03.05.2017

Freizügigkeitseinrichtung: Verglichen zur Vorsorgeeinrichtung mitsamt gegenseitigen Vor- und Nachteilen

Vermögen in einer Freizügigkeitseinrichtung entsteht meistens durch den Transfer von Vorsorgegeldern aus Pensionskassen in diese Freizügigkeitseinrichtungen. Dabei gelten fast alle Vorschriften wie beim Alterskapital in Pensionskassen einer Vorsorgeeinrichtung. So müssen Freizügigkeitseinrichtungen z.B. dieselben Anlagevorschriften einhalten.

Von: Tony Z'graggen   Drucken Teilen   Kommentieren  

Tony Z'graggen

Nach einer kaufmännischen Ausbildung war der Autor Tony Z'graggen während mehrerer Jahre in einer Steuerverwaltung als Veranlagungsbeamter tätig. Schon bald nach seiner Ausbildung zum diplomierten Steuerexperten 1986 befasste er sich mit Fragen der Nachfolgeregelung bei KMU. Seit 2006 ist Z'graggen bei der Treuhand- und Revisionsgesellschaft Mattig-Suter und Partner in Schwyz aktiv (www.mattig.ch). Das Unternehmen hat sich u.a. auf Nachfolgeregelungen und Vorsorgelösungen bei KMU spezialisiert.

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Vorsorgeeinrichtung

Dieselbe steuerliche Behandlung wie bei der Vorsorgeeinrichtung

Bezüglich Steuern werden die Einlagen bei Vorsorgeeinrichtung und Freizügigkeitseinrichtung grundsätzlich gleich behandelt. Der einzige Unterschied ist, dass Einzahlungen in Freizügigkeitseinrichtungen von einem bisherigen Vorsorgegefäss der 2. Säule stammen und darum steuerlich kein zweites Mal abgesetzt werden können. Der Transfer selbst ist steuerneutral. Anschliessend gelten jedoch dieselben steuerlichen Bestimmungen wie bei der Vorsorgeeinrichtung:

  • Steuerprivilegiert bei Einkommen- und Vermögenssteuern während der Anlagedauer in der Freizügigkeitseinrichtung
  • Besteuerung im Zeitpunkt des Bezugs

Die Dreijahresfrist aufgrund früherer Pensionskassenoptimierungen

Es ist theoretisch möglich, dass Nachzahlungen in eine Vorsorgeeinrichtung der 2. Säule geleistet werden und kurz darauf ein Freizügigkeitsfall eintritt. Bei dieser Eventualität darf das Altersguthaben (inklusive der damaligen Nachzahlung) auf eine Freizügigkeitseinrichtung übertragen werden.

Erfolgt nun aus dieser Freizügigkeitseinrichtung innerhalb von drei Jahren seit der Nachzahlung in die seinerzeitige Pensionskasse eine Barauszahlung, verletzt dies die Sperrfrist. Konsequenz: Die betreffenden Nachzahlungen können bei den Steuern nicht in Abzug gebracht werden.

Die Freiwilligkeit der Risikoversicherung

Bei Pensionskassen (Vorsorgeeinrichtung) besteht eine Mindestvorschrift über die Risikoprämien (Art. 1h BVV 2).  Freizügigkeitseinrichtungen sind hier frei:

  • Wird eine Freizügigkeitspolice bei einer Versicherung abgeschlossen, werden meist gewisse Risiken mitversichert.
  • Bei Freizügigkeitskonten kann zwar die Möglichkeit gegeben sein, Risiken ebenfalls zu versichern. Üblicherweise handelt es sich aber meist um reine Sparkonti oder Anlagen mit Wertschriftenmix.

Da die Risikoversicherung nicht obligatorisch ist, kann eine Freizügigkeitseinrichtung als reiner Sparprozess angesehen werden. Der Abfluss von Risikoversicherungsprämien schmälert die Rendite nicht.

 Die individuelleren Bezugsmöglichkeiten

Gelder in einer Freizügigkeitseinrichtung geniessen gegenüber Gelder in einer Vorsorgeeinrichtung in zwei Punkten eine höhere Bezugsflexibilität:

  • Ab frühestens 5 Jahre vor und spätestens bis 5 Jahre nach Erreichen des ordentlichen Rentenalters (Art. 16 Abs. 1 FZV)
  • Unabhängig von der Erwerbstätigkeit

Bezieht jemand eine volle Invalidenrente der 1. Säule und deckt die Freizügigkeitseinrichtung das Risiko nicht ab (Art. 10 Abs. 3 FZV), darf die Barauszahlung auf Wunsch des Versicherten auch früher erfolgen (Art. 16 Abs. 2 FZV).

Die individuelle Begünstigtenregelung

Die Begünstigtenregelung deckt sich grundsätzlich mit der vierstufigen BVG-Vorschrift für Vorsorgeeinrichtung (Art. 15 FZV).  Eine Freizügigkeitseinrichtung ist keine kollektive Anlage mit anderen Versicherten. Deshalb besteht auch keine Kollektivität der Begünstigung. Inhaber von Freizügigkeitseinrichtungen sind indesssen von Gesetzes wegen frei,  die Begünstigtenregelung im gesetzlichen Rahmen selbst festzulegen und bei Bedarf jederzeit abzuändern.

Der fehlende Schutz des Umwandlungssatzes

Wird bei Vorsorgevermögen einer Vorsorgeeinrichtung die Rente gewählt, muss sie für den obligatorischen Teil zum vorgegebenen Umwandlungssatz berechnet werden. Dies ist in Zeiten tiefer Zinsen und steigender Lebenserwartung ein Vorteil. Allerdings gilt der «garantierte Umwandlungssatz» nur für den obligatorisch versicherten Teil. Deshalb darf die Differenz nicht überbewertet werden. Übertragungen von Vorsorgevermögen aus Pensionskassen auf Freizügigkeitseinrichtung betreffen meist Teile über dem Pensionskassenobligatorium.

Vermögen aus Freizügigkeitseinrichtungen muss nicht in Kapitalform bezogen werden. Es darf auch als Rente beansprucht werden. Vorsorgeplanerisch kann dies eine prüfenswerte Variante sein. Insbesondere wenn ein später Bezug (z.B. erst mit Alter 69) geplant ist, wird eine solche Rente dann zu einem höheren Umwandlungssatz berechnet. Der Grund ist einfach: Die Restlebenserwartung liegt in diesem Moment tiefer als zum Zeitpunkt der ordentlichen Pensionierung.

Das Fazit

Speziell wegen der Möglichkeit eines späteren Konsums und den nach hinten geschobenen Steuerfolgen bieten Freizügigkeitseinrichtungen im Vergleich zu Alterskapital in einer Pensionskasse (Vorsorgeeinrichtung) attraktive Vorteile.

Diese Darstellung zeigt die wesentlichsten Unterschiede. Diese machen eine Freizügigkeitseinrichtung ab einem gewissen Alter meist attraktiver als Alterskapital in Pensionskassen (Vorsorgeeinrichtung).

Beispiel

In den letzten Jahren hat die Summe von Vorsorgevermögen der Freizügigkeitseinrichtungen überproportional zugenommen, was nicht sonderlich erstaunt. Diese Tendenz wird unterschiedlich beurteilt:

  • Die Steuerbehörden sind bestrebt, das Errichten einer Freizügigkeitseinrichtung durch einengende Vorschriften auf das Notwendige zu beschränken. Sie wollen so Steuerumgehungsmöglichkeiten eliminieren.
  • Aus Sicht der Versicherten ist es vorsorge- und steuerplanerisch häufig erstrebenswert, Pensionskassenvermögen (oder einen Teil davon) auf eine Freizügigkeitseinrichtung (oder deren zwei) zu übertragen.

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