07.06.2017

Tax Compliance: Was sind die Anforderungen an Unternehmen?

Mit dem Begriff «Compliance» wurde aus der Unternehmensperspektive allgemein die Rechtskonformität bezeichnet, also die Einhaltung aller aus Sicht eines Unternehmens gültigen Gesetzesnormen. Mittlerweile wurde das Compliance-Verständnis massgeblich erweitert, so dass das Compliance Management heute nicht nur auf Gesetzesnormen fokussiert, sondern auf sämtliche externe und interne Regelwerke, die es zu berücksichtigen gilt.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 
Tax Compliance

Wichtige Schnittstellen vom Internen Kontrollsystem und Risikomanagement

Die Aufgabenfelder des Compliance Managements umfassen dabei längst nicht nur die wirksame Prävention und Korrektur von Regelverstössen, sondern ebenso die Information, Kommunikation und Dokumentation.

In diesem Zusammenhang erscheint es fast unnötig zu erwähnen, dass das Compliance Management daher vor allem zum Internen Kontrollsystem und zum Risikomanagement wichtige Schnittstellen besitzt, die in Unternehmen auch aus der organisationalen Perspektive besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, damit ein reibungsloses Zusammenwirken dieser Bereiche erreicht wird.

Ein Bereich innerhalb der Compliance, welcher sich unabhängig von der Unternehmensgrösse und Branchenzugehörigkeit einer hohen Relevanz für alle Finanzverantwortlichen sicher sein kann, ist die sogenannte Tax Compliance, welche sich mit der Einhaltung steuerrechtlicher Gesetze und Vorgaben bis hin zu steuerrelevanten internen Richtlinien, Regeln und Standards befasst.

Gemäss den Ergebnissen einer in 2016 durchgeführten Befragung im Nachbarland Deutschland bei mittelständischen Unternehmen sehen diese den grössten Handlungsbedarf für Compliance nach Datenschutz und IT-Sicherheit heute im Bereich Arbeits- und Steuerrecht (Ebner Stolz, 2016).

Dazu beigetragen hat auch die Entwicklung auf Seiten der Finanzverwaltung, welche für ihre Betriebsprüfungen heute mit moderner Prüfsoftware systematisch die Daten der betrieblichen Buchhaltungssysteme auswertet und sich hierbei vor allem auf die steuerrechtskonforme Behandlung der Umsatzsteuer, der Lohnsteuer sowie auf internationale Verrechnungspreise konzentriert.

Begriff und Verständnis von Tax Compliance

Tax Compliance wird aus formeller Sicht als die Gesamtheit aller organisatorischen Abläufe und Massnahmen eines Unternehmens verstanden, die dazu dienen, die Einhaltung der gültigen Steuergesetze und Steuerpflichten sowie sonstiger Vorgaben der Steuerverwaltung zu gewährleisten.

Wer nun aber glaubt, das Tax Compliance vor allem etwas für Kapital- und Personengesellschaften sei, mag sich gewaltig täuschen: die Pflicht zur Einhaltung geltender Steuergesetze, -richtlinien und –vorgaben betrifft alle unternehmerischen Organisationen, die Steuersubjekte sind, weshalb auch Vereine und steuerbefreite Einrichtungen betroffen sind.

Vor diesem Hintergrund deckt der Begriff Tax Compliance die Einhaltung aller steuerlichen und steuerstrafrechtlichen Regelungen ab, die für ein Unternehmen bzw. einen Konzern gelten. Dies betrifft sämtliche Steuern, Zölle und Abgaben sowie alle steuerlichen oder zollrechtlichen Nebenleistungen wie Verzögerungsgelder, Verspätungszuschläge, Zinsen, Kostenzuschläge und Zwangszuschläge oder Zwangsgelder.

Tax Compliance und Internes Kontrollsystem

Aus organisatorischer Sicht steht eine effektive Tax Compliance in engem Zusammenhang mit dem Internen Kontrollsystem eines Unternehmens, welches nach dem COSO Framework of Internal Control die Einhaltung der vom Unternehmen zu beachtenden Steuergesetze im Kontrollziel Compliance beinhaltet.

Vor allem für heutige Finanzchefs ergibt sich damit ein Spannungsfeld, denn die Nutzung steuergestalterischer Möglichkeiten zu Steueroptimierung muss unter Vermeidung von Risiken für das Unternehmen und seine Leitungsorgane führen.

Dabei ist es in der Verantwortung des Verwaltungsrats, sich im Rahmen seiner unübertragbaren Aufgaben neben der Ausgestaltung des Rechnungswesens, der Finanzkontrolle und der Finanzplanung darum zu kümmern, dass im Organisationsreglement und den Funktions- und Stellenbeschreibungen klare Verantwortlichkeiten sowie Handlungs- und Entscheidungskompetenzen für die Gewährleistung der Tax Compliance des Unternehmens festgelegt sind.

Zur Gewährleistung einer effektiven Tax Compliance ist die Integration ins bestehende IKS von hoher Relevanz. Dabei stellen sich z.B. die folgenden Fragen (Kromer/Pumpler/Henschel, 2013):

  • Sind den zuständigen Mitarbeitenden alle Steuergesetze, Richtlinien und sonstigen Vorgaben bekannt, die national und international zu erfüllen sind und wie wird deren Einhaltung gesteuert und überwacht?
  • Wie werden Gesetzesänderungen sowie Änderungen von Gesetzesverordnungen, Richtlinien und sonstige steuerrechtliche Vorgaben der Tax Compliance ins IKS einbezogen und zugleich sichergestellt, dass diese Änderungen mittels zugehöriger Prozessabläufe und Kommunikation den zuständigen Personen bekannt werden?
  • Sind die auf dem Organisationsreglement basierenden steuerrechtsbezogenen Zuständigkeits- und Entscheidungsstrukturen sowie die mit Steuerpflichten zusammenhängenden Prozessabläufe und deren laufende Überwachung geregelt und dokumentiert?
  • Welche Qualifikationen werden zur Gewährleistung der Tax-Compliance-Anforderungen bei den Mitarbeitenden des Unternehmens einschliesslich der Leitungsorgane benötigt und sind diese im Unternehmen oder durch laufende externe Beratung ausreichend gesichert?
  • Wie sind Eskalations- und Fehlermanagementprozesse in Steuerprozesse und in die Unternehmens- bzw. Konzernsteuerung integriert?
  • Welche Bestandteile umfasst das Tax-Compliance-System des eigenen Unternehmens? Woraus ergeben sich individuelle Besonderheiten und Anforderungen?

Auch wenn das Tax Compliance Management grundsätzlich in der unübertragbaren und unerziehbaren Verantwortung des Verwaltungsrats liegt, so wird von diesem die operative Durchführungsverantwortung in der Praxis zumeist an den CFO und sein Team delegiert.

Je nach Ausgestaltung der Organisationsstruktur muss jedoch auch aus Sicht des IKS sichergestellt werden, dass ein mit der Umsetzung der Tax Compliance befasste Finanzchef eine enge Zusammenarbeit mit allfälligen für die Compliance verantwortlichen Personen sucht.

Hierbei ist darauf zu achten, dass für die Erfüllung folgender Tax Compliance-Normen ein System von «Checks and Balances» umgesetzt wird, in dem eine Organisation die gesetzeskonforme Durchführung der steuerlichen Kernprozesse mit nationaler und internationaler Compliance-Relevanz regelt, umsetzt, überwacht und dokumentiert.

Dazu gehört beispielsweise die Erfüllung von Steuererklärungspflichten (einschliesslich Steueranmeldungen, Bescheidprüfungen, Steuerzahlungen, Fristenkontrolle) und zollrechtlicher Pflichten, die Erfüllung von Aufbewahrungspflichten oder die verlässliche steuerliche Berichterstattung gegen aussen.

Fazit

Die Tax Compliance ist eine der Kernaufgaben des Compliance Managements und zugleich eng verknüpft mit den Zielen des IKS, welches sich auch mit den Steuerrisiken des Unternehmens befasst. Unternehmen, die dies nicht beachten, werden die finanziellen Folgewirkungen einer fehlenden Tax Compliance durch Strafzahlungen, Steuerschätzungen oder Steuernachzahlungen sowie Bussen oder Aufwendungen für Beratungs- und Gerichtskosten kaum als Alternative empfinden.

Derartige Folgewirkungen sowie ein allfälliger Reputationsverlust sollten genügend Argumentationskraft dafür aufbringen, dass die Anforderungen der Tax Compliance im Unternehmen die ihm zustehende Bedeutung erhält.

Quellenhinweise

Ebner Stolz (2016): http://www.ebnerstolz.de/de/Compliance-ist-im-Mittelstand-angekommen-kleinere-Mittelstaendler-sehen-Nachholbedarf-99654.html

Kromer/Pumpler/Henschel: Beurteilung der Effektivität eines Tax-Compliance-Systems. In: Compliance-Berater, Hf. 4/2013, S.156-162.

Seminar-Empfehlung

Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

Internes Kontrollsystem (IKS)

So richten Sie Ihr IKS nachhaltig und effizient aus

Stellen Sie Ihr IKS auf den Prüfstand: Lernen Sie Risiken gezielt zu identifizieren und realistisch zu bewerten. So binden Sie Ihr IKS effizient und angemessen in die Betriebsabläufe ein.

Nächster Termin: 03. Oktober 2017

mehr Infos

Produkt-Empfehlungen

  • Newsletter Finanz- und Rechnungswesen

    Newsletter Finanz- und Rechnungswesen

    Aktuelles Praxiswissen für Finanzverantwortliche

    CHF 78.00

  • Jahrbuch Finanz- und Rechnungswesen 2017

    Jahrbuch Finanz- und Rechnungswesen 2017

    Hochkarätige Autoren informieren Sie über die aktuellen Trends im Finanz- und Rechnungswesen.

    Mehr Infos

  • Finanz-Paket

    Finanz-Paket

    Buchhalterische und steuerliche Aufgaben sowie Unternehmensprozesse effizient und sicher umsetzen.

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Internes Kontrollsystem (IKS)

    So richten Sie Ihr IKS nachhaltig und effizient aus

    Nächster Termin: 03. Oktober 2017

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Internes Kontrollsystem in der öffentlichen Verwaltung

    So führen Sie das IKS in der öffentlichen Verwaltung ein

    Nächster Termin: 15. November 2017

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Compliance und Wettbewerbsrecht für Profis mit Prof. Dr. Patrick Krauskopf

    Neuste Entwicklungen und aktuelle Rechtspraxis

    Nächster Termin: 09. November 2017

    mehr Infos