Finanzielle Unternehmenssteuerung: Mit dem DuPont-Kennzahlensystem

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Das DuPont-Kennzahlensystem zerlegt die Spitzenkennzahl Return on Investment (ROI) in zwei wesentliche Treiber: die Umsatzrentabilität und den Kapitalumschlag. Diese multiplikative Verknüpfung ermöglicht es Führungskräften, nicht nur das Ergebnis zu sehen, sondern die Ursachen für die Rentabilitätsentwicklung zu identifizieren. Durch die Analyse dieser Teilgrössen lassen sich Schwachstellen im Kostenmanagement oder in der Kapazitätsauslastung präzise lokalisieren.

Die wichtigsten Punkte:

  • Der ROI ergibt sich aus der Multiplikation von Umsatzrentabilität und Kapitalumschlagshäufigkeit.
  • Die Umsatzrentabilität misst den Gewinnanteil pro Franken Umsatz.
  • Der Kapitalumschlag zeigt, wie effizient das investierte Vermögen genutzt wird.
  • Das System verbindet Erfolgscontrolling mit Finanzcontrolling und Working Capital Management.
  • Es ermöglicht eine Ursachenanalyse statt einer isolierten Betrachtung von Kennzahlen.
21.01.2026 Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch
Finanzielle Unternehmenssteuerung

Wie funktioniert das DuPont-Kennzahlensystem zur finanziellen Unternehmenssteuerung?

Mit Hilfe des DuPont-Schemas wird für die finanzielle Unternehmenssteuerung, eine Beurteilung der Rentabilitätsentwicklung auf der Grundlage des Return-on-Investment (ROI) ermöglicht, wobei die Spitzenkennzahl ROI als Gewinn in Prozent des investierten Kapitals ausgedrückt wird. Sie spaltet sich anschliessend weiter auf in die Umsatzrentabilität und den Kapitalumschlag, die multiplikativ verknüpft den ROI rechnerisch ergeben.

Einleitung Finanzielle Unternehmenssteuerung

Eine zielgerichtete finanzielle Unternehmenssteuerung ist heute wichtiger denn je. Sie ermöglicht es, komplexe finanzielle Zusammenhänge zu überblicken, fundierte Entscheidungen zu treffen und das Unternehmen strategisch auf Kurs zu halten.

Umsatzrentabilität und Kapitalumschlag

Die Umsatzrentabilität zeigt hierbei an, wie viel betriebsbedingter Gewinn je Einheit Umsatz erzielt wird oder anders ausgedrückt, den prozentualen Gewinnanteil an einem Franken Umsatzerlös. Damit ist sie eine Art Indikator dafür, wie gut die Unternehmung ihre Leistungen am Markt verkaufen und wie kostengünstig sie diese herstellen konnte.

Der Kapitalumschlag gibt dagegen an, wie oft wurde das im Unternehmen investierte Vermögen umgeschlagen, wie intensiv wurden die Vermögensgegenstände genutzt wurden. Die Kapitalumschlagshäufigkeit erhöht sich demzufolge, wenn bei gegebenen Kapazitäten die Umsatzerlöse steigen, oder wenn der gleiche Umsatz mit einer geringeren Kapitalausstattung erreicht wird. Die Kapitalumschlagshäufigkeit sinkt dagegen, wenn der Umsatz zurück geht oder wenn das Unternehmenswachstum nicht von entsprechenden Umsatzzuwächsen begleitet wird.

In den weiteren Analyseschritten werden dann Gewinn und Gesamtkapital weiter aufgegliedert (es folgen ab der dritten Ebene nur noch absolute Zahlen), was insgesamt eine Ertrags-, Aufwands-, Vermögens-, und Kapitalanalyse ermöglicht.

Zusammenhänge der Kennzahlen und ihre Einflussgrössen

Gegenüber der isolierten Betrachtung einzelner Kennzahlen werden die Zusammenhänge zwischen den Kennzahlen und ihren Einflussgrössen im DuPont-Kennzahlensystem geradezu vorbildlich sichtbar. Damit können die entscheidenden Determinanten für die Entwicklung der Rentabilität im Rahmen einer Ursachenanalyse systematisch herausgearbeitet sowie mögliche Schwachstellen im Unternehmen identifiziert werden.

Das bereits 1919 entwickelte DuPont-Kennzahlensystem ist für die finanzielle Unternehmenssteuerung überaus geeignet, da Aspekte des Erfolgs-Controlling mit dem Finanzcontrolling und Working Capital Management in einen hierarchischen und zugleich rechnerischen Zusammenhang bringt, der sich sehr gut nachvollziehen lässt. Führungskräfte werden so in die Lage versetzt, die Wirkungen von Projekten und Investitionen mit ihren finanziellen Folgewirkungen abzuschätzen.

Vor- und Nachteile des DuPont-Kennzahlensystems für die finanzielle Unternehmenssteuerung

Vorteile:

  • Das ROI-System trägt dem Rentabilitätsziel der Unternehmung Rechnung.
  • Dass Konzept ist auch in dezentralisierten Unternehmen anwendbar.
  • Den Bereichsleitern wird im Sinne von «management by objectives» Handlungsfreiheit eingeräumt.
  • Das System erlaubt einen langfristigen Vergleich der Teilbereichsleistungen.
  • Die Analyse einzelner Ergebnisse ist möglich.  

Nachteile:

  • Die Relativzahl ROI zeigt nicht an ob Zähler (Gewinn) oder Nenner (investiertes Kapital) sich verändert haben.
  • Nicht aktivierte Innovationen (Forschungsaufwand) finden in der Formel keine Berücksichtigung.
  • Die Tendenz zu kurzfristiger Gewinnmaximierung wird gefördert.

Checkliste

  • Definieren Sie die Spitzenkennzahl ROI als zentrales Steuerungsziel.
  • Berechnen Sie die aktuelle Umsatzrentabilität durch Gewinnteilung am Umsatz.
  • Ermitteln Sie die Kapitalumschlagshäufigkeit basierend auf Umsatz und investiertem Kapital.
  • Analysieren Sie Abweichungen, um zu prüfen, ob Zähler oder Nenner der ROI-Formel verändert wurden.
  • Nutzen Sie die Aufspaltung, um Schwachstellen im Kostenbereich oder in der Asset-Nutzung zu identifizieren.
  • Stellen Sie sicher, dass dezentrale Bereichsleiter die Kennzahlen verstehen und steuern können.
  • Vergleichen Sie die Teilbereichsleistungen über längere Zeiträume hinweg.
  • Beachten Sie bei der Interpretation, dass nicht aktivierte Innovationen im System nicht sichtbar sind.
  • Prüfen Sie, ob die ROI-Orientierung zu kurzfristigen Entscheidungen auf Kosten langfristiger Investitionen führt.

Fazit finanzielle Unternehmenssteuerung

Das DuPont-Kennzahlensystem folgt einer durchgehenden rechnerischen Logik, bei der die einzelnen Kennzahlen so miteinander verknüpft sind, dass auch die Interpretation und Analyse der Finanzkennzahlen des Systems vergleichsweise leicht fällt. Es eignet sich sehr gut für die finanzielle Unternehmenssteuerung und verdeutlicht die finanziellen Stellhebel für die Entscheidungsträger. Dennoch verleitet es zu kurzfristigem Agieren und vor allem zur Vernachlässigung langfristiger Investitionen, z.B. in Innovationen, Human Capital oder IT, soweit hierdurch kein positiver Effekt auf den ROI kurzfristig ermittelbar ist. Somit verdichtet das DuPont-System alle unternehmerischen Steuerungsmassnahmen auf die Gesamtkapitalrendite als Spitzenkennzahl. Dies mag konsequent sein, birgt aber eben auch die Gefahr einer Fehlsteuerung.

FAQ: Finanzielle Unternehmenssteuerung

Welche zwei Hauptkomponenten bilden den ROI im DuPont-System?

Der ROI setzt sich aus der Umsatzrentabilität und dem Kapitalumschlag zusammen, die multiplikativ verknüpft sind.

Welchen Vorteil bietet das DuPont-System gegenüber isolierten Kennzahlen?

Es macht die Zusammenhänge und Einflussgrössen sichtbar, was eine systematische Ursachenanalyse und Schwachstellenidentifikation ermöglicht.

Welche Nachteile sind bei der Anwendung des DuPont-Systems zu beachten?

Das System berücksichtigt nicht aktivierte Innovationen nicht und kann zu einer Tendenz zur kurzfristigen Gewinnmaximierung führen, was langfristige Investitionen in Human Capital oder IT vernachlässigt.

Für welche Unternehmensstrukturen ist das DuPont-System besonders geeignet?

Es ist auch in dezentralisierten Unternehmen anwendbar und ermöglicht im Sinne von «management by objectives» Handlungsfreiheit für Bereichsleiter.

Wie unterstützt das System die strategische Unternehmensführung?

Führungskräfte können die finanziellen Folgewirkungen von Projekten und Investitionen besser abschätzen und das Unternehmen strategisch auf Kurs halten.

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