Nachhaltigkeit: So integrieren Sie die Nachhaltigkeit in die Unternehmenssteuerung

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Die nachhaltige Ausrichtung von Unternehmen erfordert mehr als nur Compliance; sie muss integraler Bestandteil der Unternehmenssteuerung werden. Idealerweise übernimmt das Controlling die Verantwortung, wirtschaftliche, ökologische und soziale Ziele gemeinsam zu planen und zu steuern. Dies verhindert Parallelprozesse und nutzt bestehende Kompetenzen für eine effiziente Umsetzung.

Die wichtigsten Punkte:

  • Nachhaltigkeit ist eine Querschnittsfunktion, die alle betrieblichen Bereiche betrifft.
  • Extern berichtete Kennzahlen müssen zwingend in das interne Steuerungssystem überführt werden.
  • Controller benötigen zusätzliche Kompetenzen in ökologischen und sozialen Themen.
  • Die Datenbasis muss von Excel-Lösungen zu integrierten Finanz-IT-Systemen ausgebaut werden.
26.03.2026 Von: Ulrich Sailer
Nachhaltigkeit

Wie integrieren Sie Nachhaltigkeit erfolgreich in die Unternehmenssteuerung und das Controlling?

Der Handlungsdruck für eine nachhaltige Ausrichtung der Unternehmen ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Nicht nur die regulatorischen Anforderungen wurden strenger, auch Investoren, Banken, Geschäftspartner und Kunden drängen auf ökologisches und sozial verantwortliches Handeln. Die Fokussierung auf Compliance und die Kommunikation reichen nicht mehr aus. Es stellt sich die Frage, wie die Nachhaltigkeit gesteuert werden soll.

Integration der Nachhaltigkeit in das Controlling

Idealtypisch erfolgt die Steuerung der Nachhaltigkeit integriert in der Unternehmenssteuerung, also dem Controlling. Wirtschaftliche, ökologische und soziale Ziele werden gemeinsam geplant, zumal sie sich gegenseitig beeinflussen. Für die Einbindung der Nachhaltigkeit in das Controlling sprechen folgende Gründe:

  • Die Verantwortung für die Steuerung liegt in einer Hand.
  • Der Bedarf an bereichsübergreifenden Abstimmungsprozessen wird begrenzt.
  • Nachhaltigkeit ist in die etablierten Regelprozesse eingebunden: Zielbildung, strategische und operative Planung, Berichtswesen, Informationsmanagement.
  • Nutzung der Controller-Kompetenzen in der Steuerung, der Informationssysteme und dem Reporting

Beschränkt sich die Nachhaltigkeit auf die Erfüllung rechtlicher Anforderungen, bedarf es auch keiner Integration in der Unternehmenssteuerung.

Bedarf an Nachhaltigkeitsexperten

Beim Start in die Nachhaltigkeit wird oftmals eine Stabsstelle oder ein Team eingerichtet, um die Nachhaltigkeitskompetenz zu bündeln. So erfordert beispielsweise die Erfüllung der Berichterstattungspflichten für die Nachhaltigkeit weitreichende Kenntnisse, die in vielen Unternehmen noch unzureichend vorhanden sind. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung kommt in einer Studie etwa zur Erkenntnis, dass sowohl grosse als auch mittelständische Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten haben, die gestiegenen Berichtsanforderungen zu erfüllen.

Hinweis: Je stärker die Nachhaltigkeit im Unternehmen etabliert ist, desto enger ist diese Funktion in das Controlling einzubinden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass über die Stabsstelle Parallelprozesse zur Unternehmenssteuerung errichtet werden.

Herausforderungen für das Controlling

Ein öfters beobachtetes Missverständnis beruht darauf, Nachhaltigkeit als eine weitere Controllingfunktion zu sehen, wie etwa das Vertriebs- oder Beschaffungscontrolling. Nachhaltigkeit ist als Querschnittsfunktion in sämtlichen betrieblichen Funktionen relevant und daher genauso übergreifend zu steuern wie die Wirtschaftlichkeit.

Für Controller ergeben sich hieraus verschiedene Herausforderungen:

  • Die rechnungswesenbasierte Planung und Steuerung lässt sich nicht auf ökologische und soziale Ziele anwenden. Für diese liegen keine vergleichbaren, einheitlich systematisierten Standards vor. Hinzu kommt, dass sich ökologische und soziale Daten nicht nur auf das Unternehmen, sondern auch auf die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette beziehen.
  • Ökonomische Ziele werden in Form von Renditen oder einem Gewinn durch die Gesellschafter vorgegeben. Die Zielerreichung ist somit genau definiert. Bei Nachhaltigkeitszielen gibt es, abgesehen von den Science Based Targets zur Reduktion der Treibhausgasemissionen und von gesetzlichen Vorgaben nur unzureichend spezifizierte Erwartungen. Es werden zwar Verbesserungen angestrebt, wann ein Ergebnis aber tatsächlich gut ist, bleibt oft ungewiss.
  • Zielkonflikte zwischen den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit lassen sich teils nicht sachlich, sondern nur normativ klären. So kann ein Produkt aus ökologischen Gründen bedenklich, zur Sicherung von Arbeitsplätzen und der Rendite aber wünschenswert sein.
  • Was extern berichtet wird, muss auch intern gesteuert werden. Die extern berichteten Kennzahlen sind daher in das interne Steuerungssystem zu integrieren. Nachhaltigkeit gelangt somit näher an die betrieblichen Kernprozesse und wird zu einem relevanten Kriterium für unternehmerische Entscheidungen. Nachhaltigkeitsziele müssen damit gemeinsam mit den Finanzzielen geplant und gesteuert werden.
  • Im Controlling wird überwiegend in Geldeinheiten gerechnet. Somit lassen sich Erträge und Kosten miteinander verrechnen. Bei ökologischen und sozialen Themen ist dies zumeist nicht möglich, da sie auf verschiedenen Masseinheiten basieren. Erfolge und Schäden lassen sich nicht aufrechnen. Die Ermittlung einer einzelnen Spitzenkennzahl, die den Erfolg des gesamten Unternehmens verdeutlicht, ist bei Einbezug der Nachhaltigkeit nicht möglich.
  • Zur Steuerung der Nachhaltigkeit sind ökologische und soziale Grundkenntnisse notwendig, um Ziele und Massnahmen zu bewerten. In der Ausbildung der Controller spielen diese bis heute zumeist noch keine Rolle und liegen dementsprechend oft unzureichend vor.
  • Nachhaltigkeitsdaten werden vorwiegend themenspezifisch gesammelt, sie sind wenig standardisiert und werden selten automatisiert beschafft. Dabei steigen die Qualitätsanforderungen, da sie durch die zunehmende Integration in den Geschäftsbericht prüfungssicher sein müssen. Insellösungen für Nachhaltigkeitsdaten und die Datenspeicherung in Excel-Dateien reichen hierfür nicht aus. Voraussetzung dafür sind die Überwindung von Datensilos und die Integration in die bestehenden Finanz-IT-Systeme.

Nimmt das Controlling die Herausforderungen nicht an, und verbleibt es in der Rolle des betriebswirtschaftlichen Spezialisten, verliert es an Bedeutung. Managemententscheidungen sind nicht nur an wirtschaftlichen Kriterien auszurichten, sondern es sind auch ökologische und soziale Anforderungen zu erfüllen. Hierfür müssen dem Management sämtliche entscheidungsrelevanten Informationen empfängerorientiert vorliegen.

Checkliste

  • Prüfen Sie, ob eine Stabsstelle bereits Parallelprozesse zur Unternehmenssteuerung erzeugt.
  • Definieren Sie klare Verantwortlichkeiten für ökologische und soziale Ziele in einer Hand.
  • Sichern Sie die Einbindung der Controller in die strategische und operative Planung.
  • Bewerten Sie den aktuellen Wissensstand des Controlling-Teams zu Nachhaltigkeitsdaten.
  • Analysieren Sie die Datenquellen und planen Sie die Überwindung von Datensilos.
  • Stellen Sie sicher, dass die IT-Systeme eine automatisierte Erfassung von Nachhaltigkeitsdaten ermöglichen.
  • Klären Sie Zielkonflikte zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimensionen normativ.
  • Integrieren Sie externe Berichtspflichten direkt in das interne Berichtswesen.
  • Entscheiden Sie, ob eine Chief Sustainability Officer-Rolle sinnvoll ist oder die Steuerung im Controlling liegt.
  • Schulung des Personals für die Bewertung von Massnahmen in nicht-monetären Einheiten.

Chief Sustainability Officer

Zur Bündelung von Nachhaltigkeitsaktivitäten auf der obersten Unternehmensebene findet man zunehmend auch die Rolle eines Chief Sustainability Officers (CSO). Diese Rolle wird eingesetzt, um das Engagement für die Nachhaltigkeit zu initiieren, zu steigern oder um die vielfältigen Nachhaltigkeitsaktivitäten im Unternehmen zu koordinieren. Traditionell ist es die Aufgabe des Controllings, Ziele und Pläne zu koordinieren. Wird die Steuerung der Nachhaltigkeit nicht im Controlling integriert, leidet die Koordination zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Massnahmen. Zumeist dürfte es sinnvoller sein, die Nachhaltigkeit in die etablierte Unternehmenssteuerung zu integrieren, als eine zusätzliche Stelle auf Geschäftsleitungsebene hiermit zu betrauen. Die Einrichtung eines CSO ist aber auch als Signal an die Gesellschafter und Stakeholder zu werten, dass die Nachhaltigkeit im Unternehmen eine bedeutsame Rolle spielt.

Eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass die Einrichtung eines CSO die Nachhaltigkeitsleistungen eines Unternehmens nur unter bestimmten Voraussetzungen steigern kann. Unternehmen mit bisher geringem nachhaltigem Engagement ist es auch mit einem CSO nicht gelungen, die Nachhaltigkeit signifikant zu stärken. Die Hoffnung, hiermit die nachhaltige Transformation zu initiieren, wird oftmals enttäuscht. Bereits nachhaltige Unternehmen konnten ihre Leistung nach Bestellung des CSO hingegen deutlich steigern.

Fazit

Die Anforderungen zur nachhaltigen Steuerung von Unternehmen steigen zusehends. Für das Controlling erfordert dies eine Weiterentwicklung und den Aufbau notwendiger Kompetenzen. Entscheidend sind eine enge Kooperation zwischen dem Controlling und den Nachhaltigkeitsexperten und die Sicherstellung des Know-hows zur Berichterstattung, zur Steuerung der Nachhaltigkeitsrisiken und zur internen Beratung.

FAQ: Nachhaltigkeit

Warum sollte das Controlling die Verantwortung für die Nachhaltigkeit übernehmen?

Das Controlling verfügt über etablierte Prozesse für Planung und Reporting. Eine Integration verhindert Parallelstrukturen und nutzt bestehende Kompetenzen, um ökologische und soziale Ziele gemeinsam mit wirtschaftlichen Zielen zu steuern.

Welche Herausforderungen ergeben sich für Controller bei der Nachhaltigkeitssteuerung?

Controller stehen vor der Herausforderung, dass ökologische und soziale Daten nicht in Geldeinheiten verrechnet werden können und oft keine einheitlichen Standards existieren. Zudem fehlen häufig Grundkenntnisse in diesen Bereichen.

Ist die Einrichtung eines Chief Sustainability Officers (CSO) immer ratsam?

Nicht zwingend. Studien zeigen, dass ein CSO die Leistung nur steigert, wenn das Unternehmen bereits nachhaltig agiert. Oft ist es sinnvoller, die Steuerung direkt im etablierten Controlling zu verankern, um Koordinationsprobleme zu vermeiden.

Wie gehen Unternehmen mit Zielkonflikten zwischen den Nachhaltigkeitsdimensionen um?

Zielkonflikte zwischen Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Sozialem lassen sich oft nicht rein sachlich, sondern nur normativ klären. Dies erfordert eine gemeinsame Planung und Steuerung aller drei Dimensionen durch das Management.

Welche Rolle spielt die IT bei der Nachhaltigkeitssteuerung?

Da Nachhaltigkeitsdaten wenig standardisiert und oft in Insellösungen gespeichert sind, ist eine Integration in bestehende Finanz-IT-Systeme essenziell, um prüfungssichere und automatisierte Daten für das Reporting zu gewährleisten.

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