Positive Leadership: Die fünf Schritte zur High Performance

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Positive Leadership ist ein ressourcen- und stärkenorientierter Führungsansatz, der das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitenden direkt miteinander verknüpft. Basierend auf dem PERMA-Modell von Martin Seligman ermöglichen Führungskräfte durch die Förderung positiver Emotionen, tiefen Engagements, tragfähiger Beziehungen, sinnstiftender Arbeit und der Sichtbarmachung von Erfolgen eine Hochleistungskultur. Dieser Stil führt nachweislich zu nachhaltiger überdurchschnittlicher Leistung, geringerer Fluktuation und höherer Arbeitszufriedenheit.

Die wichtigsten Punkte:

  • Positive Emotionen schaffen eine Grundhaltung, die sich auf den gesamten Arbeitsalltag auswirkt.
  • Individuelle Stärken erkennen und fördern, um Flow-Erleben und Engagement zu maximieren.
  • Tragfähige Beziehungen im Team durch offene Kommunikation und gegenseitige Unterstützung aufbauen.
  • Sinn in der Arbeit vermitteln, damit Mitarbeitende den Wert ihres Handelns verstehen.
  • Erfolge sichtbar machen und Lob aussprechen, um das Selbstwertgefühl und die Motivation zu steigern.
07.04.2025 Von: Katharina Chicherio
Positive Leadership

Wie können Führungskräfte durch Positive Leadership und das PERMA-Modell die High Performance ihrer Teams steigern?

Exzellente Führungskräfte, deren Mitarbeitende motiviert sind und überdurchschnittliche Leistungen erbringen, führen anders. Sie besitzen eine ganz spezifische Kombination an Kompetenzen, die weit über gute Managementqualitäten hinausgehen. Mit «Positive Leadership» hat die Forschung einen Führungsstil bestätigt, der Unternehmen zukunftsfähig macht.

Die «happy-productive-worker»-Hypothese

An und für sich keine neue Erkenntnis: Das Wohlbefinden von Mitarbeitenden am Arbeitsplatz hat massgeblichen Einfluss auf die Leistung. Oder anders gesagt: «Glückliche Menschen sind produktiver.» Diese «happy-productive-worker»-Hypothese wurde bereits in den Forschungsarbeiten von Rexford B. Hersey in den 1930er Jahren bestätigt. Auch jüngste Studien belegen den Einfluss positiver Emotionen auf die Arbeitszufriedenheit, die wahrgenommene Qualität des Arbeitslebens, der Lebenszufriedenheit und Produktivität (vgl. z.B. Zelenski et al., 2008).

Die Forschung im Rahmen der Positiven Psychologie ist deshalb der Frage nachgegangen: Wie kann ein höheres Wohlbefinden erreicht werden?» Martin Seligman (2015) beschreibt in seinem Buch «Wie wir aufblühen» die Theorie des Wohlbefindens durch fünf Elemente, die ein erfülltes Leben ausmachen:

  • Positive Emotions (Positive Gefühle)
  • Engagement (Engagement)
  • Positive Relationships (Positive Beziehungen)
  • Meaning (Sinn)
  • Accomplishment (Zielerreichung)

Jedes dieser fünf Elemente – im Englischen unter dem Akronym PERMA zusammengefasst - hat Einfluss auf drei Ebenen:

  • Es steigert das Wohlbefinden.
  • Menschen streben um der Sache selbst willen danach (jedes Element ist an sich motivierend).
  • Jedes Element ist unabhängig von den anderen Elementen definierbar und messbar.

Verschiedene Faktoren beeinflussen das PERMA der Mitarbeitenden. Wobei der Einfluss des Führungsstils einer der relevanten beeinflussenden Aspekte ist. Kuoppala et al. (2008) zeigten in einer Meta-Analyse, dass sich der Führungsstil über das Wohlbefinden hinaus auch auf die Arbeitszufriedenheit und die Anzahl Krankheitstage signifikant auswirkt. Die brennende Frage ist daher: Was ist ein guter Führungsstil und wodurch zeichnet sich dieser aus?

Positive Leadership – mit PERMA zur High Performance

Was einen guten Führungsstil auszeichnet, wird unter Positive Leadership zusammengefasst. Dieser Führungsstil ist ein ressourcen- und stärkenorientierter Führungsansatz. Positive Leader zeichnen sich dadurch aus, dass sie das PERMA ihrer Mitarbeitenden positiv beeinflussen. Dadurch steigern sie das Wohlbefinden und kultivieren eine Hochleistungskultur. Diese ist gekennzeichnet durch nachhaltig überdurchschnittliche Leistung, geringere Fluktuation, Zufriedenheit und Motivation.

PERMA - Die fünf Schritte zur High Performance

Positive Emotions

Ein Positive Leader ermöglicht positive Gefühle. Er trägt dazu bei, dass sich die Mitarbeitenden am Arbeitsplatz wohlfühlen, zufrieden sind und Spass bei der Arbeit haben. Dies bedingt eine positive Grundhaltung einzunehmen und die eigene Aufmerksamkeit auf das Positive zu lenken.

Praxistipp: Berücksichtigen Sie individuelle Wünsche Ihrer Mitarbeitenden in Bezug auf die Arbeitsplatzgestaltung und bereiten Sie mit kleinen Aufmerksamkeiten Ihren Mitarbeitenden Freude im Arbeitsalltag. Lob und Anerkennung für besondere Leistungen sind ebenso wichtig wie ein «Danke». Besonders in stressigen Zeiten kann dies schnell vergessen gehen.

Engagement

Ein Positive Leader fördert individuelles Engagement, indem Mitarbeitende in ihrem Tun aufgehen (sog. Flow-Erleben). Er übergibt seinen Mitarbeitenden Verantwortung für Aufgaben, die ihren individuellen Stärken entsprechen, und hilft ihnen, diese auszubauen. Damit unterstützt er seine Mitarbeitenden die eigenen Fähigkeiten einzubringen und in den Flow zu kommen.

Praxistipp: Decken Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden die wichtigsten persönlichen Stärken auf und berücksichtigen Sie diese bei der zukünftigen Aufgabenverteilung. Am besten dafür geeignet ist der kostenfreie Online-Fragebogen VIA-IS der Universität Zürich auf www.charakterstaerken.org. Für die fundierte Identifikation der sogenannten Signaturstärken, den individuell bedeutendsten Stärken, ist die Unterstützung von einem professionellen Coach ein effektives und effizientes Mittel.

Relationships

Ein Positive Leader schafft tragfähige Beziehungen. Er sorgt dafür, dass sich Mitarbeitende im Team gegenseitig unterstützen und wertschätzend miteinander umgehen. Damit trägt er dazu bei, dass sich jeder als Teil des Teams erlebt. Denn soziale Beziehungen und die wahrgenommene Unterstützung sind lebenswichtig und tragen im Arbeitskontext massgeblich zur Zufriedenheit und Leistung bei.

Praxistipp: Gemeinsame Mittagessen, Kaffeepausen, Ausflüge und Events sind wertvolle Zeit zum Beziehungsaufbau. Zeigen Sie Interesse an persönlichen Themen Ihrer Mitarbeitenden und geben Sie auch etwas von sich preis. So fördern Sie eine offene Gesprächskultur und das gegenseitige Vertrauen im Team.

Checkliste

  • Analysieren Sie die individuellen Wünsche Ihrer Mitarbeitenden bezüglich der Arbeitsplatzgestaltung.
  • Führen Sie regelmässig Lob und Anerkennung für besondere Leistungen aus, auch in stressigen Phasen.
  • Nutzen Sie Tools wie den VIA-IS-Fragebogen, um die persönlichen Signaturstärken Ihrer Mitarbeitenden zu identifizieren.
  • Passen Sie die Aufgabenverteilung so an, dass sie den identifizierten Stärken der Mitarbeitenden entspricht.
  • Organisieren Sie gemeinsame Aktivitäten wie Mittagessen oder Ausflüge, um den Beziehungsaufbau zu fördern.
  • Zeigen Sie echtes Interesse an persönlichen Themen und teilen Sie selbst auch etwas von sich preis.
  • Prüfen Sie gemeinsam mit dem Team, ob der Sinn hinter aktuellen Entscheidungen und Aufgaben klar ist.
  • Legen Sie bei grossen Zielen gemeinsam kleinere, erreichbare Zwischenziele fest.
  • Sprechen Sie persönliches Lob zeitnah aus, sobald Zwischenziele erreicht wurden.
  • Investieren Sie in die Unterstützung durch einen professionellen Coach, um Ihr eigenes PERMA zu stärken.

Meaning

Ein Positive Leader vermittelt Sinn in der Arbeit. Er trägt dazu bei, dass seine Mitarbeitenden Sinn in der Arbeit erleben und dass sie wissen, wozu ihre Arbeit wichtig ist. Er vermittelt seinen Mitarbeitenden, dass sie wertvolle Arbeit leisten. Denn Sinn gibt unserem Leben eine Richtung und das Gefühl, dass das eigene Leben und unser Handeln wichtig und wertvoll ist.

Praxistipp: Haben Sie ein offenes Ohr für die Anliegen Ihrer Mitarbeitenden und fragen Sie nach, ob der Sinn bestimmter Entscheidungen und Handlungen nachvollziehbar ist. Sind die Ziele unklar, ist es wichtig diese gemeinsam zu besprechen und den Beitrag jedes einzelnen Mitarbeitenden zur Zielerreichung aufzuzeigen. Damit geben Sie Zielorientierung, Bedeutsamkeit der eigenen Arbeit und das Gefühl der Zugehörigkeit.

Accomplishment

Positive Leadership macht Erreichtes sichtbar. Er freut sich mit seinen Mitarbeitenden, wenn sie gemeinsame Ziele erreicht haben. Er lobt sie dafür und gibt positives Feedback. Dadurch erleben wir uns selbst als wirksam, befriedigen unser Grundbedürfnis nach Kompetenz und haben somit das Gefühl eines «erfolgreichen Lebens». All dies steigert unser Selbstwertgefühl und führt zu mehr Zufriedenheit.

Praxistipp: Wenn immer möglich, legen Sie die Ziele gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden fest. Achten Sie dabei auf deren Klarheit und Erreichbarkeit. Legen Sie bei grossen Zielen kleinere Zwischenziele fest. Wenn diese erreicht werden, sprechen Sie Ihr persönliches Lob zeitnah aus.

Mit diesen fünf Schritten fördern Positive Leader das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden – die Basis für Leistung und Erfolg. Je mehr sich eine Führungskraft darüber hinaus um ihr eigenes Wohlbefinden kümmert, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch die Mitarbeitenden um ihr eigenes Wohlbefinden kümmern. Verzichten Sie deshalb nicht auf die Unterstützung eines professionellen Coaches, der Sie beim Auf- und Ausbau Ihres persönlichen PERMA unterstützt.

 

Referenz & Literarturempfehlung

Ebner, M. (2019). Positive Leadership. Erfolgreich führen mit PERMA-Lead: die fünf Schlüssel zur High Performance. Wien: Facultas Verlags- und Buchhandlungs AG

Lermer, E. (2019). Positive Psychologie. München: Ernst Reinhardt Verlag

FAQ: Positive Leadership

Was ist das PERMA-Modell im Kontext der Führung?

PERMA steht für die fünf Elemente eines erfüllten Lebens: Positive Emotions (Positive Gefühle), Engagement, Positive Relationships (Positive Beziehungen), Meaning (Sinn) und Accomplishment (Zielerreichung). Positive Leader nutzen dieses Modell, um das Wohlbefinden und die Leistung ihrer Teams gezielt zu steigern.

Wie unterscheidet sich Positive Leadership von klassischem Management?

Während klassisches Management oft auf Kontrolle und Prozesse fokussiert, ist Positive Leadership ressourcen- und stärkenorientiert. Es setzt darauf, das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu kultivieren, was nachweislich zu höherer Produktivität, Zufriedenheit und geringerer Fluktuation führt.

Welche Rolle spielt die eigene Wohlbefindensförderung der Führungskraft?

Die eigene Wohlbefindensförderung ist entscheidend, da sich das Verhalten der Führungskraft direkt auf das Team auswirkt. Je mehr sich eine Führungskraft um ihr eigenes PERMA kümmert, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich auch die Mitarbeitenden um ihr Wohlbefinden kümmern.

Gibt es praktische Tools zur Identifikation von Stärken?

Ja, ein bewährtes Instrument ist der kostenfreie Online-Fragebogen VIA-IS der Universität Zürich auf www.charakterstaerken.org. Für eine fundierte Identifikation der Signaturstärken wird oft die Unterstützung durch einen professionellen Coach empfohlen.

Member werden Newsletter