Finanzanalyse: Vorstellung von fünf Analysebereichen
Inhalt
KURZ ZUSAMMENGEFASST
Eine erfolgreiche Finanzanalyse stützt sich auf einen strukturierten Prozess, der über das reine Ablesen von Zahlen hinausgeht. Nach dem Modell von Hail und Meyer bilden fünf Kernkomponenten das Rückgrat jeder seriösen Bewertung: Strategieanalyse, Rechnungslegungsanalyse, Kennzahlenanalyse, Zukunftsanalyse und Unternehmensbewertung. Nur wenn diese Bereiche integriert betrachtet werden, lassen sich fundierte Entscheidungen für Investitionen, Kreditvergaben oder Fusionen treffen.
Die wichtigsten Punkte:
- Die Strategieanalyse identifiziert Wettbewerbsvorteile und kritische Erfolgsfaktoren.
- Die Rechnungslegungsanalyse prüft die Qualität der Zahlen und den Handlungsspielraum des Managements.
- Die Kennzahlenanalyse ermöglicht Vergleiche über die Zeit und mit der Konkurrenz.
- Die Zukunftsanalyse prognostiziert künftige Gewinne und Cashflows unter Berücksichtigung von Risiken.
- Die Unternehmensbewertung fasst alle Ergebnisse zu einem konsistenten Wert zusammen.

Passende Arbeitshilfen
Welche fünf Analysebereiche sind für eine fundierte Finanzanalyse entscheidend?
Grundlagen der Finanzanalyse und zugehörige Bestandteile
Zur Beurteilung von Finanzberichten ist ein strukturiertes Vorgehen unbedingt empfehlenswert. Im Grundsatz geht es darum, einen allgemein gültigen Ordnungsrahmen zur Finanzanalyse einzusetzen, der eine situationsbedingte Auswertung des Datenmaterials im Hinblick auf zu treffende Entscheide ermöglicht. Den Anfang macht die Festlegung des Analysezwecks. Die Anlässe und Situationen, welche eine Aufbereitung von Abschlussinformationen erfordern, sind vielfältig: Bei Gründungen mit Sacheinlage oder bei nicht kotierten Gesellschaften geht es um Fragen der Wertzumessung auf Vermögensgegenstände; bei Kapitalerhöhungen und -herabsetzungen sind der Verwässerungseffekt, der Ausgabepreis sowie das Bezugsrecht zu beziffern; bei Fusionen hat eine Beurteilung des Austauschverhältnisses zu erfolgen; beim Kauf und Verkauf ganzer Unternehmen sind die Preisober- und -untergrenzen zu definieren, der Verhandlungsspielraum abzustecken sowie der Goodwill abzuschätzen, und viele andere Gelegenheiten mehr.
Als nächster Schritt schliesst sich die Beschaffung der erforderlichen Informationsgrundlagen an. Neben den publizierten Finanzberichten zählen dazu – je nach Analysezweck – Zwischenberichte, Ad-hoc-Mitteilungen und sonstige Pressemitteilungen, Präsentationsunterlagen, Medienbeiträge, Interviewaussagen, Markt- und Konkurrenzdaten, Stellungnahmen von Spezialisten, Produktbeschreibungen usw. Der Informationsbeschaffung sind grundsätzlich nur aus Verfügbarkeits- und Kosten-Nutzen-Überlegungen Grenzen gesetzt.
Nach Abschluss der Vorarbeiten beginnt die eigentliche Analyse der Rechnungswesendaten, die sich im Folgenden an der wertvollen Arbeit von Hail und Meyer orientiert, welche die folgenden fünf Komponenten empfehlen:
- Strategieanalyse
- Rechnungslegungsanalyse (Accountinganalyse)
- Kennzahlenanalyse
- Zukunftsanalyse
- Unternehmensbewertung
Am Ende des Analyseprozesses steht eine Gesamtschau der erarbeiteten Unterlagen sowie eine kritische Hinterfragung der wichtigsten Annahmen. Durch die intensive Beschäftigung mit einem Unternehmen und seiner Umwelt wird ein Analyst schliesslich in die Lage versetzt, die anstehenden Entscheide fundiert und zeitgerecht mit relevanten Informationen zu unterstützen.
Strategieanalyse
Ausgehend von einer Analyse der Branchenstruktur und der Stakeholder sind die Wettbewerbskräfte und kritischen Erfolgsfaktoren eines Wirtschaftszweigs zu identifizieren. Darauf aufbauend erfolgt eine Einordnung des jeweiligen Strategiekonzeptes sowie der zentralen Kosten- und Erlöstreiber. Als Ergebnis resultiert eine detaillierte Übersicht zu den unternehmensexternen Chancen und Risiken sowie den unternehmensinternen Stärken und Schwächen, was eine erste grobe Einschätzung bezüglich der künftigen Performance erlaubt.
Die Analyse der Unternehmensstrategie bildet die Basis für die Ermittlung und Interpretation der Zahlen aus dem finanziellen Rechnungswesen und die anschliessende Zukunftsprognose. Unter strategischer Führung wird dabei die aktive, erfolgsorientierte Globalsteuerung und -gestaltung der Gesamtunternehmung verstanden mit dem Ziel, das langfristige Überleben zu gewährleisten Dies ist nur möglich, wenn es der Geschäftsleitung gelingt, auf Dauer eine nachhaltige, über den Kapitalkosten liegende Rendite auf dem eingesetzten Vermögen zu erwirtschaften. Dazu ist asymmetrische Beziehung zwischen dem Unternehmen und seinen Mitbewerbern erforderlich: Entweder das Unternehmen besetzt eine einzigartige Marktnische innerhalb der relevanten Branche oder es hat einmalige, nur schwer imitier- und substituierbare Ressourcen und Fähigkeiten entwickelt, die ihm temporären Schutz vor der Konkurrenz gewähren. Es erfüllt somit eine wirtschaftliche Funktion, für die eine Zahlungsbereitschaft vorhanden ist und die von den übrigen Anbietern nicht ausgeübt werden kann bzw. zwar ausgeübt wird, aber von minderer Qualität ist. Der zeitlich befristete Wettbewerbsvorsprung ist dabei zumeist Ausdruck einer überlegenen strategischen Ausrichtung durch das oberste Management. Diese umfasst wenigstens die folgenden vier Entscheidungsfelder:
- Festlegung der Geschäftstätigkeit: die Art und Weise des Wettbewerbs in der jeweiligen Branche, die Bedürfnisse der massgeblichen Anspruchsgruppen, die Definition der zu wählenden Aktivitätsfelder sowie die Positionierung gegenüber der Konkurrenz.
- Festlegung der Geschäftsstrategie: die Formulierung, Durchsetzung und Kontrolle eines geeigneten Strategiekonzepts pro Geschäftsbereich zwecks Aufbau, Vergrösserung und Sicherung aktueller bzw. künftiger Wettbewerbsvorteile.
- Festlegung der Unternehmensstrategie: die Gestaltung des Gesamtunternehmens in Bezug auf seine Grösse sowie die Auswahl, das Wesen und die Kombination der einzelnen Geschäftsbereiche (z.B. vertikale Integration, Diversifikationsgrad oder Verhalten im Bereich Mergers and Acquisitions).
- Festlegung der Organisationsstruktur: der Koordinationsmechanismus (Prozesse und Strukturen) innerhalb des Unternehmens sowie zwischen dem Unternehmen und seiner Umwelt, d.h. die Bereitstellung, Motivation und Weiterentwicklung der nötigen Fähigkeiten und Ressourcen.
Als Kernaufgabe des strategischen Managements kann daher die Erhaltung bestehender sowie das Generieren neuer Erfolgspotenziale angesehen werden.
Schafft es ein Unternehmen nicht, diese Aufgabe zu meistern und die Differenz zwischen operativen Erträgen und Aufwendungen positiv zu gestalten, führt das über kurz oder lang zu Liquiditäts- oder Rentabilitätsproblemen, was schliesslich ein vom Markt sanktioniertes Ausscheiden aus dem Wirtschaftsprozess bewirken kann.
Die Strategieanalyse dient als Ausgangspunkt zur Finanzanalyse und Unternehmensbewertung. Sie gewährt Einblick in die ökonomische Gesetzmässigkeiten einer Branche, identifiziert die kritischen Erfolgsfaktoren inklusive der damit verbundenen Chancen und Risiken und listet die unternehmensspezifischen Stärken und Schwächen auf. Dadurch erlaubt sie eine qualitative Beurteilung der angewendeten Rechnungslegungs- und Bewertungsgrundsätze sowie der Kennzahlen zur Vermögens- Finanz- und Ertragslage. Ausserdem ermöglicht die Einbettung in den strategischen Kontext bessere Aussagen über die Zukunftsentwicklung, was wiederum mit präziseren Gewinn-, Cashflow- und Dividendenprognosen verbunden sein sollte.
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