13.09.2018

Unternehmensbewertungsmethoden: Methoden der Bewertung und Einflussfaktoren

Bei jeder Unternehmensnachfolge kommt früher oder später die Frage nach dem Verkaufs-/Kaufpreis des Unternehmens auf. Stets mit dem Hinweis des Käufers bzw. Verkäufers, man wolle nicht zu viel für eine Firma bezahlen respektive zu wenig für sein Unternehmen bekommen. Doch wie bestimmt man den Preis eines Unternehmens? Welche Bewertungsmethoden muss der Praktiker kennen, und welche Faktoren beeinflussen schliesslich den Verkaufs-/Kaufpreis?

Von: Claudius Maier, Michel Rohrer  DruckenTeilen Kommentieren 

Claudius Maier

Claudius Maier, M.A. HSG, ist Business Consultant bei der Consulta AG Wirtschafts- und Unternehmensberatung.

Michel Rohrer

Michel Rohrer, lic. iur., ist Associate Partner bei der Consulta AG Wirtschaftsund Unternehmensberatung.

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 
Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 

Die Unternehmensbewertung

Im Rahmen der Unternehmensbewertung wird mittels objektiver, nachvollziehbarer Methoden ein Unternehmenswert ermittelt, welcher je nach Bewertungsverfahren variieren kann. Der Verkaufspreis entspricht in der Regel jedoch nicht dem Unternehmenswert, da in den Preis noch weitere Faktoren einfliessen. Der Preis ist stets das Resultat eines Verhandlungsprozesses basierend auf objektiven Tatsachen sowie subjektiven Ansichten und Vorstellungen. Die Unternehmensbewertung bildet somit das Fundament der Preisbestimmung.

Tipp: Im 1-Tages-Seminar Unternehmensbewertung in der Praxis lernen Sie die Erfolgsfaktoren und Fallstricke der Bewertung kennen.

Vorgehen Unternehmensbewertung

Die folgenden Punkte müssen bei einer Unternehmensbewertung unabhängig vom gewählten Bewertungsverfahren beachtet und definiert werden, um der Gegenpartei die eigenen Vorstellungen plausibel und belegbar darzustellen:

Bewertungsstichtag Der Erkenntnis- und Informationsstand unterscheidet sich von Stichtag zu Stichtag und ist daher eindeutig festzulegen.
BewertungsanlassDer Bewertungsanlass bestimmt oft die Berwertungsmethode. Mögliche Anlässe: aktienrechtlicher Anlass, steuerrechtlicher Anlass, privatrechtlicher Anlass u.v.m.
KommunikationWelche Bewertungsgrösse wird kommuniziert? Unternehmens- vs. Eigenkapitalwert? An wen richtet sich die Bewertung?
DokumentationDie sorgfältige Dokumentation der Annahmen und hergeleiteten Grössen ist unabdingbar für die Transparenz der Bewertung.
Plausibilitätscheck
Alle Daten müssen den aktuellen Kenntnisstand am Stichtag widerspiegeln, der Bewerter ist für die sorgfältige Durchführung der Bewertung verantwortlich.
Plausibilisierung der Bewertung
Durch die Anwendung von verschiedenene Verfahren auf das Bewertungsobjekt kann die Bewertung plausibilisiert werden.
Identifizierung von stillen ReservenIdentifikation und transparente Darstellung von Preisschwankungen, Ermessensspielräumen oder Schätzungsfehler.
Bewertungsmodell spezifische Bausteine
Eigene Bewertungsmodelle bringen weitere spezifische «Bausteine» mit sich, welche berücksichtigt werden müssen.

Vier Bewertungsverfahren: Discounted Cashflow, Ertragswert, Liquidation, Multiplikator

Aus theoretischer Sicht entspricht der Wert eines Unternehmens dem Gegenwartswert aller dem Investor zufliessenden Nettoeinnahmen. Mit Nettoeinnahmen sind dabei alle Einnahmen abzüglich aller Ausgaben gemeint, welche der Investor aufgrund seiner Investition in die Unternehmung erhält. Aufgrund der Probleme bei der Umsetzung dieses Konzepts (exakte Erfassung des Zukunftsstroms der Nettoeinnahmen) sind in der Praxis verschiedene Näherungsund Kompromisslösungen entwickelt worden.

1. Discounted-Cashflow-Verfahren (DCF-Verfahren)

Dieses Verfahren entspricht dem oben erwähnten Grundkonzept am besten. Bei der DCF-Methode wird der Unternehmenswert berechnet, indem die zukünftig zu erwartenden Erträge (Cashflows) auf einen bestimmten Bewertungsstichtag abgezinst werden. Der Cashflow ist ein Erfolgsindikator, welcher angibt, in welcher Höhe ein Unternehmen aus eigener Kraft finanzielle Mittel erwirtschaftet hat bzw. erwirtschaften kann.

Abilldung 1: Berechnung Discounted Cashflow

Bei einer Bewertung auf Entity-Ebene (Bruttomethode) entspricht der Diskontierungsfaktor den Kapitalkosten. Es bestehen komplexe Methoden, um eine oder die geeignete Diskontierungsrate herzuleiten. Unsicher ist jedoch, ob sich dieser meist erhebliche Aufwand lohnt und nicht lediglich zu Scheingenauigkeiten führt. In der Praxis muss es das Ziel sein, eine Diskontierungsrate zu fi nden, welche trotz einer gewissen Ungenauigkeit einen passablen Wert liefert.

In die Berechnung des Discounted Cashflows fliessen diverse Variablen ein, und es müssen verschiedene Unterlagen erstellt werden.

 

Benötigte Unterlagen:
VergangenheitsdatenErfolgsrechnung, Bilanz, Kapitalflussrechnung, Abschreibungsplan, Investitionsplan
WettbewerberdatenKonkurrenzanalyse, Strategie, finanzielle Situation
Markt- und Trendanalysen (Expertenmeinungen)Branchenberichte, Wirtschaftsprognosen, Trendanalysen

 

Zu erstellende Unterlagen:
Investitions-TabellenHerausarbeitung der Investitionsintensität und Investitionszyklen
Plan-ErfolgsrechnungDarstellung der zukünftigen Entwicklung (Umsatz, Kosten)
Planbilanz & Cashflow StatementDarstellung der Entwicklung der einzelnen BI-Positionen
weitere Parameteru.a. Diskontierungsrate, Steuerrate, Mietpreise, Materialkosten
Planungshorizontbis zum «eingeschwungenen Zustand»

2. Ertragswertverfahren

Die Ertragswertmethode, ein vereinfachtes Verfahren der DCF-Methode, ist ebenfalls eine anerkannte Methode für offi zielle Gutachten. Bei dieser Methode entspricht der Unternehmenswert den zukünftig nachhaltig erzielbaren Reingewinnen (Barwert der zukünftigen Überschüsse aus Ertrag und Aufwand). Sowohl Vergangenheits- als auch Zukunftswerte fliessen in die Unternehmensbewertung ein, wobei verschiedene Jahre unterschiedlich stark gewichtet werden können. Der Nachteil dieser Methode liegt darin, dass hier Gewinne und keine Nettoentnahmen diskontiert werden (keine Cashflow-Fokussierung).

Abildung 2: Berechnung Ertragswert

Bei einer Bewertung auf Equity-Ebene (Nettomethode) entspricht der Diskontierungsfaktor den Eigenkapitalkosten. Diese spiegeln die risikogerechte Verzinsung des Eigenkapitals des Unternehmens (vom Investor geforderte Rendite) wider.

3. Liquidationswert

Der Liquidationswert eines Unternehmens setzt sich stichtagsbezogen aus der Summe der einzelnen Unternehmensbestandteile (Einzelwerte) zusammen. Welcher Wert könnte also bei der Auflösung des Unternehmens und der Veräusserung aller Vermögensgegenstände erzielt werden? Die einzelnen «Wertgegenstände» (u.a. Gebäude, Maschinen, Vorräte) werden mit am Markt erzielbaren Preisen bewertet, Schulden und Liquidationskosten von den Erlösen abgezogen. Der Liquidationswert liefert die Wertuntergrenze für die Bewertung eines Unternehmens. Sollte der Liquidationswert über den Werten der anderen Bewertungsverfahren liegen, macht eine Fortführung des Unternehmens keinen Sinn, und das Unternehmen sollte liquidiert werden.

Formel:  Unternehemenswert= Gesamterlös aus dem Verkauf aller Vermögensgegenstände
          – Verbindlichkeiten – verpflichtende Rückstellungen – Kosten der Liquidation

4. Multiplikatorverfahren

Basierend auf der Annahme, dass das zu bewertende Unternehmen einen ähnlichen Wert wie vergleichbare Unternehmen am Markt hat, liefert das Multiplikatorverfahren eine schnelle Wertindikation. Es wird angenommen, dass es Unternehmen gibt, welche dem bewertenden Unternehmen ähnlich sind und sich die Marktwerte dieser Unternehmen und die sich ergebenden Multiplikatoren auf das zu bewertende Objekt übertragen lassen:

Formel:     Unternehmenswert = Bewertungsgrösse x Multiplikator

Gängige Multiplikatoren sind der «Umsatz- Multiplikator» (Eigenkapital/Umsatz) oder der EBIT-Multiplikator (Eigenkapital/EBIT). Dieses Verfahren setzt voraus, dass die gesamten bewertungsrelevanten Parameter beider Unternehmen identisch und öffentlich einsehbar sind. Aufgrund der ungenauen Ergebnisse wird das Multiplikatorverfahren in Gutachten meist nur zur Plausibilisierung verwendet.

Unternehmenswert vs. Preis

Durch eine geeignete Wahl und Kombination der Methoden sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den «Value Drivern» des Unternehmens und des Markts kann eine belastbare Wertindikation für die Preisverhandlung dargestellt werden. Während der Liquidationswert beweist, dass eine Fortführung des Unternehmens sinnvoll ist, unterstützt der Multiplikatorwert den DCF- und Ertragswert (et vice versa). In den Verhandlungen zwischen Käufer und Verkäufer resultiert aus dem Unternehmenswert der Unternehmenspreis.

Abbildung 3: Übersicht Bewertungsverfahren

Der Wert eines Unternehmens kann objektiv ermittelt werden. Da in der Praxis jedoch auch subjektive Momente wie z.B. emotionale Werte die Preisvorstellungen enorm beeinfl ussen, stimmen die Vorstellungen von Käufer und Verkäufer selten überein. So kann es beispielsweise einen immensen Preisunterschied ausmachen, ob ein Unternehmen an ein Familienmitglied, internen Manager oder externen Investor verkauft wird.

Abbildung 4: Einflussfaktoren auf den Kaufpreis

Während sich der Unternehmenswert mittels verschiedener Bewertungsmethoden ermitteln lässt, so kann die Frage aus der Einleitung «nach dem Verkaufs-/Kaufpreis des Unternehmens» nicht eindeutig beantwortet werden. Um den gewünschten Wert in den Preisverhandlungen durchsetzen zu können, ist es deshalb wichtig, jeweiligen eigene Preisvorstellungen belegbar zu machen. Dabei ist man in der Regel gut beraten, frühzeitig einen unabhängigen Experten zur Unternehmensbewertung beizuziehen. Die Bewertung sollte stets im Zusammenhang mit einer strategischen Standortbestimmung betrachtet werden.

Quellen:
Praxishandbuch Unternehmenskauf, Herausgeber: Torsten Bergau, 2015.
Vortrag «Unternehmensbewertung: Stellenwert, Preisfindung, Methoden, Einflussfaktoren» von Tom Schähling, Lilienberg, 26.04.2016.
www.frankfurt-main.ihk.de/unternehmensfoerderung/unternehmensnachfolge/wirtschaftliche_vorbereitung/unternehmensbewertung/index.html
www.nachfolge-navigator.ch

Produkt-Empfehlungen

  • Treuhand-Paket

    Treuhand-Paket

    Die Branchen-Lösung für Schweizer Treuhänder - neu inkl. WEKA-Mustervertragssammlung

    ab CHF 680.00

  • Steuer- und Finanzratgeber für Unternehmen

    Steuer- und Finanzratgeber für Unternehmen

    Steuertipps. Vorsorge- und Finanzplanung. Kostenoptimierungen.

    Mehr Infos

  • Finanz-Cockpit für Kleinunternehmen

    Finanz-Cockpit für Kleinunternehmen

    Entscheidungsgrundlagen für die erfolgreiche Unternehmensführung

    Mehr Infos

Seminar-Empfehlungen

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Kennzahlencockpit für Finanzverantwortliche

    Eigenes Kennzahlensystem richtig aufbauen und das Unternehmen zielgerichtet steuern

    Nächster Termin: 21. November 2018

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, ½ Tag, ZWB, Zürich

    Update Internationales Steuerrecht

    Doppelbesteuerungen vermeiden und steuereffiziente Strukturen nutzen

    Nächster Termin: 27. November 2018

    mehr Infos

  • Fachkongress, 1 Tag, Technopark, Zürich

    Rechnungswesen und Steuern 2018

    Aktuelles und Neuerungen aus dem Finanz- und Steuerbereich

    Nächster Termin: 20. November 2018

    mehr Infos

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos