20.01.2020

Netting: Die Vorstufe zur Payment Factory

Netting (to net) bzw. Intercompany-Netting stellt für den Konzern eine Vorstufe zur Payment Factory dar und ist in der Regel in der Treasury-Abteilung angesiedelt. Alle nachfolgenden Erläuterungen beziehen sich ausschliesslich auf Netting innerhalb eines Konzerns und sind nicht vergleichbar mit dem Netting, welches durch Banken und Kreditinstitute durchgeführt wird.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch  DruckenTeilen 

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich und seit Januar 2019 Leiter des Departments Business Analytics & Technology sowie Mitglied der Schulleitung. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

Netting

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Was ist Netting?

Verbindlichkeiten und Guthaben, welche innerhalb eines Konzerns anfallen, werden einander gegenübergestellt, gruppenweit abgestimmt, und nur die Nettoposition wird auf ein Clearing- oder Bankkonto der Gruppengesellschaft überwiesen. Dies führt zu einer Verringerung der Anzahl und des Volumens von Zahlungsbewegungen. Diese Optimierungsmassnahmen des konzerninternen Zahlungsverkehrs erfordern standardisierte Freigabeprozesse und führen zu mehr Transparenz der Finanzpositionen (Schindler, 2016).

Neben den automatisierten Zahlungen für alle Intercompany-Rechnungen wird auch das Währungsmanagement verbessert. Alle Fremdwährungspositionen werden am selben Tag fällig, und die Planung der liquiden Mittel wird in der entsprechenden Währung vereinfacht. Die betroffenen Währungen werden durch entsprechende Devisengeschäfte auf dieses Valutadatum bereitgestellt. Des Weiteren wird auch konzernintern Devisenhandel praktiziert, um die nötigen Währungen bereitzustellen, ohne dass eine externe Preisdifferenz, welche bei Banktransaktionen anfällt, zwischen Kauf und Verkauf von Devisen entsteht (Schindler, 2016, S. 204 f.).

Unter bilateralem Netting wird die Verrechnung von gegenlaufenden Zahlungsansprüchen aus Guthaben und Verbindlichkeiten zweier Parteien verstanden. Nach Einreichen der Daten werden diese durch beide Parteien abgeglichen, und die zu transferierende Summe wird beidseitig bestätigt. Durch diesen Prozess wird sichergestellt, dass alle Ausstände valutagerecht überwiesen werden und demzufolge das Liquiditäts-, Kredit- und Debitorenrisiko vermindert wird. Zusätzlich entsteht der positive Effekt, dass bei Insolvenzgefahr nicht die Möglichkeit besteht, nur die vermeintlich wichtigsten Gläubiger bei Zahlungsläufen zu berücksichtigen. Eine Grundanforderung, um Netting mit allen Konzerngesellschaften abzuwickeln, ist die vorausgehende Abklärung, ob die Jurisdiktion der jeweiligen Länder dieses Verfahren zulässt (Schindler, 2016, S. 205 ff.).

Beispiel für Netting

Die Konzerngesellschaft B hat folgende Verbindlichkeiten und Guthaben gegenüber den weiteren Gesellschaften der Unternehmensgruppen A, C und D:
 

Verbindlichkeit gegenüberA–16 
Guthaben vonA+36Netto: +20
Verbindlichkeit gegenüberC–28 
Guthaben vonC+10Netto: –18
Verbindlichkeit gegenüberD–30 

Bei multilateralem Netting wird der Abstimmungsprozess von Forderungen mehrerer Parteien über eine Clearingstelle oder über eine zentrale Netting-Zentrale abgewickelt. Die Zahlungsströme aller am Netting-System angeschlossenen Konzerngesellschaften werden berücksichtigt und pro Währung saldiert. Somit wird anstelle von diversen bilateralen Nettopositionen lediglich eine Nettoposition gegenüber der Netting-Zentrale transferiert. Neben der Verminderung des Debitorenrisikos verringert sich auch die Anzahl der Transaktionen und führt zu einer Effizienzsteigerung in der Abwicklung des Debitoren-Kreditoren-Managements.

Eine Effizienzsteigerung bei der Anwendung von multilateralem Netting wird dadurch erzielt, dass alle Transaktionen an die Netting-Zentrale übermittelt werden, anstatt den Zahlungsverkehr zwischen allen Konzerngesellschaften einzeln aufrechtzuerhalten.

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Wichtige Punkte für ein Netting-System

Bei Aufsetzen eines Netting-Systems muss zunächst geklärt werden, ob beim Abgleich der Daten die Meldung auf Basis der Verbindlichkeiten oder auf den Forderungen beruht. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

In der Regel basiert Netting auf der Meldung von Verbindlichkeiten. Die automatisch erfassten Kreditoren werden nach Erfassung direkt im Netting-System hochgeladen. Falls es Unstimmigkeiten bei der Abstimmung gibt, ist dies üblicherweise auf noch nicht erhaltene Kreditorenrechnungen zurückzuführen. Bei manuell erfassten Kreditorenrechnungen ist es hingegen sinnvoller, sich auf die Forderungsmeldung abzustützen. Zudem wird in einer entsprechenden Richtlinie festgehalten, wie bei Abweichungen bzw. Streitigkeiten bezüglich Korrektheit von Rechnungen vorgegangen werden muss. In der Praxis wird häufig eine Strafzahlung von der unterlegenen Partei eingefordert, um die zusätzlichen Aufwendungen seitens des Cash Managements zu decken.

Gemäss definiertem Zeitrahmen melden alle beteiligten Gesellschaften ihre Daten elektronisch an die Netting-Zentrale. Der Abgleich erfolgt automatisch und zentralisiert. Nach Verarbeitung aller Rechnungen durch die Netting-Zentrale erhalten die beteiligten Gesellschaften ihre Daten und die Meldung der zu transferierenden Daten.

Alle Daten müssen durch die Konzerngesellschaften überprüft und abgestimmt werden. Bei fehlenden Positionen müssen diese geprüft und bei Bedarf nacherfasst werden. Nach Korrektur aller Positionen wird ein neues Statement an die Konzerngesellschaften versandt.Diese entsprechen nun dem bestätigten Nettosaldo (Cashflow) aus allen Guthaben und Forderungen gegenüber allen Gruppengesellschaften. Gewöhnlich erfolgt die Belastung bzw. Gutschrift an alle Gesellschaften automatisiert über hinterlegte Clearing- bzw. Bankkonten im Folgemonat.

Die Vorteile von Netting sind:

  • Durch die Anbindung von ERP- oder Buchhaltungssystemen minimiert sich die Fehlerquelle bei der Datenübernahme sowie beim Ausbuchen der Forderungen/Verbindlichkeiten.
  • Dadurch verringert sich die Anzahl der Intercompany-Transaktionen, und diese werden üblicherweise auf eine Währung pro Gesellschaft beschränkt.
  • Die Konzernzentrale hat einen Überblick über alle Handelsströme innerhalb des Konzerns sowie den Verlauf von Geschäften.
  • Die Konzernzentrale hat eine Gesamtübersicht über alle Intercompany-Transaktionen und Ausstände.
  • Die Arbeitsbelastung nimmt durch die standardisierten Prozesse bei der Intercompany-Abstimmung ab.
  • Es besteht ein standardisiertes Vorgehen bei Unstimmigkeiten bezüglich offener Rechnungen im System.
  • Die Finanzierungs- und Fremdwährungsrisiken für Intercompany-Transaktionen werden alle zentralisiert durch die zentrale Treasury-Abteilung überwacht.

Da länderübergreifendes Netting nicht in allen Ländern erlaubt ist, muss zunächst pro Land abgeklärt werden, ob dies mit den lokalen rechtlichen Gegebenheiten vereinbar ist.

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