Teamfähigkeit: Ein «Must» in der heutigen Zeit

KURZ ZUSAMMENGEFASST

Teamfähigkeit bedeutet nicht das Fehlen von Konflikten oder blindes Ja-Sagen, sondern die Fähigkeit, auch bei persönlichen Differenzen gemeinsam gegen Probleme statt gegen Personen zu kämpfen. Echte Teams priorisieren das gemeinsame Resultat über die eigene Eitelkeit und erfordern, dass Hierarchien innerhalb des Teams zugunsten der besten Lösung zurückgestellt werden.

Die wichtigsten Punkte:

  • Echte Teamfähigkeit setzt Konfliktfähigkeit voraus, nicht Harmonie.
  • Das Teamergebnis hat Vorrang vor individuellen Zielen.
  • Der Teamleiter ist innerhalb des Teams ein gleichberechtigtes Mitglied.
  • Flexibilität zwischen Einzelverantwortung und Teamarbeit ist essenziell.
  • Teams müssen aktiv entwickelt und gepflegt werden, sie können nicht befohlen werden.
13.01.2026 Von: Rolf Rado, Sue Rado
Teamfähigkeit

Was unterscheidet echte Teamfähigkeit von reinem Konformismus in der Schweizer Wirtschaft?

Keine Stellenanzeige, in der nicht Teamfähigkeit gefordert wird, keine Organisation, die sich nicht Teamarbeit auf die Fahnen schreibt. Immer häufiger hört man das Hohelied der Teamfähigkeit: «Wir müssen in der Geschäftsleitung als Team auftreten» oder «in unserer Organisation hat die Teamarbeit Vorrang» usw. Wer dann nachfragt, was denn unter Teamfähigkeit verstanden wird, erhält oft Antworten wie: «Wir gehen fair miteinander um», «Unsere Leute vertragen sich gut», «Wir haben keine Konflikte, es läuft alles reibungslos» etc. Doch worum geht es bei der Teamfähigkeit wirklich?

Teamfähigkeit in der Praxis

Vielleicht geht es in Wahrheit eher um Ja-Sagerei statt um wirkliche Teamarbeit – und Konflikte werden ganz einfach unter den Tisch gekehrt? Warum entscheidet sich der Chef nicht gleich alleine, wenn immer alle einig sind und er nur Ja-Sager um sich vereint hat?  

So genannte Teams in der Geschäftswelt (speziell Managementteams) verbringen häufig viel Zeit mit Revierkämpfen, vermeiden alles, was sie persönlich in ein schlechtes Licht rücken könnte, und geben vor, dass alle Teammitglieder voll und ganz hinter der gemeinsamen Strategie stehen – sie bewahren also den Anschein eines Teams und Unstimmigkeiten werden von vornherein abgewürgt. Der Harvardprofessor Chris Argyris schreibt dazu: «Die meisten Managementteams brechen bei Belastungen zusammen. Das Team funktioniert unter Umständen recht gut, solange es sich mit Routinefragen beschäftigt. Aber wenn es mit komplexen Problemen konfrontiert wird, die peinlich oder bedrohlich werden könnten, geht offensichtlich jeder Teamgeist zum Teufel.»

Unser Ziel: Echte Teamfähigkeit

Wirkliche Teamfähigkeit setzt auch ein grosses Mass an Konfliktfähigkeit voraus. Im Unterschied zu Gruppen, wo es Sieger und Verlierer geben kann, ist bei Teams immer das Resultat im Vordergrund. Es wird gemeinsam gegen ein Problem, jedoch nie gegen Menschen gekämpft. Somit ist jemand dann teamfähig, wenn er ein Problem zusammen mit anderen auch dann optimal löst, wenn er die anderen ganz und gar nicht leiden kann. Er ist auch in der Lage, seine persönlichen Ziele denjenigen des Teams zu unterstellen.  

Auch Hierarchien haben in Teams nichts verloren, denn sonst entstehen keine wirklichen Teamentscheide. Der Teamleiter muss die Teamentscheide gegen aussen vertreten und durchsetzen, innerhalb des Teams ist er aber ein Teammitglied wie jedes andere auch. Dies bedeutet, dass ein Teamleiter akzeptieren muss, dass das Team eine andere oder bessere Lösung erarbeitet als er selbst. Damit jedoch werden viele Vorgesetzte ihre liebe Mühe haben.

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Teams und Entscheidungen

Eines möchten wir an dieser Stelle klarstellen: Auch wenn wir Teams und Teamarbeit propagieren, heißt das noch lange nicht, dass nur noch alles in Teams gemacht bzw. entschieden wird und die Einzelentscheide an Wert verlieren. Teamfähigkeit bedeutet nicht, dass individuelle Verantwortung überflüssig wird – im Gegenteil: Nach wie vor werden viele Alltagsaufgaben sinnvollerweise in Einzelverantwortung angegangen, entschieden und gelöst. Eine gut entwickelte Teamfähigkeit zeigt sich gerade darin, flexibel zwischen Gruppenarbeit und eigenständigem Handeln wechseln zu können und beides situationsgerecht einzusetzen.

Auch die Nachteile von Teamarbeit darf man nicht vergessen. So dauert der Entscheidungsprozess länger als bei Einzelentscheiden, die Abstimmung braucht Zeit, «Trittbrettfahrer» werden mitgeschleppt, in Teams besteht die Gefahr, dass vieles «zerredet» wird und die Möglichkeit besteht, dass sich keiner verantwortlich fühlt – speziell bei Misserfolgen.

Checkliste

  • Klären Sie, ob Konflikte offen angesprochen oder unter den Tisch gekehrt werden.
  • Prüfen Sie, ob Entscheidungen gegen Probleme oder gegen Personen gerichtet sind.
  • Sichern Sie, dass der Teamleiter im Team keine hierarchischen Privilegien beansprucht.
  • Fördern Sie die Bereitschaft, die eigene Lösung der besseren Teamlösung unterzuordnen.
  • Definieren Sie klar, welche Aufgaben in Einzelverantwortung und welche im Team gelöst werden.
  • Räumen Sie Zeit für die Entwicklung und Pflege von Teamkonstellationen ein.
  • Beobachten Sie, ob bei Misserfolgen eine klare Verantwortung übernommen wird oder ob sich niemand verantwortlich fühlt.

Ein «Must» in der heutigen Zeit

Trotzdem ist Teamarbeit aus der heutigen Wirtschaftswelt nicht mehr wegzudenken. Sobald Projekte angesagt sind, strategische oder andere weitreichende Entscheide anstehen, komplexe Aufgaben zu lösen sind oder aber generell eine enge Zusammenarbeit in Gruppen notwendig ist, dann ist die Teamarbeit den anderen Formen überlegen. Dasselbe mit den Worten von Arie de Geus, früherer Planungsleiter von Royal Dutch/Shell: «Überall dort, wo Menschen zum Handeln aufeinander angewiesen sind.» Jeder Vorgesetzte möchte mit seinem Team erfolgreich sein und jedes Teammitglied möchte erfolgreich sein. Beide haben dasselbe Ziel, aber:

  • Weshalb sind dann gewisse Teams erfolgreich und andere nicht?
  • Weshalb kommt es vor, dass hochkarätige Teams erfolglos sind und
  • warum sind Teams, denen niemand den Erfolg zugetraut hätte, erfolgreich?

Der Weg zum Ziel: Teamentwicklung

Teamarbeit kann nicht befohlen werden. Teams müssen entwickelt, bestehende Teams gepflegt werden. Veränderungen in einer Konstellation (ausscheiden von bestehenden, hinzukommen von neuen Teammitgliedern, geänderte Aufgaben, Reorganisationen, etc.) können bestehende, gut funktionierende Teams durcheinander bringen.

FAQ: Teamfähigkeit

Warum funktionieren viele Managementteams bei komplexen Problemen nicht?

Viele Teams bestehen aus Personen, die Konflikte und peinliche Situationen vermeiden. Sobald Probleme bedrohlich werden, bricht der Teamgeist zusammen, da jeder sein eigenes Gesicht bewahren will.

Ist Teamfähigkeit gleichbedeutend damit, dass alle Entscheidungen im Team getroffen werden müssen?

Nein. Teamfähigkeit bedeutet nicht, dass Einzelentscheide an Wert verlieren. Viele Alltagsaufgaben sind in Einzelverantwortung effizienter. Teamfähigkeit zeigt sich in der Flexibilität, zwischen beiden Formen situationsgerecht zu wechseln.

Welche Nachteile hat Teamarbeit?

Der Entscheidungsprozess dauert länger, Abstimmungen brauchen Zeit, es besteht die Gefahr von Trittbrettfahrern und dass Lösungen zerredet werden. Zudem kann bei Misserfolgen die Verantwortung unklar sein.

Kann Teamarbeit befohlen werden?

Nein, Teamarbeit kann nicht befohlen werden. Teams müssen aktiv entwickelt und bestehende Teams kontinuierlich gepflegt werden, insbesondere bei Änderungen in der Konstellation oder den Aufgaben.

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