06.12.2016

Leasingbilanzierung: Änderungen durch IFRS 16 und zugehörige Auswirkungen für das Unternehmen

Als Leasing wird sowohl aus rechtlicher wie auch betriebswirtschaftlicher Sicht die Überlassung eines Vermögenswertes für eine bestimmte Zeit zu einer bestimmten Verwendung und Nutzung gegen ein vertraglich vereinbartes Entgelt verstanden. Lesen Sie in unserem Beitrag die Änderungen in der Leasingbilanzierung durch IFRS 16.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch   Drucken Teilen   Kommentieren  

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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Leasinggeschäfte

Leasing als Form der Fremdfinanzierung

Gemäss einer Untersuchung der Credit Suisse zum Leasingmarkt Schweiz aus dem Jahre 2013 beträgt der Anteil des Investitionsgüter-Leasing ca. 36% des Gesamtmarktes. Gegenstand einer Leasingfinanzierung sind bei Schweizer Unternehmen neben gewerblich genutzten Fahrzeugen auch die Finanzierung von Schiffen, Flugzeugen, Schienenfahrzeugen oder maschinellen Anlagen.

Ein zentrales Motiv für eine Leasingfinanzierung liegt aus Sicht des Leasingnehmers  in der liquiditätsschonenden Wirkung, da das Leasingobjekt zum Zeitpunkt des Kaufs grundsätzlich ohne Eigenmittelanteil und ohne zusätzliches Fremdkapital angeschafft werden kann, weil der Leasinggeber die Finanzierung vollständig übernimmt.

Die Leasingbilanzierung richtete sich bis anhin in der internationalen Rechnungslegung nach den IFRS danach, ob es sich um Operating Leasing und Financial Leasing-Verhältnisse handelt. Demzufolge waren Leasingverhältnisse als Finanzierungs-Leasing zu behandeln, wenn die mit dem Leasinggegenstand verbundenen wesentlichen Chancen und Risiken vertraglich auf den Leasingnehmer übertragen wurden. Die Folge daraus ist, dass der Leasingnehmer zwar nicht als juristischer aber dafür als wirtschaftlicher Eigentümer des Leasinggegenstands verpflichtet wird, den Vermögenswert in Höhe seines beizulegenden Zeitwertes (engl. Fair Value) oder in Höhe des niedrigeren Barwertes der Mindestleasingraten zu aktivieren und in gleicher Höhe eine Verbindlichkeit zu passivieren. Die Abschreibung des geleasten Vermögenswertes  erfolgt anschliessend über die kürzere Laufzeit aus Leasingvereinbarung und der vorgesehenen Nutzungsdauer.

Beim Operating Leasing handelt es sich um klassische Mietverhältnissen mit vergleichsweise leicht kündbaren Verträge und einer Vertragsdauer, die regelmässig wesentlich unter der Amortisationsdauer liegt. Aus diesem Grund erfolgt die Zurechnung des Leasinggegenstands ausschliesslich beim Leasinggeber, der als rechtlicher und wirtschaftlicher Eigentümer betrachtet wird. Vorteil des Operating Leasing: die Vermögenswerte geleaster gewerblich genutzte Fahrzeuge bzw. die Verbindlichkeiten erscheinen beim operativen Leasing nicht in der Bilanz des Unternehmens und die Leasingraten waren als operative Aufwendungen steuerlich abzugsfähig. Neben seiner liquiditätsschonenden Wirkung ist das Operating Leasing somit vor allem deshalb attraktiv, weil es der Eigenfinanzierungsgrad im Vergleich zum Financial Leasing höher ausfällt und somit auch eine bessere Bonität vorliegt.

Neuregelung der Leasingbilanzierung durch IFRS 16

Gemäss einer Untersuchung des International Accounting Standard Board (IASB) ist das Ausmass der nicht bilanzierten Leasingverhältnisse bei IFRS- und US-GAAP-Bilanzierern seit Jahren immer mehr angestiegen. Daher verwundert es auch nicht, dass vom IASB eine Neureglung der Leasingbilanzierung gesucht wurde, welche im Januar 2016 mit dem neuen IFRS 16 für die Bilanzierung von Leasinggeschäften veröffentlicht wurde. Dieser neue Standard ist nach einer Übergangsfrist spätestens für Geschäftsjahre anzuwenden ist, die nach dem 01.01.2019 beginnen. Mit dieser Neuregelung der Leasingbilanzierung, welche den bisherigen IAS 17 ablöst, fällt die bisherige Unterscheidung von Operating und Financial Leasing weg, so dass grundsätzlich sämtliche Leasingverhältnisse als Financial Leasing klassifiziert werden. Ausnahmen sind nur dann möglich, wenn die Laufzeit des Leasingvertrags bis zu 12 Monaten beträgt oder es sich um einen geringwertigen Vermögenswert (z.B. Computer, Möbel o.ä.) handelt.

Die Abgrenzung eines Leasinggeschäfts von einer blossen Dienstleistung (service) wird durch IFRS 16 daran geknüpft, dass bei einem Leasingverhältnis ein Vermögenswert zugrunde liegt, der wirtschaftliche Nutzen auf den Leasingnehmer übertragen wird und dieser über die Nutzung des Vermögenswertes entscheiden kann. Erfüllt somit ein Geschäft lediglich die Kriterien einer Dienstleistung, liegt kein Leasinggeschäft vor und wird der Vermögenswert folglich auch nicht beim Leasingnehmer aktiviert sowie zugehörige Leasingverbindlichkeiten passiviert. Dies zeigt bereits, dass die Abgrenzung zwischen Leasingverhältnissen und Dienstleistungen in Zukunft stärker als bisher bei IFRS-Bilanzierern Beachtung finden wird.

Gemäss der Ansicht des IASB hat der in den letzten Jahren der zunehmende Umfang nicht bilanzierter Leasingverpflichtungen die Aussagekraft des IFRS-Jahresabschlusses für Investoren deutlich beeinträchtigt, weshalb es ein wesentliches Ziel des IFRS 16 ist, diese ausserbilanziellen Leasingverhältnisse zurück in die Unternehmensbilanzen zu führen.

Dies wird für die bilanzierenden Unternehmen zu folgenden Wirkungen führen:

  • Die neue Leasingbilanzierung führt zu einer Bilanzverlängerung verstanden als Erhöhung der Bilanzsumme, wobei das gebundene Kapital unter den Aktiven sowie das Fremdkapital unter den Passiven zunimmt. Die höhere Kapitalbindung bzw. ein höherer Fremdkapitalanteil wirkt sich somit negativ auf den Fremdfinanzierungsgrad sowie auf die Kapitalrentabilitäts-Kennzahlen aus.  
  • Während Leasingaufwendungen eines Operating Leasing bislang dem operativen Geschäft zugeordnet wurden, werden sich Leasinggeschäfte durch IFRS 16 zukünftig nicht mehr auf die Höhe des EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization bzw. Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte) auswirken. Stattdessen wird die zu buchende Leasingrate in einen Zinsteil und einen Amortisationsteil aufgeteilt und beeinflusst so nur noch das Finanzergebnis innerhalb der Erfolgsrechnung.
  • Im Vergleich zum Swiss GAAP FER 13, wonach unverändert eine Bilanzierung von geleasten Vermögenswerten als Operating Leasing möglich bleibt, wird es für Jahresabschluss-Adressaten zukünftig schwieriger, die finanzielle Performance von Unternehmen zu vergleichen, da die unterschiedliche Bilanzierung von Leasingverhältnissen und deren Auswirkungen auf die Bilanz und Erfolgsrechnung zahlreiche Finanzkennzahlen beeinflussen wird.
  • Vor allem für Unternehmen, die im Rahmen ihrer Fremdfinanzierung an der Einhaltung von Kreditnebenbedingungen (sog. Financial Covenants) gemessen werden, kann die durch die geänderte Leasingbilanzierung dazu führen, dass bestimmte Bilanzrelationen, wie z.B. die Mindesteigenkapitalquote, nicht mehr eingehalten werden, was damit zu einer deutlichen Belastung für die Kreditbeziehung führen wird.

Fazit

Die Änderung der Leasingbilanzierung durch IFRS 16 wird zu deutlichen Änderungen führen. Insbesondere die Nutzung bisheriger bilanzpolitischer Möglichkeiten, durch operatives Leasing den Umfang von Ausserbilanzgeschäften zur Verbesserung von Finanzkennzahlen zu erhöhen, wird für IFRS-Bilanzierer wegfallen. Dies erhöht die Attraktivität der Swiss GAAP FER im Vergleich zu den IFRS noch mehr, weshalb davon auszugehen ist, dass zukünftig weitere Unternehmen einen Wechsel des Rechnungslegungsstandards hin zu den Swiss GAAP FER in Erwägung ziehen könnten.

 

Quellenverzeichnis:
Credit Suisse Group: Leasingmarkt Schweiz – Fakten und Trends, Zürich 2013.
Meyer, C. / Dünnhaupt, L.: Leasinggeschäfte nach Swiss GAAP FER: eine konzeptionelle Analyse. Der Schweizer Treuhänder, Hf. 4, 2009, S.194-201.
Thurow, C.: Der neue IFRS 16 Leases: Fundamentale Änderungen in der Bilanzierung von Leasingverhältnissen. Zeitschrift für Bilanzierung, Rechnungswesen und Controlling (BC), Hf. 2, 2016.

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