehmers steht). Nicht in diesem Beitrag behandelt werden die echte Arbeit auf Abruf (Einsatz auf Verlangen des Arbeitgebers) und das Job-Sharing.

Fallstrick Ferienentsch├Ądigung

Bei der Arbeit im Stundenlohn wird in der Praxis h├Ąufig das Feriengeld zum Stundenlohn hinzuge┬şschlagen. Bei sehr kurzer oder sehr unregelm├Ąssiger Arbeit ist dies gem├Ąss (noch) aktueller Rechtsprechung erlaubt. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer zwar immer noch freie Ferientage effektiv beziehen kann, ihm der Lohn aber nicht mehr w├Ąhrend der Ferienzeit ausbezahlt werden muss. Arbeitgeber m├╝ssen bei dieser L├Âsung unbedingt darauf achten, dass das Feriengeld nicht nur im Arbeitsvertrag, sondern in jeder einzelnen Lohnabrechnung ausgeschieden wird. Fehlt dieses Formerfordernis, drohen Nachzahlungen, auch viele Jahre zur├╝ck. Sind vertraglich 4 Wochen Ferien vereinbart, betr├Ągt die Ferienentsch├Ądigung 8,33%, bei 5 Wochen entsprechend 10,64%.

Bei den Feiertagen k├Ânnen die Teilzeiter benachteiligt sein

Eine eigentliche gesetzliche Pflicht zur Bezahlung der Feiertage gibt es nur f├╝r den 1. August. Dies gilt gem├Ąss aktueller Bundesgerichtspraxis auch f├╝r Stundenl├Âhner. Auch bei diesen ist jedoch zu empfehlen, bei 4 Wochen Ferien und insgesamt 9 Feiertagen 3.5% Feiertagsentsch├Ądigung dem Stundenlohn hinzuzuschlagen.  Der Monatslohn wird bei regelm├Ąssiger Teilzeitarbeit ├╝blicherweise nicht gek├╝rzt, auch wenn in den betreffenden Monat auch kantonale Feiertage fallen. Allerdings ist zu beachten, dass Feier┬ştage, die auf arbeitsfreie Tage von Teilzeitern fallen, nicht nachgew├Ąhrt werden m├╝ssen.

Wie berechnet sich die Lohnfortzahlung?

Wie die Vollzeitbesch├Ąftigten haben die Teilzeitbesch├Ąftigten gem├Ąss Art. 324a OR einen Lohnfort┬şzahlungsanspruch bei unverschuldeter Verhinderung an der Arbeit (z.B. bei Krankheit). Dies gilt aber nur, sofern das Arbeitsverh├Ąltnis mehr als drei Monate gedauert hat oder f├╝r mehr als drei Monate eingegangen wurde. Gegebenenfalls gibt es somit eine Karenzfrist von drei Mona┬şten. Bei der (unregelm├Ąssigen) Arbeit im Stundenlohn stellt sich zudem die Frage nach der H├Âhe des zu bezahlenden Lohns. Dazu kann entweder auf das Lohnausfallprinzip oder auf das Referenz┬şperiodenprinzip abgestellt werden. Beim Ersteren ist relevant, welcher Lohn in der betreffenden Zeit erzielt worden w├Ąre, beim Letzteren, welcher Lohn in der Referenzperiode - also beispielsweise in den letzten 12 Monaten - geschuldet w├Ąre.

Die Dauer des Lohnfortzahlungsanspruches selber wird nicht vermindert, weil der Besch├Ąftigungs┬şgrad bei der Teilzeitarbeit tiefer ist.

Sozialversicherungsrechtliche Aspekte

Arbeitnehmer, die durchschnittlich mehr als 8 Stunden pro Woche arbeiten, sind obligatorisch sowohl f├╝r Berufs- und Nichtbeufsunf├Ąlle sowie f├╝r Berufskrankheiten versichert. Bei kleinen oder sehr unre┬şgelm├Ąssigen Pensen (weniger als 8 Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber) gibt es keinen gesetzlichen Versicherungsschutz f├╝r Nichtbetriebsunf├Ąlle (aber f├╝r Unf├Ąlle auf dem Arbeitsweg, Art. 7 Abs. 2 UVG, Art. 13 UVV).

Ein Versicherungsobligatorium f├╝r die berufliche Vorsorge besteht nur f├╝r Arbeitsverh├Ąltnisse mit einem Jahreslohn bei einem Arbeitgeber von aktuell mindestens CHF 21ÔÇś150.- (Art. 8 BVG, Art. 3a BVV). ├ťbersteigen mehrere Jahresl├Âhne bei jedem einzelnen von mehreren Arbeitgebern die erw├Ąhnte Grenze, muss verein┬şbart werden, bei welchem Arbeitgeber die Versicherung abzuschliessen ist (vgl. auch Art. 46 BVG).

Grunds├Ątzlich sind geringf├╝gige L├Âhne bis CHF 2'300.- im Jahr nur auf Verlangen des Arbeitnehmers AHV/IV/EO-abrechnungspflichtig. Eine Ausnahme gilt f├╝r Arbeitnehmer in der Hausdienst-Arbeit (Raumpfleger, Hauswarte, Kinderbetreuer usw.) sowie Geh├Ąlter von Tanz- und Theaterproduzenten, Orchestern, Phono- und Audiovisions-Produzenten, Radio und Fernsehen sowie von Schulen im k├╝nstlerischen Bereich. Diese sind immer abzurechnen.

Quelle: Internet; Tonia Villiger, Der Teilzeitarbeitsvertrag, in: Schweizer Vertragshandbuch, Mustervertr├Ąge f├╝r die Praxis, hrsg. von B├Âhringer/Kasper Lehne/ Probst, 2010, mit Verweisen.

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