06.06.2019

KMU-Nachfolge: Ablauf einer Due Diligence

Wenn Sie sich ein neues Auto kaufen, dann ist die Probefahrt vor dem Kauf ebenso selbstverständlich wie die Kontrolle der Fahrzeugpapiere oder die Information über die laufenden Kosten des Autos. Die Due Diligence im Rahmen einer Unternehmensnachfolge ist im Grunde genommen nichts anderes. Wörtlich übersetzt bedeutet Due Diligence die «sorgfältige Prüfung» des zu kaufenden Unternehmens im Rahmen eines Unternehmenskaufs. Doch wie läuft eine Due Diligence bei einer KMU-Nachfolge ab, und welche Hilfsmittel können Praktiker heranziehen?

Von: Julia Gathen, Claudius Maier  DruckenTeilen 

Julia Gathen

Julia Gathen, M.Sc. Business Administration, ist Senior Business Consultant bei Consulta AG.

Claudius Maier

Claudius Maier, M.A. HSG, ist Business Consultant bei der Consulta AG Wirtschafts- und Unternehmensberatung.

 

KMU-Nachfolge

Due Diligence bei KMU-Nachfolge

Ein typischer Unternehmensverkauf ist ein mehrgliedriger Prozess (siehe Abbildung 1). Zu Beginn dieses Prozesses stehen die Kontakt und Analysephase, in welchen die Verkaufsunterlagen erstellt und bereits erste Gespräche mit potenziellen Käufern geführt werden. Nachdem ein Kaufinteressent ein unverbindliches Kaufangebot (Letter of Intent) an den Verkäufer abgegeben hat, wird der Kaufinteressent mit seinem Beraterteam eine Due Diligence, also eine sorgfältige Prüfung des zum Verkauf stehenden Unternehmens, beginnen. Sofern diese für beide Beteiligten positiv verläuft und zum erwarteten Ergebnis führt, setzt sich der Kaufprozess fort und die Parteien verhandeln über finale Details, Klauseln und Bedingungen, bevor es letztendlich zum Vollzug kommt.

Abbildung 1: Mehrgliederiger Prozess Unternehmensverkauf

Der Umfang einer Due Diligence hängt jeweils stark von der Grösse des zu beurteilenden Unternehmens, der Dealstruktur (Asset Deal vs. Share Deal) sowie den Zielen des Käufers ab. Potenzielle Investoren eines Unternehmens prüfen vor dem Erwerb, wie auch der Autokäufer im vorangegangenen Beispiel, die rechtlichen, finanziellen, steuerlichen, organisatorischen und technologischen Verhältnisse des Zielobjekts. Dies erleichtert den Kaufentscheid, die Preisfindung und die Vertragsgestaltung und hilft dabei, die Angemessenheit des vorgeschlagenen Preises zu überprüfen.

Grundsätzlich wird eine Due Diligence in die drei Bereiche rechtliche, finanzielle und Business Due Diligence unterteilt. In der Folge wird auf die einzelnen Teilbereiche eingegangen, und es werden Besonderheiten für die KMU-Nachfolge hervorgehoben.

Rechtliche Due Diligence (Legal Due Diligence)

Die Legal Due Diligence bezeichnet die Darstellung und Untersuchung rechtlicher Mängel und Risiken sowie mögliche mit dem Unternehmen in Verbindung zu bringende Rechtsstreitigkeiten. In den Bereich der Legal Due Diligence fallen beispielsweise gesellschaftsrechtliche, arbeitsrechtliche und kartellrechtliche Sachverhalte. Sämtliche rechtliche Verhältnisse des Zielunternehmens werden auf eventuell hieraus resultierende Risiken bewertet. Mit dem Kauf des neuen Unternehmens gehen Nutzen und Gefahr auf den Käufer über. Um sich gegen diese Gefahren abzusichern, sollte für die Durchführung der rechtlichen Due Diligence stets ein erfahrener Rechtsanwalt herangezogen werden. Eine gründliche rechtliche Due Diligence ist auch bei einer KMU-Nachfolge unabdingbar. Je kleiner jedoch das Unternehmen, desto geringer die Menge an rechtlich relevanten Unterlagen und desto geringer der Umfang respektive Aufwand der rechtlichen Due Diligence.

Die steuerliche Due Diligence hat, als Teil der rechtlichen Due Diligence, eine wichtige Rolle. Hier wird das primäre Ziel verfolgt, potenzielle steuerliche Risiken des Zielunternehmens aufzudecken. Gleichzeitig können sekundär auch Chancen identifiziert werden, um im Zuge der Unternehmensnachfolge steuerliche Optimierungen vorzunehmen. Der Umfang der steuerlichen Due Diligence ist, wie der gesamte Prozess, individuell auf das jeweilige Unternehmen und die Gegebenheiten abzustimmen. Für die Durchführung sollte zwingend auf die Expertise eines spezialisierten Steuerberaters oder Rechtsanwalts zurückgegriffen werden.

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Finanzielle Due Diligence (Financial Due Diligence)

In der finanziellen Due Diligence werden alle finanziellen Verhältnisse der letzten drei bis fünf Geschäftsjahre der Gesellschaft analysiert und beurteilt. Basierend auf der Vermögens-, Ertrags- und Finanzanlage sowie der aktuellen Unternehmensplanung wird eine Einschätzung über die zukünftig zu erwartenden Erträge durchgeführt. Es ist festzuhalten, dass es sich bei der Financial Due Diligence um keine Revisionsprüfung handelt. Im Gegensatz zur Jahresabschlussprüfung, welche auf gesetzlichen Grundlagen basiert, werden die Kriterien der Financial Due Diligence vor allem vom Käufer unter Einbezug eines Wirtschaftsprüfers festgelegt. Eine Financial Due Diligence sollte dabei insbesondere die Prüfung und Prognose von Vermögen und Schulden, Ertrag und Aufwand, Cashflow und Liquidität des Zielobjekts einschliesslich der Analyse der Eigen- und Fremdkapitalaufbringung umfassen. Hierdurch können mittel- und langfristige Chancen und Risiken des Unternehmens dargelegt werden. Die geprüften Finanzzahlen, hierfür sollte ein erfahrener Wirtschaftsprüfer herangezogen werden, fliessen in der Regel in den Kaufvertrag ein.

Neben dem Käufer hat auch die finanzierende Bank Interesse daran, dass die Financial Due Diligence sorgfältig durchgeführt wird, da für sie die Informationen über Chancen und Risiken bei der Beurteilung der Darlehensvergabe von hoher Bedeutung sind. Der Käufer sollte sich deshalb frühzeitig mit der finanzierenden Bank in Verbindung setzen, um sicherzugehen, dass die Ergebnisse des für die Financial Due Diligence eingesetzten Beraters von der Bank akzeptiert werden. Um der Bank entgegenzukommen, kann zusätzlich auch auf (Sonder-) Wünsche dieser hinsichtlich der finanziellen Due Diligence eingegangen werden.

Im Rahmen einer KMU-Nachfolge spielt die Financial Due Diligence eine wichtige Rolle, da sie die Grundlage für die Finanzierungsentscheidung einer Bank oder Bürgschaftsgenossenschaft darstellt. Basierend auf einer fundierten Darstellung der finanziellen Unternehmenssituation in der Vergangenheit (Revisionsberichte) sowie einer gründlichen Planerfolgsrechnung und Liquiditätsplanung für die nächsten ca. drei Jahre treffen Banken und Bürgschaftsgenossenschaften ihre Kredit-/Bürgschaftsvergabe. Da die Aktien respektive Anteile eines KMU in der Regel nicht an einer Börse gehandelt werden und deshalb keinen eindeutigen Preis haben, hat die finanzielle Due Diligence darüber hinaus einen hohen Einfluss auf die finalen Kaufpreisverhandlungen.

Betriebswirtschaftliche Due Diligence (Business Due Diligence)

Die betriebswirtschaftliche Due Diligence stellt die erforderlichen Informationen bereit, um einerseits den Unternehmenswert zu plausibilisieren, andererseits die Vertragsverhandlungen zu unterstützen. In der Business Due Diligence wird u.a. die Positionierung des Unternehmens auf dem Markt beleuchtet sowie eine gesamte Marktanalyse vorgenommen. In den Fokus werden dabei Aussagen zu Produkt-und Preisgestaltung, zu Kunden- und Lieferantenbeziehungen, zu Technologien, zu Wettbewerben sowie zum Geschäftsmodell gestellt. Aufgrund ihrer Relevanz kommen hier üblicherweise branchenspezialisierte Unternehmensberater zum Einsatz.

Der Umfang der betriebswirtschaftlichen Due Diligence variiert bei KMU-Nachfolgen stark. Während bei firmeninternen Nachfolgelösungen (Family- oder Management-Buy-out) das Geschäft bekannt ist, kommt der Business Due Diligence bei einem Verkauf an einen Dritten (Merger & Acquisitions) eine höhere Bedeutung zu. Bei kleineren Unternehmen wird hierzu häufig ein Firmenprofil erstellt und in einem gemeinsamen Workshop oder Managementgespräch von Verkäufer zu Käufer erläutert. Je grösser und komplexer ein Unternehmen, desto wichtiger ist die Business Due Diligence. Die von aussen kommende Nachfolgeperson sollte sich nicht ausschliesslich auf das vom Verkäufer erarbeitete Informationsmaterial verlassen, sondern sich ein eigenes Urteil bilden.

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Due-Diligence-Checkliste als Muster für Praktiker

In der Praxis erstellt der potenzielle Käufer üblicherweise eine auf das Unternehmen individuell abgestimmte Liste mit den gewünschten Informationen und Dokumenten, welche er im Rahmen der Prüfung vom Verkäufer offengelegt haben will. Vor offiziellem Beginn der Due Diligence findet ein Kick-off-Meeting der beteiligten Parteien statt. Im Rahmen dieses Treffens werden Rahmenbedingungen und Zeitplan der Prüfung festgelegt, sofern dies nicht bereits im Vorfeld defi niert wurde. Im Anschluss werden die nötigen Dokumente in einem virtuellen oder physischen Datenraum übergeben und die streng vertrauliche Prüfung geöffnet. Zu einem weiteren definierten Zeitpunkt wird der Datenraum wieder geschlossen, und die Ergebnisse werden in einem Due Diligence Report zusammengefasst. Anschliessend kann die finale Verhandlungsphase beginnen (siehe Abbildung 1).

Basierend auf verschiedenen Due-Diligence-Checklisten haben die Autoren eine Muster-Checkliste für KMU-Nachfolgen erstellt, welche unter www.consulta.swiss/werkzeuge kostenlos beantragt werden kann.

Üblicherweise legt der Verkäufer dem potenziellen Käufer die in der Checkliste angefragten Dokumente vollständig vor. Es kommt jedoch immer wieder vor und sollte deshalb nie ausgeschlossen werden, dass der Verkäufer einzelne Unterlagen (un-)absichtlich zurückhält. Der Käufer kann sich gegen derartige Manipulationen absichern, indem entsprechende Ausschlussklauseln vom Rechtsanwalt in den Kaufvertrag aufgenommen werden.

Ein Unternehmer ist stets Profi darin, sein Unternehmen erfolgreich zu führen. Ein Unternehmen zu kaufen oder zu verkaufen, gehört in der Regel nicht zu seinen Kernkompetenzen. Aus diesem Grund sollte der potenzielle Erwerber in jedem Einzelfall einer Due Diligence einen erfahrenen Berater, Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer sowie Steuerberater beauftragen. Der Aufwand und die mit einer Due Diligence verbundenen Kosten sollten stets in Relation zu der dadurch gewonnenen Sicherheit für den Käufer stehen. Die Erfahrung der Wirtschafts- und Unternehmensberatung Consulta hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, einen erfahrenen, gesamtverantwortlichen Projektleiter zu bestimmen, der die jeweiligen Fachexperten effizient koordiniert, der die regelmässigen Treffen von Käufer und Verkäufer moderiert und bei welchem alle Fäden der «sorgfältigen Prüfung» zusammenlaufen.

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