29.12.2015

UVG Beitrag: Bei Berufsunfällen bezahlt der Arbeitgeber

Die Beitragspflicht der Unfallversicherung richtet sich weitgehend nach der AHV-Beitragspflicht. Erfahren Sie hier, was der prämienpflichtige Lohn ist und welche versicherten Personen einen UVG Beitrag leisten.

Von: Thomas Wachter  DruckenTeilen 

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren beim Personalamt des Kantons Luzern. Früher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, zuletzt als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Weitere Tätigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent für Personalmanagement, -administration und -führung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

UVG-Beitrag

Bei den versicherten Personen gibt es zur AHV-Beitragspflicht einige wichtige Ausnahmen:

  • Jugendliche sind ab dem 15. Altersjahr pflichtig
  • Arbeitnehmer, welche unter acht Wochenstunden arbeiten, sind nur gegen Berufsunfall, nicht jedoch gegen Nichtberufsunfall versichert. Sie haben somit keinen Prämienabzug auf der Lohnabrechnung.

Für Teilzeitbeschäftigte, deren wöchentliche Arbeitszeit bei einem Arbeitgeber (mehrere Arbeitsverhältnisse werden nicht zusammengezählt) weniger als acht Stunden beträgt, sind Nichtberufsunfälle (NBU) nicht versichert und es sind keine Abzüge vorzunehmen. Sie sind jedoch in jedem Fall für Berufsunfälle versichert. Für diese Versicherten gelten Arbeitswegunfälle als Berufsunfälle, während sie für die übrigen Versicherten Nichtberufsunfälle sind (Art. 7 Abs. 2 UVG).

Schwierigkeiten über den NBU-Versicherungsschutz ergeben sich dann, wenn Arbeitnehmer unregelmässig für längere Zeit einmal über und einmal unter acht Stunden pro Woche arbeiten.

Diese Unregelmässigkeit wird durch den UVG-Versicherer so behandelt, dass er im Versicherungsfall die Situation während der letzten drei Monate (in speziellen Fällen rückblickend eventuell während sechs Monaten) berücksichtigt. Nur diese Vergangenheit bestimmt für den Versicherungsfall das Vorhandensein des Versicherungsschutzes.

Die UVG Ad-Hoc-Empfehlung 07/87 hält folgendes fest:

  • Massgebend sind die Vereinbarungen im Anstellungsvertrag bzw. die effektiv geleistete Arbeit. Ein zufälliges Unter- oder Überschreiten der 8-Stunden-Grenze ist unbeachtlich.
  • Bei der Ermittlung der Arbeitsstunden müssen auch jene Stunden berücksichtigt werden, während deren der Arbeitnehmer wegen Krankheit, Unfall, Ferien, Militär oder ähnlichem gefehlt hat.
  • Bei unregelmässiger Teilzeitbeschäftigung ist abzuklären, wie viel der Arbeitnehmer während der letzten drei bzw. zwölf Monaten gearbeitet hat. Ergibt sich, dass während mindestens einer dieser beiden Beobachtungsperioden entweder die durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche 8 Stunden übersteigt oder dass die Wochen mit mehr als 8 Stunden überwiegen, besteht Deckung für Nichtberufsunfälle.
  • Sonderfall Lehrpersonen: Gemäss einem Urteil des EVG vom 12.2.1998 ist die Lektionenverpflichtung auf die übliche Arbeitszeit hochzurechnen. Meist werden den Lehrpersonen ab 4 Wochenlektionen NBU Beiträge abgezogen (UVG Ad-Hoc-Empfehlung Nr. 27/83).

Es spielt also für die Erledigung des Versicherungsfalles keine Rolle, ob der NBU-Versicherungsschutz durch Prämienabzüge dokumentiert wurde oder nicht. Somit verleitet ein irrtümlicher NBU-Prämienabzug durch den Arbeitgeber den Arbeitnehmenden zu einer falschen Annahme bezüglich des Vorhandenseins des Unfallschutzes in der Freizeit.

Praxis-Tipp
Die Festlegung der NBU-Versicherungspflicht bei Mitarbeitenden mit schwankenden Arbeitszeiten über und unter acht Wochenstunden ist schwierig. Klären Sie die Regelung von Grenzfällen mit Ihrem Unfallversicherer ab. Sie tun Ihren Mitarbeitenden keinen Dienst, wenn Sie sie einfach «versichern» – die Versicherung bezahlt in einem Schadenfall nur, wenn die Arbeitszeit tatsächlich über acht Wochenstunden lag.

Prämienpflichtiger Lohn

Der UVG-versicherte Verdienst (für Prämien wie Leistungen) ist weitgehend mit dem massgebenden AHV-pflichtigen Lohn identisch.

Ausnahmen:

  • Der versicherte Verdienst ist gegen oben begrenzt auf CHF 148'200.- pro Jahr. Für Einkommensteile eines Versicherten über dem Höchstbetrag des versicherten Verdienstes werden keine Prämien erhoben.
  • Jugendliche sind pflichtig (ab 15. Altersjahr).
  • Personen, welche das ordentliche Rentenalter erreicht haben, sind voll prämienpflichtig (ohne die in der AHV vorgesehene teilweise Prämienbefreiung bis CHF 1'400.– pro Monat).
  • Taggelder wie EO-Entschädigungen, UVG-Taggelder, Krankentaggelder, IV-Taggelder und MV-Taggelder sind alle nicht prämienpflichtig. Dies ergibt Abweichungen gegenüber der AHV, bei welcher EO-Entschädigungen, IV-Taggelder und MV-Taggelder pflichtig sind. Keine Abweichung ergeben sich bei den UVG-Taggeldern und den Krankentaggeldern: Diese sind auch für die AHV nicht prämienpflichtig.
  • ALV-Taggelder (bei Kurzarbeit, Schlechtwetterentschädigung, Einarbeitungs- und Ausbildungszuschüsse) sind sowohl AHV- wie UVG-prämienpflichtig.
  • Kinderzulagen sind (wie für die AHV) nicht prämienpflichtig. Diese werden jedoch für die Berechnung der geldmässigen Versicherungsleistungen (z.B. Unfalltaggeld) berücksichtigt.
  • Für Praktikanten, Volontäre und zur Abklärung der Berufswahl oder in Lehrwerkstätten tätige Personen gelten zu versichernde Minimallöhne. Für diese ist ein Lohn von CHF 81.– pro Kalendertag für Volljährige und CHF 41.– pro Tag für Minderjährige prämienpflichtig, sofern der tatsächliche Lohn nicht über diesen Ansätzen liegt. Es handelt sich um 20% resp. 10% des maximal versicherten Verdienstes von CHF 148'200.–.
  • Dieser Mindestansatz gilt auch für Schnupperlehrlinge. Bei Lehrlingen, die aufgrund eines Lehrvertrages beschäftigt werden, muss hingegen der effektive Verdienst deklariert werden.
  • Keine Ausnahme sind geringfügige Löhne bis CHF 2300.–. Auch diese sind UVG-pflichtig. Die frühere Verzichtserklärung ist nicht mehr möglich.

Ein- oder Austritt unter dem Jahr

Bei Ein- und Austritt während des Jahres gilt ein Höchstverdienst von 1/12 des UVG-Maximums für jeden vollen Monat bzw. für jeden Kalendertag der 365. Teil des UVG-Maximums.

Dazu werden volle Monate mit CHF 12'350.– gerechnet und die angebrochenen Monate taggenau mit der Kalendertage- oder der 30-Tage-Methode.

Bei Mehrfachbeschäftigten sind die Löhne insgesamt nur bis zum Höchstbetrag des versicherten Verdienstes (CHF 148'200.–) prämienpflichtig. Übersteigt der Gesamtverdienst diesen Höchstbetrag, kann pro Arbeitsverhältnis der Anteil am Höchstbetrag deklariert werden, der dem Anteil am Gesamtverdienst entspricht.

UVG Beitrag

Zur Festsetzung der Prämie werden die einzelnen Betriebe nach ihrer Art und ihren Verhältnissen in den Prämientarif eingereiht.

Wer bezahlt die Prämien?

  • Die Prämien für die obligatorische Versicherung der Berufsunfälle und Berufskrankheiten (BU) gehen zulasten des Arbeitgebers.
  • Die Prämien für die obligatorische Nichtberufsunfallversicherung (NBU) gehen zulasten der Arbeitnehmer. Abweichende Abreden zugunsten der Arbeitnehmer sind zulässig.
     
 ArbeitnehmerArbeitgeber
Berufsunfall x
Nichtberufsunfallx 

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