03.10.2018

Leasingbilanzierung: Änderungen durch IFRS 16 und zugehörige Auswirkungen für das Unternehmen

Für die Finanzierung einer Investition verfügen Unternehmen regelmässig über verschiedene Alternativen der Eigen- und Fremdfinanzierung. Wenn allerdings der Kauf eines Investitionsgutes beispielsweise mittels Eigenfinanzierung aus freien liquiden Mitteln oder auch durch die Einlage eines Gesellschafters nicht in Frage kommt, so kann die Fremdfinanzierung über Leasing eine attraktive Option darstellen. Lesen Sie in unserem Beitrag mehr über die Änderungen in der Leasingbilanzierung durch IFRS 16.

Von: Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch  DruckenTeilen Kommentieren 

Prof. Dr. Thomas Rautenstrauch

Thomas Rautenstrauch ist Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Accounting und Controlling sowie Leiter des Center for Accounting & Controlling an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. Weiterhin ist er als Gastprofessor für Management Accounting im Executive MBA des Institute for Management in Technology (iimt) an der Universität Fribourg tätig. Thomas Rautenstrauch ist Autor von mehreren Fachbüchern und zahlreichen Artikeln in Fachzeitschriften und in der Wirtschaftspresse.

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Leasing als Form der Fremdfinanzierung

Beim Leasing überlässt ein Leasinggeber dem Leasingnehmer aufgrund eines Leasingvertrags die Nutzung eines spezifischen Vermögenswertes (vor allem Mobilien, aber auch Immobilien) gegen ein periodisches Entgelt, die sogenannte Leasingrate. Die vom Leasingnehmer an den Leasinggeber periodisch zu zahlende Leasingrate enthält neben einem Anteil für Zins und Verwaltungskosten auch einen Kapitaltilgungsanteil (sogenannte Amortisation). Eine dritte Partei ist für gewöhnlich ein Hersteller oder Lieferant, bei dem der Leasinggeber den Leasinggegenstand käuflich erwirbt und der seinerseits diesen Leasinggegenstand dem Leasingnehmer liefert.h zum Financial Leasing höher ausfällt und somit auch eine bessere Bonität vorliegt.

Abbildung einer Leasingsituation mit involvierten Leasingparteien

Ein zentrales Motiv für eine Leasingfinanzierung liegt aus Sicht des Leasingnehmers in der liquiditätsschonenden Wirkung, da das Leasingobjekt zum Zeitpunkt des Kaufs grundsätzlich ohne Eigenmittelanteil und ohne zusätzliches Fremdkapital angeschafft werden kann, weil der Leasinggeber die Finanzierung vollständig übernimmt.

Gemäss einer Untersuchung der Credit Suisse zum Leasingmarkt Schweiz aus dem Jahre 2013 beträgt der Anteil des Investitionsgüter-Leasing ca. 36% des Gesamtmarktes. Gegenstand einer Leasingfinanzierung sind bei Schweizer Unternehmen neben gewerblich genutzten Fahrzeugen auch die Finanzierung von Schiffen, Flugzeugen, Schienenfahrzeugen oder maschinellen Anlagen.

Bilanzierung von Leasing

Aus Sicht der Rechnungslegung sind für die Bilanzierung von Leasing je nach gewähltem Standard oder dem Aktienrecht unterschiedliche Vorgehensweisen zu unterscheiden. Die jüngste Änderung betrifft den Anfang 2016 veröffentlichen Standard IFRS 16.

Die Bilanzierung von Leasing ist vor allem deshalb nicht trivial, weil durch die Trennung von rechtlichem Eigentum und wirtschaftlichen Besitz am Leasingobjekt die bilanzielle Zurechnung regelbasiert zu entscheiden ist. Während aus juristischer Sicht ein Leasingobjekt im Eigentum der Leasinggesellschaft verbleibt, werden die Nutzung und auch die Eigentümerrisiken für einen bestimmten Zeitraum auf den Leasingnehmer übertragen. Unter buchhalterischen Gesichtspunkten stellt sich daher die wichtige Frage, wem das Leasingobjekt zuzurechnen ist. Deshalb stellt die Bilanzierung eine wesentliche Herausforderung dieser Finanzierungsform dar.

Die Leasingbilanzierung richtete sich bis anhin in der internationalen Rechnungslegung nach den IFRS danach, ob es sich um Operating Leasing und Financial Leasing-Verhältnisse handelt. Demzufolge waren Leasingverhältnisse als Finanzierungs-Leasing zu behandeln, wenn die mit dem Leasinggegenstand verbundenen wesentlichen Chancen und Risiken vertraglich auf den Leasingnehmer übertragen wurden. Die Folge daraus ist, dass der Leasingnehmer zwar nicht als juristischer aber dafür als wirtschaftlicher Eigentümer des Leasinggegenstands verpflichtet wird, den Vermögenswert in Höhe seines beizulegenden Zeitwertes (engl. Fair Value) oder in Höhe des niedrigeren Barwertes der Mindestleasingraten zu aktivieren und in gleicher Höhe eine Verbindlichkeit zu passivieren. Die Abschreibung des geleasten Vermögenswertes erfolgt anschliessend über die kürzere Laufzeit aus Leasingvereinbarung und der vorgesehenen Nutzungsdauer.

Beim Operating Leasing handelt es sich um klassische Mietverhältnissen mit vergleichsweise leicht kündbaren Verträge und einer Vertragsdauer, die regelmässig wesentlich unter der Amortisationsdauer liegt. Aus diesem Grund erfolgt die Zurechnung des Leasinggegenstands ausschliesslich beim Leasinggeber, der als rechtlicher und wirtschaftlicher Eigentümer betrachtet wird. Vorteil des Operating Leasing: die Vermögenswerte geleaster gewerblich genutzte Fahrzeuge bzw. die Verbindlichkeiten erscheinen beim operativen Leasing nicht in der Bilanz des Unternehmens und die Leasingraten waren als operative Aufwendungen steuerlich abzugsfähig. Neben seiner liquiditätsschonenden Wirkung ist das Operating Leasing somit vor allem deshalb attraktiv, weil es der Eigenfinanzierungsgrad im Vergleich zum Financial Leasing höher ausfällt und somit auch eine bessere Bonität vorliegt.

Neuregelung der Leasingbilanzierung durch IFRS 16

Die seit geraumer Zeit im IAS 17 geregelte Bilanzierung von Leasinggeschäften wurde zu Beginn des Jahres 2016 mit dem vom IASB veröffentlichten neuen IFRS 16 neu geregelt. Durch die Zusammenarbeit und Abstimmung mit dem FASB, deren neuer Standard zur Leasingbilanzierung später folgen wird, ist eine weitere Annäherung an die US GAAP erreicht worden.

Dieser neue Standard ist nach einer Übergangsfrist spätestens für Geschäftsjahre anzuwenden ist, die nach dem 01.01.2019 beginnen. Mit dieser Neuregelung der Leasingbilanzierung, welche den bisherigen IAS 17 ablöst, fällt die bisherige Unterscheidung von Operating und Financial Leasing weg. Zukünftig gilt nach IFRS 16 ein einheitliches Bilanzierungsmodell für Leasingnehmer, nach dem grundsätzlich alle Leasingverhältnisse bilanziert werden. Als Wahlrecht kann der Leasingnehmer bei kurzfristigen Leasingverhältnissen (bis einschliesslich 12 Monate Laufzeit) und bei geringwertigen Leasinggegenständen (bis zur maximalen Höhe von USD 5000) auf die Bilanzierung verzichten.

Die Abgrenzung eines Leasinggeschäfts von einer blossen Dienstleistung (service) wird durch IFRS 16 daran geknüpft, dass bei einem Leasingverhältnis ein Vermögenswert zugrunde liegt, der wirtschaftliche Nutzen auf den Leasingnehmer übertragen wird und dieser über die Nutzung des Vermögenswertes entscheiden kann. Erfüllt somit ein Geschäft lediglich die Kriterien einer Dienstleistung, liegt kein Leasinggeschäft vor und wird der Vermögenswert folglich auch nicht beim Leasingnehmer aktiviert sowie zugehörige Leasingverbindlichkeiten passiviert. Dies zeigt bereits, dass die Abgrenzung zwischen Leasingverhältnissen und Dienstleistungen in Zukunft stärker als bisher bei IFRS-Bilanzierern Beachtung finden wird.

Ein wesentliches Ziel des IFRS 16 ist, ausserbilanziellen Leasingverhältnisse zurück in die Unternehmensbilanzen zu führen.

Dies wird für die bilanzierenden Unternehmen zu folgenden Wirkungen führen:

  • Die neue Leasingbilanzierung führt zu einer Bilanzverlängerung verstanden als Erhöhung der Bilanzsumme, wobei das gebundene Kapital unter den Aktiven sowie das Fremdkapital unter den Passiven zunimmt. Die höhere Kapitalbindung bzw. ein höherer Fremdkapitalanteil wirkt sich somit negativ auf den Fremdfinanzierungsgrad sowie auf die Kapitalrentabilitäts-Kennzahlen aus.  
  • Während Leasingaufwendungen eines Operating Leasing bislang dem operativen Geschäft zugeordnet wurden, werden sich Leasinggeschäfte durch IFRS 16 zukünftig nicht mehr auf die Höhe des EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization bzw. Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte) auswirken. Stattdessen wird die zu buchende Leasingrate in einen Zinsteil und einen Amortisationsteil aufgeteilt und beeinflusst so nur noch das Finanzergebnis innerhalb der Erfolgsrechnung.
  • Im Vergleich zum Swiss GAAP FER 13, wonach unverändert eine Bilanzierung von geleasten Vermögenswerten als Operating Leasing möglich bleibt, wird es für Jahresabschluss-Adressaten zukünftig schwieriger, die finanzielle Performance von Unternehmen zu vergleichen, da die unterschiedliche Bilanzierung von Leasingverhältnissen und deren Auswirkungen auf die Bilanz und Erfolgsrechnung zahlreiche Finanzkennzahlen beeinflussen wird

  • Vor allem für Unternehmen, die im Rahmen ihrer Fremdfinanzierung an der Einhaltung von Kreditnebenbedingungen (sog. Financial Covenants) gemessen werden, kann die durch die geänderte Leasingbilanzierung dazu führen, dass bestimmte Bilanzrelationen, wie z.B. die Mindesteigenkapitalquote, nicht mehr eingehalten werden, was damit zu einer deutlichen Belastung für die Kreditbeziehung führen wird.

Erfahren Sie in unserer Online-Lösung Finanzbuchhaltung wie Sie bei Leasing nach IFRS 16 eine saubere Erstbewertung bzw. eine korrekte Folgebewertung vornehmen und wie die Bilanzierung beim Leasinggeber aussieht.

Fazit

Die Änderung der Leasingbilanzierung durch IFRS 16 führt zu deutlichen Änderungen. Insbesondere die Nutzung bisheriger bilanzpolitischer Möglichkeiten, durch operatives Leasing den Umfang von Ausserbilanzgeschäften zur Verbesserung von Finanzkennzahlen zu erhöhen, fällt für IFRS-Bilanzierer weg. Folglich erhöht sich die Komplexität im Zusammenhang mit der Leasingerfassung und -bilanzierung, da auch allfällige Ermessensentscheide und Neubeurteilungen zusätzliche Ressourcen und Kontrollen erforderlich machen können. Ob der neue IFRS 16 andererseits zu mehr Transparenz und einem besseren Verständnis von IFRS-Abschlüssen führt, wird sich noch zeigen.

Dagegen wird der Swiss GAAP FER im Vergleich zu den IFRS als Rechnungslegungsstandard noch attraktiver, weshalb davon auszugehen ist, dass zukünftig weitere Unternehmen einen Wechsel des Rechnungslegungsstandards hin zu den Swiss GAAP FER in Erwägung ziehen könnten.

Alternativ können solche Investitionen auch über einen Kredit finanziert werden. Lesen Sie mehr über Kreditfinanzierungen hier.

 

Quellenverzeichnis:
Credit Suisse Group: Leasingmarkt Schweiz – Fakten und Trends, Zürich 2013.
KPMG: IFRS 16 Leasingverhältnisse. www. kpmg.com
Meyer, C. / Dünnhaupt, L.: Leasinggeschäfte nach Swiss GAAP FER: eine konzeptionelle Analyse. Der Schweizer Treuhänder, Hf. 4, 2009, S.194-201.
Thurow, C.: Der neue IFRS 16 Leases: Fundamentale Änderungen in der Bilanzierung von Leasingverhältnissen. Zeitschrift für Bilanzierung, Rechnungswesen und Controlling (BC), Hf. 2, 2016.

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