28.10.2019

Anlagerendite: So beurteilen Sie den Erfolg Ihrer Anlagen

Am Anfang jedes Jahres kommen die Depotauszüge an, die uns aufzeigen, wie sich unsere Anlagen entwickelt haben. Viele nehmen die Werte zur Kenntnis und lassen allenfalls ihren Bankberater erklären, was an den Finanzmärkten passiert ist. Der wird allerdings die Leistung des eigenen Instituts grundsätzlich schönreden, denn dafür wird er bezahlt. Können Sie die Performance Ihrer Anlagen selber beurteilen?

Von: Matthias Hunn  DruckenTeilen 

Matthias Hunn

Matthias Hunn, lic. oec. publ., Gründer und Geschäftsführer der FinGuide AG, die für vermögende Privatkunden den passenden Vermögensverwalter findet. Davor war er zehn Jahre auf Geschäftsleitungsebene für eine
grosse Universalbank tätig.

Anlagerendite

Anlagerendite beurteilen

Die Beurteilung der Anlagerendite ist nicht trivial, aber machbar. Hoffentlich verfolgen Sie eine klare Anlagestrategie. Die meisten Anlagestrategien lassen sich aufgrund des Aktienanteils in Kategorien einordnen: von Einkommensstrategien (kein oder fast kein Aktienanteil) bis zu dynamischen (80–100% Aktienanteil). Daneben gibt es auch Vermögensverwalter, mit denen Sie als Kunde nicht einen Aktienanteil vereinbaren, sondern einen maximal vertretbaren Verlust, also eine Risikokennzahl.

Ein guter Renditevergleich vergleicht möglichst Äpfel mit Äpfeln und Birnen mit Birnen. Wenn Sie also Ihre Anlagerendite sauber einordnen wollen, müssen Sie den korrekten Vergleichsmassstab anlegen. Ist Ihr Geld zum Beispiel in einer "ausgewogenen" Strategie investiert, suchen Sie solche Strategien als Vergleichsmassstab. Nun publiziert bekanntlich kaum ein Anbieter seine erreichten Renditen in der Vermögensverwaltung. Macht nichts, denn es gibt eine gute Alternative: Vermögensverwaltungsfonds.

Suchen Sie sich also im oben erwähnten Fall "ausgewogene" Vermögensverwaltungsfonds (auch gemischte Fonds, Strategiefonds oder Portfolio-Fonds genannt) heraus, die mit ähnlichen Vorgaben wie Sie resp. Ihr Vermögensverwalter arbeiten. Am besten nehmen Sie drei bis vier Fonds und bilden daraus einen Mittelwert. Zugegeben, die Suche nach passenden Anlagefonds aus den Tausenden, die angeboten werden, ist mühsam. Wenn Sie die Arbeit aber einmal gemacht haben, können Sie jedes Jahr wieder die gleichen Fonds heranziehen, solange Sie die Anlagestrategie nicht verändern.

Um den Vergleich wirklich korrekt durchführen zu können, beachten Sie auch die Kosten. Wenn Sie Ihre eigene Anlagerendite nach Abzug aller Kosten vergleichen wollen, vergessen Sie nicht, bei den Anlagefonds noch die Depotgebühr einzurechnen. Ausserdem sind die Ausschüttungen zu beachten, je nachdem, ob Ihre Zinsen und Dividenden bei Ihren Renditezahlen dabei sind oder nicht, müssen Sie thesaurierende oder ausschüttende Anlagefonds als Vergleichsgrösse auswählen.

Haben Sie nun also Ihre Anlagerendite mit den Konkurrenzprodukten verglichen, geht’s an die Interpretation. Sind Ihre Werte im Vergleich besser, werden Sie es wahrscheinlich dabei belassen und sich zufrieden zurücklehnen. Sind Ihre Werte schlechter, werden Sie wissen wollen, wieso. Dafür gibt es fast unendlich viele Möglichkeiten. Es kann an der geografischen oder währungsmässigen Zusammensetzung Ihrer Wertschriften liegen, am Aktienanteil, an der durchschnittlichen Restlaufzeit der Obligationen, daran, ob Absicherungen vorgenommen wurden oder nicht, an der Auswahl der einzelnen Titel und so weiter. Und schliesslich kann es natürlich sein, dass Sie resp. Ihr Vermögensverwalter einfach einmal ein besonders gutes oder ein besonders schlechtes Jahr hatten.

Ab und zu ein im Konkurrenzvergleich schlechtes Jahr zu haben ist normal. Selbst die erfolgreichsten Vermögensverwalter liegen mal daneben. Wenn Sie hingegen über mehrere Jahre eine Minderrendite feststellen, sollten Sie handeln.

Handlungsmöglichkeiten

Verwalten Sie Ihr Geld selber? Dann fragen Sie sich ehrlich und selbstkritisch, weshalb Sie das besser können sollten als Profis, die sich jeden Tag mit nichts anderem als der Geldanlage beschäftigen. Oft werden Kosten als Grund dafür genannt, dass man sein Vermögen selber verwaltet. Klar, die Vermögensverwaltungsgebühr spart man sich so. Ein guter Vermögensverwalter allerdings holt seine Gebühren mit Leistung wieder herein. Ein ebenfalls häufig genannter Grund für das Selbstverwalten ist mangelndes Vertrauen in seine Bank oder Nichtwissen darüber, wer denn tatsächlich vertrauenswürdige und erfolgreiche Vermögensverwalter sind.

Die einfachste Weise, seine Zielrendite zu erhöhen, ist die Erhöhung der Risiken, denn das Eingehen von Risiken wird langfristig mit einer höheren Rendite belohnt. Wenn sich Ihre Risikobereitschaft (Wie viel Risiko wollen Sie eingehen?) und Ihre Risikofähigkeit (Wie viel Risiko können Sie eingehen?) seit der Definition der Anlagestrategie verändert haben, kann das eine gute Möglichkeit sein. Die Risiken allerdings ohne Konsultation der Risikobereitschaft und Risikofähigkeit zu erhöhen kann gewaltig schiefgehen. Die entscheidenden Fragen, die Sie sich stellen müssen, sind:

  1. Wie lange brauche ich die angelegten Mittel nicht?
  2. Mit welchem Verlust schlafe ich noch immer gut?

Die Wechselrate von Bankkunden ist in der Schweiz sehr tief. Dies führt dazu, dass viele Anbieter, die keinen echten Mehrwert erbringen, lange überleben können. Die Intransparenz über die erzielten Renditen schützt die Schlechten. Würden sich mehr Unternehmen und Privatkunden mit ihren Anlagerenditen auseinandersetzen, würden die schlechten Anbieter ihre Kunden verlieren und die guten neue dazugewinnen. Die Konkurrenz spielt aber nur, wenn die Kunden sich informieren und bereit sind zu handeln.

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