24.05.2017

EBITDA: Bestandteil der externen Berichterstattung

Eine sehr verbreitete Variante der Earnings before-Kennzahlen ist EBITDA (Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization), was so viel bedeutet wie: Betriebsergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf Anlagevermögen.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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EBITDA

Erwartungen der Kapitalmärkte

Die Erwartungen der Kapitalmärkte nach einer einheitlichen und transparenten Darstellung der operativen Leistungsfähigkeit von Unternehmen hat dazu geführt, dass Earnings before-Erfolgskennzahlen verstärkt zum Bestandteil der externen Berichterstattung wurden.

Diese aus dem anglo-amerikanischen Raum stammenden Erfolgskennzahlen verbindet die Gemeinsamkeit, dass es sich bei ihnen um Cashflow-orientierte Modifikationen des Betriebsergebnisses handelt. Zum anderen wurden auf den Earnings before-Kennzahlen baisierende Renditekennziffern wie z.B. RoCe und RoS angeführt.

EBITDA ist eine wichtige Finanzkennzahl

In der Praxis hat sich das EBITDA zu einer wichtigen Finanzkennzahl etabliert, weil sie es erlaubt, im Rahmen der Finanzanalyse Unternehmen mit unterschiedlichen Vermögensstrukturen zu vergleichen.

Die Herleitung des EBITDA erfolgt ausgehend vom Betriebsergebnis (EBIT). Die Berechnung des EBITDA erfordert auf Basis vom bereits bekannten EBIT bzw. EBITA eine zusätzliche Berücksichtigung der sowohl die immateriellen Vermögenswerte als auch das Sachanlagevermögen betreffenden Abschreibungen und/oder Zuschreibungen.

Hohe Wertberichtigungen auf den Goodwill oder andere immaterielle Vermögenswerte sowie auf Sachanlagevermögen können zu verzerrenden Erkenntnissen bei der Finanzanalyse führen, weil sie von ausserordentlichem Charakter sind oder durch die Wahl der Abschreibungsmethode und Altersstruktur des Sachanlagevermögens beeinflusst werden. Vor allem investitionsintensive Unternehmen weisen vergleichsweise hohe ergebnismindernde Abschreibungen und folglich ein geringeres Jahresergebnis aus als weniger investitionsfreudige Vergleichsunternehmen.

Anhand der Kennzahl EBITDA ist es deshalb möglich, Unternehmen mit unterschiedlichen Vermögensstrukturen zu vergleichen. Im Vergleich zum EBIT kann das EBITDA demnach die besser geeignete Kennzahl für einen Vergleich darstellen, wenn das Ergebnis vor Abschreibungen zählt.

Wie aussagekräftig ist diese Kennzahl?

Allerdings sieht das EBITDA einer Unternehmung oftmals auch dann noch positiv aus, wenn der EBIT bereits tiefrot ist. Die praktische Aussagekraft des EBITDA im Zusammenhang mit einer Analyse der Finanzsituation eines Unternehmens wird daher kontrovers beurteilt, zumal beim EBITDA im Vergleich zu traditionellen Erfolgsbegriffen (wie beispielsweise das ordentliche Betriebsergebnis) massgebliche Aufwandspositionen nicht berücksichtigt werden. Hierauf weisen auch Formulierungen wie Earnings before the bad stuff oder Earnings before any cost hin, die abermals unterstreichen, wie wenig aussagekräftig diese absoluten Erfolgsgrössen sein können. So kann also im Extremfall ein operativer Erfolgsausweis gezeigt werden, der aber bei betriebswirtschaftlicher Betrachtung sachlich nicht gerechtfertigt ist.

Ebenso wird kritisiert, dass die Earnings before-Kennzahlen individuell definiert werden können, so dass eine überbetriebliche bzw. internationale Vergleichbarkeit dieser Erfolgskennzahlen erschwert wird. Dennoch werden EBIT und EBITDA von vielen Unternehmen auch als interne Steuerungsgrössen verwendet, um mit ihnen den Erfolg aus dem operativen Geschäft im Zeitvergleich messen und vergleichen zu können. Dies gilt vor allem für die Performance-Messung der strategischen Geschäftsfelder sowie für den Gesamtkonzern für das vor allem börsenkotierte Unternehmen regelmässig auf das EBITDA als Ergebnisgrösse zurückgreifen.

Die hohe Verbreitung von Earnings before-Kennzahlen verdeutlicht, dass zahlreiche Unternehmen für die Darstellung ihres Periodenerfolgs bevorzugt Als-ob-Ergebnisse nach aussen berichten. Vor allem die Kennzahl EBITDA weist diesbezüglich ein Ergebnis aus, das erreicht worden wäre, wenn Zinsbelastungen, Steuerzahlungen sowie Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagevermögen nicht anfielen. Tatsächlich sind diese jedoch angefallen, weshalb auch die «Earnings before»-Kennzahlen suggerieren, wie hoch der operative Erfolg dann gewesen wäre, wenn bestimmte Zahlungen und Ereignisse (wie z.B. die ausserordentliche Wertberichtigung auf den Goodwill einer jüngst erworbenen Beteiligung) nicht passiert wären.

Fazit

Die Earnings before-Kennzahlen sind heute zum festen Bestandteil der Finanzberichterstattung geworden. Allerdings ist hier oftmals Vorsicht geboten, denn Unternehmen berichten diese auch mit dem Ziel, die Unternehmensleistung so darzustellen, als ob bestimmte Aufwendungen und Erträge der Erfolgsrechnung nicht angefallen wären, was zum Ausweis von Pro-Forma-Erfolgen führt.

Letztlich ist ein hohes EBITDA und auch EBIT für den Anteilseigner nicht interessant, wenn es sich hierbei lediglich um Pro-Forma-Erfolge handelt. Dagegen zeigt der Reingewinn ungeschminkt, was bottom-line nach Zahlungen von Zins und Steuern dem Unternehmen verbleibt. Die Leser von Geschäftsberichten und Jahresrechnungen sollten daher bei der Betrachtung der weit verbreiteten Earnings before-Kennzahlen kritisch bleiben und sich in Ergänzung dazu unbedingt auch die Cashflow-Kennziffern des Unternehmens ansehen, weil vor allem diese die ehrlicheren Erfolgsindikatoren darstellen.

Literaturquelle: Werner, Gladen: Performance Measurement. Controlling mit Kennzahlen.

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