24.10.2017

Emotionen am Arbeitsplatz: Die Gefühlswelt im Job beherrschen

Haben Sie je an einem Meeting die Nerven verloren? Oder eine tränenüberströmte Arbeitskollegin getröstet? Vielleicht wurden Sie einmal Opfer eines Wutausbruchs? Sie nicken. Das erstaunt kaum, denn trotz der ungeschriebenen Geschäftsregel «Gefühle werden zuhause gelassen», strotzt der Arbeitsalltag vor Emotionen jeglicher Couleur. Hier erfahren Sie was geht und was nicht, inwiefern sich Frauen und Männer unterscheiden und wie Sie mit Emotionen am Arbeitsplatz umgehen können.

Von: Sophie Everett   Drucken Teilen   Kommentieren  

Sophie Everett

Sophie Everett ist zertifizierte PR-Fachfrau SPRI und hat einen Master in Medien- und Kommunikationswissenschaften der Universität Fribourg. Sie führt ihr eigenes PR-Büro in Thun und betreut KMU, Startups und Verbände in sämtlichen Belangen der internen und externen Kommunikation.

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Emotionen am Arbeitsplatz

Emotionen am Arbeitsplatz - gut oder schlecht?

Manche Jobs, insbesondere im Dienstleistungssektor, verlangen von der Arbeitskraft geradezu ein Repertoire an emotionalen Darstellungsmitteln. Der Verkäufer muss lächeln und Dankbarkeit vermitteln, wenn der Kunde bei ihm einkauft. Die Teamleiterin muss Empathie zeigen, wenn ein Mitarbeiter über Stress klagt. Von uns wird verlangt, Emotionen am Arbeitsplatz zu zeigen, die wir manchmal schlicht nicht fühlen, oder, noch schwieriger, echte Emotionen zu verbergen. Dieses Gebiet von rollenbedingten Gefühlseinsätzen ist für Firmen ein wichtiger Aspekt des Mitarbeitermanagements, der bewusst gehandhabt und genau beobachtet werden will.

Muss eine Person konstant Gefühle unterdrücken und gegenteilige Emotionen am Arbeitsplatz vorspielen, ist es eine Frage der Zeit, bis emotionale Erschöpfung, körperliche Symptome oder Burnout auftreten. Zudem wird es für den Mitarbeitenden immer schwieriger, die emotionale Dissonanz zu verstecken. Die Kunden spüren den inneren Kampf und dies schadet schliesslich dem Geschäft. Aus diesen Gründen ist es unerlässlich, Führungspersonen einzustellen, die emotionale Veränderungen in ihrem Team erkennen und ein sicheres Forum für den Ausdruck von Gefühlen bieten können. Gefühle zu managen heisst keinesfalls, sie zu unterdrücken oder ihnen aus dem Weg zu gehen – im Gegenteil. Nicht umsonst ist emotionale Intelligenz in den letzten Jahren beim Assessment auf die oberen Ränge geklettert.

Persönliche Emotionen am Arbeitsplatz

Manchmal stellt uns das Leben vor schwierige Situationen: Der Vater ist gestürzt und muss notfallmässig ins Spital, die Tochter bringt ungenügende Noten nach Hause oder es kriselt in der Ehe. Diese Themen kommen mit an den Arbeitsplatz, genau wie unsere Erinnerungen, unser Wissen und unsere Persönlichkeit. Von uns wird erwartet, dass wir uns mit der Arbeit identifizieren. Je höher die Identifikation, desto stärker sind wir auch emotional mit unserem Job verbunden. Wird also ein Projekt gestrichen oder ein geschätzter Kollege entlassen, können die Emotionen auch am Arbeitsplatz hoch gehen.

Glücklicherweise sind wir nicht Sklaven unserer Gefühle. Wir können sie bis zu einem gewissen Grad regulieren bzw. unsere Reaktion auf die Gefühle anpassen. Gerade auf der Arbeit ist Emotionsregulation wichtig, um professionell zu bleiben und sich vor Kunden, Vorgesetzten und Kollegen nicht daneben zu benehmen. Lassen Sie uns anschauen, wie Emotionen konkret reguliert werden können: James Gross von der Stanford University hat ein Modell zur Emotionsregulation entwickelt. Dieses besagt, dass Emotionen in vier aufeinanderfolgenden Phasen entstehen:

  • Situation: Die emotionale Sequenz beginnt mit einer echten oder imaginären Situation, die Gefühle hervorruft.
  • Aufmerksamkeit: Der aufkommenden Emotion wird Aufmerksamkeit geschenkt.
  • Bewertung: Die emotionale Situation wird evaluiert und interpretiert.
  • Reaktion: Eine emotionale Reaktion wird generiert, die sich in unserem Erleben und Verhalten niederschlägt.

Jede dieser vier Phasen bietet Anknüpfungspunkte, um aktiv Einfluss auf unsere Gefühle zu nehmen:

  • Situationsauswahl: Wir können die emotional relevante Situation schlicht vermeiden oder sie so anpassen, dass unsere emotionale Reaktion schwächer ausfällt.
  • Aufmerksamkeitsabwendung: Wir richten unsere Aufmerksamkeit vom emotionalen Stimulus ab und konzentrieren uns bewusst auf etwas anderes.
  • Bewertungsstrategien: Wir können die Bewertung einer Situation und damit ihre emotionale Bedeutung verändern. Eine gängige Methode ist Relativierung, der Blick auf «the bigger picture». Diese Strategie erweist sich in Studien als besonders erfolgreich. Eine weitere gesunde Strategie ist Humor! Versuchen Sie, die Komik in der Situation zu erkennen oder über sich selbst zu lachen.
  • Reaktionsmodulation: Wir können unsere Reaktion auf Emotionen in verschiedener Weise beeinflussen: Wir können unsere Gefühle aktiv unterdrücken und verbergen. Leider bringt diese Strategie vermehrt soziale und gesundheitliche Nachteile mit sich. Emotionale Reaktionen können auch durch Alkohol oder Drogen moduliert werden. Eine weit empfehlenswertere Form der Reaktionsveränderung ist regelmässige Bewegung, die nachweislich bessere emotionale Kontrolle und gesünderen Umgang mit Stress nach sich zieht. Das Gleiche gilt für Meditation, insbesondere Achtsamkeitsmeditation.

Nebst alledem sollten wir uns selbst beobachten und uns unserer emotionalen Muster bewusst werden. So können wir früh genug intervenieren, indem wir eine der erwähnten Techniken zur Emotionsregulation für Emotionen am Arbeitsplatz anwenden.

Falls Sie also wissen, dass Sie vor einer Deadline unausstehlich sind, planen Sie an diesem Tag keine wichtigen Termine. Wenn Sie wissen, dass ein bestimmtes Thema Sie in Rage versetzt, lassen Sie sich nicht auf Diskussionen ein oder finden Sie anderen Gesprächsstoff.

A propos Gesprächsstoff: Im Büro wird viel gelästert, getratscht und geredet. Überlegen Sie sich gut, mit wem Sie über Ihre Gefühle sprechen, ob privater oder geschäftlicher Natur. Falls Sie für Ihr emotionales Gleichgewicht über Ihre Gefühle reden wollen, wählen Sie eine vertrauenswürdige Person sowie den passenden Zeitpunkt aus. Dieser muss ausserhalb der Arbeitszeit liegen. Geht es schlicht ums Lästern, tun Sie dies mit Aussenstehenden. Oder (noch besser) gar nicht.

Emotionsmanagement wird wichtiger

Vor dem Zeitalter des Internets, der iPhones und Social Media, war die Trennung zwischen Privat- und Berufsleben einfacher. Heute sind diese Grenzen verschwommen, ständig erhalten wir private SMS, Tweets, Whatsapp-Nachrichten und Anrufe. Das Gleiche gilt umgekehrt, wir sind auch für Kunden und Kollegen ständig erreichbar. Unsere Gefühle sind rund um die Uhr zahlreichen Stimuli ausgesetzt; Emotionen aus dem Privatleben sickern in die Arbeitswelt und vice versa. Die Zeiten der klaren Aufteilung dieser Lebensbereiche sind vorbei. Diese Tatsache will erkannt und als Managementaufgabe in Mitarbeiterführungsprozesse integriert werden. Gerade in Unternehmen, die von Team-Dynamik leben und auf zwischenmenschlichem Austausch basieren, muss Unterdrückung von Gefühlen dem Ausdruck von Emotionen am Arbeitsplatz weichen. Für diesen Ausdruck sollte es definierte Gefässe geben, in denen sich die Mitarbeitenden sicher fühlen und mit ihren Vorgesetzten oder Kollegen nachhaltige Strategien für eine gesunde Gefühlswelt am Arbeitsplatz entwickeln können.

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