30.03.2020

Bezugsteuer: Worauf m├╝ssen Sie achten?

Wer regelm├Ąssig Dienstleistungen aus dem Ausland bezieht, ist unter Umst├Ąnden mehrwertsteuerpflichtig ÔÇô unabh├Ąngig davon, ob es sich um eine Privatperson oder ein Unternehmen handelt. Wer Waren aus dem Ausland bezieht, bezahlt an der Grenze die Schweizer MWST. Beim Bezug einer Dienstleistung wird zwar nichts Physisches ├╝ber den Zoll gef├╝hrt, dennoch ist auch hier die MWST geschuldet. Die Bezugsteuer kann als ┬źEinfuhrsteuer┬╗ f├╝r Dienstleistungen betrachtet werden.

Von: Bianca Sauter  DruckenTeilen 

Bianca Sauter

Bianca Sauter ist seit 2018 f├╝r die OBT AG im Treuhandbereich t├Ątig und f├╝r die Betreuung von schweizerischen und internationalen Unternehmen zust├Ąndig. Zu ihren Beratungsschwerpunkten z├Ąhlen das F├╝hren von Buchhaltungen (FIBU, Debitoren, Kreditoren, Lohn), Erstellen von Jahresabschl├╝ssen, MWST-Abrechnungen, Sal├Ąrverarbeitung und Personaladministration sowie Steuererkl├Ąrungen f├╝r nat├╝rliche und juristische Personen

Bezugsteuer

Wann kommt die Bezugsteuer zum Einsatz?

F├╝r bestimmte Leistungen von ausl├Ąndischen Unternehmen ist die Bezugsteuer geschuldet. Voraussetzung daf├╝r ist, dass das ausl├Ąndische Unternehmen nicht der Schweizer Mehrwertsteuer (MWST) unterstellt ist und dass diese nicht ├╝ber den Zoll erhoben werden kann. Die Bezugsteuer ist ein Mittel, die in- und ausl├Ąndischen Anbieter aus MWST-Sicht gleichzustellen, verhindert sie doch einen Wettbewerbsnachteil der inl├Ąndischen Unternehmen gegen├╝ber den ausl├Ąndischen Konkurrenten.

In den folgenden Ausf├╝hrungen wird immer davon ausgegangen, dass das leistungserbringende Unternehmen den Sitz im Ausland hat und nicht bei der Schweizer MWST registriert ist (aufgepasst bei Fiskalvertretungen). Im Weiteren werden keine Leistungen behandelt, die in der Schweiz (Inland) von der Steuer ausgenommen oder befreit sind, denn auf diese ist keine Bezugsteuer geschuldet.

Wer ist steuerpflichtig?

Bei der Frage ┬źWer ist steuerpflichtig?┬╗ ist prim├Ąr zwischen zwei Gruppen zu unterscheiden. In die erste Gruppe geh├Âren s├Ąmtliche in der Schweiz mehrwertsteuerpflichtigen Leistungsbez├╝ger. In der Regel sind das Unternehmen. F├╝r s├Ąmtliche Leistungen, die der Bezugsteuer unterliegen, ist eine Steuer geschuldet.

Die zweite Gruppe besteht aus nicht mehrwertsteuerpflichtigen Leistungsempf├Ąngern. Dies k├Ânnen Schulen, Kleinunternehmen oder auch Privatpersonen sein. Bei dieser Kategorie beginnt die Steuerpflicht erst ab einem Bezug von mehr als 10'000 Franken pro Kalenderjahr.

Was wird besteuert?

Im Folgenden wird auf die verschiedenen Leistungen eingegangen, die der Bezugsteuer unterliegen k├Ânnen. Dabei werden immer die Bedingungen aus dem ersten Abschnitt beachtet.

Dienstleistungen

Dienstleistungen, die dem Empf├Ąngerortsprinzip unterliegen und deren Ort der Leistungserbringung im Inland (Schweiz) liegt, sind der Bezugsteuer unterstellt. Grunds├Ątzlich unterliegen alle Dienstleistungen dem Empf├Ąngerortsprinzip. Ausnahmen werden im Artikel 8 Absatz 2 Buchstabe a-g des Mehrwertsteuergesetzes aufgef├╝hrt.

Dem Empf├Ąngerortsprinzip unterliegen beispielsweise:

  • Abtretung und Einr├Ąumung von immateriellen Rechten (Lizenzen und/oder Software-Abos)
  • Leistungen auf dem Gebiet der Werbung (klassische Werbeagenturen, heute vermehrt Anbieter wie Google Ads)
  • Leistungen von Beratern, Verm├Âgensverwaltern, Treuh├Ąndern, Anw├Ąlten etc.
  • Managementdienstleistungen
  • Datenverarbeitung
  • Personalverleih
  • Telekommunikations- oder elektronische Dienstleistungen (Telefonie, Internet, Roaming, Internetfernsehen, Bereitstellen von Webseiten, Webhosting etc.)

Bei Letzterem gilt eine Ausnahme, wenn der Leistungsempf├Ąnger nicht steuerpflichtig ist. In diesem Fall unterliegen Telekommunikations- und elektronische Dienstleistungen nie der Bezugsteuer.

Einfuhr von Datentr├Ągern ohne Marktwert

Ist bei der Einfuhr von Datentr├Ągern kein Marktwert feststellbar, wird der Datentr├Ąger und die darauf befindliche Dienstleistung durch die Bezugsteuer versteuert. Die Art des Datentr├Ągers ist dabei nicht wesentlich. Ein Beispiel: Ein inl├Ąndisches Unternehmen erh├Ąlt von einem deutschen Programmierunternehmen einen USB-Stick. Die Bezahlung erfolgt durch eine wiederkehrende Lizenzgeb├╝hr. Bei der Einfuhr dieses Datentr├Ągers fallen keine Steuern an. Die Lizenzgeb├╝hren sind mit der Bezugsteuer abzurechnen.

Lieferung von unbeweglichen Gegenst├Ąnden

Diese unterliegen der Bezugsteuer, sofern sie nicht ├╝ber die Einfuhrsteuer erfasst und die Gegenst├Ąnde nicht zum Gebrauch oder Nutzen ├╝berlassen wurden. Als unbewegliche Gegenst├Ąnde gelten Geb├Ąude und Grundst├╝cke. In der Schweiz gilt die Reparatur oder Bearbeitung als Lieferung und nicht als Dienstleistung. Dies steht im Gegensatz zur steuerlichen Betrachtung in Deutschland. Somit gelten beispielsweise Arbeiten wie Umbauten, Renovierungen, Reparaturen, Abbau- und Abbrucharbeiten, Wartungen sowie Instandhaltungen (Maler- und Reinigungsarbeiten) als Leistungen und sind mit der Bezugsteuer abzurechnen.

Bei der Einfuhr von Gegenst├Ąnden erhebt der Zoll die Einfuhrsteuer auf dem Warenwert sowie den damit verbundenen werkvertraglichen Arbeiten. In diesem Fall ist keine Bezugsteuer geschuldet.

Lieferung von Elektrizit├Ąt, Gas und Fernw├Ąrme

Liefert ein ausl├Ąndisches Unternehmen an eine in der Schweiz mehrwertsteuerpflichtige Person Elektrizit├Ąt in Leitungen, Gas ├╝ber das Erdgasverteilnetz oder Fernw├Ąrme, unterliegt die Lieferung der Bezugsteuer. Erfolgt die Lieferung an einen nicht mehrwertsteuerpflichtigen Leistungsempf├Ąnger, unterliegt die Lieferung der Inlandsteuer.

Abrechnung der Bezugsteuer

Um die Abrechnung der Bezugsteuer zu beleuchten, kommen wir noch einmal auf unsere beiden Gruppen zur├╝ck. Bei der ersten Gruppe erfolgt die Deklaration ├╝ber die MWST-Abrechnung. Zu beachten sind dabei die unterschiedlichen Abrechnungsarten (Effektiv / Saldosteuersatz / Vorsteuerk├╝rzung).

Bei der effektiven Abrechnung ist die Bezugsteuer ein Nullsummenspiel, da die deklarierte Bezugsteuer im gleichen Quartal direkt als Vorsteuer abgezogen wird.

Beim Abrechnen mit dem Saldosteuersatz ist die Bezugsteuer mit 7.7% MWST und nicht zum Saldosteuersatz zu deklarieren. Die nicht steuerpflichtigen Leistungsbez├╝ger aus Gruppe 2 haben nach Ablauf des Kalenderjahrs 60 Tage Zeit, der ESTV schriftlich mitzuteilen, dass sie den Grenzwert von 10'000 Franken ├╝berschritten haben.

Fazit

Bei Unternehmen ist die Bezugsteuer in vielen F├Ąllen ein Nullsummenspiel. Eine korrekte Deklaration ist dennoch wichtig, denn sie erspart Diskussionen bei einer Mehrwertsteuer- Kontrolle. Bei der Frage, ob ein Methodenwechsel sinnvoll ist oder ob eine freiwillige Registrierung bei der Mehrwertsteuer einen finanziellen Nutzen bringt, kann die Bezugsteuer ebenfalls eine wichtige Rolle spielen.

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