25.10.2017

Gehaltsnebenleistungen: Möglichkeiten zur steuerlichen Behandlung

Zahlreichen Mitarbeitenden werden neben fixen variable Löhne bezahlt, und dazu wird noch eine breite Auswahl an Lohnnebenleistungen, auch Fringe Benefits genannt, ausgerichtet. Seit der Einführung des neuen Lohnausweises ist deren Attraktivität jedoch geringer, da nunmehr sämtliche Leistungen und geldwerten Vorteile zu deklarieren sind, die einem Arbeitnehmer im Rahmen seines Arbeitsverhältnisses zugeflossen sind.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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Gehaltsnebenleistungen

Die Bezeichnung von Gehaltsnebenleistungen

Als Gehaltsnebenleistungen gelten im Allgemeinen solche Leistungen, welche vom Arbeitgeber neben dem Lohn, allerdings nicht in Geldform, an die Arbeitnehmenden ausgerichtet werden. Vielmehr werden Gehaltsnebenleistungen in Form von Fringe Benefits regelmässig in Form von Vergünstigungen ausgerichtet. Die zehn am häufigsten ausgerichteten Gehaltsnebenleistungen sind gemäss einer Statistik des Bundesamts für Statistik (BFS, 2015) folgende:

 

Art der Fringe BenefitsHäufigkeit der Ausrichtung in %
Firmenparkplatz57,7
Auto für Privatgebrauch55,9
Mobiltelefon für Privatgebrauch45,9
überobligatorische Beteiligung an der zweiten Säule32,7
unentgeltliche oder verbilligte Dienstleistungen oder Produkte19,3
Reka-Checks10,5
Vaterschaftsurlaub10,1
Bahnabonnemente9,7
Krankenversicherungsprämien8,9
Sportzentren8,0

Unternehmen richten derartige Zusatzleistungen aus, um gegenüber monetären Lohnzahlungen Sozialabgaben und Steuern zu sparen. Bis zur Einführung des neuen Lohnausweises waren Zusatzleistungen auch für die Arbeitnehmenden steuerlich attraktiv, doch mit dem neuen Lohnausweis sind vom Arbeitgeber ausgerichtete und bewertbare Gehaltsnebenleistungen anzugeben und unterliegen teilweise oder sogar ganz der Einkommensteuerpflicht.

Somit lässt sich festhalten, dass Gehaltsnebenleistungen alle Leistungen beinhalten, welche vom Arbeitgeber an den Arbeitnehmer ergänzend zum vertraglichen Lohn ausgerichtet werden. Sie lassen sich vom Arbeitsmaterial dadurch abgrenzen, dass sie im Gegensatz zu Letzterem nicht für die Arbeit notwendig sind. Auch sind Gehaltsnebenleistungen regelmässig nicht monetär, unabhängig vom Unternehmenserfolg und unabhängig von der Leistung der begünstigten Mitarbeitenden. Sie werden stets freiwillig vom Arbeitgeber erbracht, womit gemeint ist, dass sie nicht arbeitsvertraglich festgelegt wurden. Während der Lohn selbst als direkter Anreiz verstanden wird, handelt es sich bei Gehaltsnebenleistungen um indirekte Anreize.

Als wichtigste Gründe für die Ausrichtung von Gehaltsnebenleistungen gelten die Bindung ans Unternehmen, Beeinflussung der Leistung, Für- und Vorsorge, Verbesserung des Betriebsklimas, Unterstützung der Personalbeschaffung und Verminderung von Fehlzeiten. Aus Sicht der Arbeitnehmenden werden durch Gehaltsnebenleistungen vor allem folgende Bedürfnisse abgedeckt:

Steigerung des Sicherheitsbedürfnisses, Steueroptimierung, höherer Wert der monetären Entlöhnung durch Vergünstigung benötigter Leistungen und Steigerung des Statussymbols.

Steuerliche Behandlung der Gehaltsnebenleistungen

Aus steuerrechtlicher Sicht werden die Entgeltformen weder durch die Steuergesetze des Bundes noch diejenigen der Kantone weder im Einzelnen noch abschliessend aufgeführt, weshalb grundsätzlich alle Einkünfte einschliesslich Gehaltsnebenleistungen aus einem Arbeitsverhältnis steuerbar sind. Demzufolge sind auch alle Leistungen eines Arbeitgebers im Lohnausweis anzugeben, soweit diese bewertbar sind.

Grundsätzlich werden die folgenden Arten von Gehaltsnebenleistungen unterschieden:

Abbildung 1: Arten von Gehaltsnebenleistungen

Nicht besteuerte Gehaltsnebenleistungen

Allerdings wird für die folgenden Gehaltsnebenleistungen aus Gründen einer leichteren Handhabung und Praktikabilität auf eine Besteuerung verzichtet:

  • gratis abgegebene Halbtaxabonnemente der SBB
  • REKA-Check-Vergünstigungen bis CHF 600.– jährlich (zu deklarieren sind lediglich Vergünstigungen, soweit sie CHF 600.– pro Jahr übersteigen)
  • übliche Weihnachts-, Geburtstags- und ähnliche Naturalgeschenke bis CHF 500.– pro Ereignis: Bei solchen Naturalgeschenken, die diesen Betrag übersteigen, ist der ganze Betrag anzugeben (Ziffer 2.3 des Lohnausweises). • private Nutzung von Arbeitswerkzeugen (Handy, Computer usw.)
  • Beiträge an Vereins- und Clubmitgliedschaften (nicht aber Abonnemente für Fitnessclubs) bis CHF 1000.– im Einzelfall: Bei Beiträgen, die diesen Betrag übersteigen, ist der ganze Betrag anzugeben (Ziffer 15 des Lohnausweises).
  • Beiträge an Fachverbände unbeschränkt
  • Rabatte auf Waren, die zum Verzehr und Eigenbedarf bestimmt und branchenüblich sind (vgl. Rz. 62)
  • Zutrittskarten für kulturelle, sportliche und andere gesellschaftliche Anlässe bis CHF 500.– pro Ereignis (zu deklarieren sind lediglich Beiträge, soweit sie CHF 500.– pro Ereignis übersteigen)
  • die Bezahlung der Reisekosten für den Ehegatten oder den Partner bzw. die Partnerin, die den Arbeitnehmer auf Geschäftsreisen begleiten
  • Beiträge an Kinderkrippen, die für Kinder des Arbeitnehmers verbilligte Plätze anbieten: Kommen die Beiträge des Arbeitgebers jedoch bestimmten Arbeitnehmern zugute, sei es durch Bezahlung an den Arbeitnehmer oder direkt an die Krippe, sind sie im Lohnausweis unter Ziffer 1 zum Bruttolohn hinzuzurechnen oder in Ziffer 7 separat zu deklarieren.
  • Gratis-Parkplatz am Arbeitsort
  • Kosten für ärztliche Vorsorgeuntersuchungen, die auf Verlangen des Arbeitgebers oder der Pensionskasse erfolgen
  • Gutschriften von Flugmeilen: Sie sollen für geschäftliche Zwecke verwendet werden

Nicht bewertbare Gehaltsnebenleistungen

Für den Fall, dass ein Arbeitgeber die Gehaltsnebenleistungen an Arbeitnehmende nicht bewerten kann, hat er diese dennoch, allerdings ohne Angabe des Betrags, im Lohnausweis aufzuführen.

Als solche Gehaltsnebenleistungen gelten geldwerte Vorteile verschiedenster Art. In Betracht hierfür kommen insbesondere Waren oder Dienstleistungen des Arbeitgebers, die der Arbeitnehmer gratis oder zu einem besonders tiefen Vorzugspreis erworben hat.

Ein Hinweis auf solche Gehaltsnebenleistungen ist nur dann nicht notwendig, wenn es sich bei der Gehaltsnebenleistung um eine Vergünstigung handelt, die gemäss den AHV-Richtlinien als geringfügig betrachtet wird. Die Wesentlichkeitsgrenze beträgt CHF 2300.– (letzter Stand vom 1.1.2015).

Als geringfügig gelten die branchenüblichen Rabatte, sofern der Arbeitgeber die Waren usw. dem Arbeitnehmer ausschliesslich zu dessen Eigengebrauch und zu einem Preis, der mindestens die Selbstkosten deckt, zukommen lässt. Personalvergünstigungen an dessen nahestehende Personen sind allerdings im Lohnausweis unter «Andere Gehaltsnebenleistungen» zu deklarieren.

Vom Arbeitgeber zu bewertende Gehaltsnebenleistungen

Weitere vom Arbeitgeber zu bewertende Gehaltsnebenleistungen (Fringe Benefits), die explizit im Lohnausweis anzugeben sind, betreffen folgende Arten von Nebenleistungen:

  • Gratis-Verpflegung und -Unterkunft durch den Arbeitgeber
  • Privatanteil Geschäftswagen (im Fall privater Nutzung eines Geschäftswagens, für den der Arbeitgeber sämtliche Kosten übernimmt)
  • andere Gehaltsnebenleistungen (betrifft insbesondere vom Arbeitgeber in eigenem Namen getätigte Auslagen (Lebenshaltungskosten), um eine entsprechende Leistung (z.B. Mietwohnung, Konsumwaren) dem Arbeitnehmer und ihm nahestehende Personen zur Verfügung zu stellen

Die Bewertung dieser Gehaltsnebenleistungen hat grundsätzlich zum Marktwert bzw. Verkehrswert zu erfolgen und ist im Lohnausweis zu deklarieren. Als Marktwert gilt der am Markt üblicherweise zu bezahlende bzw. der üblicherweise ausgehandelte Wert. Im Fall, dass ein Arbeitnehmer verpflichtet ist, einen Teil dieser Auslagen selber zu bezahlen bzw. dem Arbeitgeber zurückzuerstatten, wird lediglich der vom Arbeitgeber übernommene Differenzbetrag der Einkommensteuer unterworfen.

Fazit

Die in der Praxis anzutreffenden Gehaltsnebenleistungen sind vielfältig und haben vor allem den Zweck, ausgewählte Arbeitnehmende durch nicht monetäre Anreize und Vergünstigungen an den Arbeitgeber zu binden. Die verständliche Grundregel, dass Gehaltsnebenleistungen zunächst grundsätzlich steuerbar sind, wird für solche Fälle aufgehoben, wo die fehlende oder unverhältnismässige praktische Umsetzbarkeit oder Unmöglichkeit der Bewertung eine Grenze bildet.

Sowohl für Arbeitnehmende als auch Arbeitgeber sind Gehaltsnebenleistungen dann besonders attraktiv, wenn sie nicht besteuert werden. Auch wenn mit dem neuen Lohnausweis eine Einschränkung in diesem Bereich erfolgte, bestehen doch noch zahlreiche Möglichkeiten zur nicht besteuerten Anreizbildung.

Literatur
BFS – Bundesamt für Statistik (2015): Lohnnebenleistungen (Fringe-Benefits). Online: www.bfs.admin.ch Schweizerische Steuerkonferenz (SSK)/Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV): Wegleitung zum Ausfüllen des Lohnausweises bzw. der Rentenbescheinigung, Formular 11, Online: www.estv.admin.ch

Dieser Fachbeitrag stammt aus der Online-Lösung RechnungswesenPraxis.

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