Management by Wandering Around: 10 Tipps für eine aktive Mitarbeiterführung

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Management by Wandering Around (MBWA) ist eine Führungsmethode, bei der Führungskräfte bewusst ihr Büro verlassen, um informellen Kontakt zu ihren Mitarbeitern vor Ort zu suchen. Ziel ist es, den Informationsfluss zu verbessern, Probleme frühzeitig zu erkennen und die Motivation durch direkte Wertschätzung zu steigern. Im Gegensatz zu formellen Meetings steht der offene, vertrauensvolle Austausch ohne Anweisungscharakter im Vordergrund.

Die wichtigsten Punkte:

  • MBWA fördert den direkten Draht zur «front line» und baut Distanzen ab.
  • Probleme und Verstimmungen werden schneller erkannt und können rascher gelöst werden.
  • Die Methode erfordert aktives Zuhören und Authentizität, nicht Kontrolle.
  • Regelmässige, aber unregelmässige Besuche verhindern, dass die Anwesenheit als Störung empfunden wird.
  • Gewonnene Erkenntnisse müssen in konkrete Handlungen und Prozessverbesserungen münden.
16.07.2026 Von: Brigitte Miller
Management by Wandering Around

Wie funktioniert Management by Wandering Around und wie setzen Sie die 10 Tipps zur aktiven Mitarbeiterführung erfolgreich um?

Management by Wandering Around bringt Sie in Kontakt mit Ihren Mitarbeitern. Doch solch eine aktive Mitarbeiterführung benötigt bestimmte Kompetenzen.

Raus aus Ihrem Büro

Als Führungskraft wissen Sie: Es ist wichtig, am Puls des Geschehens zu sein und zu bleiben. Deshalb setzen Sie in Ihrem Führungsstil auf bestimmte Führungsaktionen wie die Praxis der offenen Tür, reguläre Meetings, Konferenzschaltungen, Briefings, Infos ins Intranet stellen und/oder E-Mail-Rundschreiben. Mit all diesen Aktionen verlassen Sie Ihr Büro – mehr oder weniger sogar in Person – und treten in Kontakt mit Ihren Mitarbeitern. Wunderbar!

Allerdings – und dies wissen Sie selbst zu gut – haben Sie oft genug den Eindruck, nicht immer auf dem Laufenden zu sein. Verstimmungen im Team fallen Ihnen zu spät auf. Probleme werden Ihnen nicht frühzeitig genug mitgeteilt. Ideen und Interessen Ihrer Mitarbeiter bekommen Sie kaum mit – und all dies, obwohl Sie doch aktiv in Kontakt treten.

 

Im ersten Moment sind Sie verärgert darüber, dass Ihre Mitarbeiter in solchen Situationen nicht zu Ihnen kommen. Im zweiten Moment stellen Sie sich sicherlich eine Frage: Was können Sie als Führungskraft tun, um den Kontakt zu Ihren Mitarbeitern zu intensivieren? Die Antwort liegt auf der Hand: Kommt der Mitarbeiter nicht zum Vorgesetzten, geht der Vorgesetzte zum Mitarbeiter. Oder um es anders auszudrücken: Praktizieren Sie Management by Wandering Around (MBWA).

Tipp: Sie wenden Management by Wandering Around schon an. Gratulation! Dann sind Sie mit den Vorteilen, aber auch „Tücken“ bestens vertraut. Der vorliegende Beitrag mag Sie dabei unterstützen, Ihr MBWA zu optimieren.

Management by Wandering Around beschert Ihnen viele Vorteile

Vorbehalte mag es für ein Management by Wandering Around geben. Es kostet Zeit. Und gleichzeitig sind Sie in dieser Zeitspanne nicht für Ihren eigenen Vorgesetzten und/oder Geschäftspartner erreichbar. Vielleicht fühlen Sie sich auch unbehaglich, auf diese Art und Weise Ihren Mitarbeitern näher zu kommen. Denn Management by Wandering Around hat einen informellen Touch, d.h. es geht nicht darum, Anweisungen zu geben, sondern als Führungskraft offen für Ihre Mitarbeiter zu sein. Alles Einwände, die jedoch durch die vielen Vorteile schnell entkräftet werden.

Ist-SituationWie MBWA diese verändert
Ihr zu geringer persönlicher Kontakt baut eine „Mauer“ auf, die den Mitarbeiter auf Distanz hält.Sie werden für den Mitarbeiter greifbarer.
Trotz „Offener-Tür“-Strategie wenden sich Ihre Mitarbeiter zu selten an Sie.Die Mitarbeiter verlieren die Scheu, sich an Sie zu wenden, da Sie Interesse zeigen.
Ihre Kompetenzen und Ihr Wissen werden von Ihren Mitarbeitern zu wenig abgerufen.Sie teilen diese mit Ihrem Mitarbeiter aktiv – und zwar innerhalb des Kontextes.
Ihre Mitarbeiter profitieren zu selten von Ihren Erfahrungen.Sie lassen Ihre Mitarbeiter teilhaben – Austausch findet statt.
Probleme bleiben unerkannt oder werden zu spät angesprochen.Sie erkennen auftretende Probleme – und können Sie so schneller lösen.
Der Informationsfluss stagniert.Informationen fliessen und werden abgefragt.
Fehlende Informationen erschweren die Entscheidungsfindung.Ihre Entscheidungen berücksichtigen viel mehr Komponenten als zuvor.
Teamverstimmungen sind schwer auszumachen.Erhöht Ihre Sensibilität für die Arbeitsatmosphäre. 
Teamförderungen vom „grünen Tisch“.Coaching des Teams orientiert sich an Erlebtem vor Ort.
Kontakt zum Team – zur „front line“ – ist zu schwach.Verbesserter, direkter Kontakt zur „front line“.
Manches Mal mangelndes Verständnis für die Zusammenarbeit, die Arbeitsabläufe und den Arbeitsprozess.Direkte Einblicke in den gesamten Arbeitsprozess. Schwierigkeiten werden sofort besser wahrgenommen.
Mitarbeitermotivation stagniert oder ist niedrig.Motivation steigt. Der Mitarbeiter fühlt sich am Arbeitsplatz „abgeholt“.
Leistungsniveau bleibt gleich.Leistungsniveau bleibt gleich.

Erfolgreiches Management by Wandering Around praktizieren: 10 Tipps

Sie wollen Management by Wandering Around praktizieren. Ihr erster Schritt ist natürlich: Aufstehen, Ihr Büro verlassen und sich zu Ihren Mitarbeitern begeben. Damit ist es aber noch nicht getan. Nur körperlich anwesend zu sein – sich also zu zeigen – reicht nicht aus. Aktivieren Sie gezielt bestimmte Ihrer Kompetenzen und Ressourcen, um Ihr Management by Wandering Around zum Erfolg zu führen.

Tipp 1: Entspannt kommunizieren

Sind Ihre Mitarbeiter nicht mit Management by Wandering Around vertraut, reagieren diese vielleicht skeptisch. Vielleicht befürchten Ihre Mitarbeiter kontrolliert zu werden. Sorgen Sie deshalb für Lockerheit im Gespräch – verbal, wie nonverbal. Erkundigen Sie sich nach persönlichen Dingen – wie die Familie oder den letzten Urlaub. So bauen Sie eventuellen Stress im Gespräch ab.

Tipp 2: Fragen, fragen, fragen

Ihr Ziel ist: Einblicke in die Arbeit zu erhalten. Holen Sie deshalb konkret die Meinung des Mitarbeiters ein. Fragen Sie ihn - beispielsweise:

  • Welche Aufgabe erledigen Sie gerade?
  • Sind Sie mit allem ausgestattet, was Sie für die Aufgabe benötigen?
  • Gibt es Schwierigkeiten? Welche sind dies?
  • Woran würden Sie gerne arbeiten?
  • Welche Ideen haben Sie, um diesen Arbeitsablauf zu verbessern?
  • Welche Ideen haben Sie, um die Unternehmensziele mittragen und realisieren zu können?

Tipp 3: Aktiv zuhören

Halten Sie sich mit Ihrer Meinung zurück. Hören Sie stattdessen aktiv zu. Signalisieren Sie Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit. Bieten Sie dem Mitarbeiter Raum und Zeit, sich zu äussern. Fragen Sie nach, falls Ihnen etwas unklar ist. Fassen Sie längere Aussagen zusammen. Konkretisieren Sie Absprachen, die im Gespräch getroffen werden.

Tipp 4: Authentisch auf Fragen reagieren

Ihre Mitarbeiter werden die Chance ergreifen: sie werden Ihnen Fragen stellen. Nicht immer werden Sie die Antworten wissen oder parat haben. Scheuen Sie sich nicht, dies mitzuteilen „Da bin ich selbst überfragt. Ich erkundige mich und gebe Ihnen heute Nachmittag Bescheid.“ Solch ehrlichen Antworten stärken das Vertrauen in Sie als Führungskraft.

Checkliste

  • Verlassen Sie Ihr Büro und begeben Sie sich physisch zu Ihren Mitarbeitern.
  • Starten Sie das Gespräch entspannt und fragen Sie nach privaten Dingen, um Stress abzubauen.
  • Stellen Sie gezielte Fragen zur aktuellen Arbeit, benötigten Ressourcen und möglichen Schwierigkeiten.
  • Üben Sie aktives Zuhören und halten Sie Ihre eigene Meinung zunächst zurück.
  • Geben Sie ehrliche Antworten auf Fragen, auch wenn Sie eine Antwort nicht sofort kennen.
  • Nutzen Sie die Gelegenheit, um gute Arbeit und Erfolge sofort anzuerkennen.
  • Beachten Sie den Mitarbeitertypus und wählen Sie bei sensiblen Themen einen privaten Ort.
  • Teilen Sie wichtige Unternehmensinformationen persönlich und erklären Sie deren Nutzen.
  • Achten Sie darauf, alle Mitarbeiter und Teams innerhalb einer Woche anzusprechen.
  • Leiten Sie aus den gesammelten Informationen konkrete Massnahmen für den Führungsstil und die Arbeitsabläufe ab.

Tipp 5: Gute Arbeit würdigen

Ihr Mitarbeiter wird Ihnen von seinen Aufgaben berichten. Oder, wie er einen unzufriedenen Kunden zufriedengestellt hat. Nutzen Sie die Gelegenheit, positives Feedback zu geben. Sprechen Sie Ihre Anerkennung aus.

Tipp 6: Den Mitarbeitertypus beachten

Manches Mal wollen Sie aber auch einen Tipp geben. Vielleicht benötigt der Mitarbeiter Unterstützung, um eine Aufgabe gut durchführen zu können. Diesen Hinweis einfach spontan in Anwesenheit seiner Kollegen mitzuteilen, birgt ein grosses Risiko. Denn Ihr Mitarbeiter fühlt sich vielleicht dadurch gedemütigt. Deshalb beachten Sie unbedingt, mit wem Sie in diesem Moment sprechen. Gehen Sie mit Fingerspitzengefühl vor – und bitten Sie eventuell den Mitarbeiter zu einem kurzen Gespräch nach draussen.

Tipp 7: Informationen teilen

Zweifelsfrei informieren Sie Ihre Mitarbeiter in Meetings oder durch Briefings. Management by Wandering Around bietet Ihnen jedoch die Gelegenheit, wichtige Fakten persönlich mitzuteilen. Dabei können Sie konkret benennen, wie sich diese Fakten auf die Arbeit des Mitarbeiters positiv auswirken. Nichts schafft eine grössere Identifikation mit den Unternehmenszielen, als dass der Mitarbeiter weiss, warum er tut, was er tut.

Tipp 8: Aufmerksamkeit gerecht aufteilen

Schliessen Sie bei Ihrem Management by Wandering Around keinen Mitarbeiter oder kein Team aus. Suchen Sie jeden auf. Abhängig von der Grösse Ihrer Teams ist es nicht erforderlich, dies an einem Tag zu erledigen. Doch innerhalb einer Woche sollten Sie mit allen ins Gespräch gekommen sein.

Tipp 9: MBWA nicht übertreiben

Management by Wandering Around ist ein grossartiges Führungsinstrument. Es sollte jedoch klug eingesetzt werden, d.h. übertreiben Sie es nicht. Denn Ihre Anwesenheit sollte niemanden zu oft von der Arbeit ablenken, noch als Kontrolle verstanden werden. Planen Sie MBWA regelmässig unregelmässig ein. Etwa alle 10 Tage. Oder einmal im Monat, abhängig von der Grösse Ihres Teams, ohne sich dabei auf einen Tag zu fixieren.

Tipp 10: Unbedingt Handlungen ableiten

Sie erhalten viele Informationen während Ihres Management by Wandering Around. Überdenken Sie diese. Leiten Sie aus diesen Handlungen ab - für

  • Ihren Führungsstil.
  • die Arbeitsabläufe.
  • die Vorgaben.
  • aufgetretene Probleme, die nur Sie lösen können.
  • das Miteinander und die Zusammenarbeit.

Teilen Sie Ihrem Team mit, was Sie tun werden. Zeigen Sie auf diese Weise: Management by Wandering Around trägt für alle positive Früchte.

FAQ: Management by Wandering Around

Was ist der Hauptunterschied zwischen MBWA und einer normalen Kontrolle?

MBWA zielt auf einen informellen Austausch, das Zeigen von Interesse und das Lösen von Problemen ab, während Kontrolle oft auf die Überprüfung von Ergebnissen und die Durchsetzung von Vorgaben ausgerichtet ist.

Wie oft sollte ich Management by Wandering Around anwenden?

Es empfiehlt sich, MBWA regelmässig, aber unregelmässig einzuplanen, zum Beispiel alle 10 Tage oder einmal im Monat, abhängig von der Teamgrösse, um keine Routine oder Störung zu erzeugen.

Was tun, wenn Mitarbeiter skeptisch auf MBWA reagieren?

Sorgen Sie für Lockerheit im Gespräch, erkundigen Sie sich nach privaten Dingen und signalisieren Sie durch aktives Zuhören, dass es nicht um Kontrolle, sondern um Unterstützung geht.

Wie gehe ich mit Fragen um, auf die ich keine Antwort habe?

Seien Sie authentisch und geben Sie zu, wenn Sie überfragt sind. Versprechen Sie, sich zu erkundigen und zeitnah Bescheid zu geben, um Vertrauen zu stärken.

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